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Georgien als Ehrengast / Gastland der Frankfurter Buchmesse #fbm18: Events, Lesungen, Tipps

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Lesungen, Diskussionen, Vorträge, Kulinarik, Theater, Performance, Konzerte:

Alle Veranstaltungen aus und über Georgien während der Frankfurter Buchmesse…

…sind hier im .pdf / Programm nachzulesen (Link).

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Auf der Messe selbst gibt es zwei zentrale Orte:

  • den Georgischen Pavillon (Forum 1: neben Hof/Agora, direkt gegenüber von Halle 4)
  • der National Stand (Halle 5, Erdgeschoss/Level 0, B100)

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Ich…

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Die Buchmesse besuche ich 2018 v.a. als Moderator: ich reise am 10. (Mi) an, werde am 11. drei Lesungen im Frankfurter Kunstverein moderieren und habe am 12. und 13. dann Zeit fürs Messegelände. Trotzdem sah ich für alle fünf Messetage das Ehrengast-Programm.

Hier im Eintrag, subjektiv und persönlich: Events, bei denen ich Autor*innen und Speaker mag, Bücher las und empfehlen kann und/oder glaube, das wird sehenswert:

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Abendprogramm. Lesungen in Frankfurt:

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Georgische Literatur: Die besten Bücher aus und über Georgien, zur Frankfurter Buchmesse (Ehrengast / Gastland 2018)

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Für Spiegel Online las ich elf Bücher aus und über Georgien – ein Text von mir kommt Mitte Oktober, kurz vor der Frankfurter Buchmesse 2018.

Heute, hier im Blog:

Klappen- und Kurztexte, Links und Buchtipps zu fast 40 georgischen Büchern, die

Link: offizieller Katalog aller ca. 100 Neuerscheinungen aus Georgien zur Frankfurter Buchmesse 2018 (.pdf)

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11 Titel, die ich las und empfehlen kann:

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Georgien Literatur

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Teil meiner Vorauswahl – angelesen und gemocht:

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Am Goethe-Institut Tbilisi stellte Davit Gabunia in einem 60+-Minuten-Vortrag 16 persönliche Favoriten vor:

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Georgische Literatur, von Freund*innen empfohlen:

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Titel & Stimmen, z.T. noch nicht übersetzt, die mir in Georgien empfohlen wurden:

  • Tamar Tandaschwili: „Materikon“
  • Nato Davitashvili
  • Luka Bakanidze, „Wo bist du, Lazar“
  • Iunona Guruli: „Die Diagnose“
  • Giorgi Kekelidze: „Gurische Märchen“
  • Giorgi Maisuradse: „The Closed Society and its Watchmen“

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außerdem neu auf Deutsch:

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Anthologien & Gruppenprojekte:

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georgien georgische literatur birnenfeld zura abashidze held im pardelfell

Der Geschichtslehrer muss sterben, die Kinder sollen über das Birnenfeld in die Freiheit rennen – das ist Lelas Plan. Im Internat für geistig behinderte Kinder in Tbilisi, einem Relikt aus Sowjetzeiten, hat das zornige Mädchen die Rolle der Beschützerin übernommen. Die Lehrerinnen sind mit den „Debilen“ überfordert. Behindert sind die wenigsten ihrer Schützlinge, im Stich gelassen, abgehängt sind sie alle. Lela begleitet den neunjährigen Irakli in eine Hochhauswohnung in der Nachbarschaft, wo er einmal in der Woche mit seiner Mutter telefonieren darf. Irakli will nicht wahrhaben, was Lela längst weiß: Seine Mutter wird nie aus Griechenland zurückkehren, sie wird ihn auch nicht zu sich holen. Lela zwingt ihn, Englisch zu lernen, unterstützt seine Hoffnung, nach Amerika zu gehen. Ein Traum, der eines Tages, als ein Ehepaar aus den Südstaaten anreist, wahr zu werden droht…

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Alte Freunde, neue Nachbarn, trinkfeste Kindergärtnerinnen und Hippies in der Midlife-Crisis. Nacht für Nacht offenbaren sie ihre Geheimnisse. Über sexuelle Vorlieben, die auf Ablehnung stoßen. Lauert die Liebe oder gar der Tod hinter der nächsten Tür? Zura Abashidze, junger und charismatischer Schriftsteller, portraitiert ungeschminkt und realistisch seine Heimat. Helden des Alltags jonglieren zwischen postsowjetischer Tradition und westlicher Moderne. Ein Kampf gegen Homophobie und für mehr Toleranz.

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Über Jahrhunderte mündlich überliefert, prägend für das Selbstverständnis eines Landes und dabei eine zauberhafte Liebes- und Heldengeschichte: Tilman Spreckelsen und Kat Menschik machten aus dem georgischen Nationalepos ein modern erzähltes, fabelhaft illustriertes Buch. Tinatin und Awtandil, Nestan-Daredschan und Tariel. Zwei Liebespaare, deren Schicksale sich kreuzen und bedingen. Awtandil und Tariel müssen harte Prüfungen bestehen und Siege erringen, bevor sie ihre Geliebten wirklich erobert haben. Dichter Schota Rustaweli verfasste die Verse um das Jahr 1200, als Georgien unter der Herrschaft von Königin Tamar zur Großmacht wurde – bis die Mongolen dieser Blütezeit ein Ende bereiteten. Umso wichtiger wurde für die Georgier das Epos aus besseren Zeiten. Kat Menschik schwelgt in der mittelalterlichen, aber auch orientalischen Atmosphäre.

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Georgien georgische literatur Angela Steidele Kurban Said, Das Spiel des Todesengels

1840 reisten die Engländerinnen Anne Lister und Ann Walker im Pferdeschlitten auf der zugefrorenen Wolga bis zum Kaspischen Meer und weiter über den Großen Kaukasus nach Tbilissi und Baku. Anne Lister starb völlig unerwartet auf einer Bergtour in Georgien. Ihre Gefährtin Ann Walker benötigte sieben Monate, um den Sarg mit der Leiche der Geliebten zurück nach Halifax zu bringen. 2017 erschien Angela Steideles Biografie über die freizügige Tagebuchautorin und verwegene Reisende Anne Lister. Jetzt begibt sich Steidele auf die Spuren des außergewöhnlichen Paars, begleitet von ihrer Frau. Hilft ihre Reise, die Abenteuer von Anne und Ann zu würdigen? Was erzählen die Orte, Landschaften und Menschen heute von fernen Zeiten? Kann man überhaupt in die Vergangenheit reisen?

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‚In der russischen Stadt Baku, auf der Grenze zwischen Orient und Okzident, verlieben sich am Vorabend der Russischen Revolution der temperamentvolle Muslim Ali und die schöne, georgische Christin Nino. Die Hochzeit rückt trotz aller Widerstände in greifbare Nähe – da wird Nino entführt.

Userin Kelly auf Goodreads, großartiger Text: „An oil-boom town where Georgians, Armenians, Westerners, Persians and Muslims all mix together. Everyone does have a place, but there are many factors which factor into deciding who matters, who is where on the social scale- schooling, family, money, and family history. How does one make a cross-cultural life in a world that is becoming ever more divided along every line possible- religion, politics, economics, and of course the powerful new god of Nationalism? This is, more than anything else, a meditation on definitions, explanations, lines and musings on Who I Am and Who I Am Not, and perhaps more importantly for geopolitics, Who We Are and Who We Are Not.

Ali visits many towns around his area and they all have some great story of their background, a legend that makes where they live the best place on earth, and no one seems to mind that the next town over also claims that they’re the best ever. Everything that everyone does seems to have to be attributed to some part of their background or heritage. In this charged atmosphere, every action is a statement, every minute one chooses sides in this meeting place of “Asia and Europe”. Everyone judges those actions to determine which side you are on. Ali is a man caught by this transformative moment in time- 1914. He is a man who is “Asiatic in his blood” and yet is in love with a woman who loves Europe. There are many quotes here where people try to philosophize their way to a solution to what makes people so different, and how this Asia and Europe is divided.“

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Ein dokumentarischer Roman, der einen großen Teil der Geschichte des Stalinismus in Georgien und der Sowjetunion behandelt. Der georgische Verfasser kennt die Zeit aus eigenem Erleben und entkam nur durch einen glücklichen Umstand der Todesmaschinerie. Die Demokratischen Republik Georgien bestand nur von 1918 bis 1921. Ihr wurde durch die Invasion der Streitkräfte Sowjetrußlands abrupt ein Ende gesetzt. Die gewaltsame Einführung der Sowjetordnung und die Brechung des Volkswiderstands durch unvorstellbaren Terror, Verhaftungen und Massenexekutionen: Der „Held“ des Romans wird schon in der Jugend voll in den Strudel der politischen Ereignisse gerissen. Obgleich er versucht, seinen Weg ins Leben unabhängig von den politischen Machenschaften der damaligen Zeit zu finden, wird er tief in das damalige Unrechtswesen verstrickt. So wird er mitschuldig an der politischen Entmündigung des Volkes.

Die beispiellosen Terrorakte der Tscheka, Berias raffinierte Intrigen, um Stalins Gunst zu gewinnen: Je höher Guri auf der Karriereleiter klettert, desto gewichtiger wird seine Beteiligung an den Machenschaften der Regierenden. Und als sich mit Stalins Tod und Berias Entmachtung ein Weg zu öffnen scheint, der ihn in die Menschlichkeit entläßt, verhindert das System, daß er seine Kenntnisse nach außen tragen kann. Wie veranlassen Zwang und Furcht die Menschen immer wieder, sie zu fügen? Eine Mahnung ans Gewissen des Einzelnen.

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Georgien georgische literatur Giwi Margelaschwili, Lasha Gudagze, Wartezimmer zum Glück

Giwi Margwelaschwili wurde 1927 als Sohn georgischer Emigranten in Berlin geboren, seine erste Sprache war Deutsch. Seine Mutter litt unter Depressionen und starb, als er klein war. Sein Vater lehrte Philosophie und Orientalistik und engagierte sich im georgischen Widerstand gegen die Sowjetunion. 1946 wurde er vom sowjetischen Geheimdienst NKWD entführt, gemeinsam mit seinem Sohn Giwi. Der Vater wurde ermordet. Giwi wurde in Sachsenhausen interniert und anschließend nach Georgien verschleppt.

Jörg Sundermeier hat Margwelaschwili im Frühjahr 2016 an fünf Tagen zu seinem Leben und Werk interviewt. Das Interview wird durchbrochen und ergänzt durch kleinere Auszüge aus dem Werk. Hier zeigt sich der Philosoph und Ontotextologe Margwelaschwili ganz offen. Er erklärt den Einfluss der Philosophie von Husserl, Heidegger und Deleuze, erzählt über sein Leben in der Sowjetunion und sein Leben zwischen den Welten nach dem Fall der Mauer. Ein intimes Porträt des deutsch-georgischen Denkers.

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Ende der 90er Jahre, nach dem verheerenden Bürgerkrieg, mit Mangelwirtschaft, Korruption und Gemauschel. Der Protagonist, ein junger Schriftsteller, hat soeben eine satirische Erzählung über die legendäre Königin Tamar aus dem 13. Jahrhundert veröffentlicht. Die Botschaft der Erzählung wird gründlich missverstanden. Der Patriarch, das Oberhaupt der georgisch-orthodoxen Kirche, verlangt einen öffentlichen Widerruf von ihm und als sogar seine Familie und Freunde bedroht werden, steht der Autor vor einer schwierigen Entscheidung.

Offenherzig und humorvoll verarbeitet Bugadze ein eigenes traumatisches Erlebnis als (23-jähriger) Schriftsteller bis hin zum Augustkrieg 2008. Ein Lehrstück zu religiösem Fundamentalismus, reaktionärem Nationalismus, Medienmacht und Meinungsfreiheit.

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In Tbilissi trifft man auf Künstler, Nachtschwärmer, selbstbewusste Frauen. Doch wer sich in die entlegenen Gegenden des Landes vorwagt, findet sich in einer anderen Welt wieder. Drei georgische Fotojournalistinnen haben dies getan: Daro Sulakauri etwa erfuhr zufällig von den sogenannten Kinderbräuten in den Regionen Kachetien und Adscharien und wollte mehr über die Ursprünge dieser Tradition erfahren. In abgelegenen Dörfern traf sie diese jungen Mädchen, die von ihren Eltern verheiratet werden und kurz darauf selbst Kinder bekommen. Natela Grigalashvili porträtierte u. a. Frauen, die in Dörfern in der Nähe der Pan­kisi-Schlucht leben; diese sind vom Rest der Welt förmlich isoliert und müssen für ihre Emanzipation erst noch kämpfen. Und Anka Gujabidze hat das alltägliche Leben im tristen Rustawi und Kazreti fotografisch festgehalten.

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Georgien georgische literatur Löwenzahnwirbelsturm in Orange, Der Südelefant, Gldani

Frauen und Männer, die sich dem rücksichtslosen Bündnis zwischen Patriarchat, Kirche und Polizei verweigern: die lesbische Elene, die von ihrem frustrierten Verehrer Mzeroza öffentlich vergewaltigt wird, die halbwüchsigen Mädchen Nita und Teo, deren verbotenes Liebesglück grausam endet und nicht zuletzt das Nilpferdbaby Baggy, das aus dem Zoo entkommt und für ausgleichende Gerechtigkeit sorgt. Tandaschwili setzt eine verrückte, unwirkliche Schönheit gegen die Korruptheit des politischen Systems und sorgt damit in Georgien für Skandale und Diskussionen.

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Weil ein alter Freund die Wohnung des Erzählers braucht, um sich dort heimlich mit einer Frau zu treffen, wird dieser für einen Tag obdachlos. Er zieht durch die Straßen und Cafés seiner Heimatstadt Tiflis, lässt sich treiben, denkt an die Kindheit, die Zeit der Sowjetdiktatur und die überschwängliche Anarchie des noch jungen unabhängigen Staates.

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Gldani ist die größte Vorstadt von Tbilissi. Das sowjetische Ghetto, das Ende 60er-Jahre als Experimentalprojekt entstand und seitdem in der Zeit erstarrte. Das Zusammenleben von Lana und ihrem Sohn kippt, als er sich in einen Mann verliebt. Mit diesem Spalt beginnt der Umsturz der beiden ausgezeichnet funktionierenden Systeme – der Familie und der Kleinwelt Gldani. Mit einem Domino-Prinzip werden einzelne Teile des Systems zu Gegnern: Die Mutter kämpft gegen ihren geliebten Sohn, das System versucht, die Mutter zu neutralisieren. Parallel dazu erleben die Bewohner von Gldani merkwürdige, märchenhafte Ereignisse. Der mit stilistischen Spielen, einer meisterhaft vernetzten Struktur und vielen Farben beladene Roman bereitet dem Leser eine Menge von Überraschungen.

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Georgien georgische literatur Du bist in einer Luft mit mir, Touristenfrühstück, Ein Tag wie ein Leben

Dimitri und Viktor wachsen in Miroslaw auf. Nach ihrer Studienzeit in Moskau hocken sie, nun Lehrer und Ingenieur und beide Nachwuchs erwartend, im Abstellraum des Schulhauses und gönnen sich täglich eine Partie Schach. Nur über die Revolution sind sie geteilter Meinung, und als Dimitri eines Tages das Leninporträt in hohem Bogen aus dem Fenster des Klassenzimmers wirft, wird sein Freund gegen ihn aussagen. Dieses Verhängnis können die Kinder, Kirill und Sascha, die später wie Brüder sind und reden und sich kleiden wie ihr Lieblingsdichter Puschkin, nur erahnen. Eine ironische wie geistreiche doppelte Familiensaga, die spielerisch zwischen der Zarenzeit, der russischen Revolution und dem »grauen Niedergang der großen Ideale« hin- und herspringt.

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Ein Mann, eine Frau und ein Neugeborenes auf der Suche nach einem Zuhause. Ein Flaneurroman im schwerelosen Raum zwischen Berlin und Tbilissi, Gegenwart und Erinnerung, Geborgenheit und Fremde.

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Ein Soldat der U.S. Army, der offen über die amerikanische Folterpraxis im Irak spricht. Ein Terroristenführer im Kaukasus, der seinen schwer verwundeten Gegner, einen Glaubensgenossen, rührend pflegt, aber bei dessen ungläubigen Kameraden keine Gnade kennt. Der Krieg zerstört oft auch die, die überleben. Texte, die zugleich Reportage wie große Literatur sind; Alltag in gegenwärtigen und ehemaligen Krisengebieten wie Tschetschenien oder Georgien, Vietnam, Afghanistan und Gegenden, die heute noch unter den Folgen des Zweiten Weltkriegs leiden. Arkadi Babtschenko, der mit Remarque und Hemingway verglichen wird, zeigt, wie Krieg Gesellschaften zerstört – und jeden Einzelnen, den er berührt, mit schicksalhafter Wucht verändert.

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Georgien georgische literatur Gabunia Farben der Nacht, Samanischwilis Stiefmutter, Kvachi

Sommer 2012: Sura, glücklicher Vater und weniger glücklicher Hausmann – er hat seine Arbeit verloren –, bekommt einen neuen Nachbarn. Gelangweilt beginnt er, den auffälligen jungen Mann mit dem roten Alfa Romeo zu beobachten – und gerät schnell in den Bann des fremden Lebens und die Besuche eines Liebhabers: eines hohen Beamten. Dann beobachtet Sura einen Streit mit furchtbaren Folgen – und sieht die Chance, wieder für seine Familie sorgen zu können. Er bemerkt nicht, dass seine Frau Tina sich in eine Amour fou gestürzt hat. Fünf Menschen suchen ihr Glück und setzen alles aufs Spiel – auch wegen der unversöhnlichen Ansprüche einer Gesellschaft, in der Vergangenheit und Zukunft sich feindlich gegenüberstehen. Zwischen Patricia Highsmith und Hitchcocks „Fenster zum Hof“.

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Ein rüstiger Alter will nach dem Tod seiner Frau erneut heiraten. Sohn Platon befürchtet, sein karges Erbe mit einem Halbbruder teilen zu müssen. Er beschließt, für den Vater eine Frau zu finden, die ihn gegen jedes Risiko absichert: Eine zweifach verwitwete kinderlose ältere Frau soll es sein. Doch dann wird die Stiefmutter Elene trotz allem schwanger, und das Unglück nimmt seinen Lauf.

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This is, in brief, the story of a swindler, a Georgian Felix Krull, or perhaps a cynical Don Quixote, named Kvachi Kvachantiradze: womanizer, cheat, perpetrator of insurance fraud, bank-robber, associate of Rasputin, filmmaker, revolutionary, and pimp. Though originally denounced as pornographic, Kvachi’s tale is one of the great classics of twentieth-century Georgian literature–and a hilarious romp to boot. [Update: auf Deutsch antiquarisch erhältlich, „Das fürstliche Leben des Kwatschi“]

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Georgien georgische literatur Awelum, Ich bin sie, Das erste Gewand

Awelum, rebellischer Grübler, unsteter Liebhaber mehrerer Frauen, Dichter und Familienvater, ist tief gekränkt, als er von seiner Moskauer Geliebten Sonja verlassen wird. Während ihm seine Frau Melania in Tbilissi duldsam den Rücken freihält, riskiert er die Aufdeckung der heimlichen Treffen mit seiner wahren Liebe, der Pariser Slawistin Françoise, durch den KGB. Und doch. Der im unentwegten Gedankenstrom mitreißende Roman spielt vor dem Hintergrund des Bürgerkriegs in Tbilissi in den Jahren 1991/92.

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Die junge Nia ist verliebt in einen älteren Jungen, der gegenüber ihrer Wohnung in Tiflis wohnt. Jahrzehnte später erhält sie erneut Kontakt und erinnert sie sich an den Gefühlssturm der ersten Liebe. So tritt die lebenserfahrene Nia mit ihrem jungen, ungestümen Ich in einen Dialog. Noch immer schenken sich georgische Liebespaare den Roman gegenseitig. 2013 wurde er als bester Roman des Jahres mit dem SABA-Preis ausgezeichnet.

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Ein Fremder kommt in Domenicos Dorf und weckt in dem jungen Mann den Wunsch, die Welt kennenzulernen. Zuerst kommt er nach Feinstadt, ein Ort der guten Sitten. Doch als er seine große Liebe auf tragische Weise verliert, will er fort, nach Kamora. Dort regieren Willkür und Verbrechen – bis eine Gruppe Hirten aufbegehrt. Sie errichten Canudos, eine Stadt der Freiheit. Das meistgelesene Buch in Georgien und – zur Zeit sowjetischer Herrschaft geschrieben – eine aufrüttelnde Parabel über das menschliche Dasein in Zeiten gesellschaftlicher und politischer Tyrannei.

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Georgien georgische literatur Heiliges Dunkel, Santa Esperanza, Globalisierung

»Es ist kein Buch über mich, sondern über die Menschen, die ich kennen und lieben gelernt habe.« Berdsenischwili schreibt mit feinem Humor und Ironie, manchmal aber auch voller Sarkasmus und Wehmut über seine Mithäftlinge und ihre Bewacher. Er folgt den außergewöhnlichen, teils schrägen Charakteren, die – wegen absurdester »Verbrechen« inhaftiert – geplagt sind von Hunger, Haft, dem Mangel an Kommunikation mit der Außenwelt. Die vom KGB »auserlesenen« Inhaftierten bilden eine Art Ersatzfamilie füreinander und erleben Dinge, die sie ohne den Gulag nicht erfahren hätten.

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Aka Mortschiladses meisterhafte Persiflage auf seine Heimat Georgien entführt den Leser in die faszinierende Welt der imaginären Santa-Esperanza-Inseln im Schwarzen Meer. Der Archipel versinkt nach der Entlassung in die Unabhängigkeit durch die »Anglesen« im Bürgerkrieg. Die arroganten Wisramiani, die einflussreichen genuesischen Händler Da Costa und die barbarischen Sungalen kämpfen erbarmungslos um die Macht. Aus unzähligen Fragmenten – Mythen und Sagen, uralten Chroniken, Tagebucheinträgen, Liebesgeschichten, Flaschenpost, aber auch E-Mails, Zeitungsartikeln und Reiseberichten sowie mit allerlei literarischen Anspielungen entsteht ein Roman aus 36 Heften [organisiert wie ein Kartenspiel], die sich jedweder Reihenfolge lesen lassen..

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Ein betagter Mann aus der Region Kachetien fabuliert darüber, wie der Tumult der Welt – vom Beginn der Sowjetzeit bis in die 1990er Jahre – die Bewohner eines kleinen Dorfes im Kaukasus ereilte. Die Bewohner sind Überlebensjongleure, allen voran seine lebenspralle Schwester Anitschka, die am eigenen Leib erfährt, wie die Globalisierung neue Unfreiheit und Intoleranz generiert.

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Georgien georgische literatur Wer hat die Tschaika getötet, Abzählen, Personal Culinary

Die Polizeiermittler sind überfordert: Denn die Freunde der Ermordeten wissen, wer sie umbrachte, geben aber nichts preis. Warum, erschließt sich nach und nach aus den vielen Geschichten, die sich die Freunde, eine bunte, unkonventionelle, ja grelle Schar, über die Tote und sich selbst erzählen.

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Drei aufregende Tage für Ninzo und Ketewan, an denen die 13-jährigen Freundinnen erfahren, was es heißt, in einer gottverlassenen Konfliktzone zu leben, in der sonst bloß noch Kinder, Alte und Krüppel verblieben sind. Gewitzt muss man sein. Sonst kommt man nirgendwohin, nicht an Kleider, nicht an Monatsbinden, nicht an Zigaretten und auch nicht an Milch für das Brüderchen.

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Ungemein sinnlich gewährt die Autorin im lockeren Plauderton Einblick in ihr Küchen-Universum, das irgendwo zwischen Griechenland, dem Kaukasus und dem Orient liegt. Genauer gesagt: in Georgien, wo man weiß, wie man aus Einfachem Großartiges machen kann. Die mit leichter Hand und subtilem Witz erzählten Küchen-Geschichten richten sich an lesende Gourmets ebenso wie an kochende Literaturfreunde.

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Georgien georgische literatur Versteckspiel Aleko, Nino Haratischwili Das achte Leben Zurab Karumidze Dagny

An autobiographical novel: The main protagonist, Aleko Shughladze’s mother, has an incurable illness. Aleko also has a sister who has suffered from oligophrenic schizophrenia since she was a child. After their mother becomes bed-ridden, Aleko takes over the care of his sister. He has to have patience and not lose his humanity. Events from Soviet times intersect organically with today’s events. Together with all the difficulties of the Communist era, national traditions and rituals enter his mind. Aleko hides his mother away in a remote village and announces that she has died. He goes through with a fake funeral in great and plausible detail, thus doing his duty by his relatives. After the ‘funeral’ he hides his mother even further away, in India. where he settles down with her at the foot of a holy mountain.

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Ein wuchtiges Familienepos das am Beispiel von sechs Generationen außergewöhnlicher Frauen das ganze pralle 20. Jahrhundert mit all seinen Umbrüchen und Dramen, Katastrophen und Wundern erzählt, vom Georgien am Vorabend des Ersten Weltkriegs bis ins heutige Deutschland. Alles beginnt mit Stasia, Tochter eines Schokoladenfabrikanten. Eine Geschichte, die wie ein gewaltiger Strom mit unzähligen Nebenarmen und Verwirbelungen durch Europa zieht.

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Fast wäre es leichter aufzuzählen, was in Zurab Karumidzes großem, postmodernen Spiel nicht vorkommt. Dagny Juel gab es wirklich: Sie wurde am 4. Juni 1901 in Tiflis von einem nicht erhörten Liebhaber erschossen. Sich selbst erschoß er dann auch. Juel war Norwegerin, lernte früh Edvard Munch kennen, traf August Strindberg, der sie erst liebte und dann in einem Drama vernichtete. Schließlich aber heiratete sie den Bohemiensatanisten Stanislaw Przybyszewski, mit dem sie in dem Berliner Künstlerkreis um die Kneipe »Das Schwarze Ferkel« unterwegs war. Przybyszewski verkaufte sie dann an seinen Jünger Wladyslaw Emeryk, der sie nach Tiflis mitnahm. Dagny Juel hat selbst Gedichte und kurze Dramen geschrieben, die Karumidze immer wieder zitiert. Alle nehmen an einem »Fest der Liebe« teil, das gründlich schiefgeht, weil sich der junge Revolutionär Koba einmischt, der ein Auge auf Dagny geworfen hat. Er wird später als Josef Stalin in die Geschichte eingehen.

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Georgien georgische literatur Bestseller, Die himmelblauen Berge, Royal Mary

Pierre Sonnage, erfolgloser Schriftsteller, sieht seine einzige Chance auf Ruhm im Selbstmord und springt von einem Wolkenkratzer. Doch statt im Bestsellerhimmel landet er in der Literatenhölle. Hier trifft er nicht nur auf Dante, Kafka, Hemingway, sondern muss sich Rätseln stellen, so überfrachtet und verschlüsselt, wie er sie nur aus seinen eigenen Romanen kennt. Eine irrwitzige Reise beginnt.

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Schriftsteller Sosso liefert die dritte Fassung seines Manuskripts ab. Doch im absurden Apparat des Verlages haben alle anderes tun, als sich um Bücher zu kümmern. Das Manuskript geht verloren und wird schließlich aus verschiedenen Fassungen wieder zusammengekittet, während sich an den Wänden des hermetisch geschlossenen Gebäudes besorgniserregende Risse abzeichnen und unterirdische Beben zu spüren sind. Eine übermütige Karikatur auf das sowjetische System in seiner Endphase.

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Tiflis gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Märkte, Spelunke und Paläste, exzentrische Typen, fremde Mächte, ja fast die Gerüche einer vergangenen Zeit – mit Witz und Virtuosität erzählt Iaschaghaschwili von Mord und Totschlag. Alles dreht sich um ein Pferd – und den Schah von Persien… Dabei ist der Autor bescheiden genug, auch noch auf Puschkin und Kipling und Borges zu verweisen.

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Georgien georgische literatur Einsame Schwestern, Taso Foundation, Georgien eine literarische Reise

Die siamesischen Zwillinge Lina und Diana sterben unter mysteri­ösen Umständen. Erst danach erfährt ihr Vater Rostom von deren Existenz, und dann über deren unterschiedliche Persönlichkeiten in ihren ergreifenden Tagebucheinträgen. Bis ins Teenager-Alter werden die verletzlichen Zwillinge von der Außenwelt verborgen und von der Großmutter umsorgt, die darum kämpft, sie im verarmten post­sowjetischen Georgien zu beschützen – einer Gesellschaft mit wenig Mitgefühl für Behinderte. Nachdem die Großmutter stirbt, sind Lina und Diana wehrlos und fallen jeder Art von Misshandlung zum Opfer. Von der Taille abwärts verbunden, bleibt den Schwestern als einziger Rück­zugsort die Welt ihrer Tagebücher: Lina, unbeschwert und glücklich, ist fähig, sich zu verlieben. Diana, angespannt und bodenständig, kann ihre Situation nicht akzeptieren.

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Georgian Narratives: A Century and Beyond documents the lives of women and, to a lesser extent, men in Georgia since the Menshevik purges of pre-Soviet times through the Georgian, Ossetian, Russian conflict in August 2008. It paints a vivid portrait of the diverse backgrounds and experiences of women, Georgian citizens who are not exclusively ethnic Georgians who have experienced the life transforming developments and changes of the 20th and beginning of the 21st century. The first English publication of some of the oral histories that have been collected as part of a larger program recording the lives of women in Georgia.

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Auf Einladung von Nino Haratischwili und dem Goethe-Institut Georgien sind sechs deutsche und sechs georgische Autoren und Autorinnen durch Georgien gereist. Prometheus, Medea, Rustaweli und Stalin, sie alle gehören zu Georgien wie die fünfhundert Rebsorten und die unermessliche Gastfreundschaft. Entstanden sind literarische Reiseberichte und poetische Reflexionen.

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alle Klappentexte: gekürzt

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Maria-Christina Piwowarski, „Ocelot“ Berlin: „Bevor ich Nino Haratischwilis Roman „Das achte Leben. (Für Brilka)“ (Frankfurter Verlagsanstalt 2014) gelesen hatte, wusste ich nicht mal, wo Georgien genau ist. 1300 Seiten später wollte ich unbedingt selbst das Land am Kaukasus entdecken und habe meinen nächsten Jahresurlaub dort verbracht. Ich finde, Nino Haratischwili hat ihr Land auf die Landkarte des westeuropäischen Bewusstseins geschrieben. Das ist ein riesiger Verdienst. Außerdem ist „Das achte Leben“ aber auch einer der besten Romane, die in den letzten zehn Jahren in deutscher Sprache (ja, sie schreibt nicht in ihrer Muttersprache!) geschrieben wurde.

Vor einigen Tagen habe ich „Die Reise nach Karabach“ von Aka Morchiladze (Weidle Verlag 2018) gelesen, das ist wohl so etwas wie das Kaukasus-Gegenstück zu „Faserland“ von Christian Kracht – die nihilistische Reflexion einer orientierungslosen Generation. Das war sehr hart, aber auch echt gut.

Als ich in Georgien war, hat mir außerdem das „Georgisches Reisetagebuch“ von Jonathan Littell (Berlin Verlag 2008) sehr geholfen, den Georgisch-Russischen Krieg besser zu verstehen. Wenn man nach Georgien reist, stellen sich zwangsläufig Fragen nach der russischen Besetzung Abchasiens und Südossetiens. Littell bringt da auf wenigen Seiten Licht ins Dunkel.“

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Nobert Hummelt erklärt, warum es wenig übersetzte Lyrik aus Georgien gibt [Deutschlandfunk]: „Für ein kleines Land wie Georgien ist zur Aneignung der Weltliteratur das Übersetzen lebenswichtig. In umgekehrter Richtung ist der Prozess schwierig, da die georgische Sprache selbst von Menschen nicht beherrscht wird, die ihr Leben lang dieses schöne Land bereisen – sie verlassen sich auf die guten Deutschkenntnisse vieler Georgier.

Das hat zur Folge, dass es so gut wie keine direkten Übersetzungen georgischer Lyrik gibt. Stattdessen entstehen Nachdichtungen auf der Grundlage von Interlinearübersetzungen – sinngemäßen Wort-für-Wort-Wiedergaben, die von georgischen Übersetzern angefertigt werden; mit diesen Vorlagen arbeiten deutschsprachige Lyriker und entwerfen aus ihrem eigenen Sprachgefühl, wie dieser oder jener georgische Dichter auf Deutsch klingen könnte.“

Ich las und mochte die Lyrik-Anthologien:

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Filme:

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Links:

#meQueer: Homophobie, Ausgrenzungen, Angriffe (Stefan Mesch)

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„Lesbe? Die ist nur von Männern enttäuscht.“

„Schwul? Der wär bestimmt lieber eine Frau.“

„Bisexuelle Frau? Geil!“

„Bisexueller Mann? Unersättlich & creepy.“


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Seit 15. August 2018 sammeln queere Twitter-User*innen unter #meQueer Erfahrungen, Angriffe, Ausgrenzungen.

Ich wollte ca. 30 Tweets, die ich selbst beitrug, im Blog festhalten.

Doch die Beiträge anderer User*innen direkt auf Twitter sammeln, als „Twitter Moment“ (Link).

Ich speicherte ca. 200 Stimmen als „Moment“ – und merkte dann: Twitter bündelt immer 100 Tweets pro „Moment“, und lässt den Rest verschwinden.

darum als Notlösung, hier im Blog: meine Lieblings-Tweets zu #meQueer – als Text statt als Twitter-Link.

[falls ein Tweet hier nicht auftauchen soll: schreibt mir bitte, ich lösche täglich:

twitter.com/smeschmesch oder das.ensemble@gmail.com]

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Ein Sommertag wie heute, ich bin vielleicht 11. Ich sage zu meinem Papa: „Das ist ja echt warm heute!“

Seine Antwort: „Es ist heiß! Warm sagen nur Schwuchteln“

Ich hab meinen Papa lieb. Aber das war einer der Gründe, warum ich erst mit 25 Kraft für mein ComingOut fand. _aronlesnik


Kindergarten, ein Vater holt seinen Sohn ab. Er sieht, daß dieser aus der Verkleidekiste die Rosa Feenflügel anhat.

Vater: Bub, werd bloß nicht schwul

Andere Mutti: Ach besser schwul mit 5 als mit 25. _Astralwelpe


Besuche meine Oma und borge mir alte Bücher von ihr aus. Mein Opa: „Was, du liest? Bist du nen Schwuli?“. _BastiLaetsch


Teenagerzeit: Auf einer Party in einer Gaststätte wird ein junger schwuler Mann von anderen beschimpft.

Kommentar von Freunden:innen: „Selbst Schuld, der muss das ja nicht so raushängen lassen beim Tanzen.“

Teenager-Ich: Okay, hab verstanden. _monaaarg


  • „Du hast es doch noch nie mit einem Mädchen probiert.“
  • „Ihr seid keine Promis. Ihr könnt keine Kinder adoptierten“
  • „Bitte küsst euch nicht vor mir“
  • „Du musst es ja nicht gleich jedem erzählen“
  • „Es ist nicht normal“ _CydoBear

Du bist also bi, aber du stehst jetzt nicht auf mich oder?“ _Livenitup_DE


„Hä aber wenn du eh auf Kerle stehst, warum bleibst du dann nicht einfach ein Mädchen?“ _notedbreadthief


Wieso meine beste Freundin und ich uns über 8 Jahre hinweg vielleicht 5 Mal umarmt haben? Man hat uns auch ohne Körperkontakt ab der 5. Klasse als lesbisch beschimpft. _flyingtomoon


Ich habe bis heute Angst, was ehemalige Mitschüler über meine Sexualität denken. _flyingtomoon


Der Höhepunkt war erreicht, als Mitschüler nicht mit mir in einem Zimmer auf der Abschlussfahrt schlafen wollten, weil ich denen ja etwas wegschauen könnte. _EtienneVogel


Sich als queeres Mädchen in der Sportumkleide demonstrativ zur Wand umdrehen, damit auch ja niemand denkt, dass ich sie anstarre. _mrlnxf


Höre jeden Tag mindestens eine Beleidigung über Homosexuelle etc. in der Schule. Der Record waren 7 Stück in einer Schulstunde. Habe es nicht ausgehalten bin zu Lehrer gegangen. Am nächsten Tag hat er es angesprochen und es sind nur noch mehr geworden. _Lets_Lara


ist bei mir auch, dass ich nie gecheckt hab, dass ich queer sein könnte. Ich dachte Mädchenfreundschaften sind eben so, dass 1 sich gerne küssen möchte und geheime Liebesbriefe schreibt. Dabei war ich einfach nur die ganze Zeit heftig verliebt. _ma_ria_r


Mit 13 in großem Detail von deiner damaligen besten Freundin erzählt bekommen, in welchem spezifischen Kreis der Hölle lgbt leute dann kommen und was für Folter auf sie wartet. _zukosgay


Weinend in der Kirche sitzen und Gott anflehen, “normal“ zu werden. _McHarryHarry


Meine Jugend war geprägt von der kirchlichen Umgebung, in die meine Eltern mich ‚untergebracht‘ haben. Wenn einem von außen immer gesagt wird ‚Du bist falsch, wenn…‘ macht es den Umgang mit sich selbst nicht gerade einfach. Ich bin echt daran verzweifelt. _PtrPwr


„Das ist aber unnormal und auch nicht vom lieben Gott gewollt und im Endeffekt nur so eine Mode, du wirst schon sehen wohin du mit dem Lebensstil kommst. Das wird dir in deinem Leben noch im Wege stehen.“ __aiyuki


Wenn „schwul/gay“ noch immer ein geläufiger Ausdruck für etwas Negatives ist. _Dana_Lurchliebe


Den Klassenkameraden immer wieder erklärt, warum „schwul“ nichts Negatives ist und nicht als Beleidigung benutzt werden kann. Sie haben es bis heute nicht verstanden und ich habe es aufgegeben. _Rieoderso


Person A: Das ist so schwul (abwertend gemeint).

Ich: keine Reaktion (nicht mehr).

Person A: dich mein ich ja nicht / das sagt man ja nur so / ist ja nicht bös gemeint. _PatrickGruska


Wenn bei einer Familienfeier mal wieder „schwul“ und „behindert“ als lustige Beleidigungen fallen und man wieder weiß, weshalb man sich nicht geoutet hat. _MaditaSternberg


„Ja man merkt dir das schon an, die Art wie du redest und so“ _tobhahn


,,Omg ich wusste du bist schwul du bist total feminin…”

Ich:,,ja danke

„und lass uns jetzt über alle Mädchen Dinge reden” _steveurtate


„Du wirkst gar nicht so. Hätte ich bei dir nie gedacht.“ – mit Anerkennung in der Stimme, als sei es eine Auszeichnung, nicht dem als makelhaft empfundenen Klischee vom gemeinen Homo zu entsprechen. _beolba


Antwort auf mein Coming Out1: „Warum hast du nichts dagegen getan, als du gemerkt hast, das du schwul bist.“ _HartmutSchrewe


Wenn deine Eltern dir begründeterweise verbieten, in deiner Heimat über deine Sexualität oder auch nur neutral über LGBT-Rechte zu sprechen. Es wäre für unsere Familie der gesellschaftliche Tod. _flyingtomoon


Meinen Eltern wurde erzählt, dass ich schwul bin. Mein Vater war wütend. Meine Mutter hat geweint. Am Ende musste ich es leugnen, damit ich nicht auf der Straße lande. _sefaibalci


Das Suizidrisiko von jungen Lesben und Schwulen ist 4-7 mal höher als das von Jugendlichen im Allgemeinen. 18% haben einen oder mehrere Versuche hinter sich. Und eine Person dieser 18% bin ich. _TillOtter


In 13 Jahren Schulunterricht kam Homosexualität ein einziges Mal vor – im Zusammenhang mit Aids. _mannfrauundco


Gymnasium, ich war irgendwo zwischen 12 und 14. Klassenkameraden (sic!) nannten mich „schwul“, weil ich nicht Fußball spielte. Weil ich mit den Mädels abhing. Weil ich Tanzen ging. Ich wollte nicht schwul sein. Das war beleidigend. Das war schlecht. _Pfanddose


Bist du eigentlich schwul?

Wieso?

Na weil du so eng mit deinen Freunden bist

Und deine bunten Haare

Also?

Ähm ich hab keine Ahnung was ich bin und selbst wenn, geht dich das eigentlich auch nichts an

…ja aber bist du jetzt schwul? _Ju_Be_Su


Wenn meine Partnerin und ich gefühlt das einzige offen homosexuelle Paar unter Hunderten von Eltern, Gästen und Abiturientinnen beim Abiball 2018 sind. Blicke inklusive! _indyacapunk


Ich war in der Schule nie geoutet. Hatte an Jungs wie Mädels gleichermaßen Interesse. Dachte, ich sei asexuell, denn: Interesse an Jungs kanns ja nicht sein! Wir hatten keine geouteten, queeren Schüler an der Schule. 2 Wochen nach dem Abi: 6 SuS meiner Klasse geoutet. _Pfanddose


Ich in der Sekundarstufe 1 werde dauernd gefragt „Bist du schwul?“ Leute es hilft bei der Identitätsfindung nicht dauernd gefragt zu werden. Ja bin ich. Brauchte aber lange es zu verstehen/realisieren/zu sagen /zu sein. _Marek42164153


In den späten 80ern in einer Kleinstadt aufwachsen mit dem Gefühl, du bist der einzige in der ganzen Schule… es darf bloß keiner merken. Sich verstellen. Eine Fassade aufbauen. Nur kein falscher Blick. Sich nicht anmerken lassen, dass Sprüche verletzen. So anstrengend. _Matt_Breitinger


Früh gewusst, lange geschwiegen, ich habe gesehen, wie mit erwachsenen Queers umgegangen wurde, und das ging bis zum Verlust der Arbeit. _ReginaKuepper


Selbst viele „offen Schwule“ haben Schwierigkeiten zu sagen „Ich bin schwul“ oder „ich bin bi“

Es ist mit dem Wort schon eine gewisse Last verbunden finde ich. _SimonEuropa


Ich glaube wenn ich so lese, habe ich bis auf ne echt beschissene Schulzeit ab der 5. wo ich auch 1 Jahr einfach wegblieb wegen dem Mobbing dort und von der Schule flog, und ein paar dummen Sprüchen von Arbeitskollegen die aber an mir abprallen, echt Glück gehabt. _PatSnowpaw


Lese und erinnere mich an die Schulzeit, wo schwul sein die schlimmste Beschimpfung und Erniedrigung war. Mir wird schlecht wenn ich daran denke da selbst mitgemacht zu haben. _klausi_


Wer die Relevanz abspricht & die geschilderten Erfahrungen als Bagatellen/Wichtigtuerei abtut, der ist mit hoher Wahrscheinlichkeit Teil jenes gesellschaftlichen Klimas aus geheuchelter Toleranz, sexualmoralischem Rollback & Ignoranz, das den Hashtag erst nötig macht. _Aenigma


Die gesellschaftlich erlernte Unmöglichkeit des jugendlichen Ichs, die Möglichkeit des Queer-Seins überhaupt denken zu können. Die dämlichen Ausreden und Erklärungsversuche sich selbst gegenüber. Die resultierende Selbstverachtung. _s_krieger


Die innere Sedierung bei jedem in maskuliner Umgebung geäußertem homophoben Witz und Schimpfwort. Das gequälte Lächeln, das sich Wegdrehen, das eigene Schweigen. Die Scham darüber. Der Abfall des Selbstwertgefühls. Jedes Mal. s_krieger


Immer wieder abwägen, welche „Hinweise“ man wem gibt. Bspw. hat mich mein Fahrlehrer gefragt, ob ich zum CSD gehen würde.

Ich hab gelogen. Weil die Angst vor Verachtung so tief sitzt. _anonym


Jahrelang in der Schule Angst gehabt, jemand könnte *es* irgendwie rauskriegen. _anonym


1000 Mal überlegen, ob ich was zu dem Hashtag schreibe, weil ich weiß, dass nahestehende Menschen, vor denen ich ungeoutet bin, ab und an hier mitlesen. _anonym


Ich *schreibt freiwillige 10-seitige Hausarbeit über Transistoren und Dioden in Physik*

Physiklehrer *lobt vor der ganzen Klasse, bewertet mit einer 1*

Mitschüler: „Oh, die Lesbe macht mal was richtig, muss ja krass gewesen sein, was sie ausm Internet abgetippt hat!“ _tiliknewyou


Ich kann immer noch nicht gut darüber reden, dass ich lesbisch bin. Jedes Mal habe ich Angst neuen Freunden davon zu erzählen. Damals wussten nur wenige, dass ich eine Freundin hatte. Ich wollte Kommentaren, wie: „Ach… Durch mich wirst du wieder straight!!“ vermeiden. _GLaDyGamer


oder auch: das bewusste vermeiden von geschlechtsbezogenen begriffen, wenn es um das privatleben, urlaub etc. ging. brachte jahrelang dieses „mir ihr“ einfach nicht raus. fast die ganze eigene sprache umgestellt. nur um nichts verräterisches zu äußern… _zieterow22


Auf jeder Familienfeier, jedem Konzert, jeder öffentlichen Veranstaltung queerfeindliche Ausagen hören und sich überlegen müssen ob es den möglichen Ärger wert ist, was dagegen zu sagen. _pandaer1k


Mein Chef beim FSJ in einem Jugendzentrum hat mir gesagt, ich solle nicht „lachen wie so eine eklige gottverdammte Schwuchtel“. Hab das seinem Vorgesetzten berichtet und wurde von dem nur dauerhaft ignoriert. _TillOtter


Jemand der gerade herausfindet dass ich Schwul bin:

„Ey,nicht falsch verstehen wenn ich das Wort Schwul für irgendwas benutze oder so,ist halt so ein Wort

Ich:“Ok, nicht falsch verstehen wenn ich in einen Hundehaufen trete & sage;Bäh ist das Hetero,ist halt so ein Wort. _AndreGrabowski2


Ignoranz. Einfach nur pure Ignoranz in meiner Klasse für einen verdammten Monat nachdem ich – unfreiwillig – geoutet wurde. Bis einer den Arsch in der Hose hatte sich zu entschuldigen und mich wieder „aufzunehmen“. __aiyuki


Ich werde nie die Reaktion meiner ehemals besten Freundin auf mein Coming Out vergessen: “Ich… umarme dich trotzdem noch.“ _fluegelfeder


Zu kann ich nur schreiben, dass ich auch zu denen gehört habe, die Schwulenwitze gemacht haben. Bis ich ich mitbekam, dass ein schwuler Kumpel nichts gesagt hat. Und das hat mich getroffen. Manchmal bist du eben ein Arschloch, ohne es zu merken. _totengelichter


  • Du wirkst gar nicht lesbisch……
  • Bist du dir sicher?…..
  • Ist bestimmt nur eine Phase…..
  • Hattest du schon was mit Mânnern oder woher weißt du das du lesbisch bist? _slyke31

„…meine Partnerin….“

„Du bist lesbisch? Du wirkst gar nicht so. Du bist so normal.“

Aha. Tut mir leid, dass ich nicht deinem Stereotyp entspreche.

PS: Nur weil ich mit einer Frau zusammen bin, bin ich nicht unbedingt lesbisch. _CuriousZebra_


  • „du musst kein make-up tragen, wir haben verstanden, dass du schwul bist“
  • „wieso hast du dich entschieden schwul zu sein?“
  • „was bringt es dir schwul zu sein?“
  • „wieso muss ich das akzeptieren, wenn du nicht akzeptierst, dass ich was gegen schwule habe?“ – eltern _eindaddybear

„Wenn Lesben doch auch Frauen mit kurzen Haaren [+ andere „männliche“ Attribute] stehen, wieso stehen die nicht gleich auf Männer? Hahahaha“ Solche Aussagen kommen von der Familie, da fühlt man sich wohl. _papierplanet


„Wenn du echt nicht auf Männer stehst, wieso hat deine Freundin dann kurze Haare?“ _einfachMaria


Mein Bruder nachdem klar war, dass ich trans und gay bin und unser jüngster Bruder in einer Beziehung mit einem Mann ist: »Dann bin ich ja das einzige normale Kind in dieser Familie« _MAEXimum


Ich habe etwa 90% meiner Familie verloren, einfach nur, weil ich es gewagt habe, ich selbst zu sein. _FN2443


Der aller ätzendste Satz nach meinem Outing den ich bis heute immer noch zu hören bekomme ist: Das ist Chris, der ist schwul, aber sonst ein wirklich netter Typ.

Und ich habe tatsächlich lange versucht in allem der Beste zu sein um den vermeintlichen Makel auszugleichen. _InfraRiotGirl


Mein Freundeskreis ist progressiv und respektiert mich. Er ist auch nicht kleiner geworden. Viele sagen sogar nicht mehr Schwuchtel, weil sie wissen, dass ich es beleidigend & respektlos finde. _SirHansen


Das Gefühl zu haben, anderen (meine) Queerness aufzuzwingen oder zu nerven, wenn ich erwähne, wie toll „sie“ ist oder dass ich Schauspielerin XY heiß finde oder auf Nachfrage erkläre, dass ich keinen Freund habe, weil ich auf Frauen stehe. _mrlnxf


Mein Bruder: Schwule sind so abartig.

Ich sehe ihn eine weile kühl an ehe ich antworte: Ach, ist das so, ja?

Er schreckt merklich zusammen: Bis auf dich! Also wenn du das Trans Zeug durch hast, dann bist du der einzige den ich akzeptiere! _IceprinceNoah


Herzschlagen, Schweißausbruch und auf die Zunge beißen, wenn es irgendwo um LGBTQ* geht. Bloß nicht auffallen. _mrlnxf


Geoutet in der Schule als eine Gruppe von Mitschüler*innen mich „Schwuchtel“ genannt haben. JA, ICH BIN EINE SCHWUCHTEL. _TymScorpus


die socialmediaprofile vor den eltern verstecken, weil man angst hat, dass sie herausfinden könnten, das man trans ist. _everettnotross


Meine Mutter die meinte, ich dürfe mich nicht bei meinen Großeltern outen, sie würden mich aus der Familie ausschließen (mit Enterben und allem drum und dran) _jesuskokst


Beim Outing vor meinen Eltern meinte meine Mutter: „Wem hast du’s denn schon alles erzählt??! Wir müssen uns DAS ja jetzt nicht auf die Fahne schreiben. Muss ja keiner wissen.“ _Herbstwindkind


Nach meinem Outing, sagte meine Mutter „zum ersten mal bin ich froh, dass du ans andere Ende Deutschlands gezogen bist, sonst würden die Leute hier im Dorf ja über uns reden.“ _NicoLAS_VEGAS


„Das darfst du aber nicht den Großeltern sagen. Ach, zum Glück hast du das ausgelebt, als du ausgezogen bist, sonst hätte das noch die Runde gemacht.“ _monaaarg


ist auch, wenn deine „Outing-Strategie“ das Warten auf das Wegsterben der schwierigsten Verwandten in deinem Umfeld ist… _sistasonDE


Es hat mein halbes Leben lang gedauert, bis ich mich als trans outete. Es hat mein halbes Leben lang gedauert, weil mir mein halbes Leben lang gespiegelt wurde: das was du dir wünscht ist falsch und ekelhaft. Ich rede jetzt so viel über mich, weil ich endlich reden darf. _buzzaldrinsblog


Ich hätte es auch schon viel früher wissen sollen, mit zwölf waren die Zeichen bei mir schon sehr deutlich, aber die Darstellung von vielen Transfrauen und das Bild was dabei vermittelt wurde, haben mich zweifeln lassen. Mir haben Vorbilder gefehlt. _Saphirosa


Komplett zerstörtes Mutter-Kind-Verhältnis weil sie nicht dran glaubt dass ich trans bin. Extrem alleine fühlen aus Angst, anstatt out & proud zu sein. _forty_two_42_


„Ich wäre lieber als Mann zur Welt gekommen!“

„SO SAME!! Ich finde meine Periode auch so schrecklich!!“

For f*cks sake, darum geht es nicht!! _MalchikGray


Meine Oma über einen Transgender Freund von mir: „Sofern sie noch nicht operiert ist, bleibt es für mich eine sie.“ _batoutofhell


kolleg*innen, die transmenschen konsequent als „es“, als „dieses ding“, „kranke vögel“ oder ähnlich abwertend bezeichneten. ich fand sie so zum kotzen. _zieterow22


Wenn dein eigener Vater sich jahrelang weigert, dich beim korrekten Namen zu nennen. _notedbreadthief


Sogar in der lgbt+ community darum kämpfen müssen anerkannt zu werden. Stichwort asexuell. _SilverWolf2421


Als asexueller Schwuler bekomme ich oft sowas zu hören wie:

  • „Asexualität ist eine Krankheit.“
  • „Du kannst gar nicht asexuell und schwul sein.“
  • „Dann bist du ja gar kein richtiger Schwuler.“ _NicolasTransgay

„Weißt du, eigentlich bin ich asexuell!“

„Nein, das glaube ich eher weniger!“

Echt?? Woah, gut, dass wir nochmal drüber gesprochen haben!! FAST hätte ich gedacht, ich würde mich selbst kennen! Dann sorry, mein Fehler! _MalchikGray


Jahrelang nichts von Asexualität gewusst, wurde nie aufklärt.

Habe mich jahrelang nirgendwo dazugehörig gefühlt und war so verwirrt was meine Sexualität betrifft.

Nun habe ich Anschluss gefunden und mir wird eingeredet dass alles nur eine Phase sei oder ich unsicher bin. _nisosaur


  • „Du bist doch viel zu jung, um das wissen zu können“
  • „Wie kann man Sex nicht mögen du .. Blödi“
  • „Asexuelle wurden für ihre Asexualität nicht verfolgt und ermordet. Die gehören nicht zu LBGTQ+“
  • „Ihr wollt nur Aufmerksamkeiiiiiit“ _RainyRegenfeder

Fragt mich jemand, ob ich lesbisch bin, sage ich übrigens immer noch meistens ja.

Weil es mir in 9 von 10 Fällen zu anstrengend ist, meine Version von queer zu erklären. _RikeRandom


Vor einigen Jahren, bevor mir klar war, dass ich trans bin, fragte ich meine Mutter, wie es wäre, wenn ich statt eines Mädchens ein Junge wäre *hust*.

Ihre Antwort darauf: „Einen Jungen hätte ich eher geschlagen.“ _nicolastransgay


(Ich bin Trans (FtM)und bi ,

  • ,Also bist du jetzt ne Lesbe?“
  • ,,Das ist nur eine Phase“
  • ,,Du bist als Mädchen geboren, also akzeptier das gefälligst“
  • ,,Sollen wir dich jetzt mit,,es“ ansprechen?“
  • ,,Das haben dir diese Schwuchtelyoutuber nur eingeredet!“
  • ,,sei doch normal!“ _Bloodmoonkid

speziell zu lgbt-veranstaltungen gehen, um wenigstens mal irgendwo akzeptiert zu werden, und dann dort auch von jedem cis-kerl gesagt bekommen, er würde ja nie was mit nem trans typen anfangen, weil das is ja ekelhaft und ein „richtiger mann“ sei ich sowieso nicht. _genvalinor


Es schmerzt mich sehr, wenn cis Leute einen solchen Gegensatz konstruieren. Grade, wenn sie selbst schwul sind. Dass ich keinen Platz in der schwulen Community habe. Dass ich für viele gar nicht existiere. Und wenn doch, werde ich als Schwuler zweiter Klasse degradiert. Da kommen dann auch Sätze wie „Wir Lesben und Schwule müssen trans Menschen unterstützen.“ bei raus. _nicolastransgay


„Ich finde trotzdem nicht, dass zwei Männer ein Kind adoptieren sollten… Immerhin bin ich ein Mann und deshalb weiß ich ja, wie Männer sind. Sie wären eine Gefahr für das Kind.“

Warum hast du dann ein Kind? _onlyablueberry


Ich bin trans und auf das Wohlwollen meiner Ärzte angewiesen. Ich hatte Pech und bin an eine Psychotherapeutin geraten, die gerade mit Vollgas dabei ist, mir das ganze Jahr 2018 zu ruinieren, anstatt mich zu unterstützen, wie man das eigentlich von ihr erwarten dürfte. _FN2443


heißt für mich, jeden Tag irgendwie, irgendwo, irgendwann darüber zu stolpern, dass ich (meistens) genug zum Leben, aber weniger verdiene als meine Kolleg_innen. Für die gleiche Arbeit. Denn das Amtsgericht kürzt mein Einkommen für die Gutachter. _ein_fledertier


Meine Großmutter hat mir (ihrer einzigen Enkelin) bis heute nicht zur Hochzeit (Oktober 2014) gratuliert und meine Stieftochter (ihre einzige Urenkelin) nie kennengelernt. _pauledeluxe


14, erste Liebe. Mutter: „Die triffst du nicht mehr oder du fliegst!“

Warum ich mit knapp 15 von zuhause ausgezogen bin/wurde. _DubeAteo


1 Jahr später trafen meine Mutter und ich die Abmachung, dass wir uns aus dem Liebesleben des Anderen raushalten.

Ich konnte ihr nie meine Ex-Freunde vorstellen oder über Liebeskummer reden.

Sie hat hinter meinem Rücken geheiratet.

Wir haben uns also beide dran gehalten. _DasKleineBlaBla


In Pubertät meine Transidentität und mein lesbisches Begehren entdeckt. Aufgrund Mobbing, fehlenden Rollenvorbildern und abwertenden Kommentaren aus dem Umfeld lange versteckt. Outing erst mit Anfang 20, seit 2016 Begleittherapiezeit, Verheiratet und Mama. _AndersJenny


„Meinst du, dass deine Geschlechtsidentitätskrise nicht nur dadurch kommt, dass dein Körper so viel schlimmes erfahren hat? Du hast ja immer nur gesagt, dass du lieber ein Junge bist und NICHT, dass du schon immer einer warst. – Meine Mama _whisperingmoors


Als ich 16 Jahre alt war kam eines Nachts ein Familienmitglied in mein Zimmer, welches mich im Dunkeln festhielt und meinen Intimbereich anfasste, um zu „überprüfen“, ob ich eine Frau oder ein Mann sei. _NicolasTransgay


Ich wurde schon paar mal gefragt, warum ich mich so vehement für LGBT+ einsetze, wo ich selbst doch „normal“ bin. Unter könnt ihr lesen warum. _MeritSeto


Warum müssen Schwule immer so schrille Pride-Paraden machen? Können die nicht einfach zu Hause schwul sein?“ (Bekannter, der gerade zu Gast bei uns ist) _tobhahn


„Ich hab ja immer Lindenstraße geguckt bis die da gezeigt haben wie sich so zwei Männer küssen“ _tobhahn


Damals in der Lindenstraße als Tanja Schildknecht eine lesbische Storyline bekam und meine Mutter zu mir sagte „Wehe, du wirst so.“ _Lieveheersbees5


Bin Vegan und habe meine Konfirmation abgebrochen trotz religiöser Familie.

Schaue mit meiner Oma TV und es kommt ein lesbischer Charakter.

Oma: Du bist ja sowieso nicht so normal, ich hoffe das du nicht noch zusätzlich lesbisch bist.

Ich, pan sitze dort voller Angst. _Lets_Lara


Am späten Abend allein nach Hause gehen bedeutet für mich, den Regenbogenbutton zu verstecken, mich so unauffällig wie möglich zu verhalten und zu hoffen, dass ich von (angetrunkenen) Männern nicht zufällig als schwul gelesen werde und in Ärger gerate. _boyinterruptedd


Mit ist ja dann endlich meine Zeit gekommen…

Meine Zeit zu sagen, dass euch n Scheiß angeht, was ich durchstehen musste und muss, und ich eher mein Leben aufgebe als zur Belustigung Fremder mein Privatleben derart ans Schwarze Brett des Dorfes zu pinnen. [ich poste das mal ohne Quellenangabe]


Ich wollte mich nicht zu äußern. Gerade habe ich keine Kraft dafür, wieder von Trollen überrannt und beleidigt zu werden.

Aber mein 14-jähriges Ich, das wegen ihrer Sexualität in Müllcontainer (die man von innen nicht öffnen kann) gesteckt wurde, will gehört werden. _Flusswoelfin


Klassenkollege läuft hinter meinem Rücken durch die ganze Klasse und fragt alle „He, glaubst du ist der Flo schwul?!“. Einer der schlimmsten Tage in meinem Leben. Ich war richtig hilflos. _FBoschek


Schulzeit war als einzig offen schwuler Dude auf der Schule nicht so cool: In den Pausen auf dem Schulhof von ner Truppe Mitschülern eingekreist und bedroht werden; auf den Gängen hinterhergerufen kriegen man sollte sich das Leben nehmen. Mobbing en masse: Alltag. Ergh. _TillOtter


„aber du stehst doch jetzt nicht auf mich oder?“ _Allescla_ra


Ich tratsche mit einem Bekannten über Bettgeschichten. Ich, damals mit Freundin, meine, ich kann mich nicht beschweren. Er, irritiert: „Aber das ist doch kein RICHTIGER Sex.“ _KaenKazui


„Du musst eine Hormontherapie machen. Da ist was falsch bei dir“ _Caetline


Ich kann nicht mehr zählen, wir oft Menschen annahmen, ich sei homosexuell weil ich drei Schwestern habe.“ _HartmutSchrewe


…ob ich mir während der Schwangerschaft ein Mädchen gewünscht hätte, fragte eine Kinder-und Jugendpsychologin in Bezug auf die Homosexualität meines Sohnes. Ich habe die Zusammenarbeit lieber beendet. _dergrauekanal


„Da fehlt bestimmt die [Elternteil]-figur!“ _whisperingmoors


Selbst wenn die eigenen Erfahrung vergleichsweise harmlos bis positiv sind: Die Erfahrung anderer machen Angst, lassen zögern. _Shiku_


„Die Kinderlosen sollten bei dem Thema besser mal die Klappe halten“ Arbeitskollege kurz vor Eheöffnung und gemeinsamem Adoptionsrecht. _eurojackpot24


Workshop zur LGBT+ Community in der Schule. Von zwei Schwulen

Naja, trans Menschen wurden nur am Rande erwähnt

Trans wurde als eigenes Geschlecht dargestellt

Asexualität wurde in einem Nebensatz abgehakt und dann vergessen

Also eigentlich war es zu Lesben und Schwulen und mehr nicht. _notedbreadthief


Almost always being the only non-binary person. Having to educate other people about queer identities. Always having your orientation and gender identity understood as a political statement. _pandaer1k


Leute, die mich dazu verpflichtet sehen, ihnen meine Label zu erklären,mich zu rechtfertigen: Pan. NB. Genderfluid. Was ist das? Warum genau dieses Label? Bin ich mir sicher? Wie kann ich das wissen? Warum nicht Label x? A n d a u e r n d. Überall. Bei jeder Erwähnung. _queen_of_gore


„Lässt man sich als dieses… nicht-binäre da… eigentlich operieren?“ _hellarcadiagay


als ich mich bei meinen eltern geoutet hab, und einen binder wollte

„jeder muss irgendwie mit seinem körper klarkommen“ _1punkmensch


Talking to then-best friend: „Well I can tolerate trans people, they’re just born like that, but people who can’t decide what gender they are are sick and just want to trick people.“ Couldn’t stay friends after that. _pandaer1k


„Ich hab ja nichts gegen Schwule oder Lesben oder Transgender Leute, aber die ganzen Genderfluiden gehen mir etwas zu weit. Verstehe die Ideologie dahinter nicht.“ Macht immer wieder Spaß, als verrückt hingestellt zu werden! Nicht! _MalchikGray


Unter , und berichten Menschen über strukturelle Benachteiligung, Diskrimierung und Gewalt, genau wie unter und . (Immer wieder) wichtig zu lesen. _JasminSarahBr


und ermöglichen, die Probleme anzusprechen In jedem Büro, in jeder Branche, in jeder Klasse, in jedem Sportverein, an jeder Bar, in jedem Freundeskreis, in jeder WG, in allen Medien, in allen Parteien, jeder Familie, in jeder Schicht, im Bahnbistro… _Le_Ann_Fr


, nicht zu wissen wo man anfangen soll zu erzählen, weil ich nicht öffentlich drüber rede. _Dahie


Ich habe in der Straßenbahn meinen Kopf auf die Schulter meiner Freundin gelegt weil es mir nicht gut ging. Wir wurden von einem Nazi mit einem Messer bedroht. _AnonymerKeks161


Und wenn es nicht böse gemeint war und trotzdem böse und verletzend ankam, dann vielleicht, weil wir uns in einer queerfeindlichen Gesellschaft daran gewöhnt haben, dafür so behandelt zu werden.

Spricht auch nicht für die Gesellschaft. _Pfanddose


Haben Menschen, die in ihrer heteronormativen Welt gefangen sind, schon mal darüber nachgedacht, dass sie feminine Lesben und maskuline schwule Männer genau deswegen nicht erkennen (wollen)? _einfachMaria_


Es gibt einige Parallelen bei der Diskriminierung von Frauen und Homosexuellen.

Lesben bekommen dabei die volle Breitseite der Doppeldiskriminierung ab. _HartmutSchrewe


„Sie sind mit einer Frau zusammen? Aha, dann hatten Sie also noch nie richtigen Sex.“ -Gynäkologin _CuriousZebra_


Diese unzähligen Aufforderungen für einen Dreier.  _countessleto


Wenn du dir im Club jemanden aufreißt. Dann rausgehst, um bisschen zu quatschten. Und sofort ein fremder Mann herkommt, dich angrinst und ungeniert fragt, ob wir mit ihm nach Hause gehen wollen.

Logik: Lesben gibt es gar nicht. Sie tun das nur, um Männern zu gefallen. _tschinderle


‚also ihr seid zwei biologische MÄDCHEN, die sich aber sicher sind, dass sie jungs sind und ihr seid zusammen. das ist ja nicht so normal.‘ _kerrlmerx


Ein schwuler Bekannter sagt erklärend in Richtung Ehemann: „damals war er noch bisexuell, er kannte mich noch nicht, er war verwirrt.“

Meine zukünftige Frau und ich (beide Bi) so:

¡W H A T! _sbkDiggi17


  • „Ihr wollt doch nur besonders sein“
  • „Und ich identifiziere mich als Kampfhubschrauber hahaha lol“
  • „Es gibt zwei biologische Geschlechter. Alles andere sind psychische Krankheiten“
  • „Aber was bist du denn WIRKLICH??“
    Thema non-binary. Zum Glück nicht alles selbst erlebt. _RainyRegenfeder

  • ‚Pan, okay, aber dieses poly wird doch jetzt echt ein Selbstfindungstrip.‘
  • ‚Whoa, so mit mehr Leuten? Das klingt eher psychisch gestört, sorry.‘
  • ‚Finde mal eine ordentliche Frau, dann wirst du auch echt lesbisch‘ _poly_ravenclaw

„mir hat mal jemand in einer Nachricht geschrieben: „Unser Freund ist jetzt unsere Freundin und wir laden sie trotzdem immer noch zum Essen ein.“ _buzzaldrinsblog


„Warum hast du denn deine Haare abgeschnitten? Lang stand dir doch so gut! Jetzt siehst du aus wie ein Junge! Und die Klamotten dazu. Du bist/warst doch so ein hübsches Mädel!“

Newsflash: ich bin immer noch ein hübsches Mädel! Meine Freundin sieht das übrigens auch so! _SpaceCowBara


Ich auf ner Familienfeier „Wir haben uns ja lange nicht gesehen. Aber dein Nagelack…bedeutet das was? Ich meine du bist ja ein Junge“ _Marek42164153


„Du hast eine schöne Handschrift, haben das alle Schwule?“ _joelkraus_


Grillparty: „Hallo Robert, schön, dass du da bist, der „Sowieso“ kommt auch gleich, der ist auch schwul.“ _ReiseRobby


Bekommt zum Geburstag 4 Kalender mit nackten Männern /Tiny Rosa Werkzeugkoffer geschenkt.

„du bist doch schwul, du magst das sicher“ [kicher] _machi1701


Freundin meiner Mutter beschreibt irgendeine Frau als „Die, die aussieht als sei sie mal ein Mann gewesen.“ Während ich, offener trans Mann, daneben sitze. _notedbreadthief


Vor Beginn des CSD stehen eine Freundin und ich in Bi-Flaggen gehüllt am Straßenrand. Ein älterer Mann im Regenbogenshirt kommt auf uns zu, fragt nach der Bedeutung der Flaggen und fragt nach der Antwort abschätzig „Könnt ihr euch nicht einfach für eins entscheiden?“ _lana_greenlake


  • „Ach klar, die Selbstfindungsphase.“
  • „Irgendwann entscheidest du dich für ein Geschlecht.“
  • „Is‘ ja aber auch momentan totaler Trend.“
  • „Bald gibt’s keine Heteros mehr! Was dann?!“
  • „Aber wenn du dich entscheiden MÜSSTEST…-„
  • „Aber Lesbensex ist doch voll ekelhaft?“ _humanight1

  • „Du siehst doch voll gut aus, wieso stehst du denn auf Frauen? Das hast du doch gar nicht nötig.“
  • „Du bist Bi? Sieht man dir gar nicht an.“
  • „Musst nur mal richtig gevögelt werden.“
  • „Du hast ja jetzt doch einen Mann geheiratet, dann bist du jetzt wieder normal?“ _MaditaSternberg

Nach dem 4. Outing bei meinen Eltern habe ich aufgegeben. Es lohnt einfach nicht, wenn sie wenige Tage später doch wieder so tun, als hätte es das Gespräch nie gegeben. _A_Jurtzki


1 jahr nach meinem ComingOut im Freundeskreis habe ich mir die Haare von hüftlang auf 3mm abschneiden lassen.

Kommentar von Freunden „Hast du dich jetzt endgültig für Frauen entschieden? Hab doch gesagt, dieses bi-sein war nur ne Phase“ _SveaCaro


„Mama ich habe einen Freund“ „Das muss ich erstmal verkraften, das du nicht normal bist.“ _marchi1701


meine mom: rannte zum arzt und ließ sich beruhigungsmittel verschreiben, weil ich ihr „DAS“ antat.

ich gab mir dann mühe, wieder „normal“ zu sein.

(und hasste mich) _zieterow22


„Ich hätte dich damals in die Hecke spritzen sollen“

…( von meinem Vater als ich zwangsweise geoutet wurde und dazu stehen musste und es auch getan habe) _StephanHegger


Mit „+1“ auf die Hochzeit eines Verwandten eingeladen werden, aber von Dritten verboten bekommen, die Partnerin mitzunehmen, „weil es nicht um dich gehe und das die Braut aus dem Mittelpunkt rücken würde“ _KrawallKiwi


Meine Mama war nachdem ich mich ihr gegenüber geoutet habe, absolut dagegen dass ich mich in der Schule oute. Ich weiß bis heute nicht, ob sie mich nur schützen wollte oder ein Problem damit hat. _graueblumen


Ein Ex Freund von mir könnte auch noch etwas dazu sagen, aber als seine Eltern heraus fanden das er homosexuell war, sich Sorgen um den Ruf im Dorf machten und ihm darum das Leben zu Hölle machten hat er sich umgebracht. Mit 19 Jahren. _StephanHegger


Was meine Familie so zu mir sagt:

  • ‚wir gehen zu einer familienfeier, bleib zuhause, sonst müssen wir uns für dich schämen‘
  • ‚was haben wir falsch gemacht, dass wir so ne tr*nse bekommen haben?‘
  • ‚wir hätten dir öfters aufs maul hauen sollen‘ _homolordt

Nie den Sprach-Chat in Multiplayer Spielen nutzen können, weil du trans bist. Hass und Beschimpfungen sind Alltag. _Dana_Lurchliebe


Probleme zu haben, von deren Existenz ein Großteil der Bevölkerung nichts weiß , Nur-Mann-und-Frau-im-Eheregister…. _LemaSdn


Asexuell sein und sich immer wieder bis in die Mittzwanziger die Frage stellen müssen, was mit einem nicht stimmt, nur weil man den Hype um Sex und Beziehungen nicht nachfühlen kann.

Und dann das Erwachen, wenn man realisiert, dass es dafür einen Namen gibt. _Chan_to_the_Ho


Wenn man als bisexueller trans Mann in schwulen Kreisen wie unsichtbar ist und nicht ernst genommen wird, weil man deren körperlichen Normen nicht entspricht und gleichzeitig noch mit Stereotypen über bi Menschen konfrontiert wird. _daydreamer1796


„Du bist nicht bi, du willst nur Aufmerksamkeit!“ _mianjanssen


„Vielleicht wärst du nicht single, wenn du nicht immer so raushängen lassen würdest, dass du bi bist.“ _bildungsburger


„Ich denke nicht, dass jemand auf Männer und Frauen stehen kann. Der wird sich eben irgendwann entscheiden.“ _onlyablueberry


‚Hä, du hast deinen Freund schon seit x Jahren, wieso solltest du da bi sein?‘ _browniemance


„Stehst du auch auf Gegenstände? Tiere? Kinder?“ _mrlnxf


Fragte uns vor Jahren so ein Depp: „Wer ist von euch beiden der Mann?“

Ich antwortete: „An geraden Tagen ich, an ungeraden sie.“ _GwenDragonTek


weil jedes outing mit dem anlegen einer inneren rüstung beginnt.

gegen „ich hab nichts gegen schwule, aber…“

„das hätte ich nie von dir gedacht….“

„das ist doch gar kein thema, warum musst du denn darüber reden?“ usw. _KlemensKetelhut


Die toxische Toleranz des „Schwulsein? Gar kein Problem. Alles völlig normal. Lasst uns einfach nur nicht drüber reden.“ _s_krieger


„ja ich hab ja nichts gegen schwul aber müsst ihr das alle so raushängen lassen? du legst es wirklich darauf an von irgendwelchen Nazis zusammengeschlagen zu werden, oder?“ _timothyagemusic


Auch wenn ich viel Selbstvertrauen habe & mir die Meinung vieler Menschen egal ist. Überlege ich immer 2 Mal, ob ich wirklich mit „Frauen“schuhe & Lippenstift im Gesicht auf die Straße gehe. _TymScorpus


„Warum habt ihr eigentlich eine Flagge aber es gibt keine Hetero-Flagge? Gleiches Recht für alle, gerade du musst doch verstehen dass das Diskriminierung gegen Heteros ist!“ _timothyagemusic


„Ihr dürft doch heiraten? Was wollt ihr denn noch?“ _mariabraeu13915


Für meine Schwiegereltern existierte ich einfach nicht.

Der Sohn konnte und durfte nicht schwul sein. Ignorieren und totschweigen macht „es“ inexistent.

Meine Schwiegermutter starb nach 10 Jahren, mein Schwiegervater 7 Jahre später.

Habe sie nie kennengelernt. _VanGestern


Meine Mutter bedauerte nach meinem coming out, dass ich „nie“ Kinder haben werden. Heute bin ich die einzige von drei Töchtern mit Nachwuchs. Leider hat sie das nicht mehr erlebt. _Andreacmeyer


Ein Kollege: „Können Sie uns einen kleinen Text zu S/M und ähnlichen Praktiken schreiben? Sie kennen sich da doch sicher aus, Sie sind ja schwul.“ _mannfrauundco, Journalist


Eine ehemalige Chefin zum Chefarzt: „Wir brauchen endlich einen Mann im Team.“ Der Chefarzt lacht und alle gucken mich an. _ichunddieabwehr [queere Ärztin?]


Nach dem 2. Auftritt bei dem ich ein Liebeslied an meinen Freund gesungen hatte, kam ein Z-Promi zu mir und sagte: „Ey du hast Talent, aber lass das ganze Schwuchtel-Zeug und zieh dir mal was Vernünftiges an.“ _TillOtter


bei einer grösseren Firma in der Provinz beworben. Sollte „Ehefrau“ zur Vertragsunterzeichnung mitbringen. Erzählte einem anderen Manager, dass ich einen Ehemann habe. Am Tag der Vertragsunterzeichnung betretenes Schweigen. Vorwurf, ich hätte die Firma hintergangen. _mooksberlin


Jedesmal vorm Outing darüber nachdenken ob es einem im Beruf schaden könnte. _labatteuse


„Den Bi-Sticker auf auf deinem Laptop machst du aber noch ab, bevor du ein Seminar gibst, oder? Was sollen denn deine Studis denken?“ _bildungsburger


„Bei dem besser an der Wand lang gehen!“ Als Tipp unter „Kollegen“ über mich. _EureWortschaft


Protipp: Alle Fragen und Kommentare, die ihr gegenüber heterosexuellen/cis-Menschen nicht bringen würdet, weil sie einfach zu dämlich und übergriffig sind, sind auch bei allen anderen Menschen zu dämlich und übergriffig. _einfachMaria_


Und trotzdem überlege ich bei jedem neuen Arbeitsumfeld:

Erzählst Du direkt locker flockig, dass Du mit einem Mann verheiratet bist?

Wie wird das Umfeld reagieren? _monZeitgeist


‚bist du n mädchen??‘

ne

‚hä n junge oder was???‘

hmmh

‚achsooo ne transe haha‘ _kerrlmerx


„Wenn du trans wärst, könntest du keinen Sex haben. Transen (sic!) hassen doch ihren Körper, die können sich doch nicht nackt sehen.“ _omegaonmars_


achja, meine mutter „nein, du bleibst für mich [deadname], ich nenn dich nicht alex, ich hab mir was bei dem namen gedacht!“ _1punkmensch


denkt ihr bitte dran, eure binären hetero standards NICHT auf personen zu projizieren, die keine äußerlichen queer-merkmale aufweisen? (es ist irre anstrengend) _Bart___


Mein Partner und ich gehen auf dem CSD Hand in Hand und knutschend mit der Parade mit, wir haben beide Bi Flaggen als Umhang, sogar eine ins Gesicht gemalt. Wir werden mehrmals angepöbelt das Heteros hier nichts zu suchen haben. Wir sind beide bi. Auch LGBT+ sind blind. _lana_greenlake


Ich bin 30 Jahre alt, bin seit 9 Jahren mit meinem Mann zusammen und habe mich erst vor 2 Jahren geoutet. Mein Leben war eine Lüge und meine Eltern kennen mich kaum. _NicoLAS_VEGAS


LGBT culture is your parents knowing absolutely nothing about you. _tumblr: heterophobicflint


Bei diesem Hashtag von Heteros nicht verstanden werden, weil sie oftmals nicht wissen, was „Queer“ bedeutet. _weltlage


Sich nicht outen wollen, um sein Sexleben nicht mit anderen ausdiskutieren zu müssen. Das ist Privatsache, goddammit. _whoopwhoop1001


Als ich aufwuchs, waren Hella von Sinnen und Martina Navratilova die einzigen , die ich kannte. So wollte ich nicht sein. _Andreacmeyer


Noch ein Klassiker: „Sowas hat in einer Kinderserie doch einfach nichts zu suchen. Das verwirrt die Kinder doch nur!“ _KaenKazui


Boa ist das schlimm diese ganze Beiträge zu lesen Selbst die harmlosen zeigen ein Bild von “ du gehörst eben nicht dazu“ Du bist in besten Fall ein Kuriosum. _marchi1701


Mit (Ex)-Freundin abends unterwegs. Glatzen näherten sich uns. Sie streiten darüber ob wir Frauen wären. 1 greift mich an & schiebt mir seine Hände unters Hemd. Er zieht mir die Bandagen runter mit denen ich meine Brüste abgebunden hatte. „Bist ja doch ein echtes Mädel.“ _Zesyra


Wenn das Schönste auf der Welt – ein Kuss, eine Umarmung, eine Zärtlichkeit – in der Öffentlichkeit Überwindung bedeutet. _svenlehmann


Noch bis Anfang der 90iger Jahre hatten alle Homokneipen+Discos in die ich ging Klappen i.d. Eingangstür Man musste klingeln u. wurde zunächst durch die Klappe angesehen bevor sich d.Tür öffnete. Ich fand das zickig , bis ich das erste mal einen Schlägerüberfall erlebte. _InfraRiotGirl


Mit 13 nen Typen angezeigt, der mich online massiv belästigt, sogar konkrete (Mord)drohungen ausgesprochen hat.

Cop: „Sag jetzt mal ehrlich: du kennst den doch auch in echt, oder? Ihr kennt euch doch alle untereinander! _Souplemur


An alle: ich freue mich über jeden Kuss, jedes Händchenhalten, jede Sichtbarkeit vom nicht-Heten in der Öffentlichkeit.

Wir sind doch auch so viele, nicht nur hier im Internet. _LemaSdn


Lese , nicke sehr oft, bin wieder 15 und habe Angst davor, ich zu sein. _herrurbach


Ich habe das große Glück, nichts zu beitragen zu können, außer, dass mein Freund keine öffentlichen Liebesbezeigungen (Händchenhalten etc.) will. Nach dem Lesen verstehe ich immer besser, warum. _MadMatheMatiker


Ich habe jede Menge zu erzählen, aber das hat mich ehrlich gesagt noch nie weiter gebracht. Eher hat es mich zurückgeworfen, denn niemand will sowas hören. _TrishaSiobhan


Hui, unter fühlt sich jetzt aber sehr vieles sehr vertraut an. Und dabei würde ich immer sagen, dass mir noch nie „was schlimmes“ passiert ist – aber die kleinen Dinge sind ja manchmal dann doch auch schlimm. _Ina_Steinbach


Lese und denke, ach, so schlimm war das ja nicht, doch langsam tröpfeln die verdrängten Erinnerungen … _Andreacmeyer


Man vergräbt die blöden Sprüche, legt sich evtl. Konter zurecht, steckt das alles weg & ignoriert es. Man ist ja schließlich stark & es gibt ja auch Wichtigeres im Leben. Will die Aufmerksamkeit auf die schönen Dinge richten. Ich sags mal wie es trotzdem ist: Scheiße. _Herbstwindkind


Boa ist das schlimm diese ganze Beiträge zu lesen Selbst die harmlosen zeigen ein Bild von “ du gehörst eben nicht dazu“ Du bist in besten Fall ein Kuriosum. _marchi1701


Ich will meine Kraft eigentlich nicht dazu verwenden, die schlechten Erfahrungen wieder aufzuwärmen.

Aber es ist einfach wichtig, dass das mal in die Köpfe dieser ignoranten Menschen geht: Ja verdammt, LGBT-Themen & deren Diskriminierung geht euch auch etwas an!! _Herbstwindkind


Wie mir einmal eine Zigarette auf der Brust ausgedämpft wurde, weil ich schwul bin und ich im ersten Moment den Fehler bei mir gesucht habe (zu offensichtlich nach außen getragen?) _CGaerner


„Sowas hat man früher vergast“ _DubeAteo


Ausflug mit der Schulklasse ins KZ Sachsenhausen. Uns wird erzählt, dass hier viele Homosexuelle inhaftiert waren. Alle gucken mich an. Einer sagt: „Hier gehörst du hin.“ _Zesyra

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alle Tweets: gepostet zwischen 15. August und 18. August, ca. 2 Uhr morgens.

der Hashtag startete am 13. August 2018, durch Hartmut Schrewe.

„Ich habe und als großzügige Geste empfunden, dass mich Menschen an ihren ganz persönlichen Erfahrungen teilhaben lassen und ich lernen und mich vielleicht selbst ertappen darf.“

..

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ich dachte nicht, dass ich selbst viel zum Hashtag beizutragen hatte.

doch während ich die vielen Tweets las, merkte ich, wie viel Ungesagtes, Verwandtes mir dabei einfällt – ohne Überlegen.

ich bräuchte ewig, um zu sammeln, welche Entwertungen, Ausschlüsse es z.B. für  und  (Rassismus)-Betroffene gibt.

wer Entwertung oder Hass selbst erlebt, hat da einen RIESEN-Wissensvorsprung.

weiter gedacht heißt das:

kein Wunder, dass jemand, die/der z.B. Rassismus erfährt

  • klüger über Rassismus schreibt
  • Interessanteres zu sagen hat
  • Rassismus klarer erkennt und benennt
  • bessere z.B. Kunst über Rassismus macht als ich, der Nicht-Betroffene.

deshalb: hört Betroffenen zu – statt solche Beiträge sofort zu relativieren, in Frage zu stellen, Kritik am Stil, Ton oder an der „Taktik“ und „Wirkung“ zu üben.

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meine #meQueer-Tweets:

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„Ich

  • verhalte mich ganz normal
  • passe mich an
  • gehe nicht mit meiner Sexualität hausieren
  • glaube, niemand muss wissen, mit wem ich schlafe…und deshalb ist MIR noch nichts Schlimmes passiert.
    seid ruhig queer – aber spart euch das Lautsein und die Auffälligkeit!“

das Gefühl, mir etwas KRASS Sexuelles, Derbes, Profanes zu erlauben.

mein ganzes Umfeld mit was zu konfrontieren, das sie lieber nicht wüssten.

die Angst, dass die Geduld endet & ich ne „Rechnung“ zahlen muss, Schmuddel-Sexualität in ihr Leben eingeschleppt zu haben.


„Oh! Eine queere Figur. Toll!“ „Ja – in neuen Serien muss es ja jetzt immer etwas Extremes oder Abnormales geben.“


„Jetzt gibt es schon Wonder Woman UND Black Panther, im Kino. Jetzt noch eine lesbische Batwoman? So langsam wirds übertrieben!“


„Ah, du liest ein schwules Buch / magst schwule TV-Figuren, weil du schwul bist. Ich bin normal. Für mich ist das nichts.“


„Ich habe mich in meinem Dorf nicht wohl gefühlt. Ich lernte die erste queere Frau mit… ca. 20 kennen!“

„Und DESHALB magst du dein Dorf nicht? Das ist doch völlig egal.“

nein.

mir entging so viel Welt, Realität, Vielstimmigkeit.


  • liest gern
  • unsportlich, ungeschickt
  • ist mit Frauen befreundet…wurde als „Indiz“ meiner Queerness verstanden. als käme das als Komplett-Paket, und als seien Jungs, die so sind, per se queer, suspekt, verdächtig.

„Franz kommt auch zur Weihnachtsfeier, aber Franz mag GAR KEINE Schwulen und Franz findet Schwule GANZ schlecht und Franz ist da immer GANZ beklommen und… Stefan? Warum kuckst du so lustlos, jedes Weihnachten?“


klar kann man „ganz nebenbei“, „selbstverständlich“ eine queere Erfahrung erwähnen, um sich zu outen. doch ich hatte mit 24 meinen ersten schwulen Kuss… und dachte zuvor: *glaubt* man mir meine Queerness überhaupt – so lange es NUR um Begehren geht, ohne Praxis?


wer sich outet, ist dann ein „Berufsschwuler“, eine „Berufslesbe“. wer öffentlich spricht, fährt „die Mitleidsschiene“, will daraus „Kapital schlagen“ oder „predigt zu seinen Gleichgesinnten“.


„Und jetzt bist du homosexuell…“

„Ich bin bi.“

„Na ja. Stefan muss sich wieder das Ungewöhnlichste aussuchen. Wie immer.“


„Gay Pride? Ihr seid STOLZ und wollt beklatscht werden – dafür?“

Ich lese dieses ‚Pride‘ als ‚Ich schäme mich nicht‘, nicht als ‚Ich sehe meine Queerness als Leistung‘ – aber, hey: Mut, Selbstbewusstsein, Kraft zu haben, auf nem CSD zu feiern, IST ne Leistung.


„Ihr habt doch schon alles erreicht! Ihr SEID doch überall.“

  • „Hast du queere Kolleg*innen?“ – „Woher soll ich das wissen?“
  • „Gabs queere Lehrer*innen?“ – „Vielleicht gerüchteweise.“
  • „Nenn mir eine lesbische Autorin!“ – „Was haben Bettgeschichten mit Literatur zu tun?“

kaum queere Figuren / Role Models hieß für mich mit ca. 14:

  • aber alle Männer sind mir unsympathisch
  • aber Analsex? boah, nein!
  • aber ich will nicht tuntig und modisch/gepflegt sein= okay. bisexuell bin ich wohl nicht. queer „werden“ & ich selbst bleiben? geht nicht.

2+ Jahre Beziehung (in Toronto) – ohne, die Eltern meines Partners je zu treffen.

„Sie können mit meinem Schwulsein leben – so lange ich ihnen alles Konkrete erspare.“


„Oh nein – warum hast du mir gezeigt, wie dein Freund aussieht? Jetzt muss ich mir ja RICHTIG vorstellen, wie ihr Analsex habt und… boah. Ich wünschte, ich hätte das alles nie erfahren.“ Gleichaltriger, in der Clique.


Leute ekeln sich so sehr vor schwulem Sex, dass, steht in ner Umfrage „homosexual“ statt „gay“, intolerantere Urteile gefällt werden.

DESHALB schreiben AfDler etc. gern „Homosexuelle“.


X, Mitte 60, glaubt, „schwul“ sei eine Beleidigung. und sagte deshalb lange: „Oh – dieser nette Mann hier ist… anders geartet.“


v.a. ältere Leute, die plötzlich intime Fragen stellen.

weil sie glauben, queere Menschen hätten irgend eine Beschädigung oder Vernachlässigung erfahren und wurden aus z.B. Trauma oder Enttäuschung heraus queer.


jemandem sagen, dass ich queer bin, heißt jedes Mal: abwägen / in Kauf nehmen, dass die Person ablehnend reagiert oder mich dafür angreifen könnte.

ist da ein Abhängigkeitsverhältnis, lasse ichs lieber.


ich habe mich erst geoutet, als ich „nichts mehr zu verlieren“ hatte und wusste, dass mich z.B. Familienmitglieder nicht mehr bestrafen, sanktionieren konnten. weil ich woanders lebte und sich mein Leben endlich ohne sie stabil finanziert.


„Aber Stefan: Warum hast dus UNS nicht früher gesagt?“

„Weil es 1000 Dinge gibt, die ich nicht über euch weiß. Und weil ich nicht sicher sein konnte, dass ich euch vertrauen kann und ihr es nicht gegen mich verwendet.“


„Das ist doch völlig normal. Jetzt hör also bitte ENDLICH auf, drüber zu reden und das in den Mittelpunkt zu stellen. Ist doch nur wichtig, falls man mit Leuten Sex haben will. Too much information!


„Na, wenn man sonst nichts hat, muss man sich eben darüber definieren, wen man bumst. also ICH bin Handballer, und Rheinlandpfälzer, und Beamter und habe zwei Kinder und ein Haus!“


„Dieter Nuhr etwa reißt die bekannten Homo-Zoten von Popo-Sex und der Seife unter der Dusche“, schreibt Johannes Kram (Link).

„Macht euch mal locker. Echte Akzeptanz heißt, dass ihr auch über euch selbst lacht, mit uns!“


ich sehe *so* viele Leute, die sich in queeren Netzwerken oder auf Tumblr „Fag“, „Schwuchtel“, „worthles bottom bitch“, „Sau“ usw. nennen. klar: viele werdens einfach „verrucht“ & kinky finden. ich verbitte es mir, wenn jemand versucht, mich sprachlich zu entwerten.


bei jedem Outing eines Bekannten oder Promis Diskussionen: „Sah man es dem/der nicht eh an?“ und „War der/die jetzt zu blöd oder in-die-Ecke-gedrängt, das zu verstecken?“, oder „RESPEKT: Man hat es nicht gemerkt! Der kam echt rüber wie ein normaler Mann!

Reply: „zumal viele das „Hätte ich gar nicht gedacht“ oder das „Sieht man dir gar nicht an“ für ein Kompliment halten.“

Reply von mir: „heterolike“ „masc4masc“ „nofagsnofems“


ein Freund von mir ist schwul, jüdisch, HIV-positiv und lebt mit ner Behinderung. spreche ich über ihn, beginnen manchmal Diskussionen, wofür er am meisten zu bemitleiden ist.


Leute werden wütend, wenn ich sage, ich fühle mich in Deutschland nicht wohl.

„Du hast doch echt Glück! Geh mal in andere Länder und warte, was DA mit euch passiert!“


ne Hochzeit feiern? ich stelle mir immer vor, wie alle alle Hetero-Paare, die kirchlich heirateten, uns sehen und denken „Das ist ein leerer und trauriger Abklatsch. Kein Brautkleid. Wohl keine Kinder. Keine Glamour-Frau“ etc.


der traurigste Tweet zu :

recht junger Mann liest viele neg. Tweets und will dem „was entgegen setzen“, Mut machen:

„Ich habe durchs Outing keine Freunde verloren. Viele sagen sogar nicht mehr ‚Schwuchtel‘ zu mir, weil sie wissen, dass ichs respektlos finde.“

SOGAR. 😦


tuntige Menschen, gender-nonconforming Menschen, auffällig queere Menschen in z.B. der Straßenbahn sehen und nicht wissen, wie ich ihnen signalisieren soll, dass ich sie für ihre Sichtbarkeit und für den Mut, aufzufallen, toll finde.


viele -Tweets, auf die Heteros am stärksten reagieren, haben mit Geschlechterrollen und engen, fiesen Geschlechtszuschreibungen zu tun.

wundert mich nicht: wir leiden echt ALLE unter Müll wie:

  • „ein normaler Junge“
  • „ein ordentliches Mädchen“
  • „ein attraktives Paar“

ich folge SO vielen Accounts queerer Männer hier, die täglich zeigen:

  • ich bin gepflegt
  • entspannt
  • locker und witzig
  • ich fühle mich wohl

ich wünschte, diese happy Boys würden bei mitreden – und zeigen: SO einfach und sonnig ist es auch für sie nicht immer:


ihr zeigt eure teuren Wohnungen

  • Trainungsklamotten
  • Basecaps
  • Turnschuhe
  • Le-Creuseut-Töpfe
  • Balkone
  • Desserts

& manchmal eure Unterwäsche + Haut.

ich freue mich für euch mit. wirklich. doch habt ihr Erfolgs-Schwulen GAR NICHTS beizutragen über Ungerechtigkeit, Ausgrenzung?


ein schwuler, selbstständiger Bekannter postete: „Sei immer wie eine Ente. Du musst ruhig, souverän wirken – während du unter Wasser paddelst wie verrückt.“

ich lebe anders. mich freut, falls unter auch „glückliche“ Erfolgs-Männer zeigen, wie schwer vieles ist.


mir macht Angst, wie oft „Identity Politics“ als Kampfbegriff verwendet wird. jedes Mal, wenn Marginalisierte ihre Stimme erheben, gibt es fünf Essays in z.B. der NZZ, die sagen:

„Diese Randgruppe sieht nur sich selbst und definiert sich zwanghaft über ihre Identität.“


Wenn Leute fragen: „Was sagen deine Eltern dazu?“

und dabei klingen wie „Und DAMIT kommst du durch? Straflos? DAS darfst du dir leisten?“


immer überlegen, ob ich nicht besser Positives, Lobendes teile – damit meine (tollen) nicht-queeren Freund*innen nicht denken: „Wie undankbar.“

auch, weil -Anekdoten mit Happy End VIEL mehr Likes kriegen oft. Hetero-Erleichterung: doch nur Einzelfälle?


bei jedem Twitter- und Insta-Profil, das eine Regenbogenflagge zeigt, wissen: diese Flagge hat euch etwas gekostet

  • Kraft, Überwindung, Mut
  • berufliche Chancen
  • Freundschaften, Anerkennung in der Familie
  • potenzielle Hetero-Follower*innen: „Der ist anders. Subkultur.“

„Dochdoch: ich habe gehört, ein Drittel aller trans Leute bereut ihre Umwandlung. Deshalb sind psychologische Gutachten so wichtig.“

wie kann diese Bullshit-Zahl so lang kursieren?


Schwule, die TOTAL freundlich, zugewandt sind – doch viele schlechte Erfahrungen in der Schule hatten und heute als Servicekraft oder Verkäufer arbeiten.

auch, weils da festen Rollen gibt – ein Gerüst, Regeln: dein Nettsein kann schlechter gegen dich verwendet werden.


„Ich kenne zwei Lesben – und finde die beide unsympathisch, farblos und…“

„…mache absurde Generalisierungen und kenne zu wenige Menschen, ja. Schade für dich.“


viele Freund*innen von mir studierten Pädagogik. ich frage regelmäßig: „Habt ihr an der Schule, im Kollegium queere Kolleg*innen? Sind sie out – auch vor den Klassen?“

bisher kam noch keine Antwort, die mir Mut machte.


„männerhassende“ Feminist*innen und/oder Lesben? kenne ich nicht – nur als Behauptung, Schreckgespenst.

frauenhassende (und: Femininität-hassende) Schwule? kenne ich Dutzende.


„Ach, Lesben. Die sehen ja echt GENAU SO aus wie Männer. Richtig männlich. igitt.“

vs. „Oh, ein trans Mann, der versucht, auszusehen wie ein Mann? Das klappt nicht. Du wirst nie ein Mann sein!“


„Was haben wir Schwulen eigentlich mit Lesben zu tun? Wir schleppen sie seit Jahrzehnten mit durch und bekommen doch nur nen Tritt in die Eier, weil sie über „lesbische Unsichtbarkeit“ jammern.“

[echter Kommentar.]


nervös auf queere Stars, TV-Figuren, Politiker*innen kucken und genau beobachten, wie meine Eltern auf sie reagieren: Haben sie Respekt?

immer, wenn sie keinen Respekt haben, wütend auf z.B. Hella von Sinnen sein; denken „Wegen DIR finden meine Eltern Queere schlecht!“


„Oh, du

  • rennst
  • redest
  • lachst
  • singst
  • rauchst aber ziemlich schwul!“ zu hören, ab ca. 12 (Rauchen ab17), heißt:

    jedes Mal, wenn ich das mache, überlegen, wie ichs anders/“männlicher“ mache.


„In jeder Soap gibts doch heute queere Paare. Das Thema ist durch!“

ich sah 20 Jahre . oft tolle queere Paare.

doch offen queere Schauspieler*innen dort? 20 Jahre, 400+ Rollen. ich kenne… 4?


gespiegelt zu kriegen, das was mit meinem Mann-Sein, meiner Maskulinität nicht stimmt und ich *deshalb* queer bin/“wurde“.

aufpassen, dass ich keine queeren Dinge tue, über die Leute danach sagen: „Ha! Hier sieht mans wieder: Euch fehlt einfach Männlichkeit!“


bei schwulen Dates wissen, dass mein Date mir oft lang erzählen wird, was scheiße an

  • „den meisten Schwulen“
  • schwulem Dating
  • Dating-Apps, Hook-up-Culture, Sexdates, Körpernormen ist.

dauernd Schwule treffen, die „Schwule hassen“ und „nicht wie andere Schwule sind“ und „nichts mit der Community am Hut haben“.


„Ich kaufe noch Snacks: Chips, Flips…“

„Schokolade?“

„Nein, nur Männer-Snacks. Frauen-Snacks haben wir noch daheim.“

„Moment: Alles Süße ist für dich: ‚Frauen-Snacks‘?“

„Klar. Frauen: süß. Männer: knusprig, salzig, deftig.“

„Ich mag Süßes!“

„Stefan: DU bist auch bi.“


Hetero-Freund*innen ein queeres Buch schenken und wissen:

wenn sie das kalt lässt oder abstößt, ist es wahrscheinlich wieder für eine Weile das letzte Mal, dass sie queeren Content lesen, freiwillig.


vor

  • Love, Simon
  • Brokeback Mountain
  • Die Mitte der Welt stehen

und wissen: ich würde Papa zwar gern nen queeren Film schenken zu Weihnachten – aber DAS trifft mich & unser Verhältnis halt null.


dauernd hören, dass irgendwas mit meinem Gender, meiner Gender-Performance, meinem Gender-Bewusstsein etc. nicht stimmt…

…weil: würde ich als Mann funktionieren, glücklich sein, würde ich doch keinen zweiten Mann suchen, der mir da was bestätigt oder kompensiert.


„Schwule und Lesben gehen ja noch – nur was soll diese LGTQIAbcdefgh“-Buchstabensuppe? Da will einfach jeder besonders sein und alle stecken sich in komische Schubladen, weil sie sind und nicht kapieren, dass JEDER anders voneinander ist.“


Freunde kucken bei jeder Frau, von der ich etwas will, was an ihr „männlich“ ist und, ob mich diese „männlichen“ Aspekte an ihr reizen. #bisexuell


„Ich kenne nen Schwarzen, der sagt dauernd N****kuss.“

: wissen, dass ich, wenn ich nicht widerspreche, ausdiskutiere, einschreite, mich entschieden wehre, ICH Kronzeuge/Beweismittel in ähnlichen Anekdoten über Queere werde. „Stefan stört es nicht.“


dauernd hören, „der Islam“ sei unser größter Feind.

dauernd hören, wir schaffen uns selbst ab, wenn wir eine offene Gesellschaft fordern.

dauernd: schwule Männer auf Twitter blocken, die Rassisten sind & Rassisten feiern.


mit Leuten Kinderfotos durchsehen und hoffen, dass niemand sagt:

„Kuck! DA konnte es man ja schon sehen, ahnen, wissen: Kuck mal, wie du sitzt, kuckst, was du anhast!“ etc.


wenn alte weiße Hetero-Kulturmänner plötzlich einen schwulen Mann loben, interviewen, empfehlen, feiern…

immer lange googeln:

  • ist der SO gefeierte Mann in der FDP?
  • ist er libertär?
  • ist er gegen Minderheitenrechte?
  • wettert er gegen die schwule Community? etc.

das selbe: jede Frau mit türkischstämmigem Namen, die plötzlich von Axel Springer gefeiert, empfohlen, bezahlt wird.


queere Kultur suchen. zu wenig finden. viel von dem, was beliebt ist, nicht mögen. mich dann fragen:

a) gebe ich mich trotzdem damit ab?

b) kritisiere ichs öffentlich – oder ist das unsolidarisch?

c) stimmt mit MIR was nicht: das gibts doch extra für Leute wie mich!


In meiner alten Schule stehen, ein Plakat sehen, auf dem #Vielfaltlieben steht und erstmal…

wütend und eifersüchtig sein. mich fragen: Wo waren solche Statements und Signale und Normalisierungen, als ich sie brauchte: vor 2002?


mich für jeden tuntigen, geschminkten, promisken, mädchenhaften, aggressiven, sexualisierten, lauten schwulen Mann schämen… weil ich Angst hatte, dass Leute denken, wir alle sind so. so gut, den Hass später hinter mir zu lasen.


2005: ich betreue ein Schreibprojekt, bei dem 15 Leute 6 Monate täglich teilen, welche Texte, Kultur etc. sie bewegt, begeistert. als eine Lesbe fast nur queere Kultur beschreibt, bitte ich, auch anderes zu nennen – „sonst bist du so ein Klischee.“ ich war ein Arsch.

warum war ich ein Arsch? mein Job wäre gewesen, die ganzen Heteros, die NICHTS Queeres teilen, bemerken, auf dem Schirm haben, zu fragen: „Hey – warum stemmt sie das alleine? Warum hätte das Projekt OHNE IHRE ARBEIT Null LGBT-Content?“


Ich finde dich halt scheiße – aber das hat nichts mit deiner Sexualität zu tun… aber das finde ich eh so scheiße an euch allen:

wenn man sagt, ihr seid scheiße, tut ihr gleich, als sei das Homophobie. das HASSE ich an Volk wie euch! typisch!“


„Du bist biologisch eine Frau und willst ein Mann sein? Das ist nunmal unmöglich. Und: Wenn du dich gegen geschlechtliche Zuschreibungen SO wehrst, wieso willst du dann in die Schublade ‚Mann‘? Wärs nicht egal, ob ich ‚er‘, ’sie‘, ‚es‘ sage?“


es gibt tolle deutschsprachige Accounts von trans Menschen.

doch mir fällt auf, dass fast alle Accounts Figuren, Zeichnungen etc. zeigen als Profilbild.

auch, weil jene, die sich und ihren Körper zeigen, dauernd hören „Boah! Wie es schon aussieht!“

gute Antwort von _nicolastransgayAuch weil viele trans Menschen online regelmäßig bedroht werden und deshalb Angst haben, dass das auch offline passiert, wenn sie zeigen, wer sie sind.


Jemand fragt sich, wie viele der geschilderten Erlebnisse auf Missverständnissen beruhen: Manchmal denkst du nur denkst. Am Ende doch nur Missverständnisse, die vom Gegenüber gar nicht böse gemeint sind. Ansonsten: Selbstbewusst, respektvoll und ohne Vorurteil das Problem gleich ansprechen! Und nicht erst bei „

meine Antwort:

du hast *keine* Ahnung, wie oft man als queerer Mensch überlegt:

war das jetzt wirklich nachweisbar unbestritteten tatsächlich böse gemeint?

und kann, sollte, darf ich da jetzt wirklich gefahrlos nachfragen – ohne, mir selbst damit zu schaden?


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Es geht nicht um Gruppenbildung, sondern um eine Dokumentation und das Sichtbarmachen von Gewalt in unserer Gesellschaft.

, , , , und liefern dazu jeweils eine Perspektive auf diese Gewalt.

_schreibt Tekay

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„Disenchantment“ (Netflix, Matt Groening): Kritik für Deutschlandfunk Kultur

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Am 17. August startet – nach „Den Simpsons“ (1989) und „Futurama“ (1999) – Matt Groenings dritte Animationsserie: „Disenchantment“.

Heute – 15. August, ab 14.30 Uhr – stelle ich die Serie bei Deutschlandfunk Kultur vor.

Im Blog: eine kurze Rezension und meine Notizen beim Schauen der ersten sieben Episoden.

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Ein Königreich für mehr Drama!

„Die Simpsons“ im Mittelalter?

In der zehnteiligen Märchen-Parodie „Disenchantment“ sucht Matt Groening neue künstlerische Freiheiten

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„Futurama“ ist eine Workplace Comedy: Kurierdienst-Alltag im New York des Jahres 3000. „Die Simpsons“ persifliert Familien-Sitcoms. Am 17. August startet Matt Groenings drittes Projekt: Die Netflix-Trickserie „Disenchantment“ ist blutiger, derber… und will komplexere Handlungsbögen schlagen. Mit nur einer Hauptfigur, gerahmt von Sidekicks: Noch keine Groening-Serie war so eingleisig, linear. Und schlicht gestrickt?

Tiabeanie ist 19 und einzige Prinzessin des trostlosen Märchen-Stadtstaats „Dreamland“. Ihre Mutter starb. Ihr Vater, bräsiger Mix aus Homer Simpson und Donald Trump, will sie verheiraten, für neue Adels-Allianzen. Der Thron aus Schwerten, an dem sich Beans Verlobter versehentlich ersticht, ist die bisher einzige große Hommage an „Game of Thrones“. Die Vorschauen und Trailer, die Beans Flucht in die Wildnis zeigen, trügen: Netflix bot sieben der ersten zehn Folgen für Rezensionen. Bisher ist „Disenchantment“ keine Heldenreise, Quest, Odyssee durch Zauberwelten. Und leider auch keine Coming-of-Age- oder Freundschafts-Serie:

Bean ist Alkoholikerin. Ihr fehlen Ziele, besonderes Talent. Und jedes Interesse am Elend der Dörfler und Diener um sie herum. Eine Slacker- und Fremdschäm-Figur wie aus Lena Dunhams „Girls“ oder „Broad City“. Beans geheimnisvollstes Hochzeitsgeschenk heißt Luci – ein katzenhafter Dämon im Stil von Stewie („Family Guy“), der Bean einredet, sie hätte Spaß, je mehr sie eskalieren lässt. Elfo – ein naiver 18jähriger, der das Pralinen-Förderband im Elfenreich verließ, weil er das wahre, bittere, blutige Leben kennen lernen will – beginnt als moralisches Gegengewicht zu Luci. Doch weil sich Elfo in Bean verliebt, kippt die Figurendynamik: ein nihilistischer Dämon. Eine desinteressierte Antiheldin. Und ein weinerlicher, notgeiler Elf – ebenfalls mehr Teufelchen als Engel.

Warum will diese kantige, feministisch angelegte Figur zwei kindliche Störer bemuttern? Warum spielt jede Episode im trostlosen Schloss? Und warum häuft Bean bei allem, was sie halbherzig versucht, versehentlich Leichenberge an? „Disenchantment“ nimmt Klischees aus „Shrek“, „Die Brautprinzessin“, Monty Python. Baut daraus zahnlose, beliebige Plots. Dass Episoden fünf Minuten länger dauern als in bisherigen Groening-Serien heißt leider: vielen Scherzen fehlen Tempo, Dichte, Schwung.

Comedies brauchen oft Routine: Autor*innen und Schauspieler*innen lernen sich kennen, spornen sich an. Matt Groening sagt, er zeichnete Elfo schon als Fünftklässler. Erste Pläne für „Disenchantment“ begannen 2007: Nach dem Erfolg des „Simpsons“-Kinofilms plante man eine „Herr der Ringe“-Parodie mit Homer als Märchenkönig. Bean und ihr Dreamland hätten genug Potenzial, um jahrelang zu fesseln. Bisher aber bleibt alles fade, verwaschen: Elfjährigen wird das Comedy-Gemetzel überraschend erwachsen scheinen. Bean spaltet Hänsel und Gretel (Kannibalen im Hexenhäuschen!) den Schädel. Jeder über 15 rollt die Augen. Gähnt.

Moralfragen mit Luci! Toxische Männlichkeit, Stalking, sexuelle Besitzansprüche mit Elfo! Und, ganz im Ernst: keine saloppe, etwas trinkfeste Girl-Power-Heldin. Sondern tatsächlich eine Süchtige, die sich ihr Leben zur Hölle macht. „Disenchantment“ heißt „Entzauberung“. Oder „Ernüchterung“. Sobald Humor, Figuren etwas tiefer dringen, kann das toll werden. Bisher bleibt es gestrig.

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Notizen:

„Disenchantment“ [„Entzauberung“/“Ernüchterung“] ist die dritte Trickserie von Matt Groening (geb. 1954), nach…

_den „Simpsons“, 1989 bis heute; 29 Staffeln
_“Futurama“, 1999 bis 2003, dann nochmal 2008 bis 2013; 7 Staffeln und mehrere TV-Filme

Staffel 1 von „Disenchantment“ hat 10 Episoden; Staffel 2 wird gerade schon produziert. Weltweit erscheinen die Episoden am 17. August auf Netflix, auf einen Schlag.

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Netflix stellt Journalist*innen die ersten 7 der 10 Episoden als Screener zur Verfügung; Reviews erscheinen seit dem 7. August, der Tenor ist gemischt:

Metacritic: 57 %

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meine Lieblings-Review: A.V. Club

persönlicherer Artikel über Groenings Familie, Groenings Arbeitsweise etc.: New York Times

ein lesenswerter Verriss: Vice.com

und: längerer Text über Potenzial und Schwierigkeiten von Hauptfigur Bean: Vanity Fair

Figurenbeschreibungen (mit ein paar Spoilern und interessanten Andeutungen), auch für Nebenfiguren: Indiewire

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ich tweetete, während ich die sieben Episoden sah, ein paar schnelle Gedanken auf Englisch:

Thread 1: Link
Thread 2: Link

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Sir Tuxford (Gummibärenbande); König Zog (Disenchantment)

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kulturell ist „Disenchantment“ wichtig, weil:

_Groening für die ersten ca. 11 „Simpsons“-Staffeln geliebt wird.
_“Futurama“ zwar, alles in allem, ne runde und sehenswerte Sache ist, doch weit entfernt vom Erfolg der „Simpsons“ blieb.
_Sender Fox wenig für „Futurama“ tat bis 2003 und Groenig jetzt, 2018, mit Netflix zum ersten Mal Leute im Rücken hat, die ihm große Freiheiten lassen.

_ damit könnte „Disenchantment“ also AUCH die Frage beantworten: Wie viel Schuld trägt TV-Sender Fox an der Mittelmäßigkeit der aktuellen „Simpsons“-Folgen? Mit mehr Freiheiten, längeren Episoden, kürzeren Staffeln und Raum für staffelübergreifende Handlungsbögen: Kann Groening viel besser, flotter erzählen/parodieren?

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zur Serie selbst:

_sehenswert? Bedingt. 3 von 5 Sternen.

_Comedy-Serien brauchen oft ein paar Folgen, um in Fahrt zu kommen: Erst, wenn die Schauspieler*innen ihre Figuren einsprechen, hören die Autor*innen die genauen Stärken/Charakterisierungen der Schauspieler*innen und können dann, in weiteren Episoden, auf diese Stärken, Färbungen hin schreiben. Bei nur 10 Folgen hat „Disenchantment“ dafür zu wenig Zeit: Es kann gut sein, dass Staffel 2 wesentlich besser wird.

_Der Pilotfilm dauert fast 40 Minuten; die weiteren Folgen ca. 27; also gut fünf Minuten mehr als eine aktuelle „Simpsons“-Folge. Das wirkt oft träge. Auch einzelnen Szenen und Gags geht die Luft aus.

_Grundidee war ca. 2007, einen zweiten „Simpsons“-Kinofilm zu machen, der „Herr der Ringe“ parodiert. Homer sollte inkompetenter König einer Fantasy-Welt sein. außerdem hat Matt Groening schon als Fünftklässler einen unbeholfenen Elfen (der aussieht wie Bart Simpson) gezeichnet. „Disenchantment“ hat einen Homer-artigen König und den Elfen in Bart-Optik…

_ …Hauptfigur aber ist Bean, eine gelangweilte, derbe, wütende und faule Alkoholikerin, einzige Prinzessin im Königreich (eine Stadt, dahinter finstere Märchenwälder) „Dreamland“. Ihr Vater will sie zwangsverheiraten, um einen politische Allianz zu schmieden, doch der Bräutigam stolpert auf der Hochzeit in einen Thron aus Schwerten (wie der „Iron Throne“ aus „Game of Thrones“). Der Bräutigam hat einen Bruder; also flüchtet Bean, um weiteren Hochzeiten zu entgehen.

_Elfo der Elf arbeitet in der süßlichen, geheimen Elfen-Dimension am Pralinen-Förderband, hat viel Sex mit der promisken Elfen-Kollegin Kissy, doch wünscht sich Realismus, Bitterkeit, Nuancen und verlässt Kissy und die Welt, bewusst und für immer. In Dreamland lernt er Krieg, Seuchen, Armut und Gewalt kennen und nimmt alles naiv, passiv-interessiert zur Kenntnis.

_Ein verfeindetes Königreich hetzt einen Dämon, Luci, auf Bean: eine zynische Figur, die von allen außer Bean und Elfo für eine sprechende schwarze Katze gehalten wird und sich verhält wie der nihilistische Roboter Bender aus „Futurama“ oder das soziopathische Kleinkind Stewie aus „Family Guy“: Bean ist Hauptfigur und wird von zwei recht eindimensionalen Sidekicks gerahmt: Elfo ist passiv und too dumb to live. Luci ist das Teufelchen auf Beans Schulter und stiftet sie an, alles immer schlimmer zu machen.

_Pilotfilm und Trailer wirken, als würde Bean ihrem Königreich entfliehen und mit zwei Gefährten auf eine Quest oder Sinnsuche gehen. Tatsächlich aber bleibt Bean am Hof ihres Vaters; Episoden haben zwar manchmal kleine Cliffhanger, doch bisher kann man problemlos Folgen vertauschen oder überspringen: Es bleibt bei in sich geschlossenen Sitcom-Plots wie „Der König verreist und Bean wirft eine Party“ oder „Bean will einen echten Job… und wird versehentlich Henkerin/Foltermeisterin“.

_“Disenchantment“ ist keine komplexe, bissige Tolkien- oder „Game of Thrones“-Parodie, sondern so erwachsen, komplex, deep wie z.B. „Shrek“, „Ritter der Kokosnuss“, „Die Braut des Prinzen“. Viele Nebenfiguren sterben oder werden dahin gemetzelt (vgl. mit „South Park“ oder den Simpsons-Halloween-Episoden), doch jeder ab ca. 12 dürfte alles an dieser Serie begreifen/durchschauen; und jeder ab ca. 16 wird sie etwas kindisch, bemüht, gestrig finden.

_Bean ist Alkoholikerin und ich hoffe, das kriegt noch etwas psychologische Tiefe. Und: es gibt ein, zwei Ansätze zu einem Spannungsbogen (Welche Agenda hat Luci? Ist Beans Mutter wirklich tot? Mit Elfos Blut können Menschen Körper tauschen: Wann trifft das Hauptfiguren?)

_Die Serie macht viele Seitenhiebe gegen Religion, Unterdrückung/Elend der einfachen Massen und Alltagssexismus. Dass Bean als Nonne, Prinzessin etc. nicht taugt, sorgt dauernd für Konflikte. Besonders kluge Dinge über strukturellen Sexismus wurden aber noch nicht gezeigt/erzählt.

_Zuletzt: obwohl Elfo als lebenshungriger Idealist eingeführt wird, der Sehnsucht nach authentischen Erfahrungen hat, ist er nach wenigen Folgen NUR NOCH scharf auf Bean. An vielen Stellen wirkt er wie ein Kind (oder wird sogar wie ein Baby behandelt, von einer Amme aus dem Dorf) – zugleich aber glaubt er, auf Augenhöhe mit Bean zu sein und sie als Partnerin zu verdienen. Die Serie scheint dabei auf Elfos Seite: Wir sollen hoffen, dass Bean ihre Ansprüche senkt und Elfo mit Sex belohnt. Für mich: eins der… trostlosesten und toxischsten Paare, die ich kenne. #maleentitlement

_Ich mag „Futurama“, und finde „Disenchantment“ als Zerstreuung… passabel. Das phlegmatische Erzähltempo, die vielen angestaubten Bild- und Wiederholungs-Witze, die oft unerträgliche Mittelalter-Musik, eine süchtige Hauptfigur, die kein Ziel und keine ebenbürtigen Gegner*innen hat, zu viele langweilige Verfolgungsjagden, abgegriffene Sitcom-Archetypen…

…Groening muss sich nicht schämen: Das ist solide, für 13jährige. Doch es ist kein Stück Avantgarde, Kunst, Zumutung. Naheliegende Scherze und Figuren. Alles wirkt gestrig, müde. Mir fehlt Schwung! (…den viele moderne Cartoons, z.B. „DuckTales“, im Überfluss haben.)

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das Alien Roger (American Dad); Königin Oona (Disenchantment)

Töchter schreiben über Väter: Mareike Nieberding, Linn Ullmann, Elizabeth Garber bei Deutschlandfunk Kultur.

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Für Deutschlandfunk Kultur las ich drei aktuelle Bücher, in denen Töchter über ihre Väter schreiben…

…und über ihre Schwierigkeiten, mit den alternden Männern zu sprechen.

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Morgen – Donnerstag, 21. Juni 2018 – bin ich gegen 10.15 Uhr Studiogast in der „Lesart“, für ein ca. 6-Minuten-Gespräch mit Frank Meyer.

Der Audio-Link bleibt nur sechs Monate verfügbar.

Schon heute, hier im Blog: Thesen, Kurztexte und ein paar Links zum Themenfeld.

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Ich las:

MAREIKE NIEBERDING: „Ach, Papa. Wie mein Vater und ich wieder zueinanderfanden“ (Suhrkamp Nova, Februar 2018)

LINN ULLMANN, „Die Unruhigen. Roman (!)“ (Luchterhand, Juni 2018. Original: Norwegen 2015)

ELIZABETH GARBER, „Implosion. A Memoir of an Architect’s Daughter“ (She Writes Press, 12. Juni 2018. nicht auf Deutsch)

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Wie sprechen Töchter mit Vätern – und wie sprechen die Bücher darüber, wie schwer es ist, als Erwachsener mit wortkargen oder emotional kalten Männern neu ins Gespräch zu kommen? Den Generationskonflikt kannten Autor*innen der 68er-Generation: linke Töchter und Söhne, die ihre vom Krieg deformierten Väter (oft: Nazis) konfrontieren. Mir geht es um sanftere, jüngere Bücher.

Ich habe viele bleischwere Tochter-Vater-Lieblingsbücher: Liane Dirks schreibt in „Vier Arten, meinen Vater zu beerdigen“ über Missbrauch und Kolonialismus; Alison Bechdel erzählt im Comic „Fun Home“ vom Selbstmord ihres schwulen oder bisexuellen Vaters; auch Miriam Toews‘ „Mr. T, der Spatz und die Sorgen der Welt“ handelt vom Selbstmord des Vaters.

Stattdessen aber suchte ich nach aktuellen Büchern/Memoirs, die kleiner, intimer, alltäglicher sind: der Vater nicht als Monster oder lebenslanger Widersacher. Sondern als jemand, den die Welt überholt. und den man später, als Tochter, neu mitnehmen und einbinden will. Alle drei Bücher werden durch ihre Alltäglichkeit relevant: Die Autorinnen sprechen viel über Subjektivität, menschliche und literarische Versuche, Poetik: statt selbstbestimmt und autoritär aufzutreten (wie ihre Väter, in der Kindheit) wissen sie, dass ihr Erzählvorhaben auch scheitern kann.

Tastende Bücher, ohne Arroganz.

Ich suchte gezielt nach Töchtern, weil hier viel erzählt wird über neue Frauenbilder, Emanzipation… und eine ratlose ältere Männer-Generation, die sich neu erfinden sollte – doch meist einfach geschockt oder frustriert schweigt, verharrt. bei Vätern und Töchtern ist außerdem klar: der Vater kann kein 1-zu-1-Role-Model sein (wie in Vater-Sohn-Büchern):

Vor 30+ Jahren bestimmten diese Väter, wie Mädchen zu sein haben. Heute liegt die Macht, Verantwortung, Agency bei den Autorinnen, die als erwachsene Frauen abwägen müssen, wie sie über den Vater schreiben: Die Macht wandert von dem, der alles finanziert, normiert, wertet… zu der, die heute erzählt, normiert, wertet. Ich mag, wie macht- und schutzlos die Töchter sind, als Figuren, in der Kindheit… doch dass sie als Autor*innen ja ALLE Macht und Deutungshoheit über ihre Väter haben. Ich mag, dass alle Töchter versuchen, ihren Vätern etwas anzubieten, zurückzugeben etc.: „Du hast mir meine Kinderwelt gebaut. Jetzt bin ich erwachsen und nehme dich in meine… erwachsene, ganz eigene Welt mit.“ Spannend / dramatisch, wie schwer das ist – und wie vergeblich oft.

Die Bücher sind reizvoll, weil sie alltäglich, intim sind – und ich vieles gut mit der eigenen Familie/Kindheit abgleichen kann. Thema ist: Mein Vater baut mir eine Welt. an der ich mich reibe – und aus der ich raus wachse. Keiner der Väter in den Büchern meint es böse. Interessant, wie gesagt: wie Väter transportieren, wie Mädchen (später: Frauen) zu sein haben, was sich ziemt, wo sie sich in der Tochter sehen und, wo sie sich nicht sehen, weil sie verschiedene Geschlechter haben. Der Vater als Versorger, Richter, Autorität.

In Jugendbüchern kommt das kaum vor: Dort sind die Held*innen oft Waisen oder auf sich allein gestellt. Harper Lees „To kill a Mockingbird“ zeigt ein wunderbares, doch sehr idealisiertes Tochter-Vater-Gespann. Und, Überraschung: „Go set a Watchman“, Lees zuvor entstandenes, dunkleres, bittereres Buch, passt wunderbar in diese Memoir- und Nonfiction-Reihe über ambivalente, normierende Väter… und die Tochter, die da raus wächst.

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Mareike Nieberdings „Ach, Papa“ war ursprünglich für den Herbst 2017 angekündigt – unter dem Titel „Als wir das Reden vergaßen“.

Mein Vater wurde im Sommer 2016 60 – und wünschte sich von allen Gästen der Feier persönliche Texte. Doch weil er selbst so wenig Persönliches erzählt, schrieb ich eine Liste mit 200 Fragen (Link). Von Nieberding, einer ZEIT-Journalistin, vier Jahre jünger als ich (*1987) erhoffte ich mir einen recht persönlichen, vielleicht symptomatisierenden Blick auf diese Generation deutscher Väter/Männer:.

Doch „Ach, Papa“ kriegte, zusammen mit dem neuen Titel, ein zartrosa Cover – und vermittelt eher Landkindheits-, Wohlfühl-, Sehnsucht-nach-Zuhause-Atmosphäre.

Nieberdings Vater (stolz, stoisch, freundlich, warm, brummig) studierte in Freiburg und lebt mit der Familie bei Oldenburg. Nieberding zieht nach Berlin, doch kehrt für einen Tochter-Vater-Roadtrip bis nach Freiburg zurück. Unterwegs spricht sie über Lebensentwürfe, Träume, Heimat, Geborgenheit, Familienkonzepte. Ihr Vater sagt recht wenig – klingt vernünftig, aber bleibt, als Figur, stoisch und blass. Die beiden mögen sich: auf der Buchpremiere im Januar stand der Vater stolz, mit feuchtem Blick im Publikum.

Doch mich enttäuschte das Buch. Ich verstehe, dass man bei einem noch lebendem Vater nicht jeden Widerspruch, Konflikt ausbreiten will – und ich verstehe, dass ein gelungenes Tochter-Vater-Buch kein großes Trauma braucht: Ein undramatischer 190-Seiten-Text über einen etwas knorrigen Papa? Passt. Nur war hier, bei beiden Generationen, viel zu viel Scheu: Ein Vater, der seine Tochter fast nichts fragt, nicht wertet, wenig will, tut, ausspricht. Und eine Tochter, die auf 190 Seiten jeden Abgrund, jede harte Frage umgeht:

Ein übervorsichtiges, lauwarmes, defensives Buch – in dem niemand unsympathisch oder schwierig ist, doch bei dem ich mich trotzdem unangenehm berührt fühlte: Weil zwei Menschen, denen es offenbar nicht viel gibt, sich öffentlich zueinander zu positionieren… in der Öffentlichkeit stehen, nervös, befangen und norddeutsch-schmallippig.

Zwei Amazon-Statements, denen ich zustimme:

„Ich selbst gehöre einer ganz anderen Generation an und vielleicht ist das der Grund, warum ich mich immer wieder fragte „was will sie denn, sie hat doch ein tolles Verhältnis zu ihrem Vater“. Tatsächlich fand ich Mareikes Problem eher als Luxusproblem und ich hätte nicht von Entfremdung gesprochen. Was mir dieses Buch aver gegeben hat, war der Denkanstoß mich mit meinem eigenen Vater und seiner Vergangenheit zu beschäftigen, so intensiv, wie ich es vielleicht noch nie gemacht habe.“

„Um sich ihrem Vater anzunähern, schickt Nieberding ihm zum einen E-Mail-Fragebögen und unternimmt mit ihm außerdem einen Kurzurlaub in den Schwarzwald. Diese Passagen handelt von zweien, die keine Übung mehr darin haben, miteinander alleine zu sein. Allerdings kam mir Mareike Nieberdings Erkenntnis dann wenig spektakulär vor: „Auch ich hätte fragen können – und ebenso gut hätte ich auch einfach mal erzählen können.“ Stimmt – statt immer nur zu warten, dass ihr tiefschürfende Fragen gestellt werden. Ohnehin blieb bei mir der Eindruck zurück, den Vater trotz aller privaten Details zu wenig kennengelernt zu haben – wie steht er denn eigentlich zu der Entfremdung? Hat die Autorin ihn das eigentlich gefragt?

Als öffentliche Aufarbeitung ihrer eigenen Vater-Tochter-Beziehung hat Mareike Nieberding natürlich sowohl alle Freiheiten als auch die Deutungshoheit. Angekündigt wurde das Buch allerdings auch damit, dass es erzählen würde „[…] wie man sich wieder nahekommt, wenn man sich schon fast verloren hat.“ Das mag auf die Autorin und ihren Vater zutreffen, aber aus „Ach, Papa“ lässt sich nur wenig allgemein ableiten.“

Ich will das Buch nicht als Neon-Journalismus etc. aussortieren. Doch tatsächlich las auch ich nur deshalb mit Gewinn weiter, weil ich bei jeder Aussage an meinen eigenen Vater denken musste. Und wusste: ich wäre beherzter, konfrontativer, lauter als Niebderding.

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Linn Ullmanns „Die Unruhigen“ erzählt auf 410 Seiten von einem gescheiterten journalistischen, psychologischen, künstlerischen Projekt:

Als ihr Vater mit Anfang 80 erste Demenzerscheinungen zeigt, kauft Ullmann ein Diktiergerät, zieht in ein Haus nahe des Vater-Hauses auf der Insel Farö und verabredet sich mit ihm ein Frühjahr lang (2007) zu je zwei Stunden langen Interviews: Sie stellt Fragen – und gemeinsam wollen sie ein Buch über ihr Verhältnis – und sein Vermächtnis als Theater- und Filmregisseur – erarbeiten: diszipliniert, reflektiert, nüchtern.

Tatsächlich schätzte Ullmann ihren Vater falsch ein: Die Demenz ist weit fortgeschritten; die sechs Gespräche sind voller non sequiturs, ihr Vater fühlt sich hörbar unwohl. Sie bricht das Projekt ab – und beschließt Jahre später, einen Roman über ihre Kindheitssommer auf der Insel zu schreiben: Sie verbringt je einen Monat im Jahr bei ihm, lebt sonst bei ihrer Mutter, einer nervösen und einsamen Schauspielerin, in u.a. Amerika. Ullmanns Vater hat insgesamt neun Kinder, fünf Exfrauen, vier Häuser etc.

„Die Unruhigen“, ein Roman, vermischt Gesprächsprotokolle, skandinavischen Kindheits-Erinnerungs-Glanz im Stil von u.a. Tove Janssons „Sommerbuch“ (Empfehlung!), geschwätzige, detailversessene, oft viel zu lange Autofiktion wie bei Knausgard und viele, viele Reflektionen über die Natur des Erinnerns (u.a. mit massig Verweisen auf Proust): Ullmann findet die Tonaufnahmen ca. 2011 wieder – und montiert ein Erinnerungsbuch über die Unfähigkeit, ein kohärentes Erinnerungsbuch zu schreiben.

Mir wurde erst nach ca. 100 Seiten klar, dass Ullmann die Tochter von Ingmar Bergmann und Liv Ullmann ist: Das Buch ist auch ohne diese Promi-Ebene packend, übervoll. Einzelne Szenen dauern zu lang, oft sagt Ullmann die selben Dinge auf fünf verschiedene Arten: Das Buch wirkt zerquälter und schwerfälliger, als es sein müsste (insgesamt ist es weder besonders anklagend, noch deprimierend):

Eine sehr analytische Tochter zeichnet in teils ermüdenden, doch immer psychologischen, reifen, klugen Details, wie klein die Rolle war, die ihr im Leben des Regisseurs, Bestimmers, Pedanten zugeteilt wurde – und, wie schwer es oft war, sich selbst zu disziplinieren, anzupassen. Sehr gern gelesen, trotz der Längen!

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Elizabeth Garbers „Implosion“ ist das Buch, das ich mir am dringendsten wünschte: stilistisch, erzählerisch etc. eine wunderbar runde Sache.

Woodie Garber, deutschstämmiger Architektensohn, studierte während der Rezession Architektur. Mit seiner zweiten Frau und drei Kindern baute er Mitte der 60er Jahre ein Le-Corbusier-haftes Glashaus in einem Vorort von Cincinatti, Ohio. Elizabeth bewundert ihren (bipolaren, despotischen, frauenfeindlichen, snobistischen) Vater, der mit Jahr zu Jahr mehr Druck aufbaut. Die erste Hälfte des Buchs zeigt die feinen, klug beobachteten Ambivalenzen, mit einem Vater aufzuwachsen, dessen Häuser, Werte, Geschmack etc. ALLES prägen.

Als Elizabeth ca. 14 ist, bedrängt er sie sexuell. Er bedroht und tyrannisiert die Brüder und die Mutter; und parallel zur US-Bürgerrechtsbewegung und -Politisierung Ende der 60er und Elizabeths eigenem Coming-of-Age setzt ein schmerzhafter, ambivalenter, komplexer Emanzipationsprozess ein. Elizabeth Garber hat jahrzehntelange Schreib- und Therapieerfahrung, ein tolles Gespür für Szenen, Widersprüche und relevante Fragen… und vermittelt in einfacher Sprache, ohne ein Wort zu viel, alle Schwierigkeiten, die ein autoritärer Vater mit sich bringt.

Nebenbei ist das Buch eine gute Einführung in den Appeal von Mid-Century Modernism und die Ideale, Sehnsüchte etc. der Männer, die sich damit von ihren eigenen Eltern absetzen wollten. Eine Memoir, halb (…Sally Draper in) „Mad Men“, halb „Der Eissturm“. Emotional erwachsen. Oft überraschend. Immens lesenswert.

„Überraschend“ vor allem, weil Elizabeth ihren Vater nicht aufgeben will. Und ich bis zur letzten Seite nicht wusste, ob ich sie für diese Versuche feiern sollte – oder denken „Der Mann ist toxisch: Lauf! Du schuldest ihm nichts!“

Im Verlag, der Garber veröffentlicht, „She Writes Press“, erscheinen seit 2013 Bücher von Autorinnen: oft Memoirs; manchmal spezifisch über den Vater, u.a. „Veronica’s Grave“ von Barbara Donsky und „The Sportscaster’s Daughter“ von Cindi Michael.

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sieben aktuelle Bücher, die ins Themenfeld passen:

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Carsten Hueck zu Nadja Spiegelmans „Was nie geschehen ist“: „Im Buch der Tochter spielt Art Spiegelman nun kaum eine Rolle, im Mittelpunkt steht der Lebensweg ihrer Mutter.“

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mein Vater, ca. 1987.

Pressereise nach Georgien: Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2018

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2018 ist Georgien Ehrengast / Gastland der Frankfurter Buchmesse #fbm18.

Ende Mai 2018 war ich auf einer viertägigen Pressereise nach Tiflis / Tibilisi.

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Heute, hier im Blog: Fotos, die sich nicht selbst erklären.

Die Pressereise – erzählt in Bildern und kurzen Bildtexten […wird ergänzt, in den nächsten Tagen].

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Sieben Blogger*innen / „Influencer“ sind eingeladen: Alexandra Stiller (Bücherkaffee), Matthias Warkus (54Books), Angie Martiens (Litaffin), Anabelle Stehl (Stehlblüten), Florian Valerius (Literarischer Nerd), Karla Paul (Buchkolumne) und ich.

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Wir fliegen via Istanbul, mit Turkish Airlines. Flüge nach Tiflis sind nachts oft billiger. Georgier*innen sagen, wir haben Glück, schon kurz vor Mitternacht am Hotel zu sein: Oft kommen Gäste viel tiefer in der Nacht ins Land. Flugzeit der beiden Flüge: 6 Stunden, ab Frankfurt.

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Das Programm – Donnerstag, Freitag, Samstag; Rückflug Sonntag Nacht – ist straff: Stadtführung, Museen, Kirchen/Kloster, Bibliotheken, eine Ballettprobe. Alle Mittag- und Abendessen mit wechselnden georgischen Autor*innen.

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Ein Land, nicht viel größer als Bayern, am Schwarzen Meer. Nachbarländer: Armenien, Aserbaidschan, Russland und die Türkei. Religion: 84 Prozent orthodox, 9 Prozent Muslime. Am Flughafen und bei der Fahrt durch Tiflis sehen wir dauernd Casinos und Casino-Werbung. Erster Eindruck, auch landschaftlich: Canto Bight, der etwas vulgäre Glückspiel-Planet aus „Star Wars: The Last Jedi“.

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Betsy’s Hotel ist eine ordentliche, westlich-normierte viergeschossige Anlage mit Frühstücksterrasse, kleinem Pool, absurd gründlicher Zimmerreinigung – mit toller Aussicht über Tiflis. Ich fühlte mich wohl; doch glaube, dass viele Georgien-Reisende charmantere, geschichtsträchtigere Räume suchen: Für mich war das Hotel der… aseptischste, globalisierteste Ort der Reise.

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Davit Gabunia ist Dramaturg und Schriftsteller (Romane und Dramatik) und stellt uns in einer einstündigen Präsentation am Goethe-Institut ca. 15 große georgische Autor*innen vor, die auch in deutscher Übersetzung vorliegen. Der oft amüsant-spöttische Vortrag ordnet die Bücher chronologisch, und beginnt arg männerlastig, patriarchal. Erst ab den späten 90ern nennt Gabunia immer mehr Autor*innen, Experimente, Short Stories, LGBT- und feministische Stimmen etc.

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Davit Gabunia empfiehlt uns u.a. Dawit Kldiaschwili, Otar Tschiladse, Micheil Dschawachischwili, Naira Gelaschwili, Guram Dotschanaschwili. Ich arbeite an einem längeren Blogpost über georgische Bücher, die ich anlas und mochte. Bis dahin empfiehlt sich *dieser* Index ins Deutsche übersetzter Bücher auf Georgia-Characters.com

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Mehr Fotos unserer Reisegruppe: hier im Link.

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Matthias Warkus schreibt: „Im alten Hauptgebäude der Nationalbibliothek (früheres Bankgebäude im österreichischen Ringstraßenstil) konnten wir verschiedene internationale Lesesäle [überraschend große deutsche Bibliothek, englische Bibliothek] besichtigen. Das Magazin mit den vier Millionen Bänden georgischer Literatur ist wohl anderswo untergebracht.“

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Mit uns sieben Blogger*innen unterwegs, die meiste Zeit: Journalist*innen von u.a. Arte, FAZ, Deutsche Welle, Spiegel, Focus, ZEIT, ORF und dem Magazin „Bücher“.

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Giorgi Kekelidzes Redebeiträge waren auf Georgisch, und wurden recht schleppend übersetzt. Die Stimmlage deutscher Frauen wird seit Jahren immer tiefer. Viele ältere Georgierinnen, die mit uns sprachen, hatten eine hohe Stimme. Statt mehr zum georgischen Buchmarkt, zur georgische Kulturpolitik oder zum… kulturellen Selbstbild zu hören, erfuhren wir leider fast nur, wie DIESE EINE Bibliothek funktioniert: So, wie fast alle anderen, die ich kenne, auch. Schade.

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Matthias Warkus schreibt am Folgetag: „Leider ist die Weinprobe ausgefallen, weil von den 17 Personen der beiden hier anwesenden Delegationen (BuchbloggerInnen und RichtigjournalistInnen) insgesamt wohl nur zwei Personen Lust drauf hatten. Aber warum wollte denn nun niemand zur Weinprobe mit original georgischem in der Erde vergessenem Amphorenwein? Weil für eine Reise, bei der BuchbloggerInnen etwas über georgische Literatur lernen sollen, bisher erstaunlich wenig Kontakt mit georgischen Büchern passiert war. In der Bibliothek sahen wir nur repräsentative Räume und Lesesäle für ausländische Bücher; eine Buchhandlung [Prospero’s Books & Caliban’s Coffee], auf die sich einige bereits erwartungsvoll gestürzt hatten, bot vor allem englischsprachige Bücher an. Nachfragen dazu, ob es etwa eine Buchpreisbindung gibt oder ob es georgische Kinderbücher vergleichbar zu Pippi Langstrumpf o.Ä. gibt, scheiterten teilweise an der Sprachbarriere. Insofern wurde umdisponiert, um statt der Weinprobe doch lieber einen Buchladen zu besuchen.“

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Obwohl zur Nationalbibliothek auch ein „Book Museum“ und Ausstellungen gehören, sehen wir, insgesamt, kaum Bücher: Der Raum selbst ist VIEL interessanter als die Literaturvermittlung dort. .

Toll und fotogen: die Zettelkästen in der Nationalbibliothek. Deprimierend: dass sie tatsächlich immer noch benutzt werden. Beruhigend: Die vielen Online-Arbeitsplätze im Keller, und das Selbstverständnis, dass Bibliotheken nicht nur Bücher, sondern auch Netz und digitale Informationen zur Verfügung stellen [also: einen Third Place bieten].

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Bibliotheksleiter Giorgi Kekelidze, geboren 1984, lehrt, schreibt u.a. Lyrik für Kinder, moderiert eine TV-Sendung über Literatur. Über seine Karriere zu reden hätte mich mehr interessiert, als die Bibliothek zu sehen. Wikipedia: „His poetry does not include social or patriotic topics. Folklore is more interesting sphere for him. In 2016, his “Gurian Diaries” book 2 is the bestseller of the year in Georgia.“

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*Nichts* auf der ganzen Reise fand ich gestriger, öder als dieses… Kunschtwerk in der Nationalbibliothek. Mich erleichtert, freut, dass es nicht aus Georgien stammt: der Künschtler heißt Karl Eimermacher und ist Professor / Slawist.

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Im Kino: Die exakt selben Filme, die auch in Deutschland gerade starten. Ich lasse mir am Geldautomaten 50 Lari auszahlen (ca. 17 Euro): Das reicht für zwei Taxifahrten inkl. Trinkgeld (je 10 Lari), ca. fünfmal Wasser, Energy Drinks, Aloe-Vera-Limo etc. (meist 1 bis 2 Lari), ein paar Schokoriegel für meinen Partner daheim; und zwei, drei süße Snacks unterwegs. Das Durchschnittseinkommen liegt bei ca. 280 Euro im Monat. Alles, was ich kaufe, kostet ca. ein Sechstel von dem, was ich in Deutschland zahlen würde.

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Überall auf den Straßen: alte Bücher auf Russisch und Georgisch, für 1 bis 3 Lari (30 Cent bis 1 Euro). Keine antiquarischen Schätze – sondern Paperbacks und Klassiker, oft sehr abgegriffen. Dass solche Bücher in Georgien noch verkäuflich sind (…während sie in Deutschland meist weg geworfen oder in öffentlichen Bücherschränken verschenkt werden) lässt mich fragen, ob in Georgien die „Lies Klassiker, das gute Buch. Das bringt dich weiter!“-Idee, die ich aus meiner Kindheit in den 80ern noch kenne, doch die heute eher verlacht wird, länger überlebt als in Europa. #aufstiegschancen #bildung

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Matthias Warkus schreibt: „Es gibt übrigens viele politische Parallelen zu Estland (ich war 2012 mal zehn Tage in Tallinn), z.B. auch, dass man das Land als seit dem Ersten Weltkrieg unabhängig betrachtet und die Sowjetzeit als Besatzung ansieht. Wir werden am Sonnabend die Feierlichkeiten zum 100. Unabhängigkeitstag erleben. Eine recht rigide Sprachpolitik erinnert an Québec: Ähnlich, wie dort keine englischsprachige Inschrift ohne eine deutlich größere französischsprachige stehen darf, müssen hier öffentliche Schilder und Logos immer auch in georgischen Buchstaben gehalten sein, weswegen H&M hier ein riesiges georgisches Logo hat; das uns bekannte findet sich deutlich kleiner darunter.“

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Zum Essen treffen wir die Autoren Beka Adamaschwili („Bestseller“) und Abo Iaschagaschwilli. Beka war Blogger, bevor ihm Facebook den Wind aus den Segeln nahm, arbeitet in einer Werbeagentur („Unsere erfolgreichsten Kampagnen waren eine Hängematte, von Drohnen getragen, und kleine Hamster, die Miniatur-Junk-Food verspeisten“) und schreibt an einem Roman, in dem ein Mann durch Bücher reist und versucht, Romanfiguren wie Sherlock Holmes vor dem Tod zu retten.

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Abo führt uns nach dem Essen fast sieben Stunden lang durch Tiflis. Er schreibt historische Krimis. In Deutschland erschien Band 2, „Royal Mary“. Klappentext: „Eine Stadt, die ein Schmelztiegel der Kulturen war: Tiflis gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Die Atmosphäre dieser Stadt, Bilder von Märkten, Spelunken und Palästen, exzentrische Typen, fremde Mächte, ja fast die Gerüche einer vergangenen Zeit – mit Witz und Virtuosität fängt Iaschaghaschwili all das ein, und erzählt doch von Mord und Totschlag. „

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Großer Innenhof, Gratis-WLAN (wie in vielen Restaurants), solides Essen: das zwanglose (HIpster?-)Café / Restaurant „Ezo“

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Fassaden, Stadtgeschichte, eine lange Tour durch die Stadt: Unsere Reisegruppe ist für einige Stunden zweigeteilt. Die andere Gruppe besucht das Georgische „Haus der Schriftsteller“ [keine Fotos von mir]. Über die dort ausgestellten Tiere und die stalinistischen Morde / Erschießungen schrieb Davit Gabunia das Theaterstück „Tiger und Löwe“, aufgeführt u.a. am Staatstheater Karlsruhe.

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Ein unrestauriertes Treppenhaus, keine 50 Meter unterhalb des Restaurants (Ezo: 16 Geronti Kikodze St.): Viele Türen in Innenhöfe und Mietshäuser stehen offen; als wir ankamen, probten ca. Zwölfjährige dort gerade eine Choreographie.

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Viele Mitreisende sind von Georgien fasziniert, seit sie Nino Haratischwilis 1200-Seiten-Roman „Das achte Leben“ (2014) lasen.

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Knut Krohn schreibt: „Hoch über der Stadt, auf der Burg, thront Nino, die Schutzheilige Georgiens. Der Legende nach soll die Syrerin im 4. Jahrhundert nach Christus zur Christianisierung Georgiens beigetragen haben. Das Momument stammt noch aus der Zeit der Sowjetunion.“

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Wir sieben Blogger*innen machen irrsinnig viele Fotos, holen in Restaurants oft das Handy raus und probieren, so aktuell / live wie möglich alles hier zu zeigen, aufzugreifen, überall zu teilen. Falls unser Stadtführer genervt war oder uns belächelte, ließ er sich das nicht anmerken. Schön, mal in einer Gruppe zu sein, in der das viele Dokumentieren die Norm ist – und nichts, für das wir uns rechtfertigen mussten: HIERFÜR waren wir in Georgien. So albern das auch, von außen, oft gewirkt haben muss.

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Reisen UND Bloggen kriege ich beim engen Zeitplan und ohne WLAN außerhalb des Hotels kaum hin: Ich sammle vier Tage lang Eindrücke, mache mir viele Notizen und probiere, so präsent und wach wie möglich zu sein. Die Nachbearbeitung der Reise (Fotos sortieren, bearbeiten, teilen; Links sammeln; Recherchieren; Twitter, den Blog, Facebook, Youtube etc. bespielen) kostet mich am Ende vier weitere Tage. Trotzdem: jederzeit wieder!

My-Travelworld schreibt: „Tiflis selbst ist sehr charakteristisch durch sein kleines und gut erlaufbares Zentrum, den umliegenden Anhöhen sowie seiner Kompaktheit im Allgemeinen. Obwohl die Stadt rund 1.000.000 Einwohner hat, ist sie flächenmäßig deutlich kleiner als zum Beispiel meine Heimatstadt Dresden. Vor allem von oben wundert man sich schon, wie in diese kleine Stadt eine ganze Million Menschen passen sollen. „Von oben“ ist auch direkt das Stichwort, denn um Tiflis herum befinden sich relativ viele Gebirgszüge, die nicht nur tolle Ausblicke ermöglichen, sondern auch ein kleines und vor allem grünes Naherholungszentrum darstellen.“

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Betreut wurden wir von der Bonner Agentur „projekt2508“. Wir konnten jederzeit *alles* fragen.

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Überall im Stadtbild – auch meist als Muster / Ikonografie im Schmuck und als Symbol in Metallgittern, Zierleisten, Kacheln etc.: Weinreben.

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„Deutsche Bau- und Brandschutzbehörden würden durchdrehen hier – besonders bei all den Außenbalkonen.“ Ich mag die Stadt sehr – doch treffe immer wieder Menschen, die bei überirdisch geführten Stromkabeln „Alles hier ist hässlich und primitiv!“ rufen. (Auch z.B. in Kanada und Japan. Ich selbst mag das.)

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Überall: fotogene Straßenkatzen und -Hunde. (Das Buch auf dem Müllcontainer wurde nicht von uns drapiert.)

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Das Bäderviertel: historische Schwefelbäder mit Kuppeldächern, ca. sieben verschiedene Betreiber, direkt bei einander. Einzelkabinen / kleine Wannen; aber auch größere Pools. Eintrittspreis laut Reiseführer: ca. 5 Lari, dazu ca. 10 für eine Massage. Im ersten Bad, das ich – mit 15 Rest-Lari – betrete, soll ich 40 Lari zahlen. Ich habe keine Geldkarte dabei und muss passen.

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Der Drescher-Reiseführer schreibt: „Das Zentrum Tbilisis liegt terrassenförmig zu beiden Seiten der Mtkvari. Im 18. Jh. bis auf die Grundmauern niedergebrannt, wird es durch die Residenzen und Wohnhäuser aus zaristischer Zeit geprägt.“ Der Fluss führt viel Lehm mit sich und ist ganzjährig so braun.

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Matthias Warkus schreibt: „Tiflis ist eine ungeheuer sympathische Stadt, relativ ruhig und dezent beleuchtet, in einem Talkessel mit wahnsinnigen Aussichten, mit einem gewaltigen kulturellen Erbe, aber auch einer Ader für radikal moderne Architektur, die befremdlich anmutet, wenn man aus Deutschland anreist, und zu der ich sowohl online als auch unter den Mitreisenden sehr unterschiedliche Meinungen gehört habe. Es gibt eine Oberstadt mit Gassengewirr, vielen Treppenstraßen, historischen Kirchen und einer Festung drüber.“ Das schlauchförmige Gebäude im Bild? Die Konzert- und Ausstellungshalle.

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Die Festung Nariqala. Gute Aussicht über Tiflis – aber, finde ich: kein Muss. Der Kirchgarten etwas unterhalb war stiller, einladender, sehenswerter.

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Schon seit dem 4. Jahrhundert ist Georgien christlich. Der Trescher-Reiseführer: „Georgien und Armenien sind die beiden östlichsten Länder, in denen sich das Christentum als Staatsreligion durchsetzen und halten konnte.“

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Mein Job in den nächsten Monaten: Georgische Bücher in deutscher Übersetzung anlesen, u.a. alle Titel, die im „Perlentaucher“ vorgestellt wurden (Link). Die Titel, die Georgia-Insight vorstellt (Link) durchgehen. Und die Liste von Georgian Characters (Link).

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Nur auf Goodreads kann man schlecht nach georgischer Literatur suchen: das Tag „Georgian“ meint dort meist: Südstaaten-Romane. „Georgia“ (das Land) bei Goodreads: Link. Bücher, die in Tiflis spielen: Link.

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Oliver Zwahlen schreibt: „Im 17. Jahrhundert gab es über 70 unterschiedliche Badehäuser. Heute kannst du nur noch unter einer handvoll Bädern deinen Favoriten aussuchen. Die meisten sind unterirdisch unter einer Kuppel im persischen Stil. Nur ein Bad (das blaue Gebäude im Bild oben, das wie eine Moschee aussieht) ist überirdisch. Wir testeten das „Royal Bath“: Da angeblich alle kleinen Privaträume besetzt waren, gönnten wir uns für 40 Euro pro Stunde den grössten Pool, in dem problemlos eine ganze Schulklasse Platz gefunden hätte. Das mit hübschen Kacheln verzierte Bad war nicht ohne Charme. Luxuriös wirkte es aber trotz des vielen Platzes nicht, da die Einrichtung doch etwas verlottert aussah.“

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Bettler gehören offenbar erst seit ca. 15 Jahren zum Stadtbild. Oft sehen wir auch Menschen in Rollstühlen, Amputees in Armee-Uniformen oder Frauen, die mit ihren Babys oder Kindern betteln, auch nachts. Oft werden rechte Parteien gewählt, weil sie eine bessere Krankenversicherung / -versorgung versprechen.

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Oliver Zwahlen schreibt: „Auch wenn es bereits eine Reihe von grossangelegten Renovationen gab, ist der Verfall der alten Bausubstanz in vielen Stadtteilen noch immer deutlich sichtbar. Besonders stark betroffen sind die Häuser in der Altstadt und in der direkten Umgebung des Präsidentenpalasts. Aber eigentlich muss man nirgendwo weit gehen, um windschiefe Häuser und eingestürzte Dächer zu sehen. Oft schockiert es, dass in solchen Gebäuden noch Menschen wohnen müssen. Wieso das so ist, habe ich in dieser Reisedepesche beschrieben. Was mir zunächst nicht klar war: Die Häuser sind nicht einfach verwahrlost, sondern teilweise erklärt sich ihr Zustand mit einem schweren Erdbeben im April 2002, das über 10.000 Gebäude beschädigte und sechs Menschenleben forderte.“

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Schöne Ort: der Innenhof von „Prospero’s Books“, nicht weit vom Rustaveli-Platz. Der Kaffee, Iced Latte etc. schmeckte wie ein misslungenes Filterkaffee-Experiment; und als Buchhandlung taugen die Prospero’s-Filialen nicht: eine Handvoll Mainstream-Bestseller im Taschenbuch, deprimierender als jede Flughafen-Buchhandlung.

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Matthias Warkus schreibt: „Es gibt in Georgien laut Factsheet des Veranstalters 50 Buchläden und das durchschnittliche Buch kostet umgerechnet 3,99 €. Eine Preisbindung gibt es nicht und Amazon ist kein Thema. Die größte Buchhandelskette gehört dem größten Verlag, die Probleme, die sich daraus ergeben, liegen auf der Hand. Die gesamte Verlagsbranche setzt knapp 4,5 Mio. € jährlich um, pro Jahr erscheinen 3000–4000 Titel, davon 45 % Übersetzungen.“

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Der größte Supermarkt, den wir im Zentrum fanden. Importierte europäische Produkte, z.B. von Ferrero, sind absurd teuer. Auch Kaffee und Tee sind ein Statussymbol; ihre Preise erinnern mich an Deutschland in den ca. 60er Jahren. Ich war in ca. 7 georgischen Supermärkten, vom teuren ‚Spar‘ über Kiosks und Bodega-ähnliche Eckläden bis zu ‚Smart‘, und hätte gern noch mehr getestet, gekauft, ausprobiert.

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Karla Paul schreibt: „Ich sah selten einen Ort, an dem so viele Völker & Baustile wortwörtlich zusammenkrachten und es sich dennoch richtig und gut anfühlt. Die Stadt ist im Aufbau und Anbau, auch gesellschaftlich und belohnt jedes Suchen durch Finden, jede Neugier durch wunderschöne Hinterhöfe, Treppenhäuser, tausend versteckte Schätze und hinter jedem steckt eine Geschichte – ich will sie alle lesen!“

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Matthias Warkus schreibt: „Unser Stadtführer, Abo Iaschagaschwili, ist Bergführer und erfolgreicher Schriftsteller – selbst erfolgreiche Schriftsteller brauchen bei einem so kleinen Büchermarkt (das Land hat eine Bevölkerung von ca. 4,5 Mio.) immer einen Hauptberuf, haben wir mehrfach gehört. In den letzten vier Jahren hat die georgische Literaturszene und der Büchermarkt einen kleinen Boom oder zumindest einen großen Anschub dadurch erlebt, dass der Gastlandstatus bei der Buchmesse seinen Schatten voraus warf – man macht sich als naiver Deutscher gar keine Gedanken darüber, welche Bedeutung dieses Ereignis offenbar haben kann.“

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Abo Iaschagaschwilis Führung macht auch Spaß, weil er fast perfektes Deutsch spricht – das er, scheint mir, aus alten Büchern lernte: Er benutzt Worte wie „Zecherei“, liest Passagen aus der Weltliteratur vor… Bucht ihn für Stadtführungen! Kontakt z.B. via Instagram (Link).

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Schönes Viertel für Spaziergänge: die engen Gassen zwischen Rustaveli Square (im Tal) und Makashvil Street (oben am Hang; bei unserem Hotel). Weil viele Straßen den Berg hoch als Sackgasse enden, habe ich mich bei drei Versuchen, neue oder andere Routen zu finden, verlaufen: Hoch kommt man *immer* nur übers Gelände der Mikhail von Tver-Kirche.

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„Fabrika ist eine instandgesetzte ehemalige sowjetische Nähfabrik, die ‚wiederbelebt‘ und in einem multifunktionalen Stadtraum verwandelt wurde mit Cafés und Bars, Künstlerateliers und Geschäften, Bildungseinrichtungen, Co-Working-Spaces, dem größten Hostel der Region, einem Innenhof und ständig wechselnden Veranstaltungen.“ fabrikatbilisi.com

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„Wir haben bereits 2013 deutsche Literaturkritikerinnen und -kritiker sowie Journalistinnen und Journalisten eingeladen, unser Land zu besuchen und über kulturelle Themen in Georgien zu schreiben. Meiner Meinung nach macht es einen riesengroßen Unterschied ob man nur über georgische Literatur liest und schreibt oder ob man den kulturellen Kontext dieser Werke selbst entdeckt, in dem man das Land bereist, die Kultur am eigenen Leib erfährt, die Natur erlebt, die Menschen vor Ort trifft und mit den Autorinnen und Autoren ins Gespräch kommt.“ Link

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Medea Metrevelli vom Georgian Book Centre lädt uns ins Restaurant Tone (auf dem Fabrika-Gelände). Interview: Link (etwas hölzern übersetzt. Medea ist lebendiger, frisscher, als sie hier klingt!)

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Essen mit ca. 9 georgischen Schriftsteller*innen. Ich sprach leider nur mit Zurab Karumidze länger. Anthologien, um georgische Gegenwartsliteratur kennen zu lernen? „Techno der Jaguare“ (nur Autorinnen, 2013) und „Bittere Bonbons“ (nur Autorinnen, 2018).

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Deko: ein Betonkiosk aus Sowjet-Zeiten. Ich kenne die K67 Steckmodul-Kiosks aus Slowenien, die unter Design-Fans oft viral gehen.

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Essen mit Autor Zurab Karumidze – der sofort fragt, ob ich die Buchblogger Jochen und Gerard kenne (…die seinen Roman „Dagny oder: Ein Fest der Liebe“ vor Monaten empfahlen / besprachen.)

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My-Travelworld schreibt: „Das Preisniveau in Georgien ist noch sehr moderat und sehr budgetfreundlich. Besonders Früchte, Metrofahrten in Tiflis, kurze Busfahrten, Bäckereierzeugnisse oder Eis bewegen sich im unteren Centbereich. Auch ein Besuch im Restaurant belastet mit umgerechnet 3-4 Euro für ein Hauptgericht sowie 1 Euro für ein Bier nur mäßig die Urlaubskasse. Günstige Unterkünfte gibt es nahezu überall ab 10 Euro (Backpacker-Unterkünfte z.T. auch darunter) und auch gehobene Hotels sind deutlich günstiger zu buchen als in Mitteleuropa.“

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Matthias Warkus schreibt: „Das georgische Essen ist exzellent trotz oder gerade wegen großen Koriandereinsatzes und hat, wie auch das Sichbegrüßen mit Küsschen und die Weinkultur, etwas geradezu Französisches: Zu Mittag gab es Brot mit unterschiedlichen Dips, verschiedene hervorragende Salate, eine Hühnersuppe mit enorm viel Fleischeinlage, Gemüseschmorgerichte mit und ohne Fleisch, zu Abend ein gewaltiges Buffet mit u.a. dem salzigsten Käse der Welt, verschiedenen Quiches und Patés usw. Das Brot wird tandoorimäßig frisch gebacken, indem man Teig an die Wand eines großen heißen Tongefäßes klatscht.“ [auf dem Foto, im Vordergrund: Steinbackofen mit Metalldeckel, an dessen Wänden das Brot gebacken wird.]

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Das alte, brutalistische Postgebäude: heute ein Supermarkt. Hier im Bild? Der erste McDonald’s Georgiens, eröffnet 1999.

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Matthias Warkus schreibt: „Morgens ab 10: ein Besuch im Nationalmuseum, wo wir steinzeitliche Funde aus Dmanisi (der älteste Fund von Homininen außerhalb Afrikas) und beeindruckenden Schmuck aus frühen georgischen Kulturen sehen konnten.“

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Sehenswertes Gebäude; und sympathische Einführung durch den Museumsleiter, David Lordkipanidze – charismatisch, engagiert.

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Wir verbrachten zu viel Zeit in der frühgeschichtlichen Abteilung: eine Archäologin führte uns in schleppendem Englisch durch die Repliken / Abgüsse verschiedener Schädel, und brauchte viel zu viel Zeit, um zu erklären, wann man von „Proto-Georgiern“ spricht, und ab wann von modernen Georgiern.

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Weil sich der Museumsbesuch so schleppte, entfiel für einen Teil der Gruppe der Besuch der Nationalgalerie. Schade!

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Georgien-Reise.com: „Die überwiegende Mehrheit der Protogeorgier siedelte längs des Flusses Mtkwari in Zentralgeorgien, wo sie mit Jahrhunderten eine eigene Sub Ethnie, die Kartlische, bildeten. Die Georgier betrachten diese Kultur als Ihren Ursprung, weshalb sie bis heute ihr Land als ,,Sakartwelo’’ (der Ort, wo die Kartlier leben) bezeichnen. Ungeachtet der komplizierten ethnischen Struktur, begannen sich die Georgier sehr früh als ethnische Gemeinschaft zu sehen und zu fühlen, was mit der Annahme des Christentums in relativ kurzer Zeit zur geistigen und kulturellen Einigung des Landes führte.“

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Sehenswerter als die Hominiden-Ausstellung: die wunderbare „Schatzkammer“ / „Treasury“-Ausstellung. Kritik auf Tripadvisor: „Wir haben und das gesamte Museum angeschaut, was man aber unbedingt sehen sollte, das ist die „Schatzkammer“ im Kellergeschoß: die Exponate (zumeist in Gold) sind teilweise unglaublich, wenn man bedenkt, aus welcher Zeit sie stammen (der erste kleine goldene (?)Löwe aus dem 3. Jahrtausend vor Christus!)“

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Viele Schmuckstücke scheinen ihrer Zeit weit voraus: Hier hätte ich gerne länger zugehört, mehr erfahren. Infos: Link. Mitreisende Angie Martins schreibt auf Litaffin: „Gold hat für Georgien eine besondere Bedeutung. Traditionell wurde von den Swanen, einem georgischen Bergvolk, in den Bergflüssen des Landes der Goldstaub mit einem Schafsfell aus dem Wasser gewaschen. Der griechisch-antike Mythos vom Goldenen Vlies geht auf diese mit Goldstaub getränkten Fälle zurück. Medea, Königin von Kolchis am Schwarzen Meer (dem heutigen Westgeorgien) soll nicht nur ihre Kinder getötet, sondern auch Iason beim Raub des Goldenen Vlieses geholfen haben. Und auch heute noch heißen georgische Frauen manchmal Medea, wie die Leiterin des Georgian National Book Centers, das die Pressereise mit organisiert hat.“

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Haarnadeln, die man auch in Kleider stecken kann und zum Reinigen von Zähnen, Fingernägeln etc. Der Name „Ear Picks“ macht mir bei den ca. 12 Zentimeter langen Metallstäben… Angst.

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Was ich noch gern gesehen hätte, zum Vergleich: eine Filiale der großen georgischen „Biblus“-Buchladenkette. Auch vom georgischen Zeitschriftenmarkt sah ich – in Supermärkten und an Kiosken – kaum etwas. Second-Hand-Bücher sind VIEL präsenter, überall.

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Restaurants in Tbilisi, die ich gern getestet hätte: People’s, Organique Josper Bar, Sololaki und, außerhalb: Keto and Kote.

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Immer wieder: Essen – und gleichzeitig Autor*innen kennen lernen, die nur für die Dauer der Mahlzeit zu uns stoßen. Die Fusion-Gerichte im hipsterigen „Lolita“ erinnern mich an Dean-&-David-Salate und -Bowls (lecker; doch nicht besonders lokal, authentisch, markant).

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Bei jedem Essen stießen ein, zwei Schriftsteller*innen zu uns. Tollste Begegnung, größtes Privileg: Tamar Tandaschwili zuhören, wie sie hyper-reflektiert über ihre Arbeit als Traumatherapeutin und LGBTQ-Aktivistin spricht… und die Romane und literarischen Arbeiten, die überraschend aus ihren Jobs erwuchsen.

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Matthias Warkus schreibt: „…eilten wir hurtig zu einer Probe des Georgischen Staatsballetts. Das 1945 durch ein Paar von Choreographen gegründete Ballett ist bis heute ein »Familienbetrieb«. Die vorgeführten Tänze sind eine Synthese aus georgischer Folklore und modernen Einflüssen. Wir saßen im Probesaal direkt vor der Spiegelwand und damit teils erschreckend nahe an der Truppe, was hier ein besonders treffender Ausdruck ist, da die Tänze sehr kriegerisch daherkommen. Bei stilisierten Kämpfen knallten Bühnenschwerter tatsächlich funkensprühend aufeinander, Tänzer wirbelten direkt vor uns über den Boden; das alles zu (vermutlich) live gespielter traditioneller georgischer Musik. Ich habe mir sagen lassen, dass dieses Ballett das einzige der Welt ist, bei dem Männer auf Spitzen tanzen, und das tun sie tatsächlich; sie tragen zudem auch Knieschoner, weil viele Sprünge auf den Knien gelandet werden, was schon zu etwas mulmigem Mitgefühl für die eine oder andere arme Patella führen kann.“

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Matthias Warkus schreibt: „Während die Männer also athletisch-aggressive, teils bewaffnete Choreographien aufführen und im Vergleich zu klassischen Corps de ballet recht wenig genormte Körpertypen haben, dürfen die Frauen sich körperlich offensichtlich weniger unterscheiden und haben vor allem »anmutige« und weniger aufregende Parts. Am Abend konnte ich mich noch einmal kurz mit Davit Gabunia über das Ballett unterhalten und er hat mir versichert, dass es inzwischen auch modernere Choreographien gibt, bei denen zum Beispiel die Frauen die traditionellen Männerparts übernehmen und andere Innovationen stattfinden.“

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Was für ein Privileg: Aus oft nur ein, zwei Metern Entfernung zusehen zu dürfen, wie diese Menschen sich verausgaben. Ich bin kein Fan von Choreographien, Paraden usw., bei dem der Einzelne in der Masse verschwindet. Sobald mehrere Menschen die selbe Bewegung machen (müssen), wirkt das auf mich beklemmend, totalitär.

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Beklemmend, für mich: Auf der Straße sah ich kaum gender-nonconforming Menschen. Kein Mann hier wirkte… tuntig, exaltiert, queer, theatral. Und selbst hier, im Ballett, sehen die Männer aus (und halten sich!) wie Dudes oder Clubber: viele Bandanas, Skateboard- und McFit-Kleidung. #heteronormativ

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Ich bin froh, statt einer Aufführung nur eine Probe zu sehen – weil die Tanzenden sonst unter historischen Kostümen / Trachten weitgehend verschwinden. Die beiden Solisten hier im Foto fand ich großartig – ich hoffe, sie auf Instagram o.ä. finden zu können. Edit: Yeah! David Chanishvilii (Instagram). Seine Kollegin suche ich noch.

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Wie funktioniert der georgische Buchmarkt? Welche Bücher werden nachgefragt, welche Themen dominieren? Auf Karlas Engagement und Drängen hin (vielen Dank!) besuchen wir am Freitag – statt einer Weinprobe – die Buchhandlung „Santa Esperanza“.

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Matthias Warkus schreibt: „Aus David Gabunias Langreferat zu georgischer Literatur habe ich vor allem mitgenommen, dass ich bei Gelegenheit einmal Aka Mortschiladses Santa Esperanza lesen möchte, einen nichtlinearen phantastischen Roman über ein fiktives Archipel im Schwarzen Meer.“ Nach diesem 850-Seiten-Roman (Link, Goodreads: 4.1 von 5) ist die Buchhandelskette benannt. Mich schrecken die satirischen Illustrationen eher ab.

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Als Bundle, Angebot im Doppelpack: „Watchmen“ (mochte ich) und „The Killing Joke“ (mochte ich auch, doch geht krass frauenverachtend mit Batgirl Barbara Gordon um).

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Eine Nationallegende? Das Epos vom Recken im Tigerfell. Der einzige georgische Comic bei Santa Esperanza erzählt eine ähnliche Geschichte über einen jungen Mann und einen Tiger, die sich gegenseitig im Kampf töten. Dann erhält die trauernde Mutter Geister-Besuch von der trauernden Tiger-Mutter.

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Marvel-Zeichner David Mack („Jessica Jones“) gibt Kurse für georgische Jugendliche und entwarf mit ihnen zusammen die Graphic Novel „Fatal Error“. Bei Santa Esparanza sah ich die Mainstream-Klassiker „The Dark Knight Returns“, „V for Vendetta“ und „Persepolis“.

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Am 9. Juni 2018 findet das erste „Georgia Comic and Games Festival“ statt – nach dem Vorbild amerikanischer Comic- und Cosplay-Messen. Welche US-Heldencomics von „Big Time“ ins Georgische übersetzt werden, konnte ich online nicht raus finden. Der Buchladen hatte nur ca. 12 Hefte „Spider-Man“. [Das Original erschien 2011: „Amazing Spider-Man 654“]

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Haruki Murakami.

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Alle, älter als ca. 35, lernten in der Schule noch Russisch: Im Buchladen werden fast so viele russische (und: englische) Bücher verkauft wie georgische Titel.

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Erster Gedanke: „Harry Potter“? Waisenkinder, Fantasy, historisch, humorvoll… „A Series of Unfortunate Events“? [Edit: Ja! Die Cover sind international.]

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Die georgische Ausgabe von „Harry Potter“ erscheint bei Bakur Sulakauri Publishing. Wir sprachen überraschend mit dem Sohn des Verleger-Ehepaars. Hintergründe? In Anabelle Stehls Video, ab Minute 10:30.

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Klassiker, bewusst im Retro-Look. Trotzdem wirken die meisten georgischen Bücher in Sachen Buchdesign, Papierqualität, Ausstattung etc. auf mich wie deutsche Bücher bis Mitte der 90er (…oder Selfpublishing-Titel heute). Wichtig für Gegenwartsautor*innen? Jährliche „Book Festivals“, bei denen aktuelle Bücher zum Sonderpreis (auch: in besonderen Ausgaben?) in großer Auflage verkauft werden.

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Minimalistische und sehr zeitgemäße Buchcover im Stil der „Penguin Classics“-Reihe.

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Karla Pauls ausführliche Instagram-Stories, u.a. ihr langes Gespräch mit dem Santa-Esperanza-Buchhändler, kann man hier, bei „Tag 2“, nachschauen (im Browser u.a. mit Firefox):

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Stereotype Mädchen-Bücher: vieles wirkt ästhethisch auf dem Stand von Deutschland ca. 2005. #rosahellblaufalle

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Eines der (extrem wenigen) Kinderbücher, die ich zeitgemäß illustriert fand: „Gullivers Reisen“ für Zweit- oder Drittklässler.

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Georgische Literaturzeitschriften? Lyrik? Kleinverlage? Blogs? Wichtige Facebook-Seiten, Instagram-Profile, Multiplikator*innen? Alles noch nicht recherchiert. Beka Adamashwili sagt, seit ca. 2010 sind Debatten auf Facebook wichtiger: Kaum jemand bloggt noch.-

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„Do you sell LGBT fiction, too?“ – „Yes, of course“, sagt die Santa-Esperanza-Verkäuferin… und braucht zwei Sekunden, um ihre Empfehlungen aus dem Regal zu ziehen.

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Seit über zwei Jahren esse ich keinen Zucker und keine Kohlenhydrate mehr [Keto / LCHF], doch in Georgien wollte ich kulinarisch alles mitnehmen, ausprobieren. Es gab sieben größere Mahlzeiten (einmal im Hotel sowie drei Mittag- und drei Abendessen), die für die Gruppe organisiert wurden und bei denen wir nicht selbst bestellten: große Buffets bzw. Gastmahle aus vielen kleineren Speisen – oft viel Salat, Suppen, kalte Häppchen.

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Große westliche Ketten, überall in Tiflis: McDonalds, Wendy’s und Dunkin Donuts (Starbucks, Burger King etc. sah ich nicht). Der „GEO“-Donut wirkt auf mich ideenlos und armselig: Mit der georgischen Landesflagge hältte man leicht nen schöner localized Signature-Donut gestalten können.

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Georgia-Insight schreibt: „Zu Beginn des 20. Jahrhunderts fand ein reger Austausch zwischen Georgien und Westeuropa statt. Viele Georgier wie Grigol Robakidse (1882-1962) oder Konstantin Gamsachurdia (1893-1975), der Vater des zukünftigen ersten Präsidenten, studierten in Deutschland, Österreich und der Schweiz und kamen dort in Kontakt mit deutschen Schriftstellern wie Stefan Zweig und Thomas Mann. Verschiedene Literaturbewegungen entstanden, wie die avantgardistische Schriftstellergruppe „Tsisperi Kantsebi“ (Blaue Hörner) und wurden zur treibenden Kraft des intellektuellen Lebens im Kaukasus. Unter Stalin wurden alle moderne Literaturbewegungen vom Staat unterdrückt und den stalinistischen Säuberungen fielen auch zahlreiche georgische Schriftsteller zum Opfer. Fast die Hälfte der Gruppe „Tsisperi Kantsebi“, kam dabei um.“

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Überall an Straßenständen: alte Deutschbücher und -Sprachkurse. Auch die deutsche Bibliothek in Tiflis wird überwiegend von Georgiern besucht.

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Ähnlich wie bei Donauschwaben in Rumänien siedelten auch in Georgien seit ca. 1763 schwäbische Piätisten in eigene, anfangs steuerfreie Gemeinden. Fast jeder, mit dem wir länger sprachen, hat diese „Kaukasiendeutschen“ erwähnt – und erklärt, wie viele deutsche Worte, Schilder etc. es im georgischen Alltag gibt. [Die Nestlé-Marke „Alpengold“ kommt, glaube ich, aus Polen.] Die wichtigste deutsche Siedlung hieß Katharinenfeld; es gibt bis heute eine deutschsprachige Monatszeitung namens „Kaukasische Post“.

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Überall in Tiflis: Jugendstilbauten und -Elemente.

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Ein Running Gag, während unserer Reise: Der *sehr* pessimistische Georgien-Reiseführer aus dem „Reise Know-How“-Verlag, der vor Überfällen warnte, Minenfeldern usw. und den wir nur „Reiseführer des Todes“ nannten. Das einzige, das mich selbst verunsicherte, anstrengte: Der Rat, kein Wasser aus dem Hahn zu trinken – und die logistische Mühe, auch außerhalb der Mahlzeiten immer genug Trinkwasser mit zu schleppen.

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Ich kenne die Standseilbahn / „Bergbahn“ aus Heidelberg: Mein Partner lud meine Mutter 2015 auf eine Fahrt ein und würde seitdem, als Ritual, am liebsten jedes Mal damit fahren, wenn wir in der Stadt sind.

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Ich glaube, georgische Literatur ist gut vermittelbar, weil sie sich *eh* fast immer an eine nicht-georgische Leserschaft wendet. Zurab Karumidze: „Ich habe dieses Buch nicht für Georgier geschrieben. Die wissen das meiste davon. Ich spiele natürlich mit den Motiven, so frei manchmal, dass viele sagen: Hey, geh‘ nicht zu weit. Ich habe das Buch für eine Leserschaft außerhalb Georgiens geschrieben, und die ist riesig. Teil der Essenz dieses Buchs ist es, eine gute Einführung in diese unbekannte Kultur zu geben: in Georgiens Narrative, seine Geheimnisse, seine Geschichte, seine Kultur, seine Identität, seine Idiosynkrasien, that´s it!

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Oliver Zwahlen schreibt: „Hoch über der Stadt thront der Vergnügungspark Mtazminda. Das Gelände ist leicht zu finden: Es befindet sich am Fusse des 275 Meter hohen Fernsehturms, den du praktisch von der ganzen Stadt siehst. Leider verfügt der Sendeturm über keine Plattform, die für Besucher zugänglich ist. Aber auch vom Rand des Vergüngungsparks hast du eine tolle Aussicht auf Tiflis. Besonders eindrücklich ist der Ausblick allerdings von den kleinen Kabinen des Riesenrads. Es gibt auch eine Achterbahn, eine Wildwasserbahn, zahlreiche Marktstände und Restaurants sowie ein bizarrer Jurassic Park mit animierten Dinos. Die Fahrten und Eintritte sind sehr günstig und die Bahnen nicht besonders stark frequentiert.“

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Die Dachterrasse des Restaurants Funicular. Mein Partner, schockiert nach dem Blick auf die Fotos: „DA sitzen sie also. Auf ihrem Olymp! Und blicken auf uns Normalsterbliche hinab.“ Einer der… prunkvollsten Abende meines Lebens – keine Frage. Link: Fotogalerie

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Grandiose Aussicht, solides Essen, unvergesslicher Abend. Nur die viel, viel zu langen Tischreden nach jedem Gang waren… peinlich patriarchal. #mansplaining

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Jeder von uns sieben Influencer*innen / Blogger*innen setzt andere Schwerpunkte für die Reise: Karla Paul (links), Florian Valerius und Alexandra Stiller produzieren noch vor Ort lange Instagram-Stories. Anabelle Stehl filmt für ihren Youtube-Kanal „Stehlblüten“. Matthias Warkus‘ umfangreiche, präzise Blogposts für 54Books habe ich hier im Post ausführlich zitiert. Angie Martiens von „litaffin“ führte vier oder fünf sehr lange Interviews vor Ort. Als die Zeit mit Davit Gabunia knapp wurde, kam er einfach mit zum Essen. Ich freue mich auf die Texte!

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Kein Buch über Georgien: Angela Steideles „Anne Lister: eine erotische Biografie“ ist bisher mein Buch des Jahres 2018. Steidele liest die Tagebücher der britischen lesbischen Noblewoman und folgt ihr u.a. auf einer Reise durch den Kaukasus. Trotz ca. 15 Seiten Text, die in Georgien spielen, habe ich beim Lesen wenig über das Land erfahren. Aber…

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…weil Steidele für die Recherche mit ihrer eigenen Partnerin, Susette Pia Schuster, Anne Listers Route via u.a. Moskau 200 Jahre später nach-reiste, erscheint Ende August 2018 ein Steidele-Buch, das *sicher* einen Blick wert ist: „Zeitreisen. Vier Frauen, zwei Jahrhunderte, ein Weg“.

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Matthias Warkus schreibt: „Vom Seilbahnhof aus konnte man deutlich erkennen, welche Spuren die Immobilienkonjunktur hinterlassen hat. Für mein naives Auge scheint es in Tiflis vier Kategorien auffällig moderner Gebäude zu geben:

  1. Sowjetische Moderne/Brutalismus (z.B. dieses ehemalige Ministerium)
  2. Abgefahrene öffentliche Projekte v.a. der Saakashvili-Ära (vgl. Artikel und Bildstrecke hier)
  3. Knallige Investitionsmerkwürdigkeiten (z.B. Berbuk Towers)
  4. Auf knappem Budget mit einfachen Mitteln errichtete Gebäude, die versuchen, trotzdem so modern wie möglich auszusehen – die m.E. sympathischste Kategorie.“

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„Supra (auch Keipi genannt) deutlich, einer großen Tafel, bei der es einen sogenannten Tischmeister (Tamada) gibt, der das Geschehen am Tisch lenkt und Trinksprüche ausbringt, und – um die Übersicht zu behalten – sogar einen Stellvertreter wählt.[2] Die Trinksprüche sind im Allgemeinen keine flapsigen Bemerkungen, sondern werden von jedem, der an dem Tisch sitzt, ernst genommen“

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Zwei Literatur-Orte, die mir empfohlen wurden, und für die keine Zeit blieb: Das „Buch-Café“ „Book Corner“, und das (etwas herunter gekommene?) Literaturmuseum in Tiflis, geleitet von Schriftsteller und Schauspieler Lasha Bakradze (Interview über Stalin, der in Georgien geboren wurde).

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Großes Thema beim Essen: der Oligarch Bidsina Iwanischwili, Eigentümer der Carrefour-Supermarkt-Kette, der seit ca. 2012 die georgische Politik beherrscht.

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„Man muss nur seine wirren Statements hören. Die Art, wie er spricht. Seine Sätze sind so…“ – „…wie bei Trump?“ – „Nein. VIEL schlimmer als bei Trump.“ Oha. MDR-Beitrag zu Iwanischwili (Link)

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Oliver Zwahlen schreibt: „Kleiner Tipp: Ab Tiflis fliegt zwei Mal pro Woche ein Hubschrauber in etwa 45 Minuten nach Swanetien. Damit sparst du nicht nur eine etwa achtstündige Fahrt im Bus, sondern du hast auch einen Flug durch eine grandiose Bergwelt. Und bevor du nun wegen preislichen Bedenken abwinkst: Der Flug kostet etwa 70 Lari (35 Euro).“

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Am Abend findet das 4GB-Elektro-Festival statt, ca. 25 Kilometer außerhalb. Doch aus unserer fast 20köpfigen Gruppe haben nur vier Frauen Lust auf die Fahrt. Ich selbst will ins Schwefelbad, gehe von der Seilbahnstation bis runter ins Bäderviertel, doch nehme gegen Mitternacht dann doch einfach ein Taxi zurück ins Hotel. Der Taxifahrer spielt Balladen von Sergi Gvajarladze, das Fenster ist offen, der Fahrtwind warm.

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Ich bin am Samstag Nachmittag kurz ins „Café Gallery“ – einem LGBTQ-Café, das abends zum Techno-Club wird. Doch wegen dem Trubel um den Unabhängigkeitstag saßen nur drei, vier vor ihrer Limo. „Success“, Tiflis‘ schwule Bar, sah ich nicht. Der queer-freundliche Club Bassiani war eine Woche vor unserer Reise in den Medien – wegen einer (homophoben?) Razzia und riesigen Protesten. Artikel zu Diskriminierung und kirchlicher Bigotterie 2014.

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Freitag, am Vorabend des Unabhängigkeitstags, gehe ich die Hauptstraße entlang und sehe Hunderte von Pflanzen, aufwändig präsentiert. Eine Tradition, ein Brauch? Eine einfache Ausstellung?

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Die selbe Ausstellung, am nächsten Tag: Menschen machen Selfies und schauen auf Töpfe. Verkauft oder verschenkt wird offenbar nichts.

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Statt Wikipedia lese ich oft auch unbedingt die (kein Witz!) kulturwissenschaftlichen „Useful Notes“-Texte auf TVTropes.org um ein Land kennen zu lernen: „The Patron Saint of the country is St. George, as for Serbia, Russia, England, Greece, Montenegro and Canada, among other territories. However it is not named after St. George, at least not directly; the name comes from the Ancient Greek word „geōrgos“, which means „land-worker“.“

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TV Tropes: „One interesting thing about Georgia is that it’s not clear on which continent it is. German Post, for example, considers it to be in Asia, as it costs more to send things to Asia than to Europe. The problem plagues the entire Caucasus; ordinary folks would have problems dictating which continent that neighbors Azerbaijan and Armenia (the latter of which, geographically-speaking, is located wholly in Asia, but is sometimes classified as a part of Europe due to its Christian heritage) belong to. The three countries are the crossroad of the two continents and are the definitive examples of „East meets West“, sharing this distinction with Turkey. „

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Die „Bridge of Peace“-Fußgängerbrücke (Link).

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Eine Polemik, die wir mehrmals hörten: Im sehr patriarchalen Georgien stehen Männer viel auf der Straße, trödeln, beherrschen das Stadtbild. Frauen organisieren, planen im Hintergrund: Sie arbeiten härter.

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Insa Wilke schreibt: „„[In der Sowjetzeit, sagt Manana Tandaschwili, entstanden] immer wieder wahre Kunstwerke, antisowjetisch, aber so schön verpackt, dass die Zensur es nicht gemerkt hat. Seit der Unabhängigkeit ist kulturell plötzlich viel weniger passiert.“ Das habe vor allem an der Kriegssituation gelegen. „Die Leute waren frustriert und müde vom Bürgerkrieg in den 90er Jahren, den Kriegen gegen Abchasien und Südossetien, den Regierungswechseln und Enttäuschungen. Und jetzt schreiben auf einmal so viele Autorinnen wie nie zuvor.“ Dazu muss man wissen, dass es vor der Unabhängigkeit so gut wie keine Prosa-Autorinnen in Georgien gab. „Die starke Stimme der Prosa war Männersache“, erzählt Tandaschwili. Dass jetzt so viele weibliche Stimmen die georgische Literatur prägen, hängt auch mit sozialen Entwicklungen zusammen, vermutet sie. „Die literarische Bühne wird genutzt, um den Wandel der sozialen Rollen zu zeigen. Die Frauen haben ja ansonsten keine öffentliche Bühne.“ Dabei sind sie es, die ihre Familien während der 1990er Jahre, als das Land im Chaos versank, durchgebracht haben..

Viele Bars und Straßencafés, angenehmes Klima: Mein Vater fährt nicht in den Urlaub. Doch in vielen Straßen dachte ich mir: deutsche „Best Ager“ zwischen 50 und 70 würden sich hier, mit Wein, niedrigen Preisen etc. sehr wohl fühlen. Auch bei uns im Flugzeug war eine große, ergraute deutsche Reisegruppe im Studiosus-Look.

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Matthias Warkus schreibt: „Obwohl Georgien, wie wir gehört haben, nach wie vor ein sehr patriarchales Land ist, in dem Schwule, Lesben, queere Menschen oder auch nur Frauen, die Bücher machen, mit vielen Problemen zu kämpfen haben.) Ebenfalls erkennbar schien, dass feiernde Georgierinnen und Georgier relativ leise sind und einen sehr gesitteten Eindruck machen; ob das etwas mit der angeblichen traditionellen Verachtung für öffentliche lärmende Trunkenheit zu tun hat, ist unklar.“

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Georgisches Kino, georgische Filme? „Eine glückliche Familie“ wird mir mehrmals empfohlen. 177 Ergebnisse bei IMDb.com (Link)

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Matthias Warkus schreibt: „Der Ort ist das Dschwari-Kloster über der alten Hauptstadt Mzcheta, an einer Flussmündung, wo man die verschiedenfarbigen Wässer nebeneinander sieht wie bei Donau, Inn und Ilz, und die Aussicht ist natürlich wieder atemberaubend.“

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Knut Krohn schreibt: „Das Kloster Dschwari ist ein georgisch-orthodoxes Kloster aus dem 6. Jahrhundert nahe Mzcheta. Der Name wird mit Kreuzkloster übersetzt. 1996 wurde Dschwari zusammen mit anderen Monumenten von Mzcheta in die Weltkulturerbe-Liste der UNESCO aufgenommen.“

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Matthias Warkus schreibt: „Wir kommen in eine kleine, halbdunkle, über 1400 Jahre alte Kirche, am Eingang verkauft ein Mönch Opferkerzen in unterschiedlichen Preisklassen; ein paar Frauen singen im Hintergrund wunderschön und sauber mehrstimmige orthodoxe Gesänge, ein Geistlicher und ein Lektor psalmodieren dazu vor sich hin, Weihrauch, Bienenwachs, sich bekreuzigend geht ein unablässiger Strom jeder Art von Menschen ein und aus.“

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Gelernt, auf der Reise? Dass Fragen wie „Ist es hier friedlich?“, „Ist es hier liberal?“, „Ist es hier aufgeklärt?“ nichts bringen – wenn Befragter und Befragender verschiedene Parameter, Messlatten nutzen. „Kommen deine Eltern mit deiner Homosexualität gut klar?“ – „Klar! Mein Partner durfte schon mal im selben Zimmer mit mir übernachten. Das nahmen sie hin. Ansonsten haben sie einfach nie gefragt und wollen nichts davon wissen.“ (Uff!) Oder: „Religion ist wichtig, auch im Fernsehen. Aber eine Zensur o.ä. gibt es nicht!“ – „Das heißt, im TV sind z.B. Brustwarzen zu sehen?“ – „Nein, natürlich nicht!“

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Der Trescher-Verlag stellte uns einen aktuellen Reiseführer zur Verfügung: mit exzellenten Texten, aus denen ich viel lernte. Das Bildmaterial und die Gestaltung dagegen fand ich drittklassig, für ein Buch, überarbeite 2018: Zuletzt las und kaufte ich ca. 2001 Reiseführer. Hat sie seitdem ästhetisch nichts getan?

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Ich reise nicht in Länder, in denen Homosexualität kriminalisiert wird. Las vor der Georgien-Reise den Wikipedia-Eintrag „LGBT Rights in Georgia“ und dachte: „Das klingt weitgehend progressiv – bis auf die Verfassungsänderung 2018, Ehe als Bund zwischen Mann und Frau zu definieren.“

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Aber: „According to a 2011 survey, almost nine in 10 Georgians who responded said homosexuality could never be justified. […] More than 30 violent attacks on LGBT people, including the deadly stabbing of a trans woman, were recorded in 2016, according to advocacy groups.“

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Auch mein Trescher-Reiseführer verstört mich: „Verhaltenstipps. Ein Sprichwort lautet: Gehst du in ein fremdes Kloster, vergiss das Statut deines eigenen. Die Georgier sind in der Regel gastfreundlich, Fremden gegenüber aufgeschlossen, hilfsbereit, gesellig, oft herzlich und tolerant. Religiöse Werte nehmen im Weltbild der meisten Menschen einen wichtigen Platz ein. Die im ‚Westen‘ geführten Diskussionen um Abtreibungen, gleichgeschlechtliche Lebensformen, genderpolitische Fragen etc. stoßen bei der Mehrheit der Bevölkerung auf wenig Verständnis oder Abneigung. Die meisten Menschen haben andere Sorgen [krass homophober Satz: Minderheitenrechte sind Menschenrechte, kein Luxusproblem!] und sind vor allem mit dem täglichen Überleben beschäftigt. […] Gleichgeschlechtliche Paare, die gemeinsam Georgien besuchen, sollten überlegen, inwieweit sie ihre Zuneigung in der Öffentlichkeit zeigen.“

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Nichts für mich: „Tschurtschchela, bei der man Haselnuss- oder Walnusskerne auf eine Leine bindet und diese so lange in Traubensaft taucht, der mit Mais- und Weizenmehl angedickt ist, bis sich eine dünne Schicht über die Nüsse gelegt hat.“ [Wikipedia] Ich rechnete mit karamell- oder hariboartigem Geschmack; doch der gelierte Traubensaft schmeckt wächsern, mehlig, kaum süß.

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Chinkali (Wikipedia): „…werden von Hand gegessen. Dabei greift man zur Spitze der Teigtasche (georgisch kudi „Hut“), die kühler ist als der Inhalt. Man beißt etwas Teig ab und trinkt den Saft aus der Tasche, dann isst man den Rest. Weil die Spitze hart ist, wird sie nicht mitgegessen, sondern zur Seite gelegt. Am Ende der Mahlzeit kann gezählt werden, wie viele Teigtaschen jeder Esser geschafft hat.“

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Oben auf dem Berg: Ninos „Kreuzkirche“, das Dschwari-Kloster (Link). Hier unten im Tal: Die Swetizchoweli-Kathedrale (Link). Viel Tourismus, viel Frömmelei. Ein recht trostloser Ort. 

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Knut Krohn schreibt: „Die Innenstadt lebt von den Touristen, die jedes Jahr zu hunderttausenden in den Ort strömen. Für viele Millionen Euro wurde die Stadt aufwändig renoviert. Vom ursprünglichen Flair ist allerdings kaum mehr etwas gebliegen. Die kleinen Geschäfte verkaufen vor allem den üblichen Nippes an die Touristen.“

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Frühchristliche Wandmalereien? Selbstbezogenes Endlos-Gerede über Proto-Georgier im Nationalmuseum? Ballett? Die Reise war großartig organisiert. Und ich verstehe, dass ein Land seine Kulturschätze und Geschichte zeigen will. Doch sollte ich je wieder auf solche Reisen geladen werden, wünsche ich mir noch mehr Gegenwart, Literatur und Literaturbetrieb, Verlage. Lieber fünf georgische Journalist*innen treffen, als in einem Kloster zu stehen, bei dem ich… keinen Bezug zur aktuellen Literatur des Landes sehe.

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Interessanter als die Kathedrale: Unserer Reiseleiterin zuhören zu dürfen, während sie erzählt, wie sie den Krieg 2008 erlebte. Als junge Mutter in der Wohnung saß, während Tiflis von Russland beschossen wurde.

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My-Travelworld schreibt: „Ansonsten herrscht in Mtskheta wirklich ein richtig ruhiges Kleinstadtflair. Obwohl der Ausflug in eigentlich jedem Reiseführer und Gespräch über Tiflis empfohlen wird, empfand ich das kleine Städtchen nicht wirklich als Highlight.“

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Matthias Warkus schreibt: „Die Stadt Mzcheta hat etwas von Rüdesheim und von Altötting, ein paar Gassen, die nur aus Souvenirständen bestehen, und in der Mitte eine wieder einmal uralte Kirche, die Kathedrale, in der die Könige der Bagratiden-Dynastie begraben liegen. Wieder Wachskerzen, Kopftücher, Fresken, mit dem iPad filmende Fernsehjournalisten. Auf dem Weg zum Essen gehen wir an gepanzerten Fahrzeugen der georgischen Armee vorbei, beklettert von Kindern, es ist Unabhängigkeitstag.“

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Teures Restaurant, sehr gutes Essen, absurdes und neureiches Ambiente. Ich liebe das Wort „poshlost“, mit dem Nabokov solchen Kitsch beschreibt.

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Gujari heißt das Restaurant. Absurde Fotos von Hochzeiten, Empfängen usw. auf der Facebook-Seite (Link).

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Matthias Warkus schreibt: „Das Restaurant in Mzcheta, in dem wir zu Mittag essen, hat den Charakter einer Jagdlodge in einem Luxusresort, ein mit Trinkhörnern und alten Waffen dekorierter neo-folkloristischer Bau in einem Garten aus englischem Rasen und Steinskulpturen, der ein wenig wie eine Parzelle der Bestatterbranche bei einer Landesgartenschau aussieht. Hier gibt es im Zuge eines wieder brachial üppigen Menüs auch das andere Nationalgericht, Chinkali, Teigtaschen, aus denen man der Tradition zufolge die Brühe zuzeln muss, so dass es nicht tropft.“

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Matthias Warkus schreibt: „Abendessen gibt es in einer Art Chalet über der Stadt. Diesmal gibt es Amphorenwein, scheint mir, die orange Flüssigkeit steht in großen Kannen auf dem Tisch wie auch der Rotwein, der Wein schmeckt harzig und herb, aber er ist so gefährlich süffig wie die anderen Weine, die wir hier zum Essen bekommen haben. Das Huhn schwimmt im Knoblauch, es gibt Käse-Bohnen-Fladen in Filoteig, zu allem Tkemali, eine Sauce aus Alycha, unreifen Kirschpflaumen (das Nationalobst, natürlich; die InstagrammerInnen unter uns sind sich einig, man könnte die Dinger dort problemlos als den neuen Detox- oder Irgendwas-Trend verkaufen und damit groß machen).“

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Zum Georgischen Unabhängigkeitstag standen drei Panzer (und eine Hüpfburg) auf der Straße ins nächste Dorf. Kinder kletterten auf den Panzern umher, und auf X.s „DAS wäre Deutschland dann doch zu viel.“ lachte Y.: „Geh mal zum Tag der Bundeswehr. Das sieht genau so aus.“ #nationalismus #hurrapatriotismus #überalldeprimierend

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Essen am letzten Abend: bei Rachis Urbani, hoch im Wald über Tiflis.

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Am Samstag will ich noch einmal zu den Schwefelbädern, und gehe quer durch die Stadt: Ich sehe die Feierlichkeiten zum georgischen Unabhängigkeitstag. Viel Musik und Bühnen (ein creepy Knabenchor singt ‚Hey Jude‘), alle 200 Meter Kinderschminken, viele Spider-Man- und Peppa-Woods-Ballons. Viele Georgien-Flaggen, aber wenig Militarismus.

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Seit 1991 sind fast eine Million Menschen aus Georgien ausgewandert. Ein Fünftel der Bevölkerung.

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Ich sagte einem meiner Redakteure, dass ich nach Georgien reise. „Alle anderen auch“, lachte er: Es scheint sehr viele Pressereisen zu geben, bis Oktober 2018. Ich mag, dass sich das Georgian Book Office bemüht, diese Reisen möglichst unterschiedlich zu gestalten: Jede Gruppe trifft ganz andere Schriftsteller*innen. Die Gefahr, dass Deutsche am Ende alle die selben Interviews führen und identische Artikel schreiben, scheint mir klein. Trotzdem frage ich mich vier Tage lang: Wen und was verpasse, übersehe ich gerade?

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Menschen, die von ihrem Urlaub erzählen, frage ich meist: „Würdest du noch mal hinreisen?“ Ich würde sofort ein zweites Mal nach Tiflis (nur in die Stadt: Kloster, Berge, Natur etc. sind mir egal). Und dann auch: die weiteren kleinen Buchhandlungen sehen, entdecken (Link zu einer Liste mit Tipps).

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Matthias Warkus bilanziert: „Man kann das sehr einfach nehmen. Die Küche (Georgiens Nationalgericht ist übrigens ein Salat, erstaunlich), der Wein, die Kirche, die Gebirgslandschaft, die Schwefelquellen und die Landesgeschichte greifen ineinander, wir sind hier fromme Orthodoxe, langlebige Salatesser und fröhliche Weintrinker, die Frauen schön, die Männer mutig, all das seit Jahrtausenden hier zuhause, vielfach erobert, nie ausgelöscht. Ich muss daran denken, dass ein Außenstehender mit genügend unscharfem Blick vielleicht Baden, Ostthüringen oder Oberbayern genauso sehen könnte. Auf der anderen Seite sind da Übergriffe auf LBGTQ*-Personen und religiöse Minderheiten, die traumatische Erfahrung des Zusammenbruchs nach 1991, als es plötzlich keine Arbeit, keine Heizung und keinen Strom mehr gab, die Kriege (»fünf Kriege in zwanzig Jahren«, sagte uns jemand), die Oligarchen, der klare Wille zu Modernität und zu Befreiung in der jungen Literatur,“

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Gesperrte Straße zum Unabhängigkeitstag. Tiflis ist sehr fußgängerfreundlich – aber hat so viele Steigungen, Schwellen etc., dass Rollstuhl-Nutzer*innen große Schwierigkeiten haben.

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Wir sind mit Shuttle-Bussen unterwegs, alle vier Tage: Die Metro (nur zwei Linien, kompakt und billig) wird empfohlen – ich selbst benutzte sie nie.

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Überall in touristischen Ecken: frische Erdbeeren und andere Früchte, die als Saft, geeist, geeist und püriert usw. verkauft werden. Überteuert – wurden wir gewarnt. Erdbeeren gab es auch am Ende *jeder* Mahlzeit, die man uns servierte: aromatisch, geschmacksintensiv, doch tiefst dunkelrot und weich.

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Freundlicher, unspektakulärer Pflanzenmarkt am Unabhängigkeitstag: besonderes Event? Oder feste Institution in der Altstadt?.

Die zehn aktuellsten georgischen Filme mit guten Kritiken?

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Die nächsten Ehrengäste auf der Frankfurter Buchmesse:

  • 2019: Norwegen
  • 2020: Kanada (yeah! ich war fünf Jahre lang in Toronto, drei Monate im Jahr.)
  • 2021: Spanien
  • 2022: Slowenien
  • 2023: Italien

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Die deutschsprachigen Buchblogs mit der größten Osteuropa-Kompetenz:

  • Muromez (Ilja Regier)
  • Read-Ost (Georgierin Irine Beridze und Annika Grützner)

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Das georgische Alphabet ist auch Zentrum und Leitmotiv des Buchmesse-Auftritts und des Claims „Georgia made by Characters“ [= Schriftzeichen]. Wikipedia: “ Von heutigen Wissenschaftlern wird angenommen, dass sich das georgische Alphabet zu Beginn des 5. Jahrhunderts unter griechischem Einfluss aus der aramäischen Schrift weiterentwickelte.“ TV Tropes: „Georgian uses a different alphabet from Russian and a VERY different language. It is (as far as we know) completely unrelated to any of the major language families, instead being part of a „South Caucasian“ family more or less consisting of itself and a couple of close relatives.“

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Straßenhunde und -Katzen? Überall in der Stadt. Sind sie geimpft und kastriert, tragen Hunde einen Knopf im Ohr. Trotzdem gibt, laut diesem Link, nirgendwo mehr tollwütige Hunde als in Georgien.

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Die Hunde haben Flöhe – doch sind recht freundlich. Lucia Höllemann schreibt: „Straßenhunde sieht man in fast allen Städten, aber besonders penetrant fiel es uns in Kutaisi auf, zum Glück sind die meisten dieser Hunde eher friedlich und verhalten sich dem Menschen gegenüber nicht aggresiv. Vor allem in Mestia und Ushguli haben wir sehr viele freundliche Hunde getroffen, die einen gerne auf einem Spaziergang begleiten und einen fast nicht mehr alleine nach Hause lassen!“

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Karla Paul schreibt: „Mehr als die Literatur selbst haben mich die Menschen beeindruckt, die dahinter stehen und trotz bis heute andauernden politischen und gesellschaftlichen Schwierigkeiten an ihre Worte und die darin versteckte Botschaft als Teil der Lösung glauben – für sich selbst, aber auch diejenigen, die sie lesen und täglich leben. Für die Bücher ein wichtiges Transportmittel sind und ihr Weg, Euch die Geschichte ihres Landes zu erzählen. In den kommenden Wochen wird noch viel schriftliche Nacharbeit folgen, Berichte, Interviews und Buchempfehlungen.“

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Ich genoss die Tage sehr. Ich war noch nie östlicher als Berlin – und bin erleichtert, wie wohl ich mich in Tiflis fühlte und, dass Osteuropa / Vorderasien für mich jetzt attraktiver, denkbarer, naher sind als zuvor. Sympathische Gruppe, kluge Begegnungen, und mehr Input in 4 Tagen als sonst oft in zwei Wochen – gern wieder!

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Wer lud mich ein, zu Live-Blogs und Berichterstattung?


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Die Teilnehmenden unserer Blogger-/Influencer-Gruppe:

Angie Martiens_„Litaffin“

Alexandra Stiller_„Bücherkaffee“ | Instagram

Karla Paul_„Buchkolumne“ | Instagram

Florian Valerius_„Literarischer Nerd“ | Instagram

Anabelle Stehl_„Stehlblüten“ | Instagram | Youtube

Matthias Warkus_„54books“ | Twitter

…und ich selbst: Stefan Mesch (Bio) | Twitter | Instagram

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Angie Martins‘ Foto-Blogpost zu unserer Reise:

Der Charme des abblätternden Lacks. Eine (Bilder-)Reise durch Tbilisi

Anabelle Stehls 20-Minuten-Vlog über unsere Reise, auf Youtube:
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Georgia made by Characters: Pressereise / Influencer-Reise nach Tiflis, für die Frankfurter Buchmesse 2018 #fbm18

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Hier kommt der „kleine“, persönlichere Blogpost zur Reise.

Der faktensatte, ausführlichere ist hier (Link).

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Georgien ist 2018 Gastland / Ehrengast der Frankfurter Buchmesse.

Das Georgian Book Office, die Buchmesse Frankfurt und die Agentur 2508 luden ca. 10 (Print- und TV-) Journalist*innen, Literaturkritiker*innen sowie sieben Blogger*innen / „Influencer“ zu einer viertägigen Reise nach Tiflis / Tbilisi:

23. bis 27. Mai 2018.

2016 wurde ich auf eine Pressereise durch Flandern und die Niederlande (damals: Ehrengastregion der #fmb16) eingeladen – doch konnte nicht mit, wegen Deadlines und Verpflichtungen.

Mir für Georgien Zeit zu nehmen, war eine der besten Entscheidungen seit Monaten: Die Reise war schnell, eng getaktet. Ich verbrachte selten *so* intensive Tage, in einer *so* freundlichen, professionellen, mitreißenden Atmosphäre. Viel gesehen, viel gelernt, irrsinnig viel gesprochen, fotografiert, interagiert.

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Bis zur Buchmesse im Oktober werde ich georgische Literatur sichten, sortieren und, falls Redakteur*innen anbeißen, sicher auch besprechen und kritisieren, z.B. für Deutschlandfunk Kultur, vielleicht auch Spiegel Online oder im Freitag.

Ein längerer Blogpost mit konkreten Texten, Informationen, Links, Details zur Reise braucht noch einige Tage Zeit: Ich werde ca. Montag länger bloggen.

Bis dahin empfehle ich die vier Blogposts von Matthias Warkus bei 54books [Text 1, Text 2, Text 3, Text 4] und die Instagram-Stories von @buchkolumne Karla Paul.

Heute, hier im Blog: Fotos, die Atmosphäre, Stimmung unserer Tage in Tiflis gut vermitteln; gegen Ende auch Gruppenbilder der Mitreisenden.

Mein „richtiger“, faktensatter Text zur Reise: online in ca. 5 Tagen.

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Die Teilnehmenden unserer Blogger-/Influencer-Gruppe:

Angie Martiens_„Litaffin“

Alexandra Stiller_„Bücherkaffee“ | Instagram

Karla Paul_„Buchkolumne“ | Instagram

Florian Valerius_„Literarischer Nerd“ | Instagram

Annabelle Stehl_„Stehlblüten“ | Instagram | Youtube

Matthias Warkus_„54books“ | Twitter

…und ich selbst: Stefan Mesch (Bio) | Twitter | Instagram

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