Open Mike 2012

Open Mike 2012 – 12. November 2012 [Blog-Eintrag 11]

Alle Lesungen des 20. Open Mike: Kurzkritiken

Copyright Foto: gezett.de

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Das ganze Wochenende lang haben Elena Philip [Link] und Victor Kümel [Link] alle Lesungen des 20. Open Mike pointiert und kurz besprochen, kommentiert: Eindrücke. Lieblingssätze. Stimmungen. Ambiente… und Worte zu Format und Handlung.

Lyrik:

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Prosa:

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Open Mike 2012: 12. November 2012 [Blog-Eintrag 10]

große Sätze: die Lyriker des Open Mike

von Stefan Mesch, Open-Mike-Blogger und Finalist/Autor

(Auf dem Open Mike lesen und drüber bloggen? Darf der das…?)

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Als “embedded Blogger” und Journalist begleite ich den 20. Open Mike in kurzen, persönlichen Blog-Snapshots.

Ich bin am Samstag / Sonntag zum ersten Mal beim Wettbewerb… aber konnte JETZT, heute, die Anthologie mit den anderen Texten kaufen. (Erhältlich hier, im Heimathafen Neukölln, am Einlass.)

Darum, ganz subjektiv und kurz: tolle Sätze / Wendungen / Ausschnitte, die ich bei den anderen Teilnehmern / Finalisten las.

Den Anfang, heute: die Lyriker.

[wichtig: immer nur Ausschnitte. und: in Einzelfällen nicht die komplette Zeile.]

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Yevgeniy Breyger:

das paradonton pflanzt sich ausschließlich
autonom, folglich autosexuell fort. das paradonton ist hydrophob
und leidet an chronischer angst vor sich selbst (es scheißt
sich ein, wenn es seinen eigenen schatten sieht).

Ausschnitt: der betroffene beschrieb ein küstentier, meinte sich selbst

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Sascha Kokot:

hinter der Nordkapelle der Oberleitung dem Betonwerk
geraten die Gipfel in Bewegung
brechen die Hänge aus ihrer Kartierung herab
verlegen die Baumgrenze vor
als hätten sie sich sehr lange nur ausgeruht
uns Menschen hier beinah verschlafen

Ausschnitt / kein Titel

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Martin Piekar:

Ich brauche ein kleinwenig Weltschlaf.
Ich lege mich zu den Alben. Zu den Alben.
Die wecken einen recht zeitig.

Ausschnitt: Bastard IIII: Von Argen und von Alben

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Friederike Scheffler

bin kaum aus dem haus, um nichts zu verlieren,
den geschmack nicht oder die flächig geriebene
stelle am kropf. der sturen gans melancholie
musst ich an den kragen.

Ausschnitt / kein Titel

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Michael Spyra

Du bist der Wankelmotor eines Steppenläufers,
der Laufradhamster, der die Tram schon fahren sieht.
Ein Sprinter mit den Attributen eines Säufers
ein Glockenspiel im Beutel, bin ich Eremit.

Ausschnitt: Der Flaschensammler

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Arne Vogelsang

letzte nutzviehgrüppchen
sprengeln auf diesem oder anderem
feld, irgendwie soziale durchhalteparolen
des bedarfs, der brauchbarkeit. hallo
du, heimat, hinterland, vorfeld. du
wieder. fahr mit dem rücken voran.

Ausschnitt: (werben)

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Linus Westheuser und Tristan Marquardt

draußen ging im müll ein fuchs, der sah von weitem recycelt
aus, als könnten wir ihn noch gebrauchen. einbauen. komm rein,
wir führen gerade einen rufmord auf.

Ausschnitt / kein Titel.

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Meine Lieblingszeile, überhaupt, kommt von Martin Piekar:

“Ich musste dieses Gedicht schreiben.”

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2010 schrieb Blogfreund Klaus Hausbalk über Lyrik auf dem Open Mike:

“Sondersituation Lyrik: 15 Minuten Lyrik am Stück sind zu viel, das weiß jeder, immer schon, es wird trotzdem seit Jahren nicht geändert.”

Das mag – im Vortrag, in der konkreten Vorlese-Situation – stimmen. Als Hilfsmittel und Hürde, um tolle Lyriker zu finden, kommt es mir (beim Lesen der Anthologie) sinnvoll und hilfreich vor. Denn ein, zwei gute Gedichte… das klappt. Bei allen hier. Aber 8, 10, 15 Texte? Das scheint mir für Lyriker ein (guter!) Härtetest. Und fast würde ich – privat, persönlich – die AutorInnen prämieren, die diese lange, ausgedehnte Zeit zur Vorstellungen nutzen…

…um einen weiten Raum, Abwechslung, Vielstimmigkeit, Lust am Versuch zu zeigen. Ich bin kein Lyrik-Experte. Und treffe oft vorschnelle (Bauch-)Entscheidungen. Aber als Lyrik-Labor… funktioniert dieser Wettbewerb – durch sein Zuviel und Zulange an Einzeltexten – für mich sehr gut.

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Mehr Infos zu den Lesungen: Link

Mehr Infos zur Geschichte und Programmatik: Link

Artikel / Presse: Link

Open Mike 2012 – 11. November 2012 [Blog-Eintrag 09]

schlechter Verlierer…!

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von Stefan Mesch, Open-Mike-Blogger und Finalist/Autor

(Auf dem Open Mike lesen und drüber bloggen? Darf der das…?)

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Als “embedded Blogger” und Journalist begleite(te) ich den 20. Open Mike in kurzen, persönlichen Blog-Snapshots.

Ich war am Samstag / Sonntag zum ersten Mal beim Wettbewerb:

Die Preisträger?

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  • “Und du? Stefan? Wie geht es dir jetzt…? Bist du sehr enttäuscht?”
  • “Woran lag’s? Was hast du falsch gemacht…?”
  • “Bist du wütend auf die Jury? Hast du dich erholt – oder tut es noch weh?”
  • “Aber du bist wenigstens bei deinen Freunden, ja? Helfen sie dir?”

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Leute…? 700 Schreibende haben Texte eingereicht. 22 wurden (anonymisiert) ins Finale gewählt. Vier Texte wurden prämiert…

…und damit: die übrigen 18 Schreiber-Lebensläufe, Seelen und Egos verletzt, beschädigt, zertrümmert?

Freunde, Vermittler und Besucher schauen uns Verlierer an, als wäre es nur verständlich / menschlich, wenn wir beben, Fäuste ballen und für fünf bockige, pubertäre Minuten alles hinschmeißen. Verdammt – ich habe nicht gewonnen?

  • “Ich habe einen 15-Minuten-Auszug aus meinem Roman eingereicht. Das war suggestiv, kunstvoll / gut genug geschrieben, dass Leute sagten: “Oh, spannend! Wir wählen ihn aus, aus 700 Leuten.” Großer Erfolg, macht mich sehr glücklich.” (mein Facebook-Post nach der Vergabe der Preise. 16 (mitleidige…?) Likes.)

Mehrere andere Texte waren runder. Lyrischer. Preiswürdiger. Besser!

Und, wie Nikola Richter schreibt (Link):

  • “Was sich meiner Meinung nach [in 20 Jahren „Open Mike“-Geschichte] geändert hat, ist die over all Dankbarkeit, überhaupt teilgenommen zu haben. Denn “Finalistin beim Open Mike” ist seit einigen Jahren ein verbreiteter Biographiezusatz. Das war zu meiner Zeit (2000) nicht so, aber da gabs ja auch noch keine Anthologie, keine Gewinner-Lesereisen, keine Workshops. Dankbarkeit ist ja auch erstmal was Schönes und ein so anerkannter Wettbewerb für junge Literatur auch. Glückwunsch an dieser Stelle!”

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Freundin Jule, erzähle ich oft jedem, der es hören will, hat – als Autorin, Theatermacherin, Jongleurin verschiedenster Projekte – eine große Lebens-Regel:

  • Bewirb dich auf fünf unterschiedliche Stellen / Preise / Projekte. Hab fünf Bälle in der Luft.
  • …und erst, wenn diese fünf Dinge gescheitert sind – alle fünf, am Stück – hast du das Recht, zu jammern.

“Du hattest Recht!”, verstand ich letztes Jahr: “Deine Regel stimmt! Von fünf Sachen gelingen mir immer zwei bis drei – das ist eine verlässliche, beruhigende, tolle Quote. Kein Grund, unglücklich zu sein.”

“Stefan…?”, Jule zögert. “Ich habe das nie gesagt. Du verwechselst mich. Oder hast das selbst erzählt – irgendwann!” Sie lacht. “Aber es stimmt. Oft klappen sogar 4 von 5 Projekten!”

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Mein Romanauszug… als Teil der besten 20 Texte, bei 700 Bewerbern? Eine Ehre.

Das Wochenende? Mit allen Gesprächen, Begegnungen, Texten, Potenzial? Ein Highlight.

Mental, in einer “gefloppte vs. erfolgreiche Projekte”-Liste, gehört dieses Wochenende – ohne Fragen – auf die “erfolgreich”-Seite. Nichts daran macht mich unglücklich oder unzufrieden…

…bis auf die Facebook-Nachrichten der Freunde: “Kopf hoch!”, “Es ging nur um den Spaß, denk dran!”, “Tröste dich!”

Verhalten sich Open-Mike-Verlierer traditionell wie… Anakin Skywalker? Enttäuscht? Voller Hass? Wütend auf die ganze Welt?

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Und die Gewinner? Sandra Gugics zweiter Platz freut mich sehr. Joey Juschka… und ihr Tonfall, Humor, ihre Welt, ihr Blick auf Gender/Frauen… ist mir sympathisch: unbedingt mehr! Martin Piekars Lyrik wirkt auf mich oft zu schwülstig – aber sein Gestus, seine Präsenz und seine Persönlichkeit machen Spaß: Schreib auf, wie du dieses Wochenende erlebt hast. Schreib auf, für wen – und: gegen wen! – du schreibst!

Der Gewinner – Juan S. Guse, selbst aus Hildesheim; wir kennen uns nicht – brummt vor Potenzial. Tolle Stimme. Sprachmacht. Leiser Humor. Ein überzeugendes Gesamtpaket. Ich habe – als Ex-Redakteur von BELLA triste (Link) – gefühlte 40 Texte gelesen, in denen ähnliche Bilder, Motive, Rhythmen und Stimmungen unheimliche Erzählräume bauen; und habe da eine private… Aversion:

Stille, abwesende Frauen mit exotischen Namen. Tote Tiere, bedeutungsschwanger in die Natur drapiert – mich deprimiert, wie störrisch diese Formel als große Short Story verstanden wird: Ich hoffe, ich klinge nicht wie ein schlechter Verlierer, wenn ich mir für Juan buntere Erzählwelten wünsche. Mehr Leben. Mehr Figuren. Weniger Memento-Mori-Archaik.

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Ich freue mich auf den Workshop, Anfang Februar! Danke fürs Lesen. Bald mehr!

Open Mike 2012 – 11. November 2012 [Blog-Eintrag 08]

“Hast du… ERFOLG?” [Open Mike: Sonntag]

von Stefan Mesch, Open-Mike-Blogger und Finalist/Autor

(Auf dem Open Mike lesen und drüber bloggen? Darf der das…?)

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Als “embedded Blogger” und Journalist begleite ich den 20. Open Mike in kurzen, persönlichen Blog-Snapshots.

Ich bin am Samstag / Sonntag zum ersten Mal beim Wettbewerb.

…und glücklich.

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  • “Der Open Mike ist feierlicher, respektvoller, viel konzentrierter, als ich dachte!”, lobt S.
  • “Die alte Location (Link) sah aus wie eine Schulaula. DAS hier, Neukölln, ist ein großer Schritt!”, sagt M.
  • “…und warte auf Februar! Dann fahrt ihr Finalisten zu einer Schreibwerkstatt. DAS hat mir meisten gebracht – und war die beste Erfahrung!”, erzählt [ehemalige Finalistin] V.

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Die Texte der Lyriker [Link] konnte ich im Lauf der letzten Tage – immer, wenn Zeit blieb – lesen. Meine Lieblingssätze finden [Link] – und erste, private Favoriten. [Spannendste Bandbreite, Potenzial, „Da will ich mehr lesen?“: Michael Spyra (Link). Bestes Gesamtbild Auftritt, Sprache, Motive: Yevgeniy Breyger (Link).]

Fürs konzentrierte Lesen der Prosatexte blieb immer noch keine Zeit: Privat sind mit die [klugen!] Beziehungs- und Alltagswelten von Sandra Gugic [Link] und Hildesheimfreundin Juliane Link [Link] sehr sympathisch. Nina Lörkens “Die Balz des Blaufußtölpels” ist glänzend geschrieben. Lust auf mehr / Größeres machten mir Verena Boos [Link] und Joey Juschka [Link].

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“Und du? Was machst DU jetzt…? Warst du erfolgreich? Hat es… geklappt?”, blinken die Facebook-Messages meiner [Nicht-Berlin-]Freunde.

“Es war gut! Ich fühle mich wohl. Das Publikum war toll, und die Signale in meinem Text wurden verstanden: Ich durfe lesen. Vor Lesern, Menschen, für die ich dieses Buch schreibe. Großes Privileg. Und großes Vergnügen!”

“Aber warum hat diese Frau dann `Meschmasch` [Link] geschrieben?”, mailt meine Mutter.

Ich rolle die Augen:

  • Macht es Sinn, vor meinem Auftritt neue Schuhe zu kaufen? [Ja.]
  • Kopf rasieren – oder Haare länger lassen? [Länger ist besser. Weil wir Autoren mit Haarausfall eh unschön gleich / uniform aussehen.]
  • Bloggen UND Lesen? Klappt das? Oder kommt etwas zu kurz? [Nein. Genau richtig!]
  • Vor der Lesung frei sprechen? Erlaubt? Sympathisch? [Ach ja… glaube schon.]
  • Nach der Lesung, zum Runterkommen, von Vea Kaisers Baldrian nippen? [Geschadet hat es nicht.]
  • “Zimmer voller Freunde”-Leseprobe machen, vorher? [Ja.]
  • “Zimmer voller Freunde”-Leseprobe den Facebook-Freunden anbieten? [Ja. Kluges, motivierendes Feedback!]
  • “Zimmer voller Freunde” auf CD brennen, und eine Spindel Rohlinge einstecken?

“Stefan! Das sieht TOTAL verzweifelt aus! Leg dieses ZEUG weg!”, bitten meine Freunde.

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Ich merke, im Lauf dieser Tage: Mein “Open Mike”-Narrativ, meine “Open Mike”-Geschichte, verzerrt sich viel zu schnell in den großen, nervösen Gedanken:

“Stefan? Vermassle es nicht.”

Die falschen Schuhe? Der falsche Text? Der falsche Zugang, als Blogger?

Ich fühle mich wohl. Das hier… funktioniert, für mich. Ich habe Spaß. Ich bin hier richtig.

Aber wenn ich heim reise, am Mittwoch… sind dann die Fragen:

  • Warum hast du nicht gewonnen?
  • Warum hast du keine 20, 50 neue Lektoren- und Agenten-Visitenkarten?
  • Was war dein Fehler? Was brach dir – deinem Auftrit, deinem Text – das Genick?

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Die falsche Frage:

Als Kritiker, BELLA triste-Redakteur habe ich den Open Mike schon länger im Blick. Und dachte immer: Gut – hier wird sehr schnell, effektiv, einmal im Jahr Literatur GESIEBT, drei, vier gute Autoren entdeckt, aus 700 Bewerbern, 20 Finalisten.

Jetzt, als Teilnehmer, sehe ich die Ambition und den Gestus, der dahinter steht: drei, vier gute Namen… die fände man auch ohne Finale. Anthologie. Zwei Tage im Ballsaal. Workshops und Symposien: Die Literaturwerkstatt Berlin will Autoren fördern. Aufbauen. Miteinander ins Gespräch bringen.

Dabeisein ist nicht alles. Aber schon verdammt viel!

Die Preisverleihung? Heute, am frühen Abend. (16.30 Uhr? 17 Uhr? Später?)

Holt meine Leseprobe: 60 Seiten “Zimmer voller Freunde”, als .doc. Und 30 Minuten Lesung. Ich stehe hier irgendwo – mit einer CD-Spindel. :-)

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Mehr Infos zu den Lesungen: Link

Mehr Infos zur Geschichte und Programmatik: Link

Artikel / Presse: Link

Open Mike 2012 – 10. November 2012 [Blog-Eintrag 07]

“Zimmer voller Freunde”: meine Open-Mike-Lesung

“Kuckst du ‘Mad Men’?”, fragte ich einen Freund, im Frühling.

“Ich weiß, wie viele Leute ‘Mad Men’ mögen…”, antwortete er. “Aber jedes Mal, wenn es im Fernsehen läuft, schalte ich in dieselbe Szene: eine Frau sitzt am Schreibtisch. Eine andere Frau tritt hinzu. Sie sagt: ‘Hier ist der… Tacker.’ Dann starren sich beide an – schweigend und ernst.”

Ich bin auf Seite 300 eines Romans (Link) mit Dutzenden Figuren, Wendungen, Konflikten. Ich habe 15 Minuten Zeit für diese Lesung. Das reicht nicht, um ein Panorama aufzuspannen, alle Figuren zu erklären.

Wofür bleibt Zeit?

Für eine “Hier ist der… Tacker.”-Szene.

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  • Das Licht? Warm. Freundlich.
  • Das Publikum? Anspruchsvoll. Wach / konzentriert.
  • Mein Vortrag? Entspannt! (Huch? Kein Lampenfieber, kein Haspeln.)
  • Mein Text? 15 Minuten, ab Seite 220: Sonja und Frank. Stoffs Party-Zimmer. Ein schmutziger Pool. Ein “Tacker!”-Moment.

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  • …als Dritter gelesen, vor ausgeruhtem Publikum. Guter Zeitpunkt / Slot!
  • schwierig / unsympathisch: dass die Lektoren, die den Autor eingeladen haben, einleitende Worte sprechen. Den Autor vorstellen. Und Wendungen, Motive, Stimmungen des Texts benennen – noch bevor der Text gelesen wird.
  • großes Glück: dass Birgit Schmitz (Berlin Verlag), die “Zimmer voller Freunde” auswählte, dem Text eine Hammer-Vorstellung schenkt, und die richtigen Fragen stellt: Ist das Pop? Oberfläche? Ironie? Namedropping?
  • “Hier läuft doch noch was anderes…”, knurrt ein Ermittler in “Salt” [mit Angelina Jolie]. Birgit Schmitz sagt: Kuckt hin. Findet die Zwischentöne. Das andere. [Yeah! Danke!]
  • schade / verschenkte Chance: dass die Jury (Silke Scheuermann, Thomas von Steinaecker, Marcel Beyer) schweigen muss, und erst zur Verkündung der Gewinner kurz spricht.
  • die Freunde…? Loben mein “Tacker”-Intro und meinen Vortrag.
  • aber…: “Stefan? Pass auf: Kaum jemand konnte verstehen, dass Frank viel jünger ist als Sonja. Dass Sonja Maklerin ist. Wie Timo in die Szene passt, und Franks Eltern. Der Text hat Sog – aber diese Verrätselung braucht kein Mensch! Sag das nächste Mal klar: Sonja ist 37. Frank 18. Das muss sein!”

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und: Anika war hier! Sebastian. Simone. Kai. David! “Nimm erstmal Baldrian”, sagt Vea. “Du bist ganz durcheinander…!”

Ich bin fahrig. Glücklich. Umgeben von Freunden. Wach / aufgekratzt. In meinem Element.

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Open Mike 2012 – 9. November 2012 [Blog-Eintrag 06]

Open Mike: Freitag / Vorprogramm [Fotos]

“Erntelesung” mit Open-Mike-Teilnehmern/Gewinnern von 2009 und 2010: Matthias Senkel, Moderator Kolja Mensing, Vea Kaiser, Levin Westermann

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Nur kurz, und nur als Galerie: Ein paar Fotos der beiden Veranstaltungen des Open-Mike-Vorprogramms 2012:

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Freitag, 9.11. 14 -18 Uhr
Kolloquium „Der Rohstoff des Schreibens – Literarische Stoffe“
– nicht öffentlich-
Podium: Marcel Beyer (Autor, Dresden), Julia Schoch (Autorin, Potsdam), Heinz Drügh (Literaturwissenschaftler, Frankfurt), Clemens Meyer (Autor, Leipzig)
Moderation: Ina Hartwig (Literaturkritikerin, Frankfurt)
Ort: Heimathafen Neukölln,  Karl-Marx-Straße 141, 12043 Berlin
Eine Gemeinschaftsveranstaltung der Literaturwerkstatt Berlin und der Crespo Foundation in Kooperation mit dem Heimathafen Neukölln. Mit freundlicher Unterstützung des Fachbereichs Kultur des Bezirksamtes Neukölln.

Freitag  9.11. 20:00 Uhr
Leben und Schreiben nach dem open mike
In Lesung und Gespräch:  Vea Kaiser (Wien), Matthias Senkel (Leipzig) und Levin Westermann (Biel)
Moderation: Kolja Mensing (Literaturkritiker, Berlin)
Ort: Heimathafen Neukölln,  Karl-Marx-Straße 141, 12043 Berlin
Eintritt 5 EUR/erm. 3 EUR
Eine Gemeinschaftsveranstaltung der Literaturwerkstatt Berlin und der Crespo Foundation in Kooperation mit dem Heimathafen Neukölln. Mit freundlicher Unterstützung des Fachbereichs Kultur des Bezirksamtes Neukölln.

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und später, auf dem auf dem Nachhauseweg Richtung Kottbuser Tor gefunden:

Open Mike 2012 – 7. November 2012 [Blog-Eintrag 04]

Noch 2 Tage – Hildesheim-Schlaffis!

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von Stefan Mesch, Open-Mike-Blogger und Finalist/Autor

(Auf dem Open Mike lesen und drüber bloggen? Darf der das…?)

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Als “embedded Blogger” und Journalist begleite ich den 20. Open Mike in kurzen, persönlichen Blog-Snapshots.

Ich bin am Samstag / Sonntag zum ersten Mal beim Wettbewerb.

Hildesheimfreund, Ex-“BELLA triste”-Herausgeber und Open-Mike-Blogger Victor Kümel hat schon mehrere Open Mikes besucht.

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Stefan: Du warst seit Jahren immer wieder auf dem Open Mike…

Victor: Ich war 2006 das erste Mal da, aus einem “junger Autor”-Selbstverständnis heraus, das war so ein Termin wie die Buchmesse: Das ist mein Feld, ich muss da hin, auch wenn ich noch keine Funktion dort habe. Außer sozusagen als Angehöriger – meistens haben Freunde oder Bekannte gelesen.

Stefan: Nein. Mir ist diese Funktion sehr wichtig: Ich habe von 2003 bis 2008 in Hildesheim studiert, und kam dann 2011, als du / ihr das dritte PROSANOVA-Festival veranstaltet habt, zum ersten Mal wieder zu Besuch. Alle sagten: “Toll! Was machst du hier? Hast du eine Lesung? Moderierst du? Bist du zurück an der Uni?”

“Ich kucke mir nur das Festival an. Ein normaler Besucher.” – “Oh. Wie schade für dich…!” Flüchtige Hildesheim-Bekannte hatten fast… Mitleid. Ich fühlte mich wohler, als ich Fotos machte und anfing – wenigstens – für die Festivalzeitung zu schreiben: Schon eine Kamera hilft mir total, umherzugehen und zu wissen: “Ich habe eine Mission. Ich kann etwas FINDEN. Ich bewege mich hier (auch) als Sammler, Entdecker, Auge einer größeren Öffentlichkeit.”

Deshalb freut mich diese Liveblog-Aufgabe so sehr: Mal sehen, wie viel ich – am Freitag, Samstag, Sonntag – tatsächlich bloggen kann. Für mich macht es einen großen Unterschied. Zu wissen: Ich bin nicht nur… “für mich” hier unterwegs.

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Victor: Hat das irgendeine Relevanz für dich: Einer von fünf Hildesheimern zu sein, die am Wochenende beim 20. Open Mike lesen? Fühlst du dich positiv mit dem Studiengang/Ort/Label “Hildesheim” verbunden… oder geht es dir auf die Nerven?

Stefan: Robin Thiesmeyer und Leif Randt – Hildesheimfreunde, von deren Arbeit ich viel halte – waren 2006 im Open-Mike-Finale. 2007 Sara Schüller, 2008 Freunde Lino Wirag und Anne Köhler, 2009 Lutz Woellert.

Im selben Jahr – 2009 – war ich zurück in der Nähe von Heidelberg, begann meinen Roman. Und etwas Neues passierte: Studenten aus Hildesheim, die ich kaum persönlich kenne, traten beim Open Mike auf. Sebastian Polmans, Vea Kaiser sind gute Freunde meiner Freunde. Aber ihr Hildesheim ist anders – neuer! – als mein Hildesheim (Link).

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Victor: Finalisten, die Kulturwissenschaften oder Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus studier(t)en, sind dieses Jahr Juan S. Guse, Juliane Link, Yevgeniy Breyger und Alina Herbing.

Stefan: Yevgeniy sagte kurz auf Facebook “Hallo”. Wir haben acht Sätze gewechselt – aber ich habe jetzt schon großen Respekt vor ihm. Er ist… wach. Jemand, der keine Lügen oder Heucheleien duldet. Juliane hat schon 2008 bei PROSANOVA mitgemacht. Ich durfte ihren Open-Mike-Text lesen, und freue mich über den… Boost: Ich hoffe, sie schreibt immer weiter. Juan und Alina kenne ich noch nicht, privat.

2008 nannte Ann Cotten uns drei, vier männliche (damalige) BELLA triste-Redakteure “Hildesheimer Bubi-Mafia”. Zur selben Zeit sagte ein Hildesheimer Nicht-Freund mal: “Jaja – wir Hildesheimer. WIR erkennen uns am Stallgeruch.”

Der Dünkel, der pubertäre Muff, die eklige “Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus”-Haltung, die da mitschwang, widert mich an: Wir sind kein Harry-Potter-Internat, und keine stickige Privatschule. Hildesheim ist… proppenvoll mit tollen, schwierigen, kämpferischen Menschen. Ich habe sehr viel gelernt, sehr gerne studiert [wenn auch: super-ungern, spärlich gelebt], und freue mich über jedes neue Buch, das sich die Leute, die dort arbeiten, abtrotzen.

Ich lese, so viel ich kann – und keines dieses Bücher machte es sich leicht, oder wirkte… einfallslos, standardisiert.

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“Die Absolventen [der „Schreibschulen“ in Hildesheim und Leipzig] können alle ganz gut schreiben, und sie machen nichts falsch. Dass sie meistens gar keinen Stoff haben, fällt zunächst nicht auf. […] Subjekt Prädikat Objekt. Knappe Aussagesätze im Präsens. Beziehungsgeschichten, Beiläufigkeiten, Belanglosigkeit. Am besten girliemäßig und selbstbewusst.”

…klagte Helmut Böttiger vor Jahren in der SZ.

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Stefan: Klar ist es Irrsinn, mit 19 oder 20 zu entscheiden: “Jetzt lebe ich für 9 Semester in der Provinz, studiere mit Kulturwissenschaftlern, besuche Schreibwerkstätten – und für den Rest meines Berufslebens verdiene ich dann Geld, mit meinem eigenen Schreiben.”

Aber es ist auch irrsinnig toll, dass es dieses Studium gibt. Dass Leute anfangen. Durchhalten. Und ein gutes… Fünftel (?) aller Absolventen mittlerweile tatsächlich eigene Romane oder Lyrik veröffentlicht – gegen alle Sinn- und Wirtschaftskrisen.

2010 war Studiengangsleiter Hanns-Josef Ortheil Juror beim Open Mike. Brigitte Preissler schrieb in der Frankfurter Rundschau:

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“Für Schreibschulkritiker bestand kein Anlass, sich über die geringe Zahl von [am Open Mike teilnehmenden Schreibschul-]Absolventen in diesem Jahr zu freuen. Es waren zwar nur vier, […aber] drei gehörten zu den Siegern. Etwas schwer fällt es da schon, hier keinen Kausalzusammenhang zu sehen; zwischen den drei deutschsprachigen Schreibschulen in Biel, Leipzig und Hildesheim bestehen schließlich enge Netzwerke.”

“Kurioses Milchgesicht”, Brigitte Preissler, Frankfurter Rundschau

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Stefan: Preisslers Unterstellung…? Dass Ortheil seine Studenten prämiert – auch, um diese Schreibschul-Welt zu rechtfertigen und zu stützen. Schmierig. Zynisch. Schlicht gestrickt.

Ich denke, jeder Hildesheimer Schreiber hat bei seinen Auftritten das Problem / die Verantwortung, dass er nicht nur für SICH bewertet wird, sondern immer auch als “Schreibschüler” verhandelt.

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Victor: Echt, so schlimm ist das – du gehst auf die Bühne und siehst dich als Schreibschüler in der Verantwortung?

Ich denke bei “Hildesheim” genauso an Theater- und Filemmacher, Musiker, Kuratoren usw., und ich hab das Gefühl, dass die alle viel entspannter damit umgehen, “Hildesheim” als Label zu verstehen.

Stefan: Als Mann / Frau, als Migrant, als Lyriker (yeah!) usw. repräsentiert man ja auch immer eine Gruppe – und dem Label “Schreibschüler / Hildesheimer” verleihen wir Farbe, Gesicht, Stimme. Das ist nicht schlimm. Ich trage diese Verantwortung gerne.

Problematisch sind…

  • die “Mafia”-, “Bubi”- und “Strippenzieher”-Vorwürfe… und die Vorstellung, dass eine Gruppe – noch mit den dümmsten, miesesten Tricks – gegen ein freies, unverschultes “Außen” kämpft.
  • der “Mach du erstmal Erfahrungen! Wo ist dein Thema?!”-Vorwurf.

Welchem Physiker, Steinmetz, Komponisten wirft man vor, dass er bei Physikern, Steinmetzen, Komponisten in die Lehre ging – statt erstmal Jurist zu werden, wie Juli Zeh, oder Autohändler, wie Kurt Vonnegut? Ich hätte mir kein zweites Studium leisten können – zeitlich wie finanziell:

Hätte ich mit 20, zur Sicherheit, “erstmal” Psychologie in Köln studiert… ich wäre heute wahrscheinlich kein sehr guter (oder: glücklicher) Psychologe. Und (mit Sicherheit!) nicht halb so weit in meinem Schreiben.

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Mehr Infos zu den Lesungen: Link

Mehr Infos zur Geschichte und Programmatik: Link

Artikel / Presse: Link

Open Mike 2012 – 6. November 2012 [Blog-Eintrag 03]

Noch 3 Tage – wird es GROSS…?

von Stefan Mesch, Open-Mike-Blogger und Finalist/Autor

(Auf dem Open Mike lesen und drüber bloggen? Darf der das…?)

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Als “embedded Blogger” und Journalist begleite ich den 20. Open Mike in kurzen, persönlichen Blog-Snapshots.

Ich bin am Samstag / Sonntag zum ersten Mal beim Wettbewerb.

Hildesheimfreund, Ex-“BELLA triste”-Herausgeber und Open-Mike-Blogger Victor Kümel hat schon mehrere Open Mikes besucht.

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Stefan: Wir werden – das ganze Wochenende über, in einem Vierer-Team – über die Lesungen bloggen. Du klingst sehr… euphorisiert.

Victor: Ich fands einfach spannend, was gerade beim Open Mike passiert. Dieser Wettbewerb ist einer der wichtigen Knotenpunkte der jungen Literatur. Da kann man was draus machen, wenn das online geht (…das klingt fast so wie: “an die Börse geht”).

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Stefan: Zum Klagenfurter Bachmannpreis gibt es Livestreams und Autorenportraits – doch zum Open Mike nicht mal Video-Trailer auf Youtube: Das Plakat ist schön. Und jedes Jahr gibt’s große Artikel. Aber so medial / viral… nichts.

Victor: Vermutlich hat man da bisher keine Notwendigkeit gesehen. Man kann das ja auch als mehr oder weniger halböffentliches “Betriebsevent” fahren. Aber ich glaube, da passiert gerade einiges.

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Stefan: Nein. Sie lassen 23 Autorinnen und Autoren anreisen. Buchen eine Jury (Link), planen eine Lesereise (Link) für die Gewinner, Schreibworkshops (Link) in mehreren Städten, geben die Texte als Buch raus (Link) und machen Pressearbeit…

Wäre das (einzige) Ziel des Open Mike, jedes Jahr drei tolle Texte zu finden, drei junge Autorinnen / Autoren auszusieben… bräuchte man keine eigene Anthologie. Keine öffentliche Jury. Keine Lesungen. Als Leser / Literaturkritiker dachte ich bisher ziemlich pragmatisch: “Prima. Die Literaturwerkstatt Berlin bringt jedes Jahr drei, vier neue Namen ins Gespräch. (Link) Und ein, zwei Jahre später kommen oft die ersten Romane (Link).”

Mir kam das vor wie ein Auswählen / Sieben / Sortieren. Doch würde es NUR darum gehen, um die Gewinner, könnte man das aufwendige Programm einstampfen, oder? Ich habe das Gefühl, der Open Mike leistet / will mehr.

Victor: Ja komisch – jetzt, wo du es sagst. Ich habe den Open Mike eigentlich immer eher so verstanden: Eben als Wettbewerb, als mehr oder weniger formaler Vorgang, der da abgewickelt wird. Und die vielen Besucher waren eigentlich gar nicht vorgesehen, das ist irgendwann so eingerissen, dass das als Betriebsausflugsziel wahrgenommen wird. Es gibt ja zum Beispiel keine Party dort, keine lockeres Abend- oder Rahmenprogramm. Und tatsächlich öffentlich ist es ja auch nicht, die Jury zieht sich zurück und braucht zu lange und alle stehen draußen und rauchen und warten auf die Verkündung. Um es eben als Erster mitzukriegen, um live dabei zu sein, diesen ganzen Prozess mitzukriegen und mitzuspekulieren, wer das Rennen macht…

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Stefan: Würdest du als normaler Besucher kommen? Macht das Spaß / Sinn für dich – 15-Minuten-Texte, ein Wochenende lang? So als Format / Event?

Victor: Ich weiß nicht, ich glaube “normale Besucher” gibts da gar nicht so richtig. Ich sehe den Open Mike auch nicht wirklich als Lesungsformat, das in dem Sinne für das Publikum gemacht ist. Im Grunde ist das ein recht unbehauener, überfordernder Materialhaufen, da geht man eher als Bergsteiger hin, als Marathonläufer, Pilger vielleicht. Mir macht so was Spaß, ich glaube das liegt zu einem guten Teil auch an der Reisegruppe, mit der man da unterwegs ist.

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Stefan: Was sind deine “Reisegruppen”-Erfahrungen? Sitzt man mit zwei, drei Freunden im Publikum und schimpft, lacht, gähnt, feiert die Lesenden? Steht man in großen Gruppen an der Bar, lernt fünf Dutzend neue Leute kennen? Oder gibt es sogar dieses “Wir sind Betrieb, und heute sind wir ALLE hier!”-Gefühl wie beim Bachmannpreis…?

Victor: Ja, genau so, das alles. Dieses ganze Drumherum gehört schon absolut dazu, finde ich. Ich weiß nicht, ob es ohne das für mich funktionieren würde – vielleicht wieder, wenn ich sonst mit all dem überhaupt gar nichts zu tun hätte. Dann könnte ich mich da zwei Tage reinsetzen und sagen: “Aha, das ist also diese junge Literatur, das ist ja unheimlich spannend, was die jungen Menschen heute so machen.”

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Stefan: Die meisten DIESER (Link) Journalisten scheinen beim Open Mike etwas zu vermissen: Die üblichen “politischen”, “wichtigen” Aufrüttel-Themen… aber auch… bestimmte Auftritte / Skandalisierungen auf der Bühne? Eine (dringlichere?) Atmosphäre?

Victor: Na ja, was man als Journalist halt so vermisst. Was die Alten den Jungen halt so vorwerfen. Da gibt man sich als besonders aufmerksamer und kritischer Gegenwartsbeobachter, dabei ist das eine konstante Reibung, die doch ziemlich wenig über sich selbst hinausweist, oder? Mich ärgert dieser Gestus immer, sich da mit seinem kleinen persönlichen Einkaufszettel reinzusetzen und sich aufzuregen, was wieder nicht dabei war. Statt wirken zu lassen: Was ist da? Was passiert da?

Würdest du das denn begrüßen, wenn beim Open Mike die Lese-Performance mehr im Vordergrund stehen würde, mehr Autoren das machen würden? Machst du was in diese Richtung oder hast du darüber nachgedacht?

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Stefan: Wo, wenn nicht hier? Klagenfurt ist zu gesetzt – und der Open Mike WILL jung sein und neue Formen / Formate auszeichnen, oder? Was wird denn prämiert von der Jury, zum Schluss: Der reine Text? Oder das Gesamtpaket Autor, Vortrag, Material? Ich bin kein sehr performativer Autor, und oft so trottelig, dass schon mein Laptop abstürzt, oder ich den Beamer nicht angeschlossen kriege. Aber als Zuschauer / Lektor fände ich es interessant, wenn der Aspekt “Performanz” gewichtet wird, ja:

Wenn ich Leuten erklären soll, von welcher Stimmung, welcher Generation und welchen Milieus mein Roman handelt, habe ich oft Angst, dass es abstrakt klingt oder zu alltäglich / banal – also habe ich angefangen, auf zimmervollerfreunde.tumblr.com Fotos für eine Art “visuelles Exposé” zu sammeln. Das kucken Leute sehr gerne durch (VIEL lieber, als sie eine Inhaltsangabe lesen!), und sie verstehen sehr schnell, woran ich arbeite.

Ein Ipad o.ä. auf die Bühne zu bringen und solche Fotos ablaufen zu lassen, begleitend zum Text, ist kein großer Aufwand. Oder – bei späteren Lesungen – Film- und Seriendialoge zu sampeln, in denen im Roman die Rede ist.

Beim Open Mike auf die Bühne zu kommen – mit so einer… Dia-Show – würde, glaube ich, Leute eher irritieren: “Wem will er was beweisen?”, “Oha – ein iPad. Ohne geht’s heutzutage gar nicht mehr?”, “Hat er SO wenig Vertrauen in seine Sprache, dass er uns parallel dazu mit Bildern zuballern muss…?” usw. usw.

Halt NOCH eine Angriffsfläche.

Victor: Ich fänd das ziemlich großartig, wenn du die “Zimmer”bilder zum Text durchlaufen lassen würdest. Mir würde das gefallen.

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Open Mike 2012 – 5. November 2012 [Blog-Eintrag 02]

noch 4 Tage – WAS passiert…?

von Stefan Mesch, Open-Mike-Blogger und Finalist/Autor

(Auf dem Open Mike lesen und drüber bloggen? Darf der das…?)

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Als “embedded Blogger” und Journalist begleite ich den 20. Open Mike in kurzen, persönlichen Blog-Snapshots.

Ich bin am Samstag / Sonntag zum ersten Mal beim Wettbewerb.

Hildesheimfreund, “BELLA triste”-Herausgeber und Open-Mike-Blogger Victor Kümel hat schon mehrere Open Mikes besucht.

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Stefan: Vier Stunden Lesung am Samstag, vier Stunden Lesung am Sonntag. Jedes Mal vor einer dreiköpfigen Jury, und 15 Minuten Vorlesezeit pro Text. Überall, in allen Artikeln, wird der Wecker erwähnt, der auf der Bühne steht und klingelt, wenn ein Autor überzieht. Kommt das tatsächlich noch vor? Und bringt es zusätzliche Spannung? Oder ist das ein Relikt / eine Notlösung aus den Anfangszeiten?

Victor: Ja, kommt selten vor – aber hab ich schon erlebt. Aber meistens sinds dann nur noch zwei drei Sätze, und die lässt man dann auch noch durchgehen. Dass jemand wirklich runtergeschickt wird, hab ich noch nicht gesehen.

Ich erinnere mich dunkel, dass irgendein Jurymitglied das mal als Zeichen der Konformität junger Autoren gedeutet hat: Dass niemand mehr überzieht, gegen den Wecker, gegen die Formalia rebelliert (bla bla gähn).

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Stefan: Die Jury – dieses Jahr: Silke Scheuerman, Marcel Beyer und Thomas von Steinaecker – sitzt am Rande der Bühne? Und fällt direkt im Anschluss an den gelesenen Text ein Urteil? Oder warten sie, bis alle Texte vorgelesen wurden?

Victor: Nein, sie stellen immer nur “ihre” Kandidaten vor, bevor sie lesen [Stefan: Die Lektoren stellen vor – nicht die Juroren.]. Sonst sitzen sie da, seitlich von der Bühne an einem Tisch, und hören. Manchmal kann man in ihren Gesichtern Widerwillen, Freude, Langeweile ablesen. Am Schluss geben sie die Preisiträger bekannt und verlesen die Jurybegründung.

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Stefan: Wie groß sind Unterhaltungswert, Dynamik und Chemie dieser Jury? Hast du Erfahrungen (und: Favoriten) aus den Vorjahren? Gibt es harte Diskussionen, wie in Klagenfurt?

Victor: Die Besprechung ist nicht öffentlich. In der Jurybegründung wird das schon immer so ein bisschen mittransportiert – waren sie sich einig, war es schwer etc., manchmal auch explizit benannt, wenn einer sagt: Okay, das ist jetzt Mehrheitsurteil, ich möchte aber nochmal für mich erklären, dass ich ein anderes Ergebnis wollte… aber eher selten.

Meistens verliest einer für die Jury die gemeinsame Erklärung. Ich glaube, deshalb brauchen die auch immer so lange. Nicht, um sich zu einigen, sondern um diesen Text zu schreiben.

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Stefan: Pünktlich zur Veranstaltung veröffentlicht der Allitera-Verlag die Texte alller Teilnehmer als Anthologie. Benutzen Jury und Publikum diese Texte als Programmheft / Transkript? Liest man den Text, während der Autor ihn vorträgt, parallel mit? Liest man die Texte oft schon vorher / Freitag oder Samstag Nacht? Kennt die JURY bereits alle Texte?

Victor: Ja, viele lesen da mit. Ob die Jury alle Texte vorher schon kennt, weiß ich nicht, ich gehe aber davon aus.

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Stefan: Du sagst, Performance und das “Ereignis” Lesung spielen keine sehr große Rolle. Gibt es Autoren, die besondere Lesungsformate ausprobieren? Duos? Jongleure? Powerpoint-Präsentationen? Filmeinspieler?

Eine Harfinistin, ein Einrad, prächtige Abendkleider…? Oder bleibt alles sehr nüchtern?

Victor: Nein. Totales Wasserglas (Link). GANZ selten jemand, der sich was ausdenkt, dann aber auch wirklich die üblichen Verdächtigen. Jörg Albrecht, Leif Randt. Aber sonst …

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Stefan: Was macht am meisten Spaß? Worauf freust du dich?

Victor: Na ja, ich freu mich tierisch aufs Schreiben da, klar. Der Punkt “Freunde treffen” wird dadurch eher n bisschen kleiner ausfallen.

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Stefan: Und dann…? Samstag und Sonntag Abend… wird gefeiert? Getrunken? Getanzt, gar? Oder sagen alle “Oh Mann – jetzt erstmal einen Döner…!”, und verstreuen sich in die Nacht…?

Victor: Es gibt leider keine öffentliche, gemeinsame Party da, wahrscheinlich intern, hab ich aber nie mitbekommen …

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Open Mike 2012 – Presse, Kritik, Diskurs (Vorjahre)

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Ich bin Finalist (und: Liveblogger) beim 20. open mike-Wettbewerb der Literaturwerkstatt Berlin, und lese am 10. und/oder 11. November aus meinem Roman „Zimmer voller Freunde“ (Link). (Heimathafen Neukölln, Eintritt frei – kommt vorbei! Details hier)

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Schon heute: Ein Pressespiegel / eine Montage über 20 Jahre „Open Mike“, und die großen Stärken, Schwächen, Probleme und Sternstunden des Wettbewerbs:

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“Alle waren sie da, und jedes Jahr werden es mehr. Für Verleger, Literaturagenten, Scouts und Medien gibt es im November einen denkbar effizienten Termin. Beim Lesewettstreit „Open Mike“ lässt sich in der Literaturwerkstatt […] an einem Wochenende ein repräsentativer Eindruck davon gewinnen, was landauf, landab gedacht und geschrieben wird.” Steffen Richter, Die Welt, 2001
„Sechs Lektoren aus renommierten deutschsprachigen Verlagen entschieden über die Finalisten, die an diesem Samstag und Sonntag in Berlin vor Jury und Publikum die Endrunde bestreiten. 15 Minuten hat jeder der 23 Autoren Zeit, seine Geschichte oder sein Gedicht vorzutragen.“ Maar, Lauterbacher Anzeiger, 2011
“Mitte der Neunziger begannen bei diesem Wettlesen die Karrieren von Karen Duve, Kathrin Röggla, Julia Franck oder Terézia Mora. 2001 war mit den Preisträgern Nico Bleutge und Tilman Rammstedt noch einmal ein großes Jahr. Danach aber blieb die Durchschlagskraft begrenzt […] Zum Teil mag es an der gesunkenen Nachfrage nach Debütanten liegen. Der Hype der jungen deutschen Literatur vor zehn Jahren war eben die Ausnahmesituation.” Wolfgang Schneider, FAZ, 2008
“Bei über 100.000 deutschsprachigen Neuerscheinungen jährlich ist die Konkurrenz beträchtlich, und so waren die diesjährigen Autoren vor allem darum bemüht, alles richtig zu machen. […] Beim literarischen Nachwuchs herrscht derzeit Innerlichkeit vor, die Beschäftigung mit der Vergangenheit und die Suche nach dem eigenen Weg. Gesellschaftskritik steht nur selten, politischer Protest leider gar nicht auf dem Programm.” Cornelius Wüllenkemper, Deutschlandradio, 2011
“Politische oder historische Themen vermisst man indes. Lektor Dirk Vaihinger würde das keinem der unter 35-jährigen vorwerfen: Die Jungautoren entwickeln noch ihren eigenen literarischen Ton. Die großen Themen kommen später.” Elena Phillipp, Die Welt, 2010
“Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne – und der war hier spürbar. Man erlebte Talente, die noch keine Routinen ausgebildet haben, die ihr Formgefühl und Welt-Bild gerade erst entwickeln. Solche ersten Schwimmzüge sind etwas ganz Besonderes. Auch wenn den Beteiligten meist klar war: Das muss noch besser werden.” Wolfgang Schneider, FAZ, 2009
“In den besten Stunden des Open Mike kann man atemberaubend Zeuge werden, wie ein Schriftsteller die Welt betritt. Das sind 15 Minuten, die man nicht vergisst: als vor zwölf Jahren Karen Duve hier zum ersten Mal las, später Julia Franck oder Terézia Mora und zuletzt noch einmal fulminant, vor zwei Jahren, Kirsten Fuchs.” Jana Hensel, Die Welt, 2006

ZEIT online: Simon, ein Wort zu den anderen Teilnehmern: Konkurrenz oder Kollegen?

Simon Urban: Der Wettbewerb ist eine freundliche Angelegenheit. Natürlich befindet man sich in einer Konkurrenzsituation, aber es ist eine harmonische Konkurrenzsituation.

Kathrin Schadt, ZEIT Online, 2007

”Im Publikum drängten sich Lektoren, Literaturagenten und Talent-Scouts zu Dutzenden. Diejenigen, die ohne Preis nach Hause gehen mussten, können sich daher trotzdem zu den Gewinnern zählen. Im 19. Jahr seines Bestehens reicht oft schon die Teilnahme am „Open Mike“, um eine literarische Karriere zu beflügeln.” Vanja Budde, Deutschlandradio Kultur, 2011
Simon Urban: Der Open Mike ist natürlich ein Viehmarkt, aber es kann ja jeder selbst entscheiden, ob er zum Vieh gehören möchte oder nicht. Wer gelesen werden will, muss also auch mal das Vieh sein können. Außerdem macht das ja durchaus Spaß, vor so einer Kulisse. Kathrin Schadt, ZEIT Online, 2007
“Das Setting für die Lesungen ist hervorragend; das Bühnenlicht weich, das Publikum ist aufmerksam, klatscht sehr gerne und feiert – zu Recht – mehr Texte als es Preise gibt. Ich war ziemlich lange nicht mehr bei solchen Wettbewerben und wundere mich darüber, dass es keine Dissonanzen zu geben scheint, keine Fraktionierungen, keine Ablehnung des Betriebs etwa seitens der Autoren; dass das Etwas-toll-Finden nicht wie früher so oft von der entschiedenen Ablehnung eines anderen begleitet wird. Höchstens gibt es mal ein vorsichtiges Nichts-damit-anfangen-Können.” Detlef Kuhlbrodt, taz, 2011
“[Trichtert man etwa allen] Open-Mike-Teilnehmern [ein], dass man sich bei Wettbewerben keinesfalls bewegen darf, sondern seine Werke sitzend und in artigen, subtil intonierten Stimmlagen vorzutragen hat? […] Etwas mehr raumgreifende Rotzigkeit seitens der Lesenden wäre beim Publikum bestimmt prima ankommen.” Brigitte Preissler, Frankfurter Rundschau, 2010
“14 Uhr: Die letzten Lesenden stehen aufgeregt zwischen den Zuschauern, die wechselweise rauchen, herumstehen, Kaffee oder Wein trinken, diskutieren, Wetten abschließen. Dann wieder hinein ins Gedränge, der letzte Leseblock, überall schwappt das Adrenalin auf den Boden. Auf keinen der Vorträge kann ich mich richtig konzentrieren, ich verliere die Satzenden, stückele mir die Texte zusammen, nehme noch eine Schmerztablette, die Leute strömen nach der letzten Lesung wieder aus dem Saal, sibirische Kälte und Nieselregen setzen ein.” Anne Köhler, Süddeutsche Zeitung / jetzt.de, 2008
“Man muss es leider so konstatieren: Humor, Sprachgewalt, Mut und Bösartigkeit waren rar gesät im Teilnehmerfeld. […] Mut zum Risiko, experimentelle Schreibweisen, jede Form von Diskurswissen oder Weltgewandtheit, wie sie beispielsweise auf der Longlist zum diesjährigen Deutschen Buchpreis weithin vertreten war: Fehlanzeige. […] Wie das Publikum, so das Wettbewerberfeld: konzentriert, aufmerksam, brav und bieder. Jung und uninteressant.” René Hamann, taz, 2010
“Man könnte sagen, dass 20-jährige Deutsche noch nie auf einem breiten Niveau so gut schreiben konnten wie heute, aber so wenig mitzuteilen haben wie nie zuvor. Auch Maxim Biller klang im Schlusswort der Jury mutlos: „Es gab keine Geschichte, von der ich hätte wissen wollen, wie sie ausgeht.“” Jana Hensel, Die Welt, 2006
„Das muß wohl grausam sein: immer wieder Ich-Geschichten; offenbar ist die Bereitschaft, sich eine Figur auszudenken, bei den meisten Jungautoren nach wie vor gering ausgeprägt. Aber Lektoren lesen anders. Vor allem lesen sie mehr, als im Manuskript steht. Wo Kritiker nur die Mängel des fertigen Produkts sehen, nimmt der Lektor beglückt die Anfänge eines Autors wahr. Das Vergnügen des Lektors sind „Texte, die unterwegs sind“, wie Patricia Klobusiczky vom Rowohlt Verlag glaubhaft versicherte.“ Wolfgang Schneider, FAZ, 2004

mehr Infos:

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Teilnehmer 2012:

Verena Boos, Yevgeniy Breyger, Vera Buck, Thomas Dörschel, Sandra Gugic, Verena Güntner, Juan S. Guse, Ann-Christin Helmke, Alina Herbing, Joey Juschka, Sascha Kokot, Juliane Link, Nina Lörken, Stefan Mesch, Martin Piekar, Friederike Scheffler, Nadja Schlüter, Kerstin Schubert, Michael Spyra, Arne Vogelgesang, Linus Westheuser und Tristan Marquardt