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tolle Reportagen, guter Journalismus: Empfehlungen, #textdestages 02

November Sunday Cherry Leaves Stefan Mesch WordPress.

ein Text pro Tag.

deutschsprachig, hintergründig, zeitlos:

seit Neujahr sammle ich Blogposts, Reportagen, Essays, Interviews unter dem Hashtag #textdestages auf meinen Facebook-Profil.

hier sind Texte 11 bis 20. große Empfehlung! markante Stimmen. interessante Thesen. Qualitätsjournalismus, den ich gerne las – und teilen will!

Teil 1, Text 01 bis 10, sind hier [Link]

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020. Schauspieler, Seifenopern, Arbeitslosigkeit:

“Der Serientäter: 14 Jahre Seifenoper – wie verändert das einen Menschen?”

Tobias Haberl portraitiert Sven Thiemann, der zwischen 23 und 37 in der ARD-Soap “Marienhof” den gutmütigen Klempner Charly Kolbe spielte. Erst mit Ambitionen. Dann bald: resigniert und routiniert. Was tun, nachdem die Serie abgesetzt wird? (Portrait, Süddeutsche Zeitung 2012)

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019. Kulturindustrie, Weltekel, Kinderkanal:

“Bernd das Brot über schlechte Laune: ‘Ich glaube, ich hasse Sie'”

Maria Rossbauer interviewt Bernd das Brot, “Deutschland am schlechtesten gelaunte Fernsehfigur”. Tolles Misanthropen-Comedy-Gespräch im Stil Adornos und Thomas Berndhards. (Kulturkritik / Interview, taz 2014)

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018. Depressionen, Familiengründung, “Problemkinder”:

“Psychologe Andrew Solomon: Jeder vererbt etwas Schwäche”

Julia Prosinger interviewt den Autor und Psychologen Andrew Solomon: Für sein Buch “Weit vom Stamm” sprach er mit 300 Familien, deren Kinder aus dem Rahmen fielen. Sprechen Depressionen, Behinderungen, Armut gegen die Gründung einer Familie? (Interview, Tagesspiegel 2015)

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017. Behinderung, Selbstbestimmung, Inklusion:

“Raul Krauthausen: Ich bringe der Volkswirtschaft mehr, als ich koste.”

Lea Hampel interviewt den Glasknochenbesitzer und “Sozialhelden” Raul Krauthausen über das Leben mit Behinderung, seine erfolgreichen Initiativen, Startups und Buchprojekte… und sein Erwachsenwerden in Deutschland und Kolumbien. (Interview, Süddeutsche Zeitung 2014). Ein älteres Interview über Mobilität, von Annett Heide hier (Link, Berliner Zeitung 2014)

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016. Steuerschlupflöcher, US-Konzerne, Ausbeutung:

“Starbucks und die Steuer-Clique. Die großen Konzerne drücken ihre Steuerlast, wo es nur geht.”

Thorsten Schroeder erklärt, wie Starbucks, Apple, Amazon Steuern sparen – und warum Widerstände, Proteste und politischer Druck in Europa kaum helfen. (Wirtschaft, ZEIT 2014)

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015. China, Gewalt durch den Staat, Festnahmen:

“Pressefreiheit: Sie haben Miao”

Angela Köckritz’ Assistentin Zhang Miao verschwindet nach einer Recherchereise zu Protesten in Hongkong: Chinesische Behörden haben sie fest genommen – und über Tage versucht Köckritz, ihrer Freundin zu helfen: Wie kann die ZEIT ihrer chinesischen Mitarbeiterin helfen? (Reportage, ZEIT 2015)

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014. Mütter, Landleben, Sackgassen:

“Alleinerzehende und Hartz IV: Alltagskampf bis zur Erschöpfung”

Wibke Bergemann portraitiert Mütter, aleinerziehend und im sozialen Abseits: Was macht Hartz IV aus einer Kleinfamilie? (Reportage / Portrait, Deutschlandradio Kultur 2014)

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013. Jobcenter, “Fördern und Fordern”, soziale Teilhabe:

“Zehn Jahre Hartz IV: Immer den Staat im Nacken. Die Teilnahme am normalen Leben ist für Millionen Betroffene fast unmöglich geworden”

Hans von der Hagen und Benjamin Romberg treffen eine studierte Chemikerin, die aus Altersgründen keine Anstellung mehr findet. Vom Jobcenter fühlt sie sich schikaniert, überwacht, entmündigt und entmutigt. Eine Hürde statt einer Hilfe? (Reportage / Portrait, Süddeutsche Zeitung 2015)

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012. Reichtum, Steuern, Abstiegsangst:

“Ab wann ist man reich? Ein Spitzenverdiener spricht.”

Mona Jaeger trifft einen jungen Familienvater im reichen Taunus, der sich selbst nicht reich fühlt: Wo fängt “Wohlstand” an? Und wieso haben selbst Spitzenverdiener das Gefühl, ihre Familie habe wenig Spielraum? (Portrait, FAZ 2014)

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011. Verbrechen, Justiz, Nahtoderfahrung:

“Jugendgewalt: Der Überfall. Drei Jugendliche ziehen raubend und prügelnd durch die Großstadt. Unsere Autorin hat den Ausbruch der Gewalt knapp überlebt.”

Susanne Leinemann wird auf offener Straße überfallen und bewusstlos geschlagen. Zwölf Tage später werden die Täter gefasst – und Leinemann schreibt über den Prozess. (persönliche Reportage, ZEIT 2010)

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Open Mike 2012 – Presse, Kritik, Diskurs (Vorjahre)

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Ich bin Finalist (und: Liveblogger) beim 20. open mike-Wettbewerb der Literaturwerkstatt Berlin, und lese am 10. und/oder 11. November aus meinem Roman “Zimmer voller Freunde” (Link). (Heimathafen Neukölln, Eintritt frei – kommt vorbei! Details hier)

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Schon heute: Ein Pressespiegel / eine Montage über 20 Jahre “Open Mike”, und die großen Stärken, Schwächen, Probleme und Sternstunden des Wettbewerbs:

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“Alle waren sie da, und jedes Jahr werden es mehr. Für Verleger, Literaturagenten, Scouts und Medien gibt es im November einen denkbar effizienten Termin. Beim Lesewettstreit “Open Mike” lässt sich in der Literaturwerkstatt […] an einem Wochenende ein repräsentativer Eindruck davon gewinnen, was landauf, landab gedacht und geschrieben wird.” Steffen Richter, Die Welt, 2001
“Sechs Lektoren aus renommierten deutschsprachigen Verlagen entschieden über die Finalisten, die an diesem Samstag und Sonntag in Berlin vor Jury und Publikum die Endrunde bestreiten. 15 Minuten hat jeder der 23 Autoren Zeit, seine Geschichte oder sein Gedicht vorzutragen.” Maar, Lauterbacher Anzeiger, 2011
“Mitte der Neunziger begannen bei diesem Wettlesen die Karrieren von Karen Duve, Kathrin Röggla, Julia Franck oder Terézia Mora. 2001 war mit den Preisträgern Nico Bleutge und Tilman Rammstedt noch einmal ein großes Jahr. Danach aber blieb die Durchschlagskraft begrenzt […] Zum Teil mag es an der gesunkenen Nachfrage nach Debütanten liegen. Der Hype der jungen deutschen Literatur vor zehn Jahren war eben die Ausnahmesituation.” Wolfgang Schneider, FAZ, 2008
“Bei über 100.000 deutschsprachigen Neuerscheinungen jährlich ist die Konkurrenz beträchtlich, und so waren die diesjährigen Autoren vor allem darum bemüht, alles richtig zu machen. […] Beim literarischen Nachwuchs herrscht derzeit Innerlichkeit vor, die Beschäftigung mit der Vergangenheit und die Suche nach dem eigenen Weg. Gesellschaftskritik steht nur selten, politischer Protest leider gar nicht auf dem Programm.” Cornelius Wüllenkemper, Deutschlandradio, 2011
“Politische oder historische Themen vermisst man indes. Lektor Dirk Vaihinger würde das keinem der unter 35-jährigen vorwerfen: Die Jungautoren entwickeln noch ihren eigenen literarischen Ton. Die großen Themen kommen später.” Elena Phillipp, Die Welt, 2010
“Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne – und der war hier spürbar. Man erlebte Talente, die noch keine Routinen ausgebildet haben, die ihr Formgefühl und Welt-Bild gerade erst entwickeln. Solche ersten Schwimmzüge sind etwas ganz Besonderes. Auch wenn den Beteiligten meist klar war: Das muss noch besser werden.” Wolfgang Schneider, FAZ, 2009
“In den besten Stunden des Open Mike kann man atemberaubend Zeuge werden, wie ein Schriftsteller die Welt betritt. Das sind 15 Minuten, die man nicht vergisst: als vor zwölf Jahren Karen Duve hier zum ersten Mal las, später Julia Franck oder Terézia Mora und zuletzt noch einmal fulminant, vor zwei Jahren, Kirsten Fuchs.” Jana Hensel, Die Welt, 2006

ZEIT online: Simon, ein Wort zu den anderen Teilnehmern: Konkurrenz oder Kollegen?

Simon Urban: Der Wettbewerb ist eine freundliche Angelegenheit. Natürlich befindet man sich in einer Konkurrenzsituation, aber es ist eine harmonische Konkurrenzsituation.

Kathrin Schadt, ZEIT Online, 2007

”Im Publikum drängten sich Lektoren, Literaturagenten und Talent-Scouts zu Dutzenden. Diejenigen, die ohne Preis nach Hause gehen mussten, können sich daher trotzdem zu den Gewinnern zählen. Im 19. Jahr seines Bestehens reicht oft schon die Teilnahme am “Open Mike”, um eine literarische Karriere zu beflügeln.” Vanja Budde, Deutschlandradio Kultur, 2011
Simon Urban: Der Open Mike ist natürlich ein Viehmarkt, aber es kann ja jeder selbst entscheiden, ob er zum Vieh gehören möchte oder nicht. Wer gelesen werden will, muss also auch mal das Vieh sein können. Außerdem macht das ja durchaus Spaß, vor so einer Kulisse. Kathrin Schadt, ZEIT Online, 2007
“Das Setting für die Lesungen ist hervorragend; das Bühnenlicht weich, das Publikum ist aufmerksam, klatscht sehr gerne und feiert – zu Recht – mehr Texte als es Preise gibt. Ich war ziemlich lange nicht mehr bei solchen Wettbewerben und wundere mich darüber, dass es keine Dissonanzen zu geben scheint, keine Fraktionierungen, keine Ablehnung des Betriebs etwa seitens der Autoren; dass das Etwas-toll-Finden nicht wie früher so oft von der entschiedenen Ablehnung eines anderen begleitet wird. Höchstens gibt es mal ein vorsichtiges Nichts-damit-anfangen-Können.” Detlef Kuhlbrodt, taz, 2011
“[Trichtert man etwa allen] Open-Mike-Teilnehmern [ein], dass man sich bei Wettbewerben keinesfalls bewegen darf, sondern seine Werke sitzend und in artigen, subtil intonierten Stimmlagen vorzutragen hat? […] Etwas mehr raumgreifende Rotzigkeit seitens der Lesenden wäre beim Publikum bestimmt prima ankommen.” Brigitte Preissler, Frankfurter Rundschau, 2010
“14 Uhr: Die letzten Lesenden stehen aufgeregt zwischen den Zuschauern, die wechselweise rauchen, herumstehen, Kaffee oder Wein trinken, diskutieren, Wetten abschließen. Dann wieder hinein ins Gedränge, der letzte Leseblock, überall schwappt das Adrenalin auf den Boden. Auf keinen der Vorträge kann ich mich richtig konzentrieren, ich verliere die Satzenden, stückele mir die Texte zusammen, nehme noch eine Schmerztablette, die Leute strömen nach der letzten Lesung wieder aus dem Saal, sibirische Kälte und Nieselregen setzen ein.” Anne Köhler, Süddeutsche Zeitung / jetzt.de, 2008
“Man muss es leider so konstatieren: Humor, Sprachgewalt, Mut und Bösartigkeit waren rar gesät im Teilnehmerfeld. […] Mut zum Risiko, experimentelle Schreibweisen, jede Form von Diskurswissen oder Weltgewandtheit, wie sie beispielsweise auf der Longlist zum diesjährigen Deutschen Buchpreis weithin vertreten war: Fehlanzeige. […] Wie das Publikum, so das Wettbewerberfeld: konzentriert, aufmerksam, brav und bieder. Jung und uninteressant.” René Hamann, taz, 2010
“Man könnte sagen, dass 20-jährige Deutsche noch nie auf einem breiten Niveau so gut schreiben konnten wie heute, aber so wenig mitzuteilen haben wie nie zuvor. Auch Maxim Biller klang im Schlusswort der Jury mutlos: “Es gab keine Geschichte, von der ich hätte wissen wollen, wie sie ausgeht.”” Jana Hensel, Die Welt, 2006
“Das muß wohl grausam sein: immer wieder Ich-Geschichten; offenbar ist die Bereitschaft, sich eine Figur auszudenken, bei den meisten Jungautoren nach wie vor gering ausgeprägt. Aber Lektoren lesen anders. Vor allem lesen sie mehr, als im Manuskript steht. Wo Kritiker nur die Mängel des fertigen Produkts sehen, nimmt der Lektor beglückt die Anfänge eines Autors wahr. Das Vergnügen des Lektors sind „Texte, die unterwegs sind“, wie Patricia Klobusiczky vom Rowohlt Verlag glaubhaft versicherte.” Wolfgang Schneider, FAZ, 2004

mehr Infos:

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Teilnehmer 2012:

Verena Boos, Yevgeniy Breyger, Vera Buck, Thomas Dörschel, Sandra Gugic, Verena Güntner, Juan S. Guse, Ann-Christin Helmke, Alina Herbing, Joey Juschka, Sascha Kokot, Juliane Link, Nina Lörken, Stefan Mesch, Martin Piekar, Friederike Scheffler, Nadja Schlüter, Kerstin Schubert, Michael Spyra, Arne Vogelgesang, Linus Westheuser und Tristan Marquardt

Sommerbücher …aus der Frankfurter Allgemeinen

Wenn meine Mutter sonntags Brötchen holt, kauft sie sich die Welt, weil sie “so ansprechend aussieht”.

Wenn ich sonntags Brötchen hole, kaufe ich ihr lieber die FAS.

Und diese Woche hat sich dieser Kauf auch für mich selbst gelohnt: “Der Sommer unseres Vergnügens” – eine ganzseitige Liste mit 109 Buch-, Musik- und Filmempfehlungen von 14 FAZ-Kritikern/Redakteuren und Autoren.

Elf Männer, aber nur drei Frauen – von denen zwei, Julia Encke und Johanna Adorján – auch ausschließlich männliche Künstler empfehlen. 😦

Hier: 13 dieser 110 Empfehlungen, die mich selbst interessieren.

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MARK SEAL: ‘The Man in the Rockefeller Suit’ (Sachuch/historisch, Empfehlung von Johanna Adorján)

WOLFGANG HERRNDORF: ‘Tschick’ (Roman, Empfehlung von Johanna Adorján, Claudius Seidl und Maxim Biller)

DAVE EGGERS: ‘Zeitoun’ (Roman über New Orleans/Katrina, Empfehlung von Julia Encke; letzte Woche bei Amazon bestellt)

MILAN KUNDERA: ‘Eine Begegnung’, (Roman, Empfehlung von Andreas Kilb)

JAMES SALLIS: ‘Der Killer stirbt’ (literarischer Krimi, Empfehlung von Peter Körte)

BRUNO TAUT: ‘Japans Kunst, mit europäischen Augen gesehen’ (Bildband, Empfehlung von Peter Richter… das altbackene Cover erschreckt mich ein bisschen)

HANNELORE SCHLAFFER: ‘Die intellektuelle Ehe: Der Plan vom Leben als Paar’ (Sachbuch/Kulturwissenschaft, Empfehlung von Tobias Rüther, viel Gutes gehört, steht schon seit Februar auf meiner Liste.)

DAVID GROSSMAN: ‘Eine Frau flieht vor einer Nachricht’ (Roman, Empfehlung von Tobias Rüther)

DAVID THOMSON: ‘The whole Equation: A History of Hollywood’ (Sachbuch, Empfehlung von Claudius Seidl, die Goodreads-Kritiker wirken leider nicht sehr euphorisch)

JOSEPH MITCHELL: ‘McSorley’s wonderful Saloon’ (legendäre Reportagen, seit Frühjahr endlich auch in einer deutschen Neuauflage, Empfehlung von Harald Staun)

MARTHA GELLHORN: ‘Reisen mit mir und einem anderen. Fünf Höllenfahrten.’ (Reportagen von der dritten Ehefrau Ernest Hemingways, Empfehlung von Volker Weidermann)

ERICH MÜHSAM: ‘Tagebücher’ (das haben Freundinnen A., S. und V. 2003 im Germanistik-Grundstudium gelesen – seitdem verehren sie Mühsam, alle drei. Empfehlung von Volker Weidermann)

…und den Facebook-Thriller ‘Catfish’ von 2010, über den ich nie sehr viel Gutes hörte – doch der nach wie vor auf meiner ‘ansehen!’-Liste steht. Ein moderner Hitchcock-Film? Oder nur ‘Blair Witch Project’, zehn Jahre später? (Empfehlung von Johanna Adorján)

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Niklaas Maak empfiehlt ‘Die Party bei den Jacks’ von meinem Lieblingsautor THOMAS WOLFE. Das ist kein schlechtes Buch… aber nur EIN Teil des (riesigen und ungeordneten) Manuskripts, das auch unter dem Titel ‘Es führt kein Weg zurück’ veröffentlicht wurde.

Meine Empfehlung: Das ganze Buch lesen – vielleicht sogar zuerst den Vorläufer ‘Von Stein und Fels’ (die Vorgeschichte zur Liebesgeschichte)… oder, ganz chronologisch, mit den allerersten beiden Wolfe-Romanen beginnen, ‘Schau heimwärts, Engel’ (1) und ‘Von Zeit und Strom: Eine Geschichte vom Hunger des Menschen in der Jugend’ (2).

Hier wird, auf fast 4000 Seiten, eine Biografie erzählt. Einsteigen kann man überall – ich selbst habe auch mit Band 4 begonnen.

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Insgesamt: schöne Liste. Sympathisch abseitige Empfehlungen.

Aber: Fast ausschließlich Männer.

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