Kulturwissenschaften

Grundwissen: Schweiz

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Für Ausgabe 17 von Exot – Zeitschrift für komische Literatur, erschienen im Juli 2014 und u.a. hier erhältlich, habe ich einige Wochen auf- und mitgeschrieben, was man über die Schweiz lernen kann. Aus Kinofilmen. Im Fernsehen. In Literatur.
Ich bin kein Schweiz-Experte. Aber die wichtigsten Fakten über die Schweiz erfährt man, zum Glück, ganz nebenbei:

 

Grundwissen: Schweiz. Was man über Schweizer weiß und lernt. In Kino, Fernsehen, Popkultur.

 

von Stefan Mesch

In Folge 77 von „Sliders – Das Tor in eine fremde Dimension“ (30. Juli 1999, „Eine heiße Story“) sliden die vier Sliders auf eine Erde, auf der Amerika nur noch Klatschblätter liest. Als Maggie dem Präsidenten in die Arme stolpert, nutzt die US-Regierung die Gerüchte: Ein Sexskandal im Weißen Haus lenkt vom großen Krieg ab, den die USA gerade verliert. Ihr Gegner? Die Schweiz.

In Folge 10 von „Grey’s Anatomy – die jungen Ärzte“ (23. September 2005, „Ein klarer Schnitt“) ist Meredith betrunken und verstört: Der Hirnchirurg, mit dem sie seit neun Folgen schläft, verheimlichte ihr, dass er verheiratet ist. Am selben Tag wird klar, dass ihre beste Freundin Cristina ein Kind abtreiben will… das sie vor fünf Folgen mit dem Herzchirurgen zeugte. Trotzdem verbittet sich Cristina alle Vergleiche: „Weil [du und der Hirnchirurg] nämlich eine Beziehung habt!“ – „Ach. Und das mit [dir und dem Herzchirurgen] ist…?“ – „Die Schweiz. Neutrales Territorium. Und sehr schöne Uhren!“

Im dritten James-Bond-Film, „Goldfinger“ (1964), reist James Bond in die Schweiz, um Goldfingers Goldschmuggel aufzudecken.

In George S. Kaufmans Musical „Strike up the Band“ (1927) will ein US-Käsefabrikant, um seine Herrschaft über den US-Käsemarkt zu sichern, einen Krieg gegen die Schweiz lostreten.

Im sechsten James-Bond-Film, „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ (1969), reist James Bond in die Schweiz, um zu verhindern, dass Ernst Stavro Blofeld zehn junge Patientinnen unter dem Vorwand einer Allergie-Therapie zu Schläferinnen eines globalen Biowaffen-Anschlags macht.

Unzufrieden mit der Handlung von „Strike up the Band“ (1927) ersetzte George Gershwin vor der Broadway-Premiere den bösen Käsefabrikanten durch einen bösen Schokoladenmogul.

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Im zweiten James-Bond-Film, “Liebesgrüße aus Moskau” (1963)
, in “Der Spion, der mich liebte“ (Bond 10, 1977), „In tödlicher Mission“ (Bond 14, 1985) und „GoldenEye“ (Bond 17, 1995) reist niemand in die Schweiz – doch Schweizer Drehorte doubeln für andere Länder.

Walt Disney kannte Zermatt aus Ski-Urlauben und ließ nach Produktion seines Schweizer Kletter-Familienfilms „Der dritte Mann im Berg“ (1958) das Matterhorn im Maßstab 1 zu 100 in Disneyland nachbauen: Bis heute klettern Disney-Angestellte mit Lois-Trenker-Hut täglich Richtung Gipfel.

Privatschul-Schnösel Victor reist in der Bret-Easton-Ellis-Verfilmung „The Rules of Attraction“ (2002) als Backpacker durch Europa, spricht über alle Stationen – doch sagt zur Schweiz nur, dass er sprachlos war: „I took the Glacier Express up the Schilthorn [bekannt als Gehirnwäsche-Luxus-Sanatorium aus „Im Geheimdienst ihrer Majestät“], which is beautiful in a way I can’t describe.“ Im Video dazu streckt er den nackten Hintern Richtung Fels.

In deutschen Soaps spielen einige Schweizer Darsteller – nur fast nie Schweizer Rollen: DJane Lona Dee („Unter Uns“, ab 1995) zog 2000 zurück nach Basel. Zeitgleich kam Alex Behrend in die „Lindenstraße“, schlief mit Mutter Beimers Tochter und übernahm 2010 das Beimer-Reisebüro (heute: „Träwel und Iwends“). 2005 gewann „Verbotene Liebe“ als weltweit beste Soap die Rose d’Or von Montreux – und einige von-Lahnstein-Kinder (Rebecca, Hannes) besuchten seitdem Schweizer Internate.
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Von 1925 bis 1970 veröffentlichte Elinor Brent-Dyer Internatsromane
über patente britische Pädagoginnen, die eine „Chalet School“ in Tirol gründen, vor den Nazis auf Guernsey flüchten, in Herefordshire und Wales neue Schulen öffnen und endlich ab den 50er Jahren im Berner Oberland unterrichten. [„Chalet“? Sennhütte / Berghaus. Doch auch das triste „Wienerwald“-Äquivalent Kanadas, eine Imbisskette für Hühnchen-Formfleisch und Pommes, heißt „Swiss Chalet“.]

Auf den bewohnten drei Planeten des Urwyzden-Sonnensystems in der „Star Trek“-Novelle „Reservoir Ferengi“ (2010) gibt es Schnee, Berge, Banken und kleine, pazifistische Leute, die alle Konflikte meiden – bis die Ferengi-Händler Brunt und Gaila allen drei Welten Waffen liefern. Ein Bürgerkrieg bricht aus und das ganze Volk vernichtet sich selbst.

Wer einen Zweikampf in „Super Smash Bros. Melee“ (2001) gewinnt, ohne den Gegner anzugreifen oder verletzt zu werden, bekommt eine Gutschrift von 12.000 Pazifismus-Bonuspunkten namens „Switzerland“.

In „Popeye meets William Tell“ (1940) hat Popeye Landgang in der Schweiz – und wird von einem arroganten Pimpf namens Wilhelm Tell beschossen. „Aber nicht DER Wilhelm Tell? Wo ist Ihr Sohn?!“ Tell schämt sch sehr: Er hat ihn letzte Woche erschossen, „from under an apple“.
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In „Axis Power Hetalia“ (Manga, ab 2003) wird die Zeit zwischen den Weltkriegen als Pausenhof-und Schuljungen-Komödie mit über 40 Staaten-als-Schulkindern erzählt. Schweiz ist 18 Jahre alt und lebt als Einsiedler im Gebirge. Er liebt seine kleine Schwester Liechtenstein und tritt neutral auf – aber trägt eine Flinte. Hat für Vatikan als Söldner gearbeitet. Und ist der größte Waffenfabrikant der Welt.

Wolfsmund“ (Manga, ab 2010) erzählt vom St. Gotthard-Pass im 14. Jahrhundert – und einer Festung, in der die Habsburger jeden Reisenden in die Zange nehmen. Tatsächlich kämpften die Schweizer Eidgenossen von 1291 bis 1474 gegen Habsburger Kontrolle.

Im Mittelalter und noch „bis 1848 verdienten viele Schweizer ihren Lebensunterhalt als Söldner [„Reisläufer“] in fremden Armeen“ (Wikipedia), und Reiche wie Spanien, England, Polen, Österreich und Venedig finanzierten Schweizer Gardetruppen. Auch Lady Oscar, fiktive Leibwächterin von Marie Antoinette und Befehlshaberin des königlichen Garderegiments („Die Rosen von Versailles“, Manga, 1972), kommandiert eine Truppe Schweizer.

Heimweh („Nostalgia“) galt bis ins 19. Jahrhundert als Krankheit, beobachtet bei Schweizer Truppen in der Fremde – und als „Mal du Suisse“ / „Schweizerheimweh“ von Doktorand Johannes Hofer 1688 in Basel beschrieben. Noch Heidi (1880 / 81) wird in Frankfurt zur Schlafwandlerin – aus Sehnsucht nach der Schweiz.
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Wir Kinder vom Berghof“ (Anime-Serie, 1983) zeigt den Alltag von Dorfkindern in Rossiniére im späten 19. Jahrhundert. „Blazing Alpen Rose“ (Manga, 1983; Anime-Serie 1986) folgt Lundi und seiner Ziehschwester Jeudi – zwei Landkindern, die 1939 in Bern nach Jeudis wahrer Familie suchen.

In den 90er und frühen 2000er Jahren wurden bis zu 40 Bollywood-Filme pro Jahr in der Schweiz gedreht“, schreibt Arno Meili. Doch seitdem sinkt die Zahl. Denn: „Indische Filmfans kennen die Schweiz mittlerweile fast gleich gut wie ihr eigenes Land.“

Die Kampfszenen aus „Power Rangers“ (USA, seit 1993) stammen aus japanischen „Super Sentai“-Serien, die seit 1975 immer andere Ranger-Teams vorstellen. In der US-Bearbeitung stecken in den Zwischenszenen amerikanische Schüler unter dem Helm – im Original aber Japaner. Bis auf die Frauen: Erst 1980 gab es einen in Japan geborenen Pink Ranger. Vorher kämpften die FBI-Agentin Diane Martin („Miss America“), Drogenfahnderin Karen Mizuki („Heart Queen“) und, als erste weibliche Heldin, Peggy Matsuyama, eine 18jährige Sprengstoff-Chemikerin und Waffen-Entwicklerin mit Schweizer Vater.

Auch James Bonds Mutter Monique Delacroix ist Schweizerin. Bonds Vater ist Schotte – und geboren wurde Bond 1920 in Wattenscheid im Ruhrgebiet. Vielleicht hat deshalb auch Tara Chace, MI-6-Agentin in Greg Ruckas (grandiosem!) „Queen & Country“ (Comics und Romane, ab 2001) eine Schweizer Mutter, Annika Bodmer-Chace – und lebte, bis sie aufs Internat nach England musste, in Genf.

Baron Viktor von Frankenstein ist Schweizer – doch sein Monster wurde aus den Leichen toter Bayern gestückelt, in Ingolstadt.

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Arnim Zola, ein Schweizer Chemiker im Dienst der Nazis, klont und korrumpiert in den „Captain America“-Comics (seit 1977) und -Kinofilmen (2011 und 2014). Für „Spider-Man: Turn off the Dark“ (Broadway, 2011 bis 2014) wurde eine Nicht-Schweizer Schurkin namens Swiss Miss erfunden: mit Kegelbrüsten, im Stahlkostüm und Klingen als Tütü – halb Mensch, halb Taschenmesser. Auch in „The Tick“ (1995, Episode 14) kämpfen Schweizer Super-Schurken mit riesigen Swiss Army Knives.

Ein Football-Spiel (Oakland Riders vs. New York Jets, 17. November 1968) ging als „Heidi Bowl“ in die TV-Geschichte ein, als NBC pünktlich um 19 Uhr, eine Minute und eine Sekunde vor Spielende, die Live-Übertragung abbrach, damit ihr „Heidi“-TV-Film pünktlich startete. Alle Hotlines brachen zusammen – und Konkurrent CBS verriet später in den Abendnachrichten das offizielle Spielergebnis: „Heidi hat den Ziegenpeter geheiratet.“

In der Fantasy-Spielwelt von „World of Warcraft“ (seit 2004) gibt es viele Käsesorten: Darnassian Bleu, Dalaran Sharp, Alterac Swiss… „Wait a minute!“, fragt TV Tropes. „Alterac Swiss? How did Swiss cheese end up in Azeroth?“

Brechts „Mutter Courage“ (1941) nennt ihren jüngsten Sohn „Schweizerkas“.

und letzte Woche, in der aktuellsten Folge „Grey’s Anatomy“ (1. Mai 2014, „We are never ever getting back together“) dozierte Cristina auf einem Symposium in Zürich – und sah den Herzchirurgen, dessen Kind sie 206 Folgen zuvor verlor (Eileiterschwangerschaft) und der sie 2006, am Tag der Hochzeit, sitzen ließ: Er leitet das Schweizer Krankenhaus. Zeigt stolz 49 Bio-3D-Drucker. Und bietet ihr den Posten an – damit sie Glück und Frieden findet in der Schweiz. Und dort das allererste menschliche Herz ausdruckt.

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Stefan Mesch, *1983, lebt bei Heidelberg und schreibt seinen Roman über Fernsehen und die 90er, “Zimmer voller Freunde”. Er bespricht Bücher für ZEIT Online, Comics für den Berliner Tagesspiegel und war Redakteur bei BELLA triste in Hildesheim.

Seit 2009 lebt er drei Monate pro Jahr in Toronto – einer Stadt, die Peter Ustinov 1987 beschrieb als “New York, run by the Swiss”.

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[Interview] Wovon lebst du eigentlich…?

ab hier kultur 2013 wordpress

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Zwei Kulturjournalisten. Zwei Kontinente. Die gleichen Niedriglöhne und Existenzängste:

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Die Redaktion von “Kultur 2013”, dem Alumni-Magazin der Universität Hildesheim und ihrer kulturwissenschaftlichen Studiengänge, bat mich im Herbst 2013, einen Text zum Thema “Geld oder Liebe” zu schreiben: Herzens-Projekte versus Auftrags-Arbeiten, schnöde Jobs versus Schreib- und Lebensziele, Pragmatismus versus Ideale. Der Text – ein langes Gespräch mit Kulturjournalist / Freelancer / Lieblingsmensch Max Mosher – erschien im Dezember 2013 (Link).
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Stefan Mesch (30) studierte in Hildesheim und schreibt heute für ZEIT Online und den Berliner Tagesspiegel. Er wohnt bei seiner Mutter auf dem Land und arbeitet an seinem ersten Roman, “Zimmer voller Freunde”. Max Mosher (28) liefert einem Stadt- und Kulturportal in Toronto seit Herbst 2012 wöchentlich drei lange Artikel über Mode und Kultur. Um Miete und Krankenversicherung zu finanzieren, jobbt er vier Tage pro Woche als Barista. Beide hadern mit prekären Perspektiven – bis Max die Taktik ändern will: ein Facebook-Chat über Ansprüche, Angst, enttäuschte Erwartungen.

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[Max] Ich überlege, ob ich den Absprung mache.

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[Stefan] Absprung von was?

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[Max] Freelance. Freier Journalismus. Die AIDS-Hilfe sucht jemanden für PR- und Öffentlichentlichkeitsarbeit: Pressetexte zu Studien, Social-Media-Zeug usw.

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[Stefan] Eine feste Stelle. Wenn das dein Ziel sein soll – okay. Aber denk dran, woher ich komme: Fast alle meine Hildesheim-Freunde stehen mittlerweile im Beruf. Ich kucke seit fünf Jahren zu, wie JEDER ein paar Monate lang versucht, sich als freier Autor durchzukämpfen… und dann “den Absprung macht”. Statt endlich Texte zu schreiben, die er immer schreiben wollte.

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[Max] Die Hürden sind zu hoch. Für freie Autoren ist alles zäh und unsicher.

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[Stefan] Ich kenne 50 tolle Schreiber / Journalisten. Von denen vielleicht… fünf (!) noch regelmäßig schreiben. Wie absurd ist das? Der Kulturjournalist, der grade am meisten und besten publiziert, kommt aus Toronto. Nicht aus meiner Schreib-Schule!

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[Max] Wenn ich Ideen für Artikel an Zeitungen pitche, kriege ich meist nicht mal Antwort. Nach einer Weile hören Leute eben auf, sich anzubieten. Trotz Talent.

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[Stefan] Wäre ich sauer auf jeden, der eine feste Stelle am Schreibtisch sucht, hätte ich keine Freunde mehr. Aber dass viele ganz aufhören, zu schreiben? Sich mit Büro- und Orga-Arbeit abfinden? Das ist doch beschissen!

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[Max] Ob ich mit Schreiben aufhöre, kann ich mir offen halten. Ich würde vor allem aufhören, meine drei wöchentlichen Mode-Texte an mein Online-Portal zu liefern.

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[Stefan] Falls du den Schreibtischjob bekommst: Wie viele Tage pro Woche wären übrig? Für dein Schreiben, deine Projekte? Ein oder zwei? Dann mach das AIDS-Ding. Aber “ab und zu, abends und am Wochenende”? Das klappt bei keinem, den ich kenne.

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[Max] Sie bieten eine Vollzeitstelle. Also Schreiben nur nach Feierabend. Aber Stefan? Das ist jetzt schon so: Ich arbeite meine drei Texte pro Woche ab und stehe im Café, für Mindestlohn. Ein fester Job wäre keine Hiobsbotschaft. Viel Zeit für Eigenes bleibt nie!

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[Stefan] Dann sprich mit Leuten, die solche Schreibtisch-Stellen besetzen: Haben sie noch Zeit für eine Autoren- oder Journalistenkarriere? Lohnt sich das, langfristig?

[Max] Hätte ich direkt mit 24 angefangen, frei zu schreiben, wäre ich wahrscheinlich etwas weiter. Aber ich wollte den Master, machte Praktika, wohnte daheim… und jetzt, mit 28, will ich mir diese Unsicherheit nicht mehr viel länger geben.

[Stefan] Ich muss immer an Erin denken und ihre Bier-Sache: Das darf dir nicht passieren.

[Max] Ich bin nicht Erin.

[Stefan] Na ja. Fast 10 Jahre lang studiert und jobbt sie auf der ganzen Welt. Jetzt fand sie diesen Brauerei-Job. Und hat plötzlich jeden Tag Angst, dass man sie feuert. Das scheint ein riesiger, persönlicher Kampf zu sein: Sie will um jeden Preis eine tolle Bier-Vertreterin werden. Aber wenn es klappt, was ist sie dann? Eine Super-Vertretin. Keine Super-Erin. Kämpft sie, um die Person zu werden, die SIE sein will? Oder wird sie nur die Sorte Handlanger, die am bequemsten und billigsten ist… für den Brauereikonzern?

[Max] Bitte hör auf, mich mit Erin zu vergleichen.

[Stefan]Okay – aber warum? Du magst sie. Ihr habt ähnliche Wünsche. Ihr seid ähnlich nervös, weil eure Arbeitgeber viel fordern.

[Max] Erin ist neurotisch.

[Stefan]Erin will, dass endlich jemand kommt und sagt: “Auf dich habe ich gewartet! DU hast mir gefehlt.” Ein Mann. Oder ein Chef. Und tatsächlich kommen Leute. Aber sie sagen: “Ich liebe dich – wenn du anders wirst!” oder “Pass dich gut an – DANN loben wir dich!” Ich will, dass Leute anfangen, Erin zu mögen. Nicht Erins wachsende Bereitschaft, für alle genau das zu werden, was sie von ihr verlangen: Hauptsache, irgend jemand lobt sie. Für irgendwas.

[Max] Ich hoffe, von mir denkst du das nicht.

[Stefan]Du bist weniger gefallsüchtig. Weniger willig, dich zu verbiegen. Aber ihr wollt beide passen. Endlich dazugehören.

[Max] Die meisten von uns haben weniger Glück mit Auftraggebern und Redaktionen als du: Wir brauchen feste Jobs, um unsere Rechnungen zu zahlen. Meist sagen wir “Augen zu und durch!” und arbeiten irgendwo.

[Stefan] So viel “Glück” hatte ich nicht. Ich hänge hier in der Provinz und schlafe in meinem alten Kinderzimmer. Hätte ich große finanzielle Verpflichtungen wie ein WG-Zimmer in einer Stadt könnte ich nicht weiter schreiben, jeden Tag.

[Max] Auf jeden Fall würde mir die AIDS-Hilfe mehr zahlen als das Café. Ich könnte eine gute Sache unterstützen. Und notfalls kündige ich eben wieder.

[Stefan] Du hast bessere Umstände, besseren Lohn, ein besseren Alltag verdient: Du arbeitest wie verrückt, um finanziell auf eigenen Beinen zu stehen. Du lebst erwachsener als ich.

[Max] Aber wie lange soll ich rumkrebsen? Ohne Aussicht auf Festanstellung oder regelmäßige Aufträge? Das Portal zahlt 200 Dollar für drei Texte. Davon kann keiner leben. Ich habe keine Zeit, jede Woche fremden Redakteuren fünf eigenständige Ideen zu recherchieren, anzubieten – und wenn die Absage kommt, zu schreiben: Toll: Dann schicke ich gleich drei andere, neue!” Die Zeit und Energie, die solche Pitches kosten, brauche ich zum Geldverdienen.

[Stefan] Meine Regel ist, fünf Sachen zu versuchen. Fünf Leute anzuschreiben. Ich werde erst weinerlich, wenn volle fünf Absagen zusammen sind.

[Max] Du hast neulich zugegeben, dass Redakteure auf den Großteil deiner Ideen anspringen.

[Stefan] Wenn ich fünf Sachen probiere, klappen drei davon, früher oder später.

[Max] Glückwunsch. Dann stell dir vor, du müsstest Zeitschriften, die dir oft unsympathisch sind, ständig neue Vorschläge machen – meist ohne jedes Feedback, immer vergebens. Wenn ich keine Kraft für diese Scharmützel habe, ist der Krieg verloren. Aber langsam merke ich, wie bitter und negativ ich werde: So war ich nie. So ticke ich nicht!

[Stefan] Überleg länger, was DU willst. Nicht, was andere Leute von dir wollen. Die AIDS-Hilfe braucht keinen Max Mosher. Deine Ziele und Ansprüche haben dort keine Priorität.

[Max] Torontos Stadtmagazine brauchen keinen Max Mosher. Flare und Elle brauchen keinen Max Mosher. Niemand will mich drucken – und bezahlen.

[Stefan] Braucht Max Mosher Max Mosher?

[Max] Du meinst: Braucht die Person den Autor?

[Stefan] Ja: Muss diese Person schreiben? Ein Autor sein? Ist das nötig?

[Max] Tja. Das zeigt sich dann wohl bald.

[Stefan] Ich würde am liebsten für sechs Monate nach Toronto fliegen, Privatsekretär spielen und dir Artikel sichern.

[Max] Das muss ich selbst schaffen.

[Stefan] Dann sprich mit Leuten, die für Flare, Elle usw. schreiben und dir Tipps geben: Manchmal reicht Ausdauer. Stehenbleiben. Viele Konkurrenten geben einfach auf, mit der Zeit. Und viele Ex-Hildesheimer sind genauso talentiert als Journalist oder Autor. Aber sie schreiben nicht. Weil sie schneller Geld und Sicherheiten brauchen, oder keine Geduld mehr haben: Ich war umgeben von… Sängern. Viele sangen besser als ich! Aber nach und nach hören fast alle auf: ein Chor, immer dünner, leiser. Mit immer weniger Stimmen.

[Max] Alle hier freuen sich über die AIDS-Sache und wünschen mir Glück für die Bewerbung.

[Stefan] Die erste Bewerbung wird nicht klappen. Aber die dritte. Oder die fünfte. Ich kenne keinen, der einen Bürojob fand und danach wieder (glücklicher!) Freelancer wurde. Trotzdem sind sie zufriedener als direkt nach dem Studium. Und reicher.Vielleicht vermisse ICH es mehr, regelmäßig Texte von ihnen zu lesen, als SIE es vermissen, solche Texte zu schreiben.

[Max] Du glaubst so sehr an mein Talent. Sorry, dass das hier klingt wie ein Streit.

[Stefan] Ich hatte diesen “Streit” so oft: Wärt ihr ab morgen alle Hedge-Fund-Manager, ich würde euch trotzdem lieben. Blöd nur: Wenn DU die Förderanträge für die AIDS-Hilfe nicht schreibst, schreibt sie halt irgendwer. Aber wenn du keine Reportagen, Essays schreibst… werden diese Texte nie geschrieben. Das fehlt. Mir fehlt es. Immer mehr. Und dir?

[am nächsten Tag:]

[Max] Die Stellenausschreibung galt nur bis vorgestern. Sie wollten Bewerber mit IT- und Programmier-Kenntnissen. Alles bleibt, wie es ist.

ab hier kultur 01.

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Stefan Mesch lebt seit 2009 drei Monate im Jahr in Toronto, als freier Autor und Übersetzer; und neun Monate im leerstehenden Haus seiner toten Großeltern, in der Provinz bei Heidelberg. Texte unter stefanmesch.wordpress.com

Maximilian Mosher schreibt über Film- und Modegeschichte, Politik und Alltagskultur, u.a. für WORN Fashion Journal. 2012 bis 2013 schrieb er 130 Mode-Artikel für ein Online-Portal in Toronto. Jetzt sucht er neue Auftraggeber. Twitter: @max_mosher_

.2013 ab.hier.kultur Max Stefan.

verwandte Links:

Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus in Hildesheim: Interview

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Marlen Schachinger, eine Wiener Autorin und Literaturwissenschaftlerin, befragt für ihre Promotion verschiedene Absolventen der deutschsprachigen Schreibschulen in Leipzig (Link), Biel (Link) und Hildesheim (Link).

Eine gute Gelegenheit, entlang Schachingers (vielen!) Fragen das Hildesheimer Literatur- und Journalismusstudium zu erklären:

Ich selbst war von Herbst 2003 bis Weihnachten 2008 in der Stadt (Link)

…habe 2006 mit 16 Erstsemestern ein 500-Seiten-Buch über den Schreib- und Studienalltag zusammengestellt (Link). Danach zwei Jahre lang eine Zeitschrift für junge Literatur (Link) mitherausgegeben und ein großes Literaturfestival (Link) mitorganisiert…

…bis Ende 2008 dann alle nötigen Seminare und Vorlesungen besucht waren.

Ich ging nach Toronto, für ein Praktikum (Link). Und schreibe seit Mitte 2009 an “Zimmer voller Freunde”, meinen ersten Roman (und zugleich Diplom-/Abschlussarbeit).

Mehr Links und Arbeitsproben hier (Link).

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Marlen Schachinger: Weshalb fiel Ihre Wahl auf Hildesheim?

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Stefan Mesch: Ich habe als Schüler mehrere Stunden pro Tag Tagebuch und Filmkritiken geschrieben und war ein großer Fan von komplizierten TV-Serien wie ‘Babylon 5’, ‘Willkommen im Leben’ oder ‘Neon Genesis Evangelion’.

Mein Traumberuf war damals Showrunner / ausführender Produzent, der (realistischere) ‘Notfallplan’ Fernsehkritiker… und falls alles schief geht, Psychologe.

Nach dem Abitur arbeitete ich für ein Jahr in einem Behindertenheim und suchte online, nebenher, nach guten Studiengängen. Mein Favorit war die Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf in Potsdam (Link), die einzigen beiden Alternativen das Deutsche Literaturinstitut in Leipzig (Link) und der Studiengang ‘Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus’ in Hildesheim (Link).

Alle drei Unis hatten Eignungsprüfungen und verlangten mehrere Arbeitsproben, also schrieb ich im Herbst 2003 eine Handvoll Kurzgeschichten, Essays und Filmkritiken und bewarb mich im Januar, jeweils zum Wintersemester 2004.

Alle drei Institute luden mich zur künstlerischen Eignungsprüfung ein:

Potsdam machte einen tollen Eindruck – die Hochschule, der Lehrplan, die Studenten -, aber das Gespräch fand vor einem Gremium mit 9 (!) Dozenten statt, und ich glaube, ich stotterte sehr defensiv herum – eine Art Verhör, ziemlich kalt und feindselig, und ich selbst schlimm verunsichert / richtungslos.

Die Eignungsprüfung in Hildesheim…

…lief viel besser: eine kurze Begrüßung, eine Schreibaufgabe, für die man sich frei auf dem Gelände bewegen durfte, und dann ein Gespräch mit drei – wachen, lebendigen, interessierten – Dozenten.

Hildesheim ist eine kleine, schroffe, ärmliche, traditionell katholische Stadt, im zweiten Weltkrieg von Brandbomben zerstört und sehr pragmatisch / schmucklos wieder aufgebaut: schöne Natur und ein paar letzte, sympathische Fachwerkhäuser und Kloster/Kirchen, aber kaum Restaurants, kein… bürgerliches Publikum – ein graues, muffiges, pragmatisch-kaltes “Geistesklima” (Link): Trinkerkneipen, Schützenfeste, Spielotheken… sogar der McDonald’s am Bahnhof hat schließen müssen.

Ausgerechnet in diesem Nest, drei Stunden von Berlin, 40 Minuten von Hannover, versammeln sich pro Jahr etwa 150 Kulturwissenschaftler (Link) – drei Viertel davon direkt nach dem Abitur, und 85 Prozent Frauen – und studieren an der Domäne Marienburg (Link), einem idyllischen, kleinen, grünen Mini-Hogwarts am Stadtrand.

Beginnend mit der Prüfung fühlte ich mich dort verstanden, gefördert und gut aufgehoben. Auch, weil die meisten Mitbewerber in meinem Alter – 19 bis 22 – waren: Das Eignungsgespräch am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig, zehn Tage später, machte zwar ähnlichen Spaß… aber ich traf dort vor allem Mittzwanziger, die alle bereits etwas anderes studiert hatten und sich in Leipzig, binnen drei Jahren, den letzten Schliff für ihr eigenes Schreiben und ein paar wichtige Kontakte holen wollten.

Ich hatte das Gefühl, jeder war bereits ausgebildeter Kirchenmusiker (Link), Jurist (Link) oder Steinmetz (Link), und mir in Können und Lebenserfahrung weit voraus.

Das sagte ich dann auch, im Gespräch: Mir erscheint Hildesheim bis heute als der schlüssigere Ort. Jedenfalls für junge Leute, die noch Zeit brauchen.

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Marlen Schachinger: Welche Erfahrungen machten Sie in Hildesheim? Mit dem Lehrbetrieb? Mit ProfessorInnen? Mit StudienkollegInnen? Mit Konkurrenz? Mit Reaktionen von außen (Literaturbetrieb, privates Umfeld, Verlage, Jury-Gremien etc.)

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Stefan Mesch: Das ist eine schreckliche, sehr schlecht gestellte Frage.

Ich war fünf Jahre lang in Hildesheim… und Sie wollen eine Zusammenfassung von… allem?:-)

Ich habe 2006, für das Buch ‘Kulturtagebuch – Leben und Schreiben in Hildesheim’ (Link) zwei längere Texte geschrieben, die ich gerne [Ende September] online stelle und verlinke:

  • eine (recht sachliche) Einführung in das Studienkonzept (Link folgt)
  • …und ein persönlicherer Text über die Jahre 2003 bis 2006 (Link)

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Jährlich bewerben sich in Hildesheim 400 bis 600 “Schreibschüler”. 40 werden zur Eignungsprüfung eingeladen… und zwischen 10 und 20 bilden dann einen Jahrgang. In meinem Jahrgang, 2003, waren das fünf Männer und neun Frauen. Die jüngste Frau war 17. Die älteste 28. Die meisten 19 oder 20.

Fast alle haben das Studium abgeschlossen, und fast jeder von uns verdient heute mit seinem Schreiben Geld: als Literaturkritiker, als Comedy-Autor, als Volontärin bei einer großen Tageszeitung, als Redakteurin im Kultur-Radio, als Lehrbeauftragter – mit Schreib-Seminaren… Ein Freund verdient das meiste Geld als Minnesänger auf Mittelalter-Liverollenspielen.

Ein paar von uns schreiben tatsächlich Romane. Ein paar dieser Romane wurden tatsächlich abgeschlossen… und tatsächlich verlegt.

Und es gibt, bis heute, niemanden in dieser Gruppe, den ich nicht entweder sehr mag… oder sehr hasse.

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Trotzdem darf man sich Hildesheim nicht als kleine, idyllische und abgeschottete “Akademie” vorstellen, in der verschworene Kleingruppen von den Meistern lernen: Noch in den Neunzigern studierten in Hildesheim vor allem angehende Lehrer und Pädagogen – und auch das kulturwissenschaftliche Institut (Link) bildete ursprünglich “nur” Kultur-Pädagogen aus.

Das hat sich – beginnend mit der Umbenennung zu “Kulturwissenschaften und Ästhetische Praxis”, Mitte der Neunziger – immer weiter differenziert: Man verlässt Hildesheim als diplomierter Kulturwissenschafter (Link)… nach ca. neun Semestern in den Studiengängen (Link)

  • Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis (Link)
  • Szenische Künste (Link)
  • Philosophie – Künste – Medien
  • …oder Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus (Link)

Die wichtigsten Vorlesungen und fast alle Projekte / Seminare finden für Studierende all dieser Studienrichtungen statt… und in den Nebenfächern (Psychologie, Soziologie, Politik, Kulturpolitik, Kunst u.a.) stoßen oft auch Studierende aus den anderen drei Fachbereichen der Universität (Link) hinzu – das sind (frappant oft) Leute aus dem Landkreis und der Region, die Lehrer werden möchten und… unendlich viel pragmatischer und weniger elitär sind.

Aber eben auch: viel, viel klarere Ziele haben. Und nur wenig Geduld mit exzentrischen “Künstlern”.

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  1. Inwiefern und wodurch fühlten Sie sich in Hildesheim in Ihrem Bestreben, AutorIn zu werden, unterstützt?
  2. Worin sehen Sie rückblickend die Vorteile dieses bzw. eines solchen Studiums?
  3. Und verglichen mit anderen AutorInnen, die ohne spezifisches Studium/Ausbildung ihren Weg gehen, sich autodidaktisch weiterbilden …: Würden Sie sagen, es ist von Vorteil, in Hildesheim oder an anderen Ausbildungsstätten Seminare zu besuchen? Inwiefern?
  4. Verglichen mit anderen AutorInnen, die ohne spezifisches Studium ihren Weg gehen, sich autodidaktisch weiterbilden … Würden Sie sagen, dass die universitäre Struktur für diese Art von Studium von Vorteil oder Nachteil ist? Weshalb? Wie sollte idealerweise der Rahmen für eine Lehre in diesem Bereich aussehen?
  5. Nehmen bzw. nahmen Sie auch an anderen Aus- und Weiterbildungs-Lehrgängen für AutorInnen teil? Wenn ja, an welchen? Vergleichen Sie diese bitte im Hinblick auf Arbeitsweise, Lehrangebote, Erfahrung kurz miteinander. Wenn nein: Bitte um Ihre Beweggründe?
  6. Wie erging es Ihnen bei Ihrer Abschlussarbeit? Wie seither? Hat die dazwischen liegende Zeit auch Ihren Blick auf Hildesheim bzw. auf den Arbeits- und Lebensbereich AutorIn-Sein verändert? Inwiefern? Haben sich Ansichten bzgl. des Literaturbetriebs verändert?
  7. Welche Auswirkungen hatte der Besuch (möglichst konkret) für Ihr Schreiben? Ihren Werdegang? Hat es Ihren Weg in den Literaturbetrieb geebnet? Wenn ja, inwiefern? Wenn nein: Weshalb nicht?
  8. Welche Ihrer Erwartungen wurden nicht oder nur begrenzt erfüllt?
  9. Wie wird sich durch die Zunahme der Angebote im deutschsprachigen Raum die literarische Szene Ihrer Ansicht nach verändern?

Hildesheim: Best of Youtube

Fünf Jahre lang, von Ende 2003 bis Ende 2008, habe ich in Hildesheim studiert – in einem Studiengang und zwischen Menschen, brillant-exzentrisch-exhibitionistisch genug, um Videos zu drehen wie…

das hier (Freundin Alex, Youtube-Sensation und Sommerhit 2008):

das hier (Freund Johannes, gefilmt am Hildesheimer Hohnsensee):

…oder die – ungleich professionelleren – Clips des Hamburger/Hildesheimer/Lüneburger Trios Phrasenmäher:

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In diesem Post: Hildesheim – eine Stadt, erklärt in acht Videos.

01) Fast 40 Prozent aller Gebäude der Fachwerkstadt Hildesheim – im 19. Jahrhundert bekannt als “Nürnberg des Nordens” – wurde Ende März 1945 bei einem britischen Bombenangriff zerstört:

02) Heute ist Hildesheim – mit knapp 100.000 Einwohnern “die kleinste Großstadt Niedersachsens” – eine graue, traditionell katholische Arbeiterstadt in schöner Landschaft, aber mit schroff-pragmatisch-kleinbürgerlichem Ton:

[unbedingt lesen: die Diskussionsbeiträge unter dem Video!]

03) Ein ungewohnt liebliches, gut gemachtes “Heimatvideo” zur Hildesheimer Landschaft und Natur

04) … und eine liebevoll-alberne (Anti-)Hildesheim-Hymne des ‘Spaß-Musik’-Produzenten Wunderbeer

05) Christian Friedrich, Reporter und Vlogger für die Hildesheimer Allgemeinen Zeitung (Hiaz), stellt Passanten absurde Suggestivfragen (“Das Bisschen Dioxin bringt uns doch auch nicht um, oder?”).

Das ‘Huckup’-Special seiner ‘Friedrich fragt…’-Reihe fällt dabei aus dem Rahmen: großes Kino. Und ein charmanter, lokaler Blick:

kein direkter Link verfügbar – einfach runterscrollen und “Folge 24” öffnen.

06) Wer “irgendwas mit Kultur” machen will, aber nicht schon als Teenager, mit der Wahl des Studiengangs, verbindlich zwischen Theorie und Praxis entscheiden möchte, kann in Hildesheim an der idyllischen Domäne Marienburg die ersten Schritte als Künstler und/oder Kulturvermittler und/oder “Von allem ein bisschen, aber nichts so richtig”-Hipster machen:

Ein Studiengang, der in zehn Richtungen gleichzeitig führen kann… aber viel Willenskraft, Ausdauer und persönlichen Drive braucht – wie dieses (rührende) Promo-Video zeigt: “Mein schönster Moment in Hildesheim? Na ja… die Eignungsprüfung!”

07) Der Domäne Marienburg als beschauliches Mini-Hogwarts steht eine größere Uni entgegen, die vor allem Lehrämtler und Informationswissenschaftler aus dem Stadtkreis ausbildet: ein Siebziger-Jahre-Bau… ein Promo-Video, in dem allein der Uni-Präsident zu Wort kommt… und (verschwindend wenige) nicht-weiße Studenten, die gefilmt werden müssen, um Leitgedanken wie “Internationalität” zu illustrieren (Tokenism ahoi!):

08 ) mein Hildesheimer Lieblings-Video? ‘Goodbye Goodbye’, eine satirische Schlagerfox-Hymne im Stil von Andrea Berg, gefilmt in der Hildesheimer Nordstadtkneipe ‘Die Hütte’ (und also: meiner alten Nachbarschaft):

zwei weitere Kuwi-Projekte, die einen Blick verdienen:

1) Der ‘Where the Hell is Matt?’-Tanz, in Hildesheimer Wald und Flur:

2) “Dislike Erich”, eine schön inszenierte, aber schauspielerisch noch etwas schwache Web-Comedy über einen Kuwi-Loser, der sich in der Hildesheimer Drogenszene verheddert. Folge 1 ist unten. Mehr: auf der Facebook-Fanseite.

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