Buchmesse

Georgien als Ehrengast / Gastland der Frankfurter Buchmesse #fbm18: Events, Lesungen, Tipps

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Lesungen, Diskussionen, Vorträge, Kulinarik, Theater, Performance, Konzerte:

Alle Veranstaltungen aus und über Georgien während der Frankfurter Buchmesse…

…sind hier im .pdf / Programm nachzulesen (Link).

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Auf der Messe selbst gibt es zwei zentrale Orte:

  • den Georgischen Pavillon (Forum 1: neben Hof/Agora, direkt gegenüber von Halle 4)
  • der National Stand (Halle 5, Erdgeschoss/Level 0, B100)

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Ich…

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Die Buchmesse besuche ich 2018 v.a. als Moderator: ich reise am 10. (Mi) an, werde am 11. drei Lesungen im Frankfurter Kunstverein moderieren und habe am 12. und 13. dann Zeit fürs Messegelände. Trotzdem sah ich für alle fünf Messetage das Ehrengast-Programm.

Hier im Eintrag, subjektiv und persönlich: Events, bei denen ich Autor*innen und Speaker mag, Bücher las und empfehlen kann und/oder glaube, das wird sehenswert:

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Abendprogramm. Lesungen in Frankfurt:

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Georgische Literatur: Die besten Bücher aus und über Georgien, zur Frankfurter Buchmesse (Ehrengast / Gastland 2018)

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Für Spiegel Online las ich elf Bücher aus und über Georgien – ein Text von mir kommt Mitte Oktober, kurz vor der Frankfurter Buchmesse 2018.

Heute, hier im Blog:

Klappen- und Kurztexte, Links und Buchtipps zu fast 40 georgischen Büchern, die

Link: offizieller Katalog aller ca. 100 Neuerscheinungen aus Georgien zur Frankfurter Buchmesse 2018 (.pdf)

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11 Titel, die ich las und empfehlen kann:

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Georgien Literatur

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Teil meiner Vorauswahl – angelesen und gemocht:

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Am Goethe-Institut Tbilisi stellte Davit Gabunia in einem 60+-Minuten-Vortrag 16 persönliche Favoriten vor:

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Georgische Literatur, von Freund*innen empfohlen:

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Titel & Stimmen, z.T. noch nicht übersetzt, die mir in Georgien empfohlen wurden:

  • Tamar Tandaschwili: „Materikon“
  • Nato Davitashvili
  • Luka Bakanidze, „Wo bist du, Lazar“
  • Iunona Guruli: „Die Diagnose“
  • Giorgi Kekelidze: „Gurische Märchen“
  • Giorgi Maisuradse: „The Closed Society and its Watchmen“

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außerdem neu auf Deutsch:

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Anthologien & Gruppenprojekte:

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georgien georgische literatur birnenfeld zura abashidze held im pardelfell

Der Geschichtslehrer muss sterben, die Kinder sollen über das Birnenfeld in die Freiheit rennen – das ist Lelas Plan. Im Internat für geistig behinderte Kinder in Tbilisi, einem Relikt aus Sowjetzeiten, hat das zornige Mädchen die Rolle der Beschützerin übernommen. Die Lehrerinnen sind mit den „Debilen“ überfordert. Behindert sind die wenigsten ihrer Schützlinge, im Stich gelassen, abgehängt sind sie alle. Lela begleitet den neunjährigen Irakli in eine Hochhauswohnung in der Nachbarschaft, wo er einmal in der Woche mit seiner Mutter telefonieren darf. Irakli will nicht wahrhaben, was Lela längst weiß: Seine Mutter wird nie aus Griechenland zurückkehren, sie wird ihn auch nicht zu sich holen. Lela zwingt ihn, Englisch zu lernen, unterstützt seine Hoffnung, nach Amerika zu gehen. Ein Traum, der eines Tages, als ein Ehepaar aus den Südstaaten anreist, wahr zu werden droht…

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Alte Freunde, neue Nachbarn, trinkfeste Kindergärtnerinnen und Hippies in der Midlife-Crisis. Nacht für Nacht offenbaren sie ihre Geheimnisse. Über sexuelle Vorlieben, die auf Ablehnung stoßen. Lauert die Liebe oder gar der Tod hinter der nächsten Tür? Zura Abashidze, junger und charismatischer Schriftsteller, portraitiert ungeschminkt und realistisch seine Heimat. Helden des Alltags jonglieren zwischen postsowjetischer Tradition und westlicher Moderne. Ein Kampf gegen Homophobie und für mehr Toleranz.

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Über Jahrhunderte mündlich überliefert, prägend für das Selbstverständnis eines Landes und dabei eine zauberhafte Liebes- und Heldengeschichte: Tilman Spreckelsen und Kat Menschik machten aus dem georgischen Nationalepos ein modern erzähltes, fabelhaft illustriertes Buch. Tinatin und Awtandil, Nestan-Daredschan und Tariel. Zwei Liebespaare, deren Schicksale sich kreuzen und bedingen. Awtandil und Tariel müssen harte Prüfungen bestehen und Siege erringen, bevor sie ihre Geliebten wirklich erobert haben. Dichter Schota Rustaweli verfasste die Verse um das Jahr 1200, als Georgien unter der Herrschaft von Königin Tamar zur Großmacht wurde – bis die Mongolen dieser Blütezeit ein Ende bereiteten. Umso wichtiger wurde für die Georgier das Epos aus besseren Zeiten. Kat Menschik schwelgt in der mittelalterlichen, aber auch orientalischen Atmosphäre.

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Georgien georgische literatur Angela Steidele Kurban Said, Das Spiel des Todesengels

1840 reisten die Engländerinnen Anne Lister und Ann Walker im Pferdeschlitten auf der zugefrorenen Wolga bis zum Kaspischen Meer und weiter über den Großen Kaukasus nach Tbilissi und Baku. Anne Lister starb völlig unerwartet auf einer Bergtour in Georgien. Ihre Gefährtin Ann Walker benötigte sieben Monate, um den Sarg mit der Leiche der Geliebten zurück nach Halifax zu bringen. 2017 erschien Angela Steideles Biografie über die freizügige Tagebuchautorin und verwegene Reisende Anne Lister. Jetzt begibt sich Steidele auf die Spuren des außergewöhnlichen Paars, begleitet von ihrer Frau. Hilft ihre Reise, die Abenteuer von Anne und Ann zu würdigen? Was erzählen die Orte, Landschaften und Menschen heute von fernen Zeiten? Kann man überhaupt in die Vergangenheit reisen?

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‚In der russischen Stadt Baku, auf der Grenze zwischen Orient und Okzident, verlieben sich am Vorabend der Russischen Revolution der temperamentvolle Muslim Ali und die schöne, georgische Christin Nino. Die Hochzeit rückt trotz aller Widerstände in greifbare Nähe – da wird Nino entführt.

Userin Kelly auf Goodreads, großartiger Text: „An oil-boom town where Georgians, Armenians, Westerners, Persians and Muslims all mix together. Everyone does have a place, but there are many factors which factor into deciding who matters, who is where on the social scale- schooling, family, money, and family history. How does one make a cross-cultural life in a world that is becoming ever more divided along every line possible- religion, politics, economics, and of course the powerful new god of Nationalism? This is, more than anything else, a meditation on definitions, explanations, lines and musings on Who I Am and Who I Am Not, and perhaps more importantly for geopolitics, Who We Are and Who We Are Not.

Ali visits many towns around his area and they all have some great story of their background, a legend that makes where they live the best place on earth, and no one seems to mind that the next town over also claims that they’re the best ever. Everything that everyone does seems to have to be attributed to some part of their background or heritage. In this charged atmosphere, every action is a statement, every minute one chooses sides in this meeting place of “Asia and Europe”. Everyone judges those actions to determine which side you are on. Ali is a man caught by this transformative moment in time- 1914. He is a man who is “Asiatic in his blood” and yet is in love with a woman who loves Europe. There are many quotes here where people try to philosophize their way to a solution to what makes people so different, and how this Asia and Europe is divided.“

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Ein dokumentarischer Roman, der einen großen Teil der Geschichte des Stalinismus in Georgien und der Sowjetunion behandelt. Der georgische Verfasser kennt die Zeit aus eigenem Erleben und entkam nur durch einen glücklichen Umstand der Todesmaschinerie. Die Demokratischen Republik Georgien bestand nur von 1918 bis 1921. Ihr wurde durch die Invasion der Streitkräfte Sowjetrußlands abrupt ein Ende gesetzt. Die gewaltsame Einführung der Sowjetordnung und die Brechung des Volkswiderstands durch unvorstellbaren Terror, Verhaftungen und Massenexekutionen: Der „Held“ des Romans wird schon in der Jugend voll in den Strudel der politischen Ereignisse gerissen. Obgleich er versucht, seinen Weg ins Leben unabhängig von den politischen Machenschaften der damaligen Zeit zu finden, wird er tief in das damalige Unrechtswesen verstrickt. So wird er mitschuldig an der politischen Entmündigung des Volkes.

Die beispiellosen Terrorakte der Tscheka, Berias raffinierte Intrigen, um Stalins Gunst zu gewinnen: Je höher Guri auf der Karriereleiter klettert, desto gewichtiger wird seine Beteiligung an den Machenschaften der Regierenden. Und als sich mit Stalins Tod und Berias Entmachtung ein Weg zu öffnen scheint, der ihn in die Menschlichkeit entläßt, verhindert das System, daß er seine Kenntnisse nach außen tragen kann. Wie veranlassen Zwang und Furcht die Menschen immer wieder, sie zu fügen? Eine Mahnung ans Gewissen des Einzelnen.

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Georgien georgische literatur Giwi Margelaschwili, Lasha Gudagze, Wartezimmer zum Glück

Giwi Margwelaschwili wurde 1927 als Sohn georgischer Emigranten in Berlin geboren, seine erste Sprache war Deutsch. Seine Mutter litt unter Depressionen und starb, als er klein war. Sein Vater lehrte Philosophie und Orientalistik und engagierte sich im georgischen Widerstand gegen die Sowjetunion. 1946 wurde er vom sowjetischen Geheimdienst NKWD entführt, gemeinsam mit seinem Sohn Giwi. Der Vater wurde ermordet. Giwi wurde in Sachsenhausen interniert und anschließend nach Georgien verschleppt.

Jörg Sundermeier hat Margwelaschwili im Frühjahr 2016 an fünf Tagen zu seinem Leben und Werk interviewt. Das Interview wird durchbrochen und ergänzt durch kleinere Auszüge aus dem Werk. Hier zeigt sich der Philosoph und Ontotextologe Margwelaschwili ganz offen. Er erklärt den Einfluss der Philosophie von Husserl, Heidegger und Deleuze, erzählt über sein Leben in der Sowjetunion und sein Leben zwischen den Welten nach dem Fall der Mauer. Ein intimes Porträt des deutsch-georgischen Denkers.

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Ende der 90er Jahre, nach dem verheerenden Bürgerkrieg, mit Mangelwirtschaft, Korruption und Gemauschel. Der Protagonist, ein junger Schriftsteller, hat soeben eine satirische Erzählung über die legendäre Königin Tamar aus dem 13. Jahrhundert veröffentlicht. Die Botschaft der Erzählung wird gründlich missverstanden. Der Patriarch, das Oberhaupt der georgisch-orthodoxen Kirche, verlangt einen öffentlichen Widerruf von ihm und als sogar seine Familie und Freunde bedroht werden, steht der Autor vor einer schwierigen Entscheidung.

Offenherzig und humorvoll verarbeitet Bugadze ein eigenes traumatisches Erlebnis als (23-jähriger) Schriftsteller bis hin zum Augustkrieg 2008. Ein Lehrstück zu religiösem Fundamentalismus, reaktionärem Nationalismus, Medienmacht und Meinungsfreiheit.

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In Tbilissi trifft man auf Künstler, Nachtschwärmer, selbstbewusste Frauen. Doch wer sich in die entlegenen Gegenden des Landes vorwagt, findet sich in einer anderen Welt wieder. Drei georgische Fotojournalistinnen haben dies getan: Daro Sulakauri etwa erfuhr zufällig von den sogenannten Kinderbräuten in den Regionen Kachetien und Adscharien und wollte mehr über die Ursprünge dieser Tradition erfahren. In abgelegenen Dörfern traf sie diese jungen Mädchen, die von ihren Eltern verheiratet werden und kurz darauf selbst Kinder bekommen. Natela Grigalashvili porträtierte u. a. Frauen, die in Dörfern in der Nähe der Pan­kisi-Schlucht leben; diese sind vom Rest der Welt förmlich isoliert und müssen für ihre Emanzipation erst noch kämpfen. Und Anka Gujabidze hat das alltägliche Leben im tristen Rustawi und Kazreti fotografisch festgehalten.

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Georgien georgische literatur Löwenzahnwirbelsturm in Orange, Der Südelefant, Gldani

Frauen und Männer, die sich dem rücksichtslosen Bündnis zwischen Patriarchat, Kirche und Polizei verweigern: die lesbische Elene, die von ihrem frustrierten Verehrer Mzeroza öffentlich vergewaltigt wird, die halbwüchsigen Mädchen Nita und Teo, deren verbotenes Liebesglück grausam endet und nicht zuletzt das Nilpferdbaby Baggy, das aus dem Zoo entkommt und für ausgleichende Gerechtigkeit sorgt. Tandaschwili setzt eine verrückte, unwirkliche Schönheit gegen die Korruptheit des politischen Systems und sorgt damit in Georgien für Skandale und Diskussionen.

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Weil ein alter Freund die Wohnung des Erzählers braucht, um sich dort heimlich mit einer Frau zu treffen, wird dieser für einen Tag obdachlos. Er zieht durch die Straßen und Cafés seiner Heimatstadt Tiflis, lässt sich treiben, denkt an die Kindheit, die Zeit der Sowjetdiktatur und die überschwängliche Anarchie des noch jungen unabhängigen Staates.

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Gldani ist die größte Vorstadt von Tbilissi. Das sowjetische Ghetto, das Ende 60er-Jahre als Experimentalprojekt entstand und seitdem in der Zeit erstarrte. Das Zusammenleben von Lana und ihrem Sohn kippt, als er sich in einen Mann verliebt. Mit diesem Spalt beginnt der Umsturz der beiden ausgezeichnet funktionierenden Systeme – der Familie und der Kleinwelt Gldani. Mit einem Domino-Prinzip werden einzelne Teile des Systems zu Gegnern: Die Mutter kämpft gegen ihren geliebten Sohn, das System versucht, die Mutter zu neutralisieren. Parallel dazu erleben die Bewohner von Gldani merkwürdige, märchenhafte Ereignisse. Der mit stilistischen Spielen, einer meisterhaft vernetzten Struktur und vielen Farben beladene Roman bereitet dem Leser eine Menge von Überraschungen.

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Georgien georgische literatur Du bist in einer Luft mit mir, Touristenfrühstück, Ein Tag wie ein Leben

Dimitri und Viktor wachsen in Miroslaw auf. Nach ihrer Studienzeit in Moskau hocken sie, nun Lehrer und Ingenieur und beide Nachwuchs erwartend, im Abstellraum des Schulhauses und gönnen sich täglich eine Partie Schach. Nur über die Revolution sind sie geteilter Meinung, und als Dimitri eines Tages das Leninporträt in hohem Bogen aus dem Fenster des Klassenzimmers wirft, wird sein Freund gegen ihn aussagen. Dieses Verhängnis können die Kinder, Kirill und Sascha, die später wie Brüder sind und reden und sich kleiden wie ihr Lieblingsdichter Puschkin, nur erahnen. Eine ironische wie geistreiche doppelte Familiensaga, die spielerisch zwischen der Zarenzeit, der russischen Revolution und dem »grauen Niedergang der großen Ideale« hin- und herspringt.

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Ein Mann, eine Frau und ein Neugeborenes auf der Suche nach einem Zuhause. Ein Flaneurroman im schwerelosen Raum zwischen Berlin und Tbilissi, Gegenwart und Erinnerung, Geborgenheit und Fremde.

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Ein Soldat der U.S. Army, der offen über die amerikanische Folterpraxis im Irak spricht. Ein Terroristenführer im Kaukasus, der seinen schwer verwundeten Gegner, einen Glaubensgenossen, rührend pflegt, aber bei dessen ungläubigen Kameraden keine Gnade kennt. Der Krieg zerstört oft auch die, die überleben. Texte, die zugleich Reportage wie große Literatur sind; Alltag in gegenwärtigen und ehemaligen Krisengebieten wie Tschetschenien oder Georgien, Vietnam, Afghanistan und Gegenden, die heute noch unter den Folgen des Zweiten Weltkriegs leiden. Arkadi Babtschenko, der mit Remarque und Hemingway verglichen wird, zeigt, wie Krieg Gesellschaften zerstört – und jeden Einzelnen, den er berührt, mit schicksalhafter Wucht verändert.

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Georgien georgische literatur Gabunia Farben der Nacht, Samanischwilis Stiefmutter, Kvachi

Sommer 2012: Sura, glücklicher Vater und weniger glücklicher Hausmann – er hat seine Arbeit verloren –, bekommt einen neuen Nachbarn. Gelangweilt beginnt er, den auffälligen jungen Mann mit dem roten Alfa Romeo zu beobachten – und gerät schnell in den Bann des fremden Lebens und die Besuche eines Liebhabers: eines hohen Beamten. Dann beobachtet Sura einen Streit mit furchtbaren Folgen – und sieht die Chance, wieder für seine Familie sorgen zu können. Er bemerkt nicht, dass seine Frau Tina sich in eine Amour fou gestürzt hat. Fünf Menschen suchen ihr Glück und setzen alles aufs Spiel – auch wegen der unversöhnlichen Ansprüche einer Gesellschaft, in der Vergangenheit und Zukunft sich feindlich gegenüberstehen. Zwischen Patricia Highsmith und Hitchcocks „Fenster zum Hof“.

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Ein rüstiger Alter will nach dem Tod seiner Frau erneut heiraten. Sohn Platon befürchtet, sein karges Erbe mit einem Halbbruder teilen zu müssen. Er beschließt, für den Vater eine Frau zu finden, die ihn gegen jedes Risiko absichert: Eine zweifach verwitwete kinderlose ältere Frau soll es sein. Doch dann wird die Stiefmutter Elene trotz allem schwanger, und das Unglück nimmt seinen Lauf.

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This is, in brief, the story of a swindler, a Georgian Felix Krull, or perhaps a cynical Don Quixote, named Kvachi Kvachantiradze: womanizer, cheat, perpetrator of insurance fraud, bank-robber, associate of Rasputin, filmmaker, revolutionary, and pimp. Though originally denounced as pornographic, Kvachi’s tale is one of the great classics of twentieth-century Georgian literature–and a hilarious romp to boot. [Update: auf Deutsch antiquarisch erhältlich, „Das fürstliche Leben des Kwatschi“]

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Georgien georgische literatur Awelum, Ich bin sie, Das erste Gewand

Awelum, rebellischer Grübler, unsteter Liebhaber mehrerer Frauen, Dichter und Familienvater, ist tief gekränkt, als er von seiner Moskauer Geliebten Sonja verlassen wird. Während ihm seine Frau Melania in Tbilissi duldsam den Rücken freihält, riskiert er die Aufdeckung der heimlichen Treffen mit seiner wahren Liebe, der Pariser Slawistin Françoise, durch den KGB. Und doch. Der im unentwegten Gedankenstrom mitreißende Roman spielt vor dem Hintergrund des Bürgerkriegs in Tbilissi in den Jahren 1991/92.

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Die junge Nia ist verliebt in einen älteren Jungen, der gegenüber ihrer Wohnung in Tiflis wohnt. Jahrzehnte später erhält sie erneut Kontakt und erinnert sie sich an den Gefühlssturm der ersten Liebe. So tritt die lebenserfahrene Nia mit ihrem jungen, ungestümen Ich in einen Dialog. Noch immer schenken sich georgische Liebespaare den Roman gegenseitig. 2013 wurde er als bester Roman des Jahres mit dem SABA-Preis ausgezeichnet.

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Ein Fremder kommt in Domenicos Dorf und weckt in dem jungen Mann den Wunsch, die Welt kennenzulernen. Zuerst kommt er nach Feinstadt, ein Ort der guten Sitten. Doch als er seine große Liebe auf tragische Weise verliert, will er fort, nach Kamora. Dort regieren Willkür und Verbrechen – bis eine Gruppe Hirten aufbegehrt. Sie errichten Canudos, eine Stadt der Freiheit. Das meistgelesene Buch in Georgien und – zur Zeit sowjetischer Herrschaft geschrieben – eine aufrüttelnde Parabel über das menschliche Dasein in Zeiten gesellschaftlicher und politischer Tyrannei.

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Georgien georgische literatur Heiliges Dunkel, Santa Esperanza, Globalisierung

»Es ist kein Buch über mich, sondern über die Menschen, die ich kennen und lieben gelernt habe.« Berdsenischwili schreibt mit feinem Humor und Ironie, manchmal aber auch voller Sarkasmus und Wehmut über seine Mithäftlinge und ihre Bewacher. Er folgt den außergewöhnlichen, teils schrägen Charakteren, die – wegen absurdester »Verbrechen« inhaftiert – geplagt sind von Hunger, Haft, dem Mangel an Kommunikation mit der Außenwelt. Die vom KGB »auserlesenen« Inhaftierten bilden eine Art Ersatzfamilie füreinander und erleben Dinge, die sie ohne den Gulag nicht erfahren hätten.

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Aka Mortschiladses meisterhafte Persiflage auf seine Heimat Georgien entführt den Leser in die faszinierende Welt der imaginären Santa-Esperanza-Inseln im Schwarzen Meer. Der Archipel versinkt nach der Entlassung in die Unabhängigkeit durch die »Anglesen« im Bürgerkrieg. Die arroganten Wisramiani, die einflussreichen genuesischen Händler Da Costa und die barbarischen Sungalen kämpfen erbarmungslos um die Macht. Aus unzähligen Fragmenten – Mythen und Sagen, uralten Chroniken, Tagebucheinträgen, Liebesgeschichten, Flaschenpost, aber auch E-Mails, Zeitungsartikeln und Reiseberichten sowie mit allerlei literarischen Anspielungen entsteht ein Roman aus 36 Heften [organisiert wie ein Kartenspiel], die sich jedweder Reihenfolge lesen lassen..

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Ein betagter Mann aus der Region Kachetien fabuliert darüber, wie der Tumult der Welt – vom Beginn der Sowjetzeit bis in die 1990er Jahre – die Bewohner eines kleinen Dorfes im Kaukasus ereilte. Die Bewohner sind Überlebensjongleure, allen voran seine lebenspralle Schwester Anitschka, die am eigenen Leib erfährt, wie die Globalisierung neue Unfreiheit und Intoleranz generiert.

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Georgien georgische literatur Wer hat die Tschaika getötet, Abzählen, Personal Culinary

Die Polizeiermittler sind überfordert: Denn die Freunde der Ermordeten wissen, wer sie umbrachte, geben aber nichts preis. Warum, erschließt sich nach und nach aus den vielen Geschichten, die sich die Freunde, eine bunte, unkonventionelle, ja grelle Schar, über die Tote und sich selbst erzählen.

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Drei aufregende Tage für Ninzo und Ketewan, an denen die 13-jährigen Freundinnen erfahren, was es heißt, in einer gottverlassenen Konfliktzone zu leben, in der sonst bloß noch Kinder, Alte und Krüppel verblieben sind. Gewitzt muss man sein. Sonst kommt man nirgendwohin, nicht an Kleider, nicht an Monatsbinden, nicht an Zigaretten und auch nicht an Milch für das Brüderchen.

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Ungemein sinnlich gewährt die Autorin im lockeren Plauderton Einblick in ihr Küchen-Universum, das irgendwo zwischen Griechenland, dem Kaukasus und dem Orient liegt. Genauer gesagt: in Georgien, wo man weiß, wie man aus Einfachem Großartiges machen kann. Die mit leichter Hand und subtilem Witz erzählten Küchen-Geschichten richten sich an lesende Gourmets ebenso wie an kochende Literaturfreunde.

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Georgien georgische literatur Versteckspiel Aleko, Nino Haratischwili Das achte Leben Zurab Karumidze Dagny

An autobiographical novel: The main protagonist, Aleko Shughladze’s mother, has an incurable illness. Aleko also has a sister who has suffered from oligophrenic schizophrenia since she was a child. After their mother becomes bed-ridden, Aleko takes over the care of his sister. He has to have patience and not lose his humanity. Events from Soviet times intersect organically with today’s events. Together with all the difficulties of the Communist era, national traditions and rituals enter his mind. Aleko hides his mother away in a remote village and announces that she has died. He goes through with a fake funeral in great and plausible detail, thus doing his duty by his relatives. After the ‘funeral’ he hides his mother even further away, in India. where he settles down with her at the foot of a holy mountain.

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Ein wuchtiges Familienepos das am Beispiel von sechs Generationen außergewöhnlicher Frauen das ganze pralle 20. Jahrhundert mit all seinen Umbrüchen und Dramen, Katastrophen und Wundern erzählt, vom Georgien am Vorabend des Ersten Weltkriegs bis ins heutige Deutschland. Alles beginnt mit Stasia, Tochter eines Schokoladenfabrikanten. Eine Geschichte, die wie ein gewaltiger Strom mit unzähligen Nebenarmen und Verwirbelungen durch Europa zieht.

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Fast wäre es leichter aufzuzählen, was in Zurab Karumidzes großem, postmodernen Spiel nicht vorkommt. Dagny Juel gab es wirklich: Sie wurde am 4. Juni 1901 in Tiflis von einem nicht erhörten Liebhaber erschossen. Sich selbst erschoß er dann auch. Juel war Norwegerin, lernte früh Edvard Munch kennen, traf August Strindberg, der sie erst liebte und dann in einem Drama vernichtete. Schließlich aber heiratete sie den Bohemiensatanisten Stanislaw Przybyszewski, mit dem sie in dem Berliner Künstlerkreis um die Kneipe »Das Schwarze Ferkel« unterwegs war. Przybyszewski verkaufte sie dann an seinen Jünger Wladyslaw Emeryk, der sie nach Tiflis mitnahm. Dagny Juel hat selbst Gedichte und kurze Dramen geschrieben, die Karumidze immer wieder zitiert. Alle nehmen an einem »Fest der Liebe« teil, das gründlich schiefgeht, weil sich der junge Revolutionär Koba einmischt, der ein Auge auf Dagny geworfen hat. Er wird später als Josef Stalin in die Geschichte eingehen.

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Georgien georgische literatur Bestseller, Die himmelblauen Berge, Royal Mary

Pierre Sonnage, erfolgloser Schriftsteller, sieht seine einzige Chance auf Ruhm im Selbstmord und springt von einem Wolkenkratzer. Doch statt im Bestsellerhimmel landet er in der Literatenhölle. Hier trifft er nicht nur auf Dante, Kafka, Hemingway, sondern muss sich Rätseln stellen, so überfrachtet und verschlüsselt, wie er sie nur aus seinen eigenen Romanen kennt. Eine irrwitzige Reise beginnt.

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Schriftsteller Sosso liefert die dritte Fassung seines Manuskripts ab. Doch im absurden Apparat des Verlages haben alle anderes tun, als sich um Bücher zu kümmern. Das Manuskript geht verloren und wird schließlich aus verschiedenen Fassungen wieder zusammengekittet, während sich an den Wänden des hermetisch geschlossenen Gebäudes besorgniserregende Risse abzeichnen und unterirdische Beben zu spüren sind. Eine übermütige Karikatur auf das sowjetische System in seiner Endphase.

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Tiflis gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Märkte, Spelunke und Paläste, exzentrische Typen, fremde Mächte, ja fast die Gerüche einer vergangenen Zeit – mit Witz und Virtuosität erzählt Iaschaghaschwili von Mord und Totschlag. Alles dreht sich um ein Pferd – und den Schah von Persien… Dabei ist der Autor bescheiden genug, auch noch auf Puschkin und Kipling und Borges zu verweisen.

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Georgien georgische literatur Einsame Schwestern, Taso Foundation, Georgien eine literarische Reise

Die siamesischen Zwillinge Lina und Diana sterben unter mysteri­ösen Umständen. Erst danach erfährt ihr Vater Rostom von deren Existenz, und dann über deren unterschiedliche Persönlichkeiten in ihren ergreifenden Tagebucheinträgen. Bis ins Teenager-Alter werden die verletzlichen Zwillinge von der Außenwelt verborgen und von der Großmutter umsorgt, die darum kämpft, sie im verarmten post­sowjetischen Georgien zu beschützen – einer Gesellschaft mit wenig Mitgefühl für Behinderte. Nachdem die Großmutter stirbt, sind Lina und Diana wehrlos und fallen jeder Art von Misshandlung zum Opfer. Von der Taille abwärts verbunden, bleibt den Schwestern als einziger Rück­zugsort die Welt ihrer Tagebücher: Lina, unbeschwert und glücklich, ist fähig, sich zu verlieben. Diana, angespannt und bodenständig, kann ihre Situation nicht akzeptieren.

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Georgian Narratives: A Century and Beyond documents the lives of women and, to a lesser extent, men in Georgia since the Menshevik purges of pre-Soviet times through the Georgian, Ossetian, Russian conflict in August 2008. It paints a vivid portrait of the diverse backgrounds and experiences of women, Georgian citizens who are not exclusively ethnic Georgians who have experienced the life transforming developments and changes of the 20th and beginning of the 21st century. The first English publication of some of the oral histories that have been collected as part of a larger program recording the lives of women in Georgia.

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Auf Einladung von Nino Haratischwili und dem Goethe-Institut Georgien sind sechs deutsche und sechs georgische Autoren und Autorinnen durch Georgien gereist. Prometheus, Medea, Rustaweli und Stalin, sie alle gehören zu Georgien wie die fünfhundert Rebsorten und die unermessliche Gastfreundschaft. Entstanden sind literarische Reiseberichte und poetische Reflexionen.

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alle Klappentexte: gekürzt

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Maria-Christina Piwowarski, „Ocelot“ Berlin: „Bevor ich Nino Haratischwilis Roman „Das achte Leben. (Für Brilka)“ (Frankfurter Verlagsanstalt 2014) gelesen hatte, wusste ich nicht mal, wo Georgien genau ist. 1300 Seiten später wollte ich unbedingt selbst das Land am Kaukasus entdecken und habe meinen nächsten Jahresurlaub dort verbracht. Ich finde, Nino Haratischwili hat ihr Land auf die Landkarte des westeuropäischen Bewusstseins geschrieben. Das ist ein riesiger Verdienst. Außerdem ist „Das achte Leben“ aber auch einer der besten Romane, die in den letzten zehn Jahren in deutscher Sprache (ja, sie schreibt nicht in ihrer Muttersprache!) geschrieben wurde.

Vor einigen Tagen habe ich „Die Reise nach Karabach“ von Aka Morchiladze (Weidle Verlag 2018) gelesen, das ist wohl so etwas wie das Kaukasus-Gegenstück zu „Faserland“ von Christian Kracht – die nihilistische Reflexion einer orientierungslosen Generation. Das war sehr hart, aber auch echt gut.

Als ich in Georgien war, hat mir außerdem das „Georgisches Reisetagebuch“ von Jonathan Littell (Berlin Verlag 2008) sehr geholfen, den Georgisch-Russischen Krieg besser zu verstehen. Wenn man nach Georgien reist, stellen sich zwangsläufig Fragen nach der russischen Besetzung Abchasiens und Südossetiens. Littell bringt da auf wenigen Seiten Licht ins Dunkel.“

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Nobert Hummelt erklärt, warum es wenig übersetzte Lyrik aus Georgien gibt [Deutschlandfunk]: „Für ein kleines Land wie Georgien ist zur Aneignung der Weltliteratur das Übersetzen lebenswichtig. In umgekehrter Richtung ist der Prozess schwierig, da die georgische Sprache selbst von Menschen nicht beherrscht wird, die ihr Leben lang dieses schöne Land bereisen – sie verlassen sich auf die guten Deutschkenntnisse vieler Georgier.

Das hat zur Folge, dass es so gut wie keine direkten Übersetzungen georgischer Lyrik gibt. Stattdessen entstehen Nachdichtungen auf der Grundlage von Interlinearübersetzungen – sinngemäßen Wort-für-Wort-Wiedergaben, die von georgischen Übersetzern angefertigt werden; mit diesen Vorlagen arbeiten deutschsprachige Lyriker und entwerfen aus ihrem eigenen Sprachgefühl, wie dieser oder jener georgische Dichter auf Deutsch klingen könnte.“

Ich las und mochte die Lyrik-Anthologien:

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Filme:

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Links:

Georgia made by Characters: Pressereise / Influencer-Reise nach Tiflis, für die Frankfurter Buchmesse 2018 #fbm18

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Hier kommt der „kleine“, persönlichere Blogpost zur Reise.

Der faktensatte, ausführlichere ist hier (Link).

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Georgien ist 2018 Gastland / Ehrengast der Frankfurter Buchmesse.

Das Georgian Book Office, die Buchmesse Frankfurt und die Agentur 2508 luden ca. 10 (Print- und TV-) Journalist*innen, Literaturkritiker*innen sowie sieben Blogger*innen / „Influencer“ zu einer viertägigen Reise nach Tiflis / Tbilisi:

23. bis 27. Mai 2018.

2016 wurde ich auf eine Pressereise durch Flandern und die Niederlande (damals: Ehrengastregion der #fmb16) eingeladen – doch konnte nicht mit, wegen Deadlines und Verpflichtungen.

Mir für Georgien Zeit zu nehmen, war eine der besten Entscheidungen seit Monaten: Die Reise war schnell, eng getaktet. Ich verbrachte selten *so* intensive Tage, in einer *so* freundlichen, professionellen, mitreißenden Atmosphäre. Viel gesehen, viel gelernt, irrsinnig viel gesprochen, fotografiert, interagiert.

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Bis zur Buchmesse im Oktober werde ich georgische Literatur sichten, sortieren und, falls Redakteur*innen anbeißen, sicher auch besprechen und kritisieren, z.B. für Deutschlandfunk Kultur, vielleicht auch Spiegel Online oder im Freitag.

Ein längerer Blogpost mit konkreten Texten, Informationen, Links, Details zur Reise braucht noch einige Tage Zeit: Ich werde ca. Montag länger bloggen.

Bis dahin empfehle ich die vier Blogposts von Matthias Warkus bei 54books [Text 1, Text 2, Text 3, Text 4] und die Instagram-Stories von @buchkolumne Karla Paul.

Heute, hier im Blog: Fotos, die Atmosphäre, Stimmung unserer Tage in Tiflis gut vermitteln; gegen Ende auch Gruppenbilder der Mitreisenden.

Mein „richtiger“, faktensatter Text zur Reise: online in ca. 5 Tagen.

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Die Teilnehmenden unserer Blogger-/Influencer-Gruppe:

Angie Martiens_„Litaffin“

Alexandra Stiller_„Bücherkaffee“ | Instagram

Karla Paul_„Buchkolumne“ | Instagram

Florian Valerius_„Literarischer Nerd“ | Instagram

Annabelle Stehl_„Stehlblüten“ | Instagram | Youtube

Matthias Warkus_„54books“ | Twitter

…und ich selbst: Stefan Mesch (Bio) | Twitter | Instagram

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Lesung & Moderation, Open Books zur Frankfurter Buchmesse: Manja Präkels (Verbrecher Verlag) & Nikita Afanasjew (Voland & Quist)

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Ab und zu darf ich Lesungen moderieren und Autor*innen auf der Bühne interviewen, z.B. Stewart O’Nan (Literaturhaus Freiburg), Thomas von Steinaecker (Literaturbüro Oldenburg), Kathrin Passig (Deutsche Akademie für Sprache & Dichtung, Darmstadt), Justin Torres und Fiona Maazel (DAAD, Leipzig).

Fragt mich für sowas an – ich mache das irrsinnig gern!

das.ensemble@gmail.com

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Zur Open-Books-Lesung der Frankfurter Buchmesse 2017 sprach ich mit Manja Präkels und Nikita Afanasjew.

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70 Minuten, zu dritt auf der Bühne. Erst las Manja, dann Nikita. Beiden durfte ich je ca. 15 Minuten lang Fragen stellen.

Heute kurz im Blog: kurze Statements zu den beiden Romanen, meine Lesungsnotizen und Fotos (von Linus Giese, @buzzaldins blog)

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Roman, Hardcover, 232 Seiten
Verbrecher Verlag, Juli 2017, 20,00 €

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„Landleben zwischen Lethargie und Lebenslust. Mimi und Oliver sind Nachbarskinder und Angelfreunde in einer kleinen Stadt an der Havel. Sie spielen Fußball, leisten den Pionierschwur und berauschen sich auf Familienfesten heimlich mit den Schnapskirschen der Eltern. Mit dem Mauerfall zerbricht auch ihre Freundschaft. Oliver wird unter dem Kampfnamen Hitler zu einem der Anführer marodierender Jugendbanden. Seine Leute bringen Straßen und Plätze unter ihre Kontrolle.

Manja Präkels erzählt in ihrem Debütroman vom Verschwinden der DDR in einem brandenburgischen Kleinstadtidyll, dem Auftauchen verloren geglaubter Gespenster, von Freundschaft und Wut.“ [Klappentext, leicht gekürzt.]

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Vor ein paar Wochen, beim Anlesen, dachte ich: „Der Buchtitel ist dick aufgetragen, das Buch wirkt monoton und eingleisig… kein Muss.“

Ein Roman über die Zeit von ca. 1985 bis ca. 1993 in einem DDR-Dorf an der Havel nah an Berlin, aus Sicht der Ich-Erzählerin Mimi, geboren 1975: der Nachbarsjunge wird rechtsradikal, und „Hitler“ genannt – doch in der Grundschulzeit sitzen Mimi und Hitler noch bei Verwandtengeburtstagen am Kindertisch und teilen den ersten Rausch.

Gegen das Buch spricht, dass es oft wie eine Liste wirkt: eine Ansammlung von allem, was in Mimis Kindheit und Jugend awkward, traurig, verstörend, brutal war, Schlag auf Schlag aneinander gereiht. Alles im selben Ton, nach der selben Dramaturgie, 230 Seiten. Dicht, aber oft viel zu kurz/kompakt – in schlechten Momenten wirkt das wie eine Litanei, bei der Figuren, Stimmungen etc. keine Luft zum Atmen haben.

Andrea Hanna Hünniger schrieb 2014 ein kurzes Essay über den NSU-Prozess und ihre Jugend nach der Wende: „Hitler, der Krasseste unter den Glatzen in unserem Viertel, stand eines Morgens an der Bushaltestelle, weil er zu seiner Ausbildung zum Baggerführer oder so ähnlich gehen wollte, mal wieder, er war lange nicht mehr hier gewesen. Da sagte er zu mir, wenn du mich noch einmal anguckst, schlag ich dich tot.

[…] Wenn ich den Prozess beobachte, sehe ich diese leeren Straßen und die Felder, die sich ins Unendliche ausrollen, ich sehe die Bushaltestellen mit den Jungs und Mädchen in Bomberjacken, und ich sehe immer auch mich selbst. Ich sehe aber auch ein ganzes Land auf der Anklagebank, das sich in einem wichtigen Jahrzehnt eher um den Solibeitrag stritt und über eine Diktatur und nicht bemerkte, wie ihm die Kinder abhanden kamen.“

Präkels sammelt die Verletzungen, Ängste, Microaggressions, Widersprüche und Alptraum-Momente einer solchen Kindheit und Jugend, in fünf kurzen, aussagekräftigen Szenen pro Seite, oft SEHR knapp aufs Papier gepresst. Szenen, die ich nicht vergessen werde, und Zusammenhänge, die nie ausgesprochen werden – sondern sich erst zeigen, wenn ich das Buch zuschlage und all diese anecdotal evidence erinnere. Kein elegantes Buch. Ich wünschte, es wäre länger, modulierter, hätte mehr Auf und Ab.

Trotzdem: *ungeheuer* eindrücklich. Empfehlung!

http://www.verbrecherverlag.de/book/detail/908

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  • geboren 1974 in Zehdenick an der Havel, nah an Berlin.
  • arbeitete, wie die Romanfigur, als Lokaljournalistin.
  • studierte Philosophie und Soziologie an der FU Berlin.
  • Chansonniere/Sängerin der Band „Der singende Tresen“ & Autorin des Lyrikbandes „Tresenlieder“

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  • 2011 Mitherausgeberin von „Kaltland“, Rotbuchverlag: „Erzählungen, autobiographischen Geschichten und Originaltönen prominenter Autoren und Künstler über Rassismus nach der Wende: Volker Braun, Annett Gröschner, Jakob Hein, Alexander Osang, Martin Sonneborn, Andres Veiel, Roger Willemsen u.v.a.“
  • 2014 mit ihrem Ehemann Markus Liske Herausgeberin des Erich-Mühsam-Lesebuchs „Das seid ihr Hunde wert!“, Verbrecher Verlag.
  • 2015, mit Markus Liske: „Vorsicht Volk! Oder: Bewegungen im Wahn?“, Verbrecher Verlag.

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  • u.a. Alfred-Döblin-Stipendium der Akademie der Künste (2005) und Aufenthaltsstipendium im Writers House Ventspils, Lettland (2012/13).
  • schreibt für die taz, Jungle World, Märkische Allgemeine Zeitung.
  • arbeitet an einer Langfassung des in der taz erschienen Fortsetzungsromans „Im Anwohnerpark“.

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  • 1999 recherchierte sie für die ZDF-Dokumentation „Die Zecken von Zehdenick“. Der Bürgermeister warf ihr vor, „die Stadt in Misskredit gebracht zu haben“.
  • Charlotte Roche sagte mal: 70 Prozent von Feuchtgebiete sind wahr. Präkels: „Bei ‚Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß‘ sind es 88 Prozent.“
  • Wer soll das lesen? Ossis? Wessis? Präkels: „Beim Schreiben hatte ich meine Freundinnen und Freunde von damals im Kopf.“

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Roman, Hardcover, 304 Seiten
Voland & Quist, September 2017, 22,00 €

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„Jakob Ziegler ist jung, talentiert und erfolglos. Ein Künstler, der im Leben feststeckt. Um endlich vorwärtszukommen, erschafft er eine spektakuläre Kunstfigur: Johann Zeit. Was anfangs noch harmlos erscheint, wird bald zum Marketing-Coup. Dann aber entgleitet Jakob die Kontrolle über sein Alter Ego…“

»Heute Nacht ist Berlin ein Abenteuerspielplatz. Afanasjew dreht das große Karussell der urbanen Selbstverwirklichung ‒ und er dreht es so schnell wie gekonnt.«
Benedict Wells

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Ein Jungs- und Künstlerroman im Stil von Joey Goebels „Vincent“, neueren Romanen von Benjamin Lebert und viel von Martin Spieß, Benedict Wells – und eine Art umgedrehtes „Fight Club“: Was, wenn eine Kunstfigur plötzlich zum Gegenspieler wird? Ich mag, dass der Roman seine Konflikte und Fragen von Szene zu Szene weiter dreht/denkt, statt stehen zu bleiben: Obwohl die Figuren recht naiv handeln, machen sie überraschende, überraschend kluge Fortschritte. Ich mag, dass Neben Hauptfigur Jakob mehrere Nebenfiguren lange eigene Kapitel haben, sich der Roman mehr Figuren als nötig erlaubt… und ihnen mehr Tiefe gibt als befürchtet.

Und ich mag die Szene, in der Jakob auf den Kran einer Baustelle klettert und einen einsamen Wachmann/Handwerker entdeckt, der im Keller an einer Wand des Rohbaus ein Gemälde malt, im Wissen, dass der Raum in ein paar Tagen mit Dämmung ausgekleidet wird… und kaum jemand die Kunst je sieht. Obwohl Afanasjew als Reporter sehr vertraut ist mit der Stadt, verzichtet das Buch auf Lokalkolorit-Eitelkeiten und Insider-Berlin-Jargon.

Überzeugt hat es mich nicht. Kluge Fragen, liebenswerte Figuren… doch alles bleibt zu oberflächlich, konstruiert. Eine reiche, dysfunktionale Familie spricht/handelt wie schlecht erfunden. Jakobs eigene – interessantere! – Familie und die Frage, ob Lohnarbeit und Selbstaufopferung im Kapitalismus glücklich machen können, bleiben Beiwerk. Das Finale wirkt wie aus einer überzeichneten Satire, und die Johann-Zeit-Schnapsidee schlägt amüsante, doch nie besonders tiefgründige, markante, relevante Haken. Kein Buch, das mich ärgerte oder langweilte. Doch ich glaube, Afanasjew kann das VIEL besser. Als Lesungsgast und Gesprächspartner war er großartig: Ladet ihn ein – das lohnt sich!

https://www.voland-quist.de/buch/?259/Bank%C3%BCberfall%2C+Bergh%C3%BCtte+oder+ans+Ende+der+Welt–Nikita+Afanasjew

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  • geboren 1982 in Tscheljabinsk, Sowjetunion – einer „unglaublich verseuchten Industriestadt“ am Ural.
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  • „neben und nach dem Studium unterwegs als Reporter für“ u.a. Tagesspiegel, WAZ, dpa, Focus Online, 11 FreundeDummy, Fluter.
  • Gewinner des Deutschen Reporterpreises 2015. Nominierungen für Axel-Springer- und Henri-Nannen-Preis.

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  • schrieb journalistisch bisher als Nik Afanasjew, in Zukunft aber mit vollerem Namen, Nikita.
  • 2015 großartiger Tagesspiegel-Text „Aufwachsen am Kotti. Die Kids aus unserem Hinterhof.“
  • 2016 elfteilige Tagesspiegel-Reihe „Quer durch Russland“. „Welchen Text sollen wir lesen?“ – „Ich mag Text 6, über Stalin-Büsten.“
  • scheußliche Bio bei Dummy, nicht selbst geschrieben: „Er ist Reporter im Krisengebiet Kreuzberg, in den Favelas zwischen Prinzenbad und Görlitzer Park.“

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Nik Afanasjew: „Aufwachsen am Kotti: Die Kids aus unserem Hinterhof“. Tagesspiegel, 2015

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Holland / Niederlande – Gastland der Frankfurter Buchmesse 2016: Buchtipps und Empfehlungen

Gastland Niederlande Buchmesse 2016 - hollländische Literatur
Niederlande und Flandern sind gemeinsam Ehrengast auf der Frankfurter Buchmesse 2016.

Ich habe die letzten Wochen über sehr viel belgische und (vor allem:) holländische Literatur angelesen, vorgemerkt, entdeckt – meine Vorauswahl der literarischen Klassiker, Neu- und Wiederentdeckungen bis 2016.

Die meisten Bücher wurden ins Deutsche übersetzt. Einige erschienen nur auf Englisch. Viele sind antiquarisch erhältlich, wenige aktuell in großen Verlagen lieferbar.

Beliebte niederländische Autorinnen und Autoren, mit denen ich nicht warm wurde: Harry Mulisch, Maarten t‘ Hart, Arnon Grunberg, Jessica Durlacher, A. F. Th. van der Heijden, Margriet de Moor, Hella Haasse, Tommy Wieringa und der Nister. Gefeierte und auch in Deutschland populäre Autor*innen – die mich bisher nicht überzeugten und von denen ich nichts empfehlen kann. Auch J.J. Voskuils Zyklus „Das Büro“ lässt mich fürs erste kalt.

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drei Bücher, die ich las und sehr mag: Empfehlungen!

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1. GERBRAND BAKKER, „Der Umweg“

  • stiller, schlichter, aber sehr packender, schneller, mitreißender Roman über eine Holländerin, die ein Bauernhaus in Wales bezieht, spontan.
  • 228 Seiten, Suhrkamp 2012 (Original von 200x)
  • für ZEIT Online schrieb ich 2013: „Stille Wiesen. Karge Dörfer. Ein Grüppchen Gänse und ein Fuchs, der nachts um die Ställe schleicht: Der Umweg, dritter Roman des niederländischen Gärtners, Schlittschuhlehrers und Erzählers Gerbrand Bakker, zeigt Kitsch- und Sehnsuchtsräume von Landlust-Lesern… in atemloser, neuer Perspektive. Ohne Warnung, Abschied und Begründung flieht eine Frau von Amsterdam nach Caernafon (Wales) und wartet auf den Winter. Ein neuer Alltag, ohne Zwänge? Freiheit? Oder dumpfe Isolation? In Schärfe und Bildkraft, die schaudern lassen, zeichnet Bakker einen Rückzug, ein Haus und eine drastische, faszinierende Entscheidung. Ein Kammerspiel? Ein Thriller? Beides!“

“An klaren Tagen kann man in der Ferne das Meer sehen: Es ist ein schöner Flecken Erde, den Agnes sich als Versteck ausgesucht hat. Die Gedanken an das, was sie von Amsterdam vertrieben hat lassen sich so leichter im Zaum halten. Nur manchmal wird ihr alles zuviel: daß der Fuchs sich eine Gans nach der andern holt oder daß der grobe Nachbarsfarmer schon morgens um neun in Socken vor ihr sitzt. Da nistet sich eines Tages der junge Bradwen bei ihr ein. Ähnlich wie Agnes gibt er kaum etwas über seine Vergangenheit preis.” [Klappentext, gekürzt.]

Der Umweg

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2. MARIA DERMOUT, „The Ten Thousand Things“/“Die zehntausend Dinge“

  • nüchterne Sprache, aber eine grausame, schöne, tolle Welt: ein Garten in Indonesien/Java und eine junge Frau, die als Erwachsene einen Kindheitsort neu begreift. Autobiografisch.
  • deutsch nur antiquarisch erhältlich (z.B. Büchergilde Gutenberg, 1959)
  • die US-Version gelesen und sehr gemocht: 224 Seiten, New York Review of Books 2002
  • Original von 1955: Roman bei Wikipedia  |  Autorin bei Wikipedia

The Ten Thousand Things is a novel of shimmering strangeness—the story of Felicia, who returns with her baby son from Holland to the Spice Islands of Indonesia, to the house and garden that were her birthplace, over which her powerful grandmother still presides. There, objects tell tales, the dead come and go, and the past is as potent as the present. First published in Holland in 1955, Maria Dermoût’s novel was immediately recognized as a magical work, like nothing else Dutch—or European—literature had seen before, a book that is at once a lament and an ecstatic ode to nature and life.” [Klappentext, gekürzt.]

The Ten Thousand Things

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3. VALERIAN TORNIUS, „Zwischen Hell und Dunkel: Ein Rembrandt-Roman“

  • deutscher Roman von Valerian Tornius über Leben und Kunst von Rembrandt.
  • eines meiner Lieblingsbücher 2014 (Top 20 hier).
  • 336 Seiten, Original von 1932.
  • altmodische Sprache, aber scharfer und liebevoller Blick und viel Wissenswertes über die Geistes- und Kulturgeschichte des Bürgertums in Leiden und Amsterdam. Ein atmosphärischer/stimmungsvoller, kluger Schmöker.

“Der Roman von Valerian Tornius enthüllt die durch Anlage, Neigung, gesellschaftliche und geschichtliche Umstände bedingte Tragödie des Genies Rembrandt.” [Klappentext]

Zwischen Hell und Dunkel. Ein Rembrandt-Roman

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20 Bücher, angelesen, gemocht, vorgemerkt:

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01: J. BERNLEF, „Bis es wieder hell ist“ (alter Titel: „Hirngespinste“)

  • großer Klassiker, bis heute populär: Roman über Demenz/Alzheimer
  • 163 Seiten, Nagel & Kimche 2007 (Original von 1984)

„1984 wagte es Bernlef als Erster, in einem Roman den Prozess einer Alzheimer-Erkrankung aus der Innensicht zu schildern. Außerdem erzählt er darin die ergreifende Liebesgeschichte eines alten Ehepaars. In Holland eine halbe Million Mal verkauft, dazu verfilmt und auf die Bühne gebracht, wurde „Bis es wieder hell ist“ gefeiert wegen seines fast unheimlichen Vorstellungsvermögens und seiner erhellenden Nachvollziehbarkeit.“ [Klappentext, gekürzt]

Hersenschimmen

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02: GEERT MAK, „Das Jahrhundert meines Vaters“

  • Mak dokumentiert das Leben seiner Familie – etwas Pathos, aber recht soziologisch
  • 576 Seiten, Neuausgabe bei Pantheon 2014 (Original von 1999)

„Anhand des Mikrokosmos seiner Familie schildert Geert Mak das 20. Jahrhundert in den Niederlanden: das Landleben um 1900, den Ersten Weltkrieg, die Not und Entbehrungen, die Zwischenkriegszeit, die Zerstörung Rotterdams, die deutsche Besetzung 1940, und schließlich den Aufstieg des Landes zwischen Meer und Marsch zu einem Musterland Europas.“ [Klappentext, gekürzt]

Das Jahrhundert meines Vaters und, vielleicht: In Europe: Travels Through the Twentieth Century

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03: ETTY HILLESUM, „Das denkende Herz. Tagebücher 1941 bis 1943“

  • die Tagebücher einer säkulären Jüdin, deportiert und in Auschwitz ermordet
  • ca. 224 Seiten, u.a. Rowohlt 1985 (erstmals veröffentlicht 1981)

„Die nach vierzig Jahren entdeckten Tagebücher einer knapp dreißigjährigen holländischen Jüdin, die in Auschwitz ermordet wurde, inzwischen in elf Ländern erschienen und zu einem vielbeachteten Dokument der Menschlichkeit geworden.“ [Klappentext, gekürzt]

Letters From Westerbrook

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04: WILLEM FREDERIK HERMANS, „Nie mehr schlafen“

  • Romanklassiker über einen tragischen Taugenichts in der Wildnis
  • 319 Seiten, Aufbau 2011 (Original: 1966)

„Alfred Issendorff will in die Geschichte seiner Wissenschaft eingehen. Das könnte gelingen, falls er eine These seines Professors beweisen kann: Entstanden bestimmte Seen in der Finnmark durch Einschläge von Meteoriten? Issendorf reist nach Tromsø und schließt sich einer geologischen Expedition ins nördliche Norwegen an. Voller Sarkasmus erzählt Hermans von Grenzsituationen und kläglichem Scheitern.“ [Klappentext, gekürzt]

Nooit meer slapen

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05: GEBRAND BAKKER, „Oben ist es still“

  • Familien- und Landroman über einen verbitterten Sohn, der sich zum Neuanfang zwingt
  • 315 Seiten, Suhrkamp 2010 (Original von 2006)

„Helmer van Wonderen räumt auf. Er verfrachtet seinen bettlägerigen Vater ins Obergeschoss des alten Bauernhauses, entrümpelt das Erdgeschoss, streicht die Wände und schafft neue Möbel an. Doch die ländliche Ruhe währt nicht lang, denn der junge Henk soll auf Helmers Hof das Arbeiten lernen. Ausgerechnet Henk, dessen Mutter einmal mit Helmers verstorbenem Zwillingsbruder verlobt war…“ [Klappentext, gekürzt]

Oben ist es still

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06: HUBERT LAMPO, „Die Ankunft des Joachim Stiller“

  • magischer Realismus: könnte etwas platt/simpel sein, ist aber seit Jahrzehnten ein beliebter Klassiker
  • 208 Seiten, Mitteldeutscher Verlag 2008 (Original von 1960)

„Freek Groenevelt, Schriftsteller und Journalist im Antwerpen der Nachkriegszeit, wird aus der Bahn geworfen, als ein mysteriöser Joachim Stiller mit einem an ihn verfassten Brief plötzlich in sein Leben tritt: Dass der Brief laut Poststempel vor seiner Geburt aufgegeben wurde, lässt Groenevelt zunächst an einen Scherz glauben. Woher sollte jemand wissen, wo Groenevelt 38 Jahre später als Erwachsener lebt? Im Laufe der nächsten Monate jedoch erhält er weitere rätselhafte Briefe und Telefonate. Und immer wieder taucht derselbe Name auf: Joachim Stiller. Auf der Suche nach ihm begegnet Groenevelt der jungen Simone Marijnissen und verliebt sich in sie. Während Antwerpen in einer Weltuntergangsstimmung versinkt, fühlen sich die beiden auf unerklärliche Weise von Joachim Stiller geschützt. Hinweise mehren sich, dass Stiller bereits vor mehreren Jahrhunderten geboren wurde.“ [Klappentext, gekürzt]

The coming of Joachim Stiller

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07: MICHEL FABER, „Das karmesinrote Blütenblatt“

  • Historienroman mit soliden Kritiken: Faber selbst schreibt auch Krimis und (semi-)anspruchsvolle Schmöker
  • 1054 Seiten, List 2004 (Original von 2002)

„London 1874: William Rackham, glückloser neigender Erbe eines Parfümimperiums, trifft auf die Hure Sugar: Ein erotischer Roman, der meisterhaft mit den Mitteln der erzählerischen Verführung spielt – vor allem aber eine unvergessliche Geschichte um die Hoffnungen und Täuschungen der Liebe.“ [Klappentext, gekürzt]

Das Karmesinrote Blütenblatt

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08: RENATE DORRESTEIN, „Herz aus Stein“ / „Heart of Stone“

  • Familien- und Erinnerungsroman in simpler Sprache: domestic fiction.
  • Original von 1994, US-Ausgabe (lieferbar) von 2001.
  • Deutsch bei Bertelsmann (272 Seiten), 2009, vergriffen (Amazon)

„Ellen ist siebenunddreißig und schwanger, als sie kurz entschlossen das leer stehende Haus ihrer Eltern kauft. Anhand eines Fotoalbums versucht sie zu verstehen, wie der so glückliche Familienalltag in einer Tragödie enden konnte. Drei Geschwister und Ellens Eltern wurden dabei getötet. Warum hat gerade sie überlebt?Suggestiv, psychologisch dicht und voller Spannung erzählt Renate Dorrestein von einer Frau, die nach langer Zeit die Kraft findet, sich der eigenen Vergangenheit zu stellen.“ [Klappentext, gekürzt]

A Heart of Stone

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09: FERDINAND BORDEWIJK, „Charakter. Roman von Sohn und Vater.“

  • Antikriegs-Kultroman, im katalanischen Original erschienen 1956.
  • 368 Seiten, dtv 2010 (Original von 1938)
  • es gibt auch eine Übersetzung von Cees Noteboom – dann mit dem Untertitel „Roman von Vater und Sohn“
  • Verfilmung von 1997, gute Kritiken

„Rotterdam, zwischen den Kriegen. Der ehrgeizige Jacob Katadreuffe arbeitet sich buchstäblich aus der Gosse bis in die oberste Etage einer Anwaltskanzlei. Doch ein Widersacher wirft ihn erbarmungslos immer wieder zurück: sein eigener Vater. Will er sich dafür rächen, dass Jacobs Mutter ihn einst zurückwies? Oder schickt der Vater den Sohn durch die harte Schule des Lebens, um ihn zu festigen?“ [Klappentext, gekürzt]

Charakter Roman Von Sohn Und Vater und: Charakter

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10: DAVID VAN REYBROUCK, „Kongo. Eine Geschichte“

  • Sachbuch: van Reybrock, ein recht junger belgischer Autor, über die Kolonialgeschichte Kongos und deren Folgen
  • 783 Seiten, Suhrkamp 2013 (Original von 2010)

„Fesselnd und atemberaubend erzählt David Van Reybrouck die Geschichte Kongos – von der belgischen Kolonialzeit über die 32-jährige Mobutu-Diktatur und den »afrikanischen Weltkrieg« in den neunziger Jahren bis in die Gegenwart, er berichtet aus der eindrücklichen Perspektive derjenigen, die in ihrem Land leiden, kämpfen, leben.“ [Klappentext]

Kongo - Eine Geschichte

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11: CEES NOTEBOOM, „Rituale“

  • Flaneur- und Großstadtroman, vielleicht etwas verquast oder gesucht drollig: alle Nooteboom-Romane wirken recht ähnlich, und „Allerseelen“, der einzige, den ich komplett las, war eine verblasene Altmänner-Nullrunde.
  • 231 Seiten, Suhrkamp u.a. 1985 (Original von 1980)

„Das Amsterdam der fünfziger, sechziger und siebziger Jahre erscheint hier in der Perspektive von Inni Wintrop. Dieser will Selbstmord begehen in seinem WC.“ [Klappentext, gekürzt. Der US-Text klingt besser:] „A man of independent means oddly suited to survival amid the chaos of modern life, Inni Wintrop is a committed dabbler, content to casually wander the streets of Amsterdam, speculate in art and love, and write a newspaper horoscope column. But his inconsistencies are interrupted when he meets two men who are the epitome of order and regulation.“

Rituals

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12: BARBARA STOK, „Vincent“

  • sehr simpel gezeichnete, aber sympathische Graphic Novel
  • noch nicht auf Deutsch erhältlich
  • 144 Seiten, englische Ausgabe bei Selfmadehero Books 2014 (Original von 2012)

„The turbulent life of Vincent van Gogh is a constant source of inspiration and intrigue for artists and art lovers. This beautiful graphic biography documents the brief and intense period of creativity Van Gogh spent in Arles, Provence. Away from Paris, Van Gogh falls in love with the landscape and light of the south of France. But attacks of mental illness leave the painter confused and disorientated.“ [Klappentext, gekürzt]

Vincent (Art Masters)

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13: ARTUR JAPIN, „Der Schwarze mit dem weißen Herzen“

„Die ersten zehn Jahre meines Lebens war ich nicht schwarz“, sagt Kwasi Boachi, der asantische Prinz, über sich. Im Jahre 1837 war er zusammen mit seinem Cousin von seiner afrikanischen Heimat in die Niederlande gebracht worden. Dort wurden sie als Weiße erzogen und bei Hofe vorgeführt. Arthur Japin schildert die historisch belegte Geschichte der beiden Prinzen, er erzählt von Entwurzelung, Freundschaft und dem Schmerz, zwischen zwei Kulturen gefangen zu sein.“ [Klappentext]

Der Schwarze mit dem weißen Herzen

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14: STEFAN HERTMANS, „Der Himmel meines Großvaters“

  • recht konservativ/betulich erzählte Biografie/Lebensgeschichte. Freunde fanden es zu brav und bieder.
  • 320 Seiten, Hanser 2014 (Orginal 2013)

„Eine ergreifende Familiengeschichte vor dem Panorama einer untergegangenen Welt. ‚Man kann alles, wenn man will!‘, sagt der alte Mann zu seinem Enkel und schwingt sich in den Kopfstand. Die wahre Willenskraft seines Großvaters begreift Stefan Hertmans jedoch erst, als er dessen Notizbücher liest, und beschließt, den Roman dieses Lebens zu schreiben. Eindringlich beschwört er eine bitterarme Kindheit in Belgien, zeigt den 13-Jährigen, wie er bei der Arbeit in der Eisengießerei davon träumt, Maler zu werden, und stattdessen im Ersten Weltkrieg an die Front nach Westflandern gerät. Dass der Mann, der dieses Grauen überlebt, fast am Tod seiner großen Liebe zugrunde geht, ist eines der Geheimnisse, denen der Enkel auf die Spur kommt.“ [Klappentext, gekürzt]

Der Himmel meines Großvaters

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15: PAUL VERHAEGEN, „Omega Minor“

  • Geschichten- und Historienmosaik mit Thriller-Elementen, David Mitchell recht ähnlich.
  • 955 Seiten, Eichborn 2006 (Original von 2004)

„Berlin. Immer in Bewegung, balancierend auf dem gefährlichen Grat zwischen Glanz und Verfall. Dort leben Menschen wie die Filmstudentin Nebula, die von Hugo gerettet wird, dem strohblonden Riesen in den schwarzen Stiefeln. Dazu der Psychologe Paul Andermanns, der seine Zivilcourage fast mit dem Tod bezahlt. Und im Krankenhaus neben Johann de Heer erwacht – ein alter Mann, der seine Geschichte Paul erzählen will: die Geschichte eines Berliner Jungen mit jüdischen Vorfahren…“ [zu pathetischer Klappentext, gekürzt]

Omega Minor

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16: STEPHAN ENTER, „Spiel“

  • Erinnerung, Coming-of-Age… recht bürgerlich/erwartbar, aber literarisch überzeugend
  • 304 Seiten, Berlin Verlag 2009 (Original von 2007)

„Norbert ist neun und verliert beim Scrabble jedes Mal gegen seine Großmutter. Für ihn ist das der Beweis, dass sie ihn ernst nimmt — und er liebt sie dafür wie niemanden sonst. Als er Jahre später doch gegen sie gewinnt, erkennt er schlagartig, was Älterwerden bedeutet — für sie beide. Bei Indianerspielen, Schach und in den Machtspielen der Jungen lernt er, seine Rolle einzunehmen. Stephan Enter spürt jenen kleinen Verschiebungen des Blicks nach, die das Vertraute unwiederbringlich verändern können, in einem ebenso fesselnden wie poetischen Roman.“ [Klappentext, gekürzt]

Spiel

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17: HEERE HERESMA, „Ein Junge aus Amsterdam“ (1938-46)

  • eine Kindheit im besetzten Amsterdam, durchwachsene Kritiken, aber guter erster Eindruck
  • 180 Seiten, Ammann Verlag 2008, vergriffen (Original von 2007)

„Eine der schönsten Städte Europas – im Ausnahmezustand. Amsterdam ist unter deutscher Besatzung. Der kleine Junge lernt ein neues Gefühl kennen, eine Mischung aus Angst, Spannung und Sensation. Täglich wieder verschwindet einer seiner jüdischen Freundinnen und Freunde, und niemand scheint zu wissen warum und wohin. Der Vater hat als Theologe ein besonderes Interesse an jüdischer Religion und Gebräuchen. Der Judenstern wird eingeführt, Juden werden versteckt, auch im Elternhaus. Der Junge hat viel Verantwortung zu tragen.“ [holpriger Klappentext, gekürzt]

Een jongen uit plan Zuid '38-'46

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18: TED VAN LIESHOUT, „Bruder“

  • schwuler Jugendlicher liest das Tagebuch seines toten Bruders: kurzer, sympathischer YA-Roman.
  • im ähnlichen Stil: Edward van de Vendels „Die Tage der Bluegrass-Liebe“ (2008, Original 1999)
  • mehr schwule/lesbische/queere Jugendbuchtipps hier (Link)
  • 150 Seiten, vergriffen bei Mittelhauve (1999), 2005 als Taschenbuch bei Beltz & Gelberg (Original 1996)

„Seit einem halben Jahr ist Marius nun schon tot, morgen wäre er fünfzehn geworden. Mam möchte auf ihre Art von ihm Abschied nehmen, sein Zimmer einfach leer räumen und alles im Garten verbrennen. Für Luuk ist das so, als habe es seinen Bruder nie gegeben. Ob Mam auch das Tagebuch verbrennen wird? Auf der ersten leeren Seite fängt Luuk an, seine Gedanken aufzuschreiben. So entsteht ein geheimes Zwiegespräch, das enthüllt, was beide jahrelang voreinander zu verbergen suchten. Deutscher Jugendliteraturpreis.“ [Klappentext, leicht gekürzt]

Bruder

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19: RIEN PORTVLIET und WILL HUYGEN, „Gnomes“/“Das große Buch der Heinzelmännchen“/“Leven en Werken von de Kabouter“

  • naturkundlicher Bildband über Anatomie, Kultur und Lebenswelt der Kabauter/“Heinzelmännchen“: ein All-Ages-Wichtelbuch, etwas kitschig, aber bemerkenswert detailverliebt und atmosphärisch
  • 464 Seiten, 11. September, Ullstein

„Gibt es Heinzelmännchen wirklich? Und wenn ja, wo leben sie? Und wie? Helfen sie wirklich Menschen und Tieren in Not? In diesem Buch erfahren wir die Wahrheit.“ [kindischer Klappentext, extrem gekürzt]

Gnomes

Die Vorlage der RTL-Trickserie „David, der Kabauter“ (1985 bis 87, deutsch im „Li-la-Launebär“, ab 1989)


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20: LOUIS-PAUL BOON, „Sommer in Ter-Muren“

„The story of Ondine and Oscarke, a young married couple adrift in a Belgian landscape that is darkening under the spread of industry and World War I. Ondine, who „came to serve god and live,“ finds that she must „serve the gentlemen“ instead. Oscarke, an aspiring sculptor, finds himself unsuccessfully scouring Brussels for work and, when he is finally hired, too tired to make his own art. They grow old and their four children grow up as „technology and mechanization, unemployment, fascism, and war“ take over around them.“ [US-Klappentext, gekürzt]

Summer in Termuren …und der Vorgänger: Chapel Road

 

Bücher, weder auf Deutsch noch auf Englisch erhältlich, auf die ich Lust habe:

Sprakeloos  Kees de jongen  Wij zijn maar wij zijn niet geschift  Birk  Woesten

Kom hier dat ik u kus  De onderkant van sneeuw  Doelwit  Verbroken  Hex
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in deutscher Übersetzung, aber vergriffen oder ohne Leseprobe:

Visions of Hanna  Geheime kamers  Käse  Vater / Zwei Koffer  De larf: over kinderen en metamorfose

The Captain  Der Anwalt Der Hähne  I.M. Ischa Meijer - In Margine. In Memoriam Logbuch eines unbarmherzigen Jahres Jij zegt het

 

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Kinder- und Jugendbücher, noch nicht angelesen:

Turmhoch und meilenweit  Tigeraugen. Ein Zukunftsroman.  Die Gärten von Dorr  Eine Welt dazwischen  Als gäbe es einen Himmel  Kapitän Bontekoes Schiffsjungen

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verwandte Posts:

Buchtipps Weihnachten, Herbst, Frankfurter Buchmesse 2014: Neuerscheinungen

buchmesse 2014 klein

Jeden Winter suche ich Romane / Neuerscheinungen und mache eine erste Liste für die Bücher des Jahres:

Jeden Spätsommer mache ich eine Liste mit Neuerscheinungen zur Frankfurter Buchmesse (Link): eine erste Longlist der Bücher, die ich bis Ende des Jahres u.a. für ZEIT Online (an-)lesen, sichten, sortieren will.

Hier meine Auswahl für Herbst und Winter 2014. Ergänzungen / Empfehlungen sind willkommen – vielen Dank!

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gelesen und gemocht:

Dept. of Speculation

Of Time and the River: A Legend of Man's Hunger in His Youth
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angelesen und gemocht:

Restwärme

Steiners Geschichte

Johnny und Jean

Aller Liebe Anfang

Animals

We Need New Names

  • Nic Pizzolatto: „Galveston“, konventioneller, aber süffiger Southern Noir-Thriller des „True Detective“-Schöpfers (Metrolit / Walde + Graf, 253 Seiten, 18. August 2014. Goodreads: 3.77 von 5)

Galveston

  • Christine Koschmieder: „Schweinesystem“. Zwei Anarcho-Freundinnen im Heidelberg der frühen 80er Jahre. (Blumenbar, 400 Seiten, 18. August 2014.)
  • Evi Simeoni: „Rückwärtssalto“, Roman über die Ängste einer jungen Kunstturnerin. (Klett-Cotta, 272 Seiten, 23. August 2014.)
  • Steven Uhly: „Königreich der Dämmerung“, Pogrom- und NS-Historienroman, vielleicht zu mainstream- oder TV-Film-haft. Aber: stilistisch erstmal gelungen, auf den ersten Blick. (Secession, 661 Seiten, 25. August 2014.)
  • Charles Lewinsky: „Kastelau“, Roman über die Dreharbeiten eines NS-Propaganda-Films in den Bayrischen Alpen. (Nagel & Kimche, 400 Seiten, 25. August 2014. Goodreads: 4.00 von 5)

Kastelau

Oorlog en terpentijn

  • André Kubiczek: „Das fabelhafte Jahr der Anarchie“, Post-DDR-Roman über ein Paar, das 1990 einen Bauernhof in der Lausitz restaurieren will (Rowohlt Berlin, 272 Seiten, 29. August 2014.)

The Lowland

  • Frances Itani: „Requiem“, kanadischer Roman über die Internierung japanischer Familien im 2. Weltkrieg und spätere Generationen (Berlin Verlag, 352 Seiten, 1. September 2014. Goodreads: 4.02 von 5)

Requiem

  • Bodo Kirchhoff: „Verlangen und Melancholie“, überwacher Kulturjournalist klagt über den Selbstmord seiner großen Liebe (Frankfurter Verlagsanstalt, 448 Seiten, 1. September 2014.)

Das achte Leben (Für Brilka)

Naomi's Nursery School

Kruso

Düğümlere Üfleyen Kadınlar

  • Bettina Suleiman: „Auswilderung“, junge Forscherin versucht, Gorillas auszuwildern. Lovestory? Science Fiction? (Suhrkamp Nova, 265 Seiten, 15. September 2014.)

Maan päällä

Bilder deiner großen Liebe

Prayers for the Stolen

La petite communiste qui ne souriait jamais

The Dilettantes

שתיים דובים

Vertigo

High Rising

Nincstelenek

Elegies for the Brokenhearted: A Novel

Flight Behavior

Aprószentek

Au revoir là-haut

The Life of Rebecca Jones

Arctic Summer

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neue deutsche / deutschsprachige Romane:

  • Verena Güntner: „es bringen“, jugendliche Macker wollen Sex (Kiepenheuer & Witsch, 256 Seiten, 14. August 2014)
  • Kristof Magnusson: „Arztroman“, sympathischer Mainstream-Roman über eine melancholische (?) Berliner Notärztin (Kunstmann, 320 Seiten, 20. August 2014. Goodreads: 3.71 von 5)
  • Ulf Erdmann Ziegler: „Und jetzt du, Orlando!“, Deutscher Controller benutzt in London einen jungen Schwarzen als ‚Manic Pixie Dream Girl‘ / Lebensfreude-Kumpel (Suhrkamp, 219 Seiten, 2. September 2014)
  • Jannis Plastiargis: „Liebe/r Kim“, 16jähriger hat Krebs – und schreibt Briefe aus der Therapie (Größenwahn, 192 Seiten, 12. September 2014)
  • Ilir Ferra: „Minus“, Wien-Roman über ein Wettbüro (Edition Atelier, 460 Seiten, 22. September 2014)
  • Thomas Lehr: „Zweiwasser“, Homers „Ilias“, neu erzählt als Literatur(betriebs)-Satire? (Hanser, 400 Seiten, 29. September 2014. Neuauflage von Lehrs Debüt, im Original erschienen 1993)
  • Botho Strauß: „Herkunft“, gemächliche, aber eindrückliche autobiografische Szenen aus der Kindheit – aber warum so kurz? (Hanser, nur 96 Seiten, 29. September 2014)
  • Andrea Heuser: „Augustas Garten“, Mutter-Tochter-Roman über eine Flucht vor dem Vater (Dumont, 224 Seiten, 9. Oktober 2014)

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(vielversprechende) Übersetzungen – neu auf Deutsch:

L'Invention de nos vies

Kiinalainen puutarha

  • Mircea Cartarsescu: „Die Flügel“ / „Orbitor [3]. Aripa dreapta“, Band 3 einer Familien-Trilogie über die Revolution in Rumänien (Zsolnay, 672 Seiten, 25. August 2014. Goodreads: 4.13 von 5)

Orbitor. Aripa dreaptă

The Hunters

Жили-были старик со старухой

Le Collier rouge

En dåre fri

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Übersetzungen – mit schlechten Kritiken:

  • Laline Paull: „Die Bienen“ / „The Bees“, junge Putzdrohne bedroht die Ordnung im Bienenstock, als sie plötzlich ein Kind gebiert. Bienen-Action-Roman, geschrieben wie eine typische Young-Adult-Dystopie (Klett-Cotta, 346 Seiten, 26. August 2014. Goodreads: 3.68 von 5 [guter Score für literary fiction. schlechter Score für Young Adult. Zielgruppe?])
  • Jean-Philippe Toussaint: „Nackt“ / „Nue“, französische Mode- und Gesellschafts-Satire. Autor ist toll. Leseprobe klingt gut. Aber sehr durchwachsene Kritiken.(Frankfurter Verlagsanstalt, 160 Seiten, 1. September 2014. Goodreads: 3.45 von 5)
  • Riikka Pulkkinen: „Die Ruhelose“ / „Raja“, Alzheimer- und Familienroman, sympathischer Stil, von 2006 (List, 352 Seiten, 12. September 2014. Goodreads: 3.48 von 5)
  • Thomas Pynchon: „Bleeding Edge“, Gesellschaftsroman über Wirtschaftsbetrug in New York und die geplatzte Dotcom-Blase ab 2001. (Rowohlt, 608 Seiten, 26. September 2014. Goodreads: 3.53 von 5)
  • Thomas Kyrö: „Kunkku“, Satire über den (fiktiven) letzten König von Finnland, „jenseits aller politischen Korrektheit“ (Hoffmann und Campe, 576 Seiten, 16. September 2014. Goodreads: 2.81 von 5)
  • Philippe Djian: „Oh…“, Psycho-Thriller / Psychogramm über die Folgen eines Überfalls auf eine Frau (Diogenes, 240 Seiten, 29. Oktober 2014. Goodreads: 3.27 von 5)

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angelesen – und nicht gemocht:

Stone Arabia

A Man Called Ove

Taipei

The Interestings

The Land of Steady Habits

Report from the Interior

Dødszoner

The Leftovers

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verwandte Links:

und, jeden Monat neu:

Frankfurter Buchmesse: Romane und Neuerscheinungen 2012

zur Frankfurter Buchmesse:

14 interessante – und 8 mittelmäßige – neue Bücher:

 

Sechs neue – interessante – Übersetzungen:
01) Édouard Levé – „Selbstmord“ (Essay; Frankreich, 2008)
128 Seiten, Matthes & Seitz, August 2012:  Amazon (Link) | Goodreads (4.10, Link)
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02) David Mitchell – „Die tausend Herbste des Jacob de Zoet“ (USA, 2010)
720 Seiten, Rowohlt, September 2012:  Amazon (Link) | Goodreads (4.00, Link)
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03) Mordecai Richler – „Wie Barney es sieht“ (Kanada, 1997)
464 Seiten, Liebeskind Verlag, August 2012:  Amazon (Link) | Goodreads (4.14, Link)
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04) Eowyn Ivey – „Das Schneemädchen“ (USA, 2011)
464 Seiten, Kindler, September 2012:  Amazon (Link) | Goodreads (3.97, Link)
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05) Nicolas Langelier – „Die enthemmte Moderne meistern und den Rest seines Lebens retten in 25 einfachen Schritten“ (Kanada, 2010)
176 Seiten, Bloomsbury, Oktober 2012:  Amazon (Link) | Goodreads (3.91, Link)
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06) Yu Hua – „China in zehn Worten“ (Nonfiction, China 2011)
336 Seiten, S. Fischer, Oktober 2012:  Amazon (Link) | Goodreads (3.86, Link)

 

8 neue – interessante – deutschsprachige Titel:
07) Sabine Friedrich – „Wer wir sind“
2032 Seiten, dtv, Oktober 2012:  Amazon (Link) | Goodreads (Link)
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08) Jan Sprenger – „Kirgistan gibt es nicht“
240 Seiten, Rowohlt Berlin, September 2012:  Amazon (Link)
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09) Nora Bossong – „Gesellschaft mit beschränkter Haftung“
304 Seiten, Hanser, August 2012:  Amazon (Link)
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10) Jenny Erpenbeck – „Aller Tage Abend“
288 Seiten, Knaus, August 2012:  Amazon (Link) | Goodreads (3.67, Link)
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11) Tilman Rammstedt – „Die Abenteuer meines ehemaligen Bankberaters“
190 Seiten, Dumont, November 2012:  Amazon (Link)
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12) Masoud, Milad und Mojtaba Sadinam – „Unerwünscht: Drei Brüder aus dem Iran erzählen ihre deutsche Geschichte“ (Nonfiction)
256 Seiten, Bloomsbury, September 2012:  Amazon (Link)
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13) Anna Kim – „Anatomie einer Nacht“
303 Seiten, Suhrkamp, September 2012:  Amazon (Link)
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14) Timur Vermes – „Er ist wieder da“
400 Seiten, Eichborn, September 2012:  Amazon (Link) | Goodreads (4.50, Link)
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gelesen – und nicht zu empfehlen:
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15) J.K. Rowling – „Ein plötzlicher Todesfall“ (GB, 2012)
575 Seiten, Carlsen, September 2012:  Amazon (Link) | Goodreads (3.55, Link)
meine Rezension bei ZEIT Online: Link
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16) John Jeremiah Sullivan – „Pulphead: Vom Ende Amerikas“ (USA, 2011)
298 Seiten, Suhrkamp, September 2012:  Amazon (Link) | Goodreads (4.04, Link)
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übersetzte neue Bücher – mit schlechten / mittelmäßigen Kritiken:
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17) John Irving – „In einer Person“ (USA, 2012)
725 Seiten, Diogenes, September 2012:  Amazon (Link) | Goodreads (3.60, Link)
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18) Michael Tucker – „So it goes“ (USA, 2010)
256 Seiten, Graf, Oktober 2012:  Amazon (Link) | Goodreads (3.26, Link)
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19) Simon Mawer – „Die Frau, die vom Himmel fiel“ (UK, 2012)
384 Seiten, dva, November 2012:  Amazon (Link) | Goodreads (3.59, Link)
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20) Carol Edgarian – „Zeiten der Ernüchterung“ (USA, 2011)
464 Seiten, Kein & Aber, August 2012:  Amazon (Link) | Goodreads (3.13, Link)
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21) Howard Jacobson – „Liebesdienste“ (UK, 2008)
400 Seiten, dva, November 2012:  Amazon (Link) | Goodreads (3.33, Link)
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22) Teju Cole – „Open City“ (USA, 2011)
333 Seiten, Suhrkamp, September 2012:  Amazon (Link) | Goodreads (3.54, Link)

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verwandte Links: