Personal

2013 / 2014: My personal Soundtrack [17, quick list]

2014 stefan mesch

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I started keeping a diary on October 26th, 1997. I was 14 and in 9th grade. I kept up until 2004, and every year, I made a ‚personal soundtrack‘ with songs that reflected last years‘ themes and storylines.

Here are 20 songs for ‚Season 17‘, October 2013 to October 2014.

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  • Boy and Bear: „Fall at your Feet“
  • We are Twin: „Cold Stone Lips“
  • Paula i Karol: „Calling“
  • Amy Macdonald: „Slow it down (Acoustic)“
  • Blind Pilot: „New York“
  • David Gray: „Forgetting“
  • The Tragically Hip: „Bobcaygeon“
  • Wye Oak: „Civilian“
  • Chris Garneau: „Hands on the Radio (Unplugged)“
  • Holcombe Waller: „Hardliners“
  • Matraca Berg: „Fall Again“
  • Rocky Votolato: „Suicide Medicine“
  • Lisa Hannigan: „Paper House“
  • Damien Jurado: „Yuma, Arizona“
  • Oscar and the Wolf: „Moonshine“
  • Conor Oberst: „Common Knowledge“
  • Jay Farrar / Ben Gibbard: „Big Sur“
  • White Plains: „When you are a King“
  • Camera Obscura: „Super Trouper“
  • Tanita Tikaram: „Everyday is new“

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Some of these songs are on Youtube. Let’s see how long it takes before they are taken down. Here are the videos: Watch them while the links still work!

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  • Boy and Bear: „Fall at your Feet“

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  • We are Twin: „Cold Stone Lips“

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  • Paula i Karol: „Calling“

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  • Amy Macdonald: “Slow it down (Acoustic)”

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  • Blind Pilot: „New York“

 

  • David Gray: „Forgetting“

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  • The Tragically Hip: „Bobcaygeon“

 

  • Wye Oak: „Civilian“

 

    • Chris Garneau: „Hands on the Radio (Unplugged)“

 

    • Holcombe Waller: „Hardliners“

 

    • Matraca Berg: „Fall Again“

 

    • Rocky Votolato: „Suicide Medicine“

 

    • Lisa Hannigan: „Paper House“

 

    • Damien Jurado: „Yuma, Arizona“

 

    • Oscar and the Wolf: „Moonshine“

 

    • Conor Oberst: „Common Knowledge“

 

    • Jay Farrar / Ben Gibbard: „Big Sur“

 

    • White Plains: „When you are a King“

 

    • Camera Obscura: „Super Trouper“

 

    • Tanita Tikaram: „Everyday is new“

 

related Links:

Open Mike, der Blog: Eine Frage hätten wir noch, Stefan Mesch

Stefan Mesch, Januar 2013

Text / Fragebogen veröffentlicht auf openmikederblog.wordpress.com/

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Was war Ihr erstes Buch, an das Sie Sich erinnern?

Die Telos-Bilder-Bibel. Meine Mutter sagte, sie las mir vor – doch ich hätte sie gebeten, den Quatsch zu lassen: “Das stimmt doch nicht. Das gibt es nicht!” 

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Verspüren Sie Glück beim Schreiben?

Dasselbe Glück wie beim Puzzeln – oder beim Lösen anspruchsvoller, kniffliger Rätsel.

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Was ist für Sie das größte Unglück?

Für mich, privat? Mich nicht verständlich machen zu können.

In der Welt, global? Dass es immer noch – überall – an Informationen und Bildung fehlt.

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Welches Buch hat Sie am meisten beeindruckt?

Nabokovs “Fahles Feuer”, Prousts “Auf der Suche nach der verlorenen Zeit”, viel Dietmar Dath, z.B. “Dirac”,  Marcus Brauns “Delhi” und zuletzt Ruth Klügers “Weiter Leben”.

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Welches Buch bereuen Sie gelesen zu haben?

Die meisten Comics von Grant Morrison. “Das kurze Leben” von Juan Carlos Onetti. John Boynes “Der Junge im gestreiften Pyjama”.

Sibylle Berg, Thomas Glavinic, Joey Goebel und John Green gehe ich aus dem Weg.

“Unendlicher Spaß” und “Der Herr der Ringe” sind… passabel – doch ich hasste es, mich bis zum (jeweils: enttäuschenden) Ende zu quälen.

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Woran arbeiten Sie derzeit?

an meinem ersten Roman, “Zimmer voller Freunde”. Exposé in Bildern hier. Lese-/Hörprobe hier.

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Was ist Ihre Idee von Literatur?

Nonfiction folgt klugen Fakten und Gedanken.

Literatur / Prosa stellt gute Fragen.

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Ihre Helden?

Clark Kent und Lois Lane.

Green Arrow, Wonder Woman, Starman, Nightwing.

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Ihre liebsten Romanhelden?

Das Ehepaar aus “Revolutionary Road”, Humbert Humbert aus “Lolita” [kein Held – aber eine irrsinnige Stimme], die [autobiografischen] Frauenfiguren von Barbara Honigmann und Monika Maron.

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Ihre liebsten Filmhelden?

Ich mag DIESEN (Link) Film-Archetyp sehr: verbissene, maßlose Idealisten.

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Ihr liebster Schriftsteller?

Klassiker? Thomas Wolfe, Vladimir Nabokov, John Cowper Powys.

Gegenwart? Stewart O’Nan und Dietmar Dath.

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Ihr liebster Maler?

Zählen Fotografen? Dann Gregory Crewdson.

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Welches Design bevorzugen Sie?

“Gattaca” war nett: mid-century modernism? Frank Lloyd Wright usw.?

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Ihre Lieblingsmusik?

trauriger Folk.

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Ihre Lieblingsbeschäftigung?

Neue Sachen lernen.

Bücher, Artikel, Trivia sammeln, kuratieren, auf Facebook teilen.

Mit Freunden sprechen (…und: essen!).

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Ist lesen sexy?

Für Frauen? Manchmal – doch. Für Männer? Auf keinen Fall:

Alle heiratswilligen Freundinnen in meinem Alter – Ende 20 – sind froh, wenn “ihre Männer” Holz hacken, renovieren, gesund leben. Wer sich die Zeit nimmt, fünf, sechs, acht Stunden vor einem Buch zu hocken – statt Geld zu verdienen, die Welt zu retten, toll zu kochen o.ä. – ist diesen Frauen suspekt: Lesen frisst Zeit. Wirkt egoistisch. Hat keinen klaren Nutzen.

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Welche drei Gegenstände nehmen Sie mit auf eine einsame Insel?

Schreibzeug. Lektüre. Und eine Kamera hilft mir beim Sehen / Herumlaufen: Eindrücke machen mehr Spaß, wenn man sie festhalten, sammeln, teilen kann.

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Stefan Mesch, geboren 1983 in Sinsheim (Baden), schreibt für ZEIT Online, den Berliner Tagesspiegel und literaturkritik.de. Aktuelle Projekte / Links / Leseproben unter

2011 / 2012: My personal Soundtrack [15, quick list]

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I started keeping a diary on October 26th, 1997. I was 14 and in 9th grade. I kept up until 2004, and every year, I made a ‚personal soundtrack‘ with songs that reflected last years‘ themes and storylines.

Here are 20 songs for ‚Season 15‘, October 2011 to October 2012.

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  • Dillon: „Thirteen Thirtyfive“
  • James Vincent McMorrow: „Breaking Hearts“
  • Andrew Bird: „Fake Palindromes“
  • Gregory Alan Isakov: „That Moon Song“
  • The Head and the Heart: „Down in the Valley“
  • Ghosts I’ve met: „Winter’s Ruin“
  • Holcombe Waller: „Qu’Appelle Valley, Saskatchewan“
  • Ben Howard: „Depth over Distance“ (Live)
  • Melanie Safka: „Uptown & Down“
  • Gladys Knight: „Midnight Train to Georgia“
  • P.J. Harvey: „England“
  • Bill Callahan: „One fine Morning“
  • Rebecca Black: „Friday“
  • Jim Bryson & The Weakerthans: „Freeways in the Front Yard“
  • Lambs and Wolves: „The only Light“
  • Freelance Whales: „Generator First Floor“
  • Andrew Bird: „Scythian Empire“
  • The National: „I need my Girl“
  • Talking Heads: „The Big Country“
  • Ayano Tsuji: „Kazeni Naru (to become the wind)“ (Acoustic Version)

Some of these songs are on Youtube. Let’s see how long it takes before they are taken down. Here are the videos: Watch them while the links still work!

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Dillon – Thirteen Thirtyfive

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James Vincent McMorrow – Breaking Hearts

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Andrew Bird – Fake Palindromes

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Gregory Alan Isakov – That Moon Song

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The Head and the Heart – Down in the Valley

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Ghosts I’ve met – Winter’s Ruin

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Holcombe Waller – Qu’Appelle Valley, Saskatchewan

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Ben Howard – Depth over Distance (Live)

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Melanie Safka – Uptown & Down (sorry – only a slow live version:)

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Gladys Knight – Midnight Train to Georgia

http://vimeo.com/27276369

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P.J. Harvey – England

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Bill Callahan – One fine Morning

In Germany, it’s blocked by GEMA. but you can’t buy it on Amazon.de, either. :-/

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Rebecca Black -Friday

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Jim Bryson & The Weakerthans – Freeways in the Front Yard

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Lambs and Wolves – The only Light

http://lambswolves.bandcamp.com/album/the-light-ep (free download!)

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Freelance Whales – Generator First Floor

http://www.jbtvonline.com/performances/freelance-whales-generator-1st-floor

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Andrew Bird – Scythian Empire

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The National – I need my Girl

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Talking Heads – The Big Country

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Ayano Tsuji: „Kazeni Naru (to become the wind)“ (Acoustic Version)


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related Links:

  • 1997 / 1998: My personal Soundtrack (Link)
  • Helden meiner Kindheit (Link)
  • My Video Game Biography (Link)
  • My favorite Movies (Link)

Toronto Starbucks [pic post]

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Here’s a collection of daily Toronto pictures that I took in winter / spring 2011.

Frappuccinos!

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related links:

„Futter für die Bestie.“ [Essay, BELLA triste 31, 2011]

Futter für die Bestie.

528 Wege… zum nächsten guten Buch.

von Stefan Mesch

erschienen in BELLA triste 31, November 2011, Hildesheim

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„Was, wenn ich jede Geschichte, die mich je bewegte… jeden Song, zu dem ich jemals tanzte… all meine wichtigsten Stunden… greifen könnte – und mit euch teilen?“, fragte Oprah Winfrey, bevor sie Anfang 2011, nach 25 Jahren, ihre Talkshow einstellte und ein riskantes, eigenes Vollprogramm entwarf, den Kabelsender OWN: „Oprah’s Next Chapter“, „Ask Oprah’s All-Stars“, „Your OWN Show: Oprah’s Search for the Next TV Star“… ein Kessel Lebenshilfe, Reality- und Service-TV, Talkshows, Reportagen, Einrichtung, Kochen und Politik, montags bis sonntags, rund um die Uhr.

Von fern, in sporadischen Interview- und Youtube-Schnipseln, schien mir die Journalistin / Moderatorin oft vage sympathisch: eine laute, pummelige, selbstsichere Frau, die beständig auf Herz und Bauch, nicht auf den Kopf zielte und jede Frage so persönlich, nah, konkret und emotionalisiert wie möglich in Angriff nahm. Empfehlungen! Lob! Emphase! Gefühl! Entdeckungen! Geschenke!

In einer Alltags- und Boulevardkultur, die uns (als Europäer) oft kaum taxiert, kreist Winfrey seit 1986 als neugieriger, lebenshungriger Mähdrescher durch alle Themenfelder: Sie sucht nach Hoffnung, im finstersten Tal. Feiert Opfer, die ihre Stimme erheben und kämpfen. Und sie will Täter, die umkehren und bereuen. Die Lebensgeschichte ihrer Gäste wird als Bildungsroman, Survival Story, Erbauungs- oder Bekehrungs-Lehrstück aufgerollt. Im Wertekatalog der Sendung zählen Fleiß und Lernen, Freundschaft, Mut, Solidarität und Stolz.

Das ist – als Programmatik, Haltung, Tonfall – fürs erste nicht verdächtig oder verkehrt. “Tränen, Drama, fertig ist das Rührstück”, lacht Spiegel Online. “Oprah Winfrey ist die Großmeisterin des Geschluchzes, Herzschmerz ist ihr Geschäft.” Doch Winfrey selbst erklärte in ihrer Abschiedssendung Ende Mai: “Ich wollte immer eine Lehrerin sein, und das hier ist das größte Klassenzimmer der Welt.”

Ich kenne schlechtere Lehrerinnen. Und dümmere Lektionen.

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Ich dachte, diese Bücher seien für Frauen. Ich hätte sie nie angefasst.”

“Ich werde versuchen, ein neues Format für Bücher und Autoren zu entwickeln“, versprach Winfrey zum Sendestart von OWN – auch, wenn Literatur die Einschaltquoten sinken lässt. “Das ist nicht wichtig: Manche Themen sind einfach nötig. Und je besser ich es schaffe, eine Brücke zu schlagen zwischen Autor, Buch und Publikum, desto schneller erholen sich auch die Quoten.“

Literatur auf Körpertemperatur also, Geschichten “zum Mitgehen”, Erzähler “wie du und ich”: In der Rubrik „Oprah’s Book Club“ empfahl Winfrey seit Herbst 1996 siebzig meist aktuelle Romane, Sachbücher und Biografien, sprach mit dem Autor oder ließ Studiogäste (Experten, Bibliothekare, Hobbyleser) diskutieren. Jeder Titel wurde zum Bestseller, und alle erhielten ein Oprah-”O” als Sticker oder Aufdruck.

“Der Bärenanteil aller in unserem Land gelesenen Bücher wird von Frauen bewältigt. Sie lesen, so lange Männer auf den Golfplatz fahren oder Football kucken oder mit ihren Flugsimulatoren spielen – oder was weiß ich. Ich habe Angst … nein, besser: Ich hatte Hoffnung, mit meinem Roman auch ein männliches Publikum zu erreichen”, klagte Jonathan Franzen 2001, nach Erscheinen seiner Familiengeschichte “Die Korrekturen”.

“Doch mehr als ein Leser steht heute im Buchladen in der Schlange für meine Signierstunde und sagt: ‚Wenn ich nicht gerade Ihre Lesung gehört hätte, hätte mich die Empfehlung von Oprah abgeschreckt. Ich dachte, diese Bücher seien für Frauen. Ich hätte sie nie angefasst.’”

Die “Oprah”-Redaktion lud Franzen aus der Sendung aus, und US-Kulturjournalisten eröffneten eine wichtige Debatte: War Franzen elitär und frauenfeindlich? Lockt Winfreys Empfehlung nur Leser „zweiter Klasse“? “Sie hat ein paar gute Bücher ausgewählt”, schimpfte Franzen noch 2006. “Aber auch so viel Schmalz und flache Geschichten, dass es mich persönlich schaudert.”

Tatsächlich empfahl Winfrey bis 2001 sehr viele Bürgerrechts-, Holocaust- und Krankheitsgeschichten, persönliche Schicksale, oft von Frauen und / oder Schwarzen. Keines dieser Bücher wurde in Deutschland zum Bestseller, und nur “Weißer Oleander”, “Fortunas Tochter”, verschiedene Titel von Toni Morrison und Wally Lambs “Früh am Morgen beginnt die Nacht” sind mir – dem Namen nach – bekannt.

Ganz anders sieht die Liste der (nur) 23 Titel aus, die Winfrey seit Franzens Protest empfahl [Weg 1]: John Steinbecks „Jenseits von Eden“ (1952), Tolstois „Anna Karenina“ (1877), Weihnachten 2010 eine wuchtige Doppelausgabe von Charles Dickens. Auch die tagesaktuellen Romane – Cormac McCarthys „Die Straße“, Jeffrey Eugenides‘ „Middlesex“ und, als große Versöhnung im letzten Herbst, Jonathan Franzens „Freiheit“ – wurden literarischer, dunkler, männlicher.

Bis heute ist Winfreys Urteil „the biggest force in publishing“, und wer gehobenen literarischen Mainstream sucht, findet hervorragende Empfehlungen im monatlichem O Magazine [Weg 2] und auf Oprah.com [Weg 3]: Winfrey (und ihre Redakteure) mögen Bildungsromane, Survival Stories, Erbauungs- und Bekehrungs-Literatur. Vieles ist „gut gemeint“ oder latent didaktisch. Es geht um Hoffnung, im finstersten Tal. Um Hauptfiguren, die ihre Stimme erheben und kämpfen.

Doch ich kenne schlechtere Kriterien. Und Kritiker, die öfter daneben greifen.

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Der Mob zerstört die Ordnung des Systems.“

Bevor ich an die Uni kam, 2003, war ich ein harmloser, entspannter Gelegenheits- und Freizeit-Leser: Ich schaffte ein, zwei Bücher im Monat, meist Impulskäufe in der Karlsruher Fußgängerzone oder, seit 1999, immer öfter bei Amazon. Mit 13 kaufte ich „Shadowrun“– und „Star Trek“-Romane. Mit 14 „Dracula“ und Stephen King. In der Oberstufe – wie alle anderen im Freundeskreis – Paul Auster, Jean-Paul Sartre, Hermann Hesse und Ethan Hawke.

Unser Lieblingsbuch, „Vielleicht lieber morgen“ von Stephen Chbosky, war eine Amazon-Empfehlung [Weg 4], die ich nur bestellt hatte, weil die US-Ausgabe beim Imprint „MTV Books“ erschienen war: Im Vorjahr hatte „MTV Films“ „Save the last Dance“ produziert – das reichte mir als gutes Vorzeichen und Qualitätsversprechen.

Ich kaufte ohne Argwohn und Recherche, nach kurzem Blick aufs Cover, den Klappentext oder den Titel („Ich finde mich toll – warum bin ich noch Single?“), und noch 2001 tippte ich mir eine Liste der 74 Autoren ab, die The Divine Comedy in ihrem Song „The Booklovers“ aufzählten [Weg 5] und bestellte mir naiv erste Bücher von Martin Amis, Kazuo Ishiguro, Anaïs Nin. Ohne den Song hätte ich von diesen Leuten nicht gehört. Und Fachpresse? Qualifizierte Empfehlungen? Netzwerke, Kuratoren?

Zu jedem Videospiel, das ich mir zwischen 10 und 13 kaufte, gab es schon Monate zuvor vier, fünf, sechs Testberichte in Zeitschriften wie MegaFun und Gamers. „Grafik: 90 Prozent. Musik / Soundeffekte: 74 Prozent. Steuerung: 82 Prozent. Spielspaß: 87 Prozent.“ Alle Titel fanden saubere Plätze in Tabellen, Referenzen, Rankings. Es gab Schulnoten und Umfragen, so technisch, „objektiv“ und detailliert wie möglich.

Mit 12 ersetzte ich Hörzu durch TV Movie, weil dort dasselbe (neurotische) Prinzip auf Spielfilme angewandt wurde: Jeweils ein bis drei Punkte für Humor, Action, Spannung, Anspruch und / oder Erotik, dazu Tagestipps, Nachttipps, Geheimtipps, Kino- und Videotipps. Seit 1995 half TeleVision (später: TV Highlights) auch bei der Auswahl aller Science-Fiction- und Fantasy-Filme und -Serien des Monats. Seit 1998 las ich Cinema, bevor ich ins Kino ging. Und 1999 fand ich IMDb.com, die Internet Movie Database.

Wenn über IMDb geschrieben wird (es passiert selten genug…!) und über den kollektiven User-Score, bei dem Hunderte Amateure jeden Film auf einer Skala von 1 bis 10 Sternen bewerten, geht es meist um die Widersprüche und Absurditäten auf der Liste der „250 top-rated movies“: Ist die Stephen-King-Verfilmung „Die Verurteilten“ (9.2 von 10) tatsächlich der „beste Film aller Zeiten“? Gehört „Der Pate“ auf Platz 2? Und was lief schief im Sommer 2008, als der Batman-Film „The Dark Knight“ (heute: 8.8 von 10) plötzlich Platz 1 belegte?

„Der Mob zerstört die Ordnung eines Systems, das für gewöhnlich durchaus präzise, nützlich und vertrauenswürdig ist“, erklärte damals ein Stochastiker. Doch besonders die zweite Hälfte dieses Satzes hat Substanz: Die Wertungen sind, meiner Erfahrung nach, tatsächlich bestürzend „präzise, nützlich und vertrauenswürdig“.

Ein Film ab 8.0 ist (beinahe immer) sehenswert und spannend, ein Film unter 7.0 hat (mindestens) große Schwächen und Probleme. Von meinen 28 Lieblingsfilmen liegen nur fünf unter der 7.0-Marge. Doch andererseits liegt das natürlich (auch) an meiner einseitigen Auswahl:

Beschränke ich mich selbst, wenn ich seit 15 Jahren nur Favoriten und „Tagestipps“ ansehe?

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Keinem deiner Freunde gefällt das.“

Die Frage „Wie finde ich einen guten Film?“ hat eine Unzahl schneller, simpler Antworten: Kritiken auf Metacritic und RottenTomatoes lesen. Trailer auf Youtube sehen. Best-of-Listen von Bloggern und anderen Kuratoren durchsieben [das gilt auch für Bücher: Weg 6]. Zu Preisträgern auf Festivals recherchieren [Weg 7]. Notizen machen, sobald Stars und Regisseure von ihren Lieblingen / Vorbildern sprechen [Weg 8]. Journalisten wie Roger Ebert, Alan Sepinwall oder Else Buschheuer auf Twitter und Facebook folgen [Weg 9].

Oder einfach: Freunde fragen [Weg 10].

Vor acht Wochen erst erklärte Kathrin Passig in ihrem Essay „Keinem deiner Freunde gefällt das“ (pro Helvetia, Passagen 56), altmodische Mund-zu-Mund-Propaganda im Freundeskreis sei überholt: „Man entdeckt [als Schüler] gemeinsam mit Freunden bestimmte Bands, Filme, Autoren, sodass sich die Vorlieben für eine Weile parallel entwickeln. Die Täuschung, dass dieser Zustand das ganze Leben lang anhält, entsteht durch Wunschdenken und dadurch, dass wir uns lieber über die Überschneidungspunkte unserer Interessen unterhalten als über deren Diskrepanzen.“

„Ich schwimme“, schreibt Passig zerknirscht und müde, „in vielen Bereichen mitten im Mainstream. Aber selbst diejenigen Freunde, bei denen die Übereinstimmungen relativ groß sind, hegen ansonsten Interessen, die für mich so wenig nachvollziehbar sind, dass ich mich von der Vorstellung verabschiedet habe, vorhersagen zu können, was ihnen gefallen wird und was nicht.“

Schade: Das sagt die Frau, die vor fünf Jahren perfekt kalkulierte, was den Juroren des Bachmannpreis‘ gefallen wird. In Zukunft aber, glaubt sie, seien unsere „Geschmacksgenossen“ vor allem in sozialen Netzwerken zu finden, Empfehlungen via Computer und Algorithmen. Und damit liegt sie richtig. Falsch. Und weit daneben.

Richtig, weil Online-Radios wie Last.fm – da machte ich seit 2006 dieselben tollen, euphorisierenden Hör-Erfahrungen wie Passig – tatsächlich passgenaue Songs für meinen „privaten Radiosender“ auswählen, mit jedem Klick auf „Love“ oder „Don’t play this song again“ dazulernen und mir, als „virtuelle Nachbarn“, Hörer auf der ganzen Welt vorschlagen, deren Musikstil sich frappant mit meiner eigenen Sammlung deckt.

Wie „nah“ oder „ähnlich“ sich einzelne Musikstücke sind, berechnet Last.fm dabei vor allem aus einer Unmenge globaler User-Daten: Ich selbst habe etwa 55.000 Songs gehört und an die Last.fm-Datenbank gesendet. Entsprechend streng und gleichförmig läuft heute mein Radio. Bei Filmen oder Büchern aber erzeuge ich viel weniger Verknüpfungen und Datensätze. Und während Songs derselben Bands oft sehr, sehr ähnlich klingen, ist das bereits bei Paul-Auster-Romanen oder Luc-Besson-Filmen deutlich verzwickter.

Und hier beginnen die Probleme: Passig und ich sind Mitglieder eines weiteren „Social Cataloging“-Dienstes – der deutsche Service Criticker.com speichert, fast wie in Oprahs Wunschtraum eines perfekten OWN-Senders, „jeden Film, den wir jemals sahen“ und gibt uns automatisierte Empfehlungen. Ich habe 869 Filme eingetragen und bewertet. Doch die Empfehlungen, die Criticker mir schickt, sind oberflächlich und geistlos: Zeug, das bei Media Markt im selben DVD-Regal stünde. Keine Perlen. Keine Kracher. Als Fahrtenschreiber meiner Film-Biografie ist Criticker großartig. Doch als Wegweiser und Kurator taugt ihr Algorithmus (noch) nichts.

Stattdessen arbeitet die Seite ähnlich plump wie Amazons Empfehlungen: „Sie mochten ‚Spider-Man‘? Wir empfehlen: ‚Spider-Man 2‘.“ Na, danke! Mein Online-Radio darf gerne stundenlang gleichförmige, straffe Klangteppiche weben. Aber frische, kongeniale, subtile, erratische, überraschende Verknüpfungen? Verstörungen? Stolperfallen? Daran scheitert Last.fm. Und Criticker erst recht.

Und Amazon? Hält mich für schizophren: Sobald ich dort Geschenke kaufe, herrscht (Empfehlungs-)Chaos.

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Bücher sind Bildung. Bildung tut weh.“

Die schlechte Qualität solcher Empfehlungen sticht uns ins Auge, weil wir – im Netz, beim Fernsehen, unterwegs – fast pausenlos für uns privat einordnen, selektieren und verwerfen müssen, Rollen als Kritiker, Scout und Redakteur einnehmen, ohne Mühe, routiniert: 30 Sekunden sind genug, um zu entscheiden, ob uns ein Filmtrailer gefällt. In 10 Sekunden überfliegen wir Websites und Artikel, wägen ab, ob eine gründliche Lektüre lohnt. Uns fehlt die Zeit, durch lange Videos und Fotostrecken zu klicken. Und vor dem Fernseher „sampeln“ wir in zwei Minuten 50 laufende Programme.

Dreimal die Woche, scheint mir, zeigen Hirnforscher oder Soziologen neue Studien über „die Macht das ersten Eindrucks“: Gestalter feilen so fies und diffizil an Bildsprache und visuellen Codes von Shampoos, Spielzeug, Hollywood-Plakaten, bis jede Passantin auf den ersten Blick erkennt, ob sie zur Zielgruppe gehört oder nicht. Und sähe ich morgen eine Meldung, dass Graugänse / Rhesusäffchen / MIT-Studenten nicht länger als 0,028 Millisekunden brauchen, um zu entscheiden, ob ein Gegenüber als Partner / Paarungsziel in Frage kommt – ich wäre nicht überrascht.

Nur Buchempfehlungen bleiben eine Königsdisziplin. Für Programmierer, für Freunde. Für Kritiker, für Buchhändler und Pädagogen.

Zum einen, weil Literatur oft träge 40, 80 Seiten braucht für einen fundierten ersten Eindruck – statt wie ein Song oder ein Film sofort im Lauf der ersten Takte / Bilder wesentliche Eigenheiten (und Schwächen!) zu offenbaren. Zum anderen, weil wir viel mehr Horrorfilme, Sängerinnen, Sitcoms oder Eiscremesorten in unseren mentalen Registern geordnet haben als z.B. New-York-Romane, Bücher über Mütter oder Texte aus dem vorletzten Jahrhundert.

Romane sind schwer zu „erkennen“, schwer zu „durchschauen“, schwer zu sortieren und schwer zu vergleichen; Empfehlungen sind Feinarbeit, Geschmacksprognosen fast Psychologie: Wie viele Spannungs-, Erotik-, und Anspruchs-Punkte verdient Hemingway? Reicht es zum „Tagestipp“? Wie lässt sich „Sommerhaus, später“ fassen? „Bildsprache: 83 Prozent. Satzrhythmus: 90 Prozent. Erzählfluss: 62 Prozent. Lesespaß: 78 Prozent“?

Ist der groteske, alptraumhafte KZ-Roman „Die Wohlgesinnten“ lustig? Schrecklich? Satirisch? Plump? Das kommt vor allem darauf an, wie jeder Leser sich das Buch in seinem jeweiligen Kopfkino inszeniert. Tonfall, Lesart und Stimmung der „American Psycho“-Verfilmung stehen auch dem faulsten Zapper nach zwei Minuten klar vor Augen. Doch welche Teile der – ambivalenteren – Romanvorlage „ernst gemeint“ sind, darüber streiten Exegeten bis heute.

Literatur, mit ihren Subtexten, Grau- und Zwischentönen, braucht Zeit. Wohlwollen. Mitarbeit. Geduld. All ihre Stärken (und Verfehlungen!) werden allein in Sprache transportiert. Als Rezensent zählt es zu meinen allergrößten Pflichten, Zitate auszuwählen, Signale zu setzen, das richtige Buch den richtigen Leserkreisen anzutragen; denn Cover und Klappentext – die einzigen Stellen am Produkt, wo solche Zielgruppen-Kennzeichnung und visuellen Codes Platz hätten – bleiben zu oft nichtssagend, offen und vage.

Bücher sind Black Boxes. Umschläge sind Mogelpackungen. Klappentexte locken ein Publikum mit allen süßen, bösen Versprechungen der Hexe vor dem Knusperkuchenhaus. Und immer, wenn wir kritisch über Texte sprechen wollen, fehlen uns gemeinsame Grundlagen / Bezugspunkte – denn auch die besten Freunde kennen nur 50, höchstens 80 unserer Romane:

‚Avatar‘ erzählt ‚Der mit Wolf tanzt‘ und ‚Pocahontas‘ als Computer-Schmonzette?“ Verstanden, alles klar. „Jörg Albrecht schreibt im Stil Andreas Neumeisters über Houellebecq– und Hubert-Fichte-Milieus?“ Hä, was?

„Ohne Empfehlung kaufe ich keine Romane mehr“, erklärt Freundin Simone: „Filme sind Unterhaltung. Wenn sie mich enttäuschen, schalte ich weg. Aber Bücher sind Bildung. Und Bildung, haben wir gelernt, tut auch mal weh: Sobald ich einen Roman abbreche, fühle ich mich ignorant und schuldig. Egal, wie quälend die Lektüre war.“

Romane sind Lose, mit obszön vielen Nieten. Ist jedes abgelegte Buch ein Zeichen geistiger Niederlage?

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90 Prozent von allem ist Kacke.“

Ich bin nicht sicher, warum Leute lesen. In ihrer Freizeit, müde und freiwillig. Und in der festen Hoffnung, ein Stück Prosa könne sie stärker packen und brutaler schütteln als ein Kinofilm (mit charismatischen Gesichtern; Bild, Schnitt und Soundtrack), eine Serie (mit der Vertrautheit und Intimität, die zwischen Publikum und Hauptfiguren wächst) oder eine Dokumentation (Politik! Wissen! Voyeurismus!).

Mein Vater – Halbwaise, Mechaniker, dann Meisterschule, heute selbständig – sagt sehr oft stolz, er hätte sich in seinem ganzen Leben niemals zwingen lassen, einen Roman zu lesen. Meine Mutter – Dorfjugend, Haushaltungsschule, zehn Jahre Arzthelferin bei einem Kinderarzt, danach vier eigene Kinder – war Gold-plus-Mitglied im Bertelsmann-Club und verliebt sich heute alle zwei Wochen in ein paar neue Hardcover aus kleinen Buchläden: „Den Mann habe ich beim Jauch gesehen. Da hat er von seinem Familienschicksal erzählt. Und bei dem anderen mochte ich dieses intensive Rot. Und diese Schrift…! Die Autorin kommt aus Italien.“

Ich hatte immer jemanden, der mir vorlas und zuhörte. Ich hatte immer Hoffnung und Vertrauen in Bücher. Vor allem aber hatte ich immer die Erlaubnis, mir eigene Entdeckungen zu suchen: Christen verschenkten „Fünf Geschwister“ oder C.S. Lewis. Eltern verschenkten (meist schreckliche) „Schneider“-Bücher, weil sie selbst mit älteren Schneider-Reihen aufgewachsen waren. Bei meinen Grundschullehrern gab es Volltreffer (A.S. Neills „Die grüne Wolke“, Jules Verne, „Der Hexenmeister vom flammenden Berg“), und eine Menge Empfehlungen, die mich nur langweilten und irritierten (Roald Dahl, „Der Hobbit“, Fabeln und Märchen).

Spätestens als Teenager krebste jeder von uns ohne Ratgeber, Mentoren, Hilfestellung durch Büchereien und Bahnhofsbuchhandlungen: Ich las „Der Fänger im Roggen“, weil a) ein Artikel zu „Millennium“, der Schwesterserie von „Akte X“, erwähnte, das Buch habe den Attentäter John Hinckley dazu inspiriert, Ronald Reagan zu erschießen… und b) zur selben Zeit Ace of Base in ihrem Gute-Laune-Song „Life is a Flower“ von „Catcher in the Rye“ sangen.

Ich las Victor Hugos „Die Elenden“, weil Onkel Dagobert im „Lustigen Taschenbuch“ Nr. 143 als Flüchtling „Jean Valduck“ durch Paris schlich. Ich las „What I loved“, allein wegen des hübschen Covers. Ich las „The Lost Language of Cranes“, weil mir der Titel, „Die verlorene Sprache der Kraniche“, bekannt vorkam. (Tatsächlich waren es dann Baukräne, keine Kraniche.)

Blindflüge, Glücksgriffe, wirre Beliebigkeit: „Glastonbury Romance“ von John Cowper Powys wurde in TV Highlights empfohlen, zwischen Artikeln zu „Xena“ und „Buffy“. „You can’t go home again“ von Thomas Wolfe stahl ich aus der Schulbibliothek [Weg 11], weil ich Wolfes Lebenslauf sympathisch fand. Und Nabokov – mein dritter großer Lieblingsschriftsteller – lag auf dem Flohmarkt [Weg 12]: Für jeden Fetzen Popkultur hatte ich eigene Experten, Filter, Testberichte. Bei Literatur aber vertrauten wir auf unser Anfänger- / Idiotenglück.

Und merkten doch: Die „Klappentext + Cover + ‚Ich habe den Namen mal gehört: Läuft das nicht bald im Kino?’“-Strategie ist keine Lösung.

„Man könnte sagen, 90 Prozent aller Science Fiction sei Müll, Kacke und Dreck“, schrieb der Science-Fiction-Autor Theodore Sturgeon 1958, „doch unter diesem Blickwinkel stünde genauso zu behaupten, auch 90 Prozent aller Filme, Literatur, Konsumprodukte seien Kacke.“

Bekannt als „Sturgeons Gesetz“, halte ich diese These für tröstend und plausibel. Doch während andere Kunstformen eben nebenbei, ohne große Mühe entdeckt, verstanden, durchstöbert und sortiert werden können… und hundert engagierte, vertrauenswürdige Fürsprecher, Fan- und Fachorgane haben…

…bleibt Literatur für beinahe jeden, den ich kenne, ein Rätsel – voller Enttäuschungen.

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50 wirklich große Romane des 20. Jahrhunderts“

Acht Dinge, die ich vor acht Jahren, in meinem ersten Semester Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus in Hildesheim, nicht wusste: Wie man „Feuilleton“ schreibt. Wofür „KiWi“ steht. Was Adorno, Walter Benjamin und die Frankfurter Schule wollten. Dass man „Pruust“ sagt, nicht „Praust“. Was Edit, uschtrin.de, Klagenfurt, der open mike und Literaturen sind. Wie „Fräuleinwunder-“ oder „Popliteratur“-Autoren schreiben. Dass „Poesie“ und „Poetik“ zwei verschiedene Dinge benennen.

Vor allem aber: Was man „gelesen haben muss“. So viel wie möglich? Jeden? Alles?

Im Jahr 2003 las ich 20 Bücher. Im Jahr 2004 las ich 132 Bücher. Im Jahr 2005 las ich 203 Bücher. Aber nach welcher Auswahl? Welcher Logik? Ich fragte alle neuen Freunde, Professoren, Schreiber nach ihren Favoriten [Weg 13]. Ich legte Listen und Wunschzettel an [Weg 14]. Ich kaufte preisreduzierte Mängelexemplare [Weg 15] von jedem Autor, der mir dem Namen nach vertraut war – und suchte besonders billige Bestseller und Klassiker im Amazon Marketplace [Weg 16]. Ich verabschiedete mich vom Zwang, jedes Buch zu Ende lesen zu müssen [Weg 17], aber las gerne möglichst viele verschiedene Stimmen über denselben Ort oder dasselbe Thema [Weg 18].

Ich verstand, dass Debütromane oft mehr Schwung und Dringlichkeit bieten als die zweiten oder dritten Bücher eines Autors [Weg 19]. Dass es – Kulturförderung ahoi! – überproportional viele Österreicher und Schweizer gibt, die auch von schlechten Büchern leben können [Weg 20]. Dass jeden Herbst und jeden Frühling vier bis fünf junge Frauen mit „Aufsehen erregenden“ Kurzgeschichten durch die Presse getrieben werden, doch bald vergessen sind, den Beruf wechseln und sich von einer Welle (noch jüngerer) Geschichtenfrauen ersetzen lassen [Weg 21]. Und, dass es oberflächlich, aber extrem hilfreich ist, bei älteren Autoren nachzusehen, ob sie auf ihrem Autorenfoto verklemmt wirken… oder offen [Weg 22].

In knapp drei Jahren schrieb ich etwa 150 Buchkritiken: Ich hatte Neugier, Ehrgeiz, Spaß und fand schnell einen guten Ton (nicht schwer – nach einer Kindheit voller Film-, Spiel-, Serien-Kritiken…). Doch hätte ich Sterne vergeben müssen für meine Lektüren, ich hätte nur 28 (von 355) Büchern 5 von 5 zugestanden: 82 Bücher waren 4-Sterne-Kandidaten, 145 Bücher ödes Mittelfeld, 95 waren dumm und / oder schlecht (2 Sterne), und fünf Totalausfälle. Ich las – und lernte – sehr, sehr viel. Aber ich las nicht gut.

Ab Frühsommer 2004 veröffentlichte die Süddeutsche Zeitung „50 große Romane des 20. Jahrhunderts“. Der biedere 2002er-Kanon von Marcel Reich-Ranicki – 20 Romane aus dem deutschen Sprachraum, geschrieben von 16 Männern und einer (!) Frau, 149 Euro – schien mir arg garstig. Aber jede Woche Weltliteratur, via SZ? Eine Art „Grundkurs Roman“, zum zweiten Semester? Ich kaufte 50 Bücher. Las 33. Und mochte… 8.

Zwei meiner besten Freundinnen – Pädagoginnen, Gelegenheits- und Hobbyleser – schafften die vollen 50. Aber auch sie hatten kaum Freude. Als 2007 Band 51 bis 100 nachgelegt wurden, seufzte Freundin Schumi: „Zu welchem Motto, dieses Mal? ’50 wirklich große Romane des 20. Jahrhunderts‘? Ich glaube, hier höre ich auf.“

Heute, Ende 20, liest sie noch fünf bis sechs Romane im Jahr. „Weißt du? Ich bin abends immer so müde.“

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Ich muss doch MIT ERWARTUNGEN SPIELEN!“

Dieselbe Müdigkeit / Ernüchterung zieht sich durch all meine Bekanntenkreise: Gestresste Frauen verlieren die Geduld für Literatur und schauen lieber „Big Bang Theory“. Männer lesen – wenn überhaupt – schnelle Sachbücher, Comics, Thriller. Selbst Freunde, die ihr Geld mit Schreiben verdienen, zucken bei meiner wöchentlichen „Was Tolles gelesen? Entdeckt? Verschlungen?“-Frage resigniert die Schultern: Ein Buch kostet vier bis zehn Stunden Lebenszeit / Konzentration. Nach meiner Erfahrung aber „lohnt“ kaum jedes dritte oder vierte.

Und jedes Mal, wenn mir ein Freizeitleser seine enttäuschenden Lektüren klagt, spüre ich den Drang, ihn in den Arm zu nehmen und, im Namen aller Schriftsteller der Weltgeschichte, zu sagen: „Dir wurde ein schöner Tag gestohlen. Das schmerzt mich sehr. Doch bitte glaub weiterhin an unsere guten Absichten!“

„Nein – Chance verspielt“, sagt Freundin Antje: Nach einem Jahrzehnt voll hässlicher Erfahrungen mit Karen Duve, Uwe Timm und ein paar Jüngeren misstraut sie deutschsprachiger Literatur. „Sobald sich eine Liebesgeschichte anbahnt oder eine Figur als Sympathieträger heraussticht, kommt es mir vor, als sage sich der Autor: ‚HALT! Ich muss doch MIT ERWARTUNGEN SPIELEN!‘ Ein paar Kapitel später liegt wieder alles in Trümmern und die Figuren verhalten sich wie Wahnsinnige.“

Ich sehe, was Antje meint. Ich teile ihr Unbehagen: Geschichten, die als Romanzen, Krimis oder Reiseberichte starten, mit sattelfesten Helden und klaren Konflikten, enden oft irgendwo am Abgrund, in Sackgassen und schiefen Abzweigungen. Autoren überrumpeln ihre Hauptfiguren, lassen die Leser im Regen stehen. „Ist dir die Handlung unterwegs entgleist?“, würde ich Juli Zeh oder Ingo Schulze oft gerne fragen. „Stehst du auf Kriegsfuß mit deinen Figuren? Deinen Themen? Oder mit uns – dem Publikum?“

Wer deutsche Romane liest, kennt kalte Duschen. Und kalte Schultern.

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Wir lesen, um mit unseren Gefühlen klarzukommen.“

Noch vor zwei Wochen hätte ich dieses Essay mit einem pragmatischen und etwas traurigen Ratschlag abgeschlossen: „Lasst euch gelungene deutschsprachige Bücher von euren Freunden und Vertrauten empfehlen [Weg 23], doch stöbert im Zweifelsfall, wenn ihr ganz neue Entdeckungen machen wollt, lieber bei den US-Autoren.“

Amerikanische Romane sind oft etwas eingleisiger und straffer, überraschungsloser – aber um Welten sauberer erzählt: Wer einen Internats-, Familien- oder Autohausroman auf dem US-Buchmarkt platzieren kann, der weiß in aller Regel eine Menge über Familien, Internate, Autohäuser, kennt (und schätzt) seine literarischen Vorläufer und würgt nicht mittendrin plötzlich umher, als hielte er Autohändler, Internatsschüler, Familien (oder Romane an sich!) für die peinlichsten, lächerlichsten und sowieso langweiligsten Auswüchse der Welt.

Literary Fiction hat klarere Plots. Ein stärkeres Formbewusstsein. Autoren mit festerem Profil (wenngleich manchmal etwas weniger Wagemut). Meist ist sogar die Bildsprache der Umschläge so simpel und normiert, dass man die schlimmsten Fehlkäufe vermeiden kann [Weg 24]: In Deutschland haben Romane von Martin Suter und Anton Tschechow dieselbe Optik. Auf vielen US-Covern dagegen sagt allein die Farbe Lila: Hier geht’s um junge, schwarze Frauen. Danke!

Ist das also die letzte, die wesentliche Unterscheidung? Runde, saubere, etwas blasse US-Romane… gegen die schiefen, kantigeren deutschsprachigen (Nicht-)Erzähler?

Nein. Wer gute Bücher finden will, braucht eine andere, feinere Trennlinie:

„Wir lesen, um mit unseren Gefühlen klarzukommen“, sagte Elke Heidenreich 2003 über die Buchauswahl zu ihrer ZDF-Sendung „lesen!“. „’Literatur‘ im eigentlichen Sinne interessiert sie nicht die Bohne“, lachte der Spiegel über die „Lesemutter der Nation“ und ihre „herzenswärmsten“ Buchtipps: „Ihr genügen ‚Geschichten, die nicht dusselig sind‘ und ‚mit uns allen zu tun haben’“, und ihre Zuschauer „sollen glauben, kaufen und fühlen – weniger denken.“

Diese Haltung – mehr Herz, mehr Bauch, weniger Kopf – passt auch zu Stephen King, der 2010 im Nachwort zu „Zwischen Nacht und Dunkel“ schrieb, er „möchte bei meinen Lesern eine emotionale, sogar instinktive Reaktion hervorrufen. Sie zum Nachdenken zu bringen, während sie lesen, ist nicht mein Ding.“

Persönlich könnte ich unmöglich (sauber) trennen zwischen „Gefühls-“ und „Kopf“-Literatur. Doch King setzt einen smarten, ungewöhnlichen Schnitt: „Ich habe nichts gegen literarische Prosa, die sich meist mit außergewöhnlichen Menschen in normalen Situationen befasst, aber als Leser und Autor interessieren mich gewöhnliche Menschen in außergewöhnlichen Situationen weit mehr.“

Zwei Sorten Literatur. Zwei Sorten Hauptfiguren. Zwei Sorten, zu erzählen und zu lesen.

…und die zwei besten Strategien zum Finden guter Bücher:

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Gestatten? Dein nächstes Lieblingsbuch.“

Für Publikums- und Heidenreich-Romane, für jene Mehrheit aller Texte, in denen „gewöhnliche Menschen“ in „außergewöhnliche Situationen“ schlittern, entwickeln sich präzise Massenwertungen im Internet – das IMDb-Prinzip, auf Literatur angewandt – zum besten Auswahl- und Empfehlungsmechanismus: Seit fast fünf Jahren sortieren bislang 5 Millionen Leser ihre Bücher auf die „virtuellen Regale“ von Goodreads.com [Weg 25]. Für Freizeitleser, Scouts, Kritiker und Redakteure gibt es im Netz keinen prächtigeren Ort zum Sammeln, Jagen, Archivieren, Beraten und Beratenwerden.

Das (weitgehend) englischsprachige Social Network ist ein Katalog wie Last.fm, ein Seismograf wie IMDb und eine Fundgrube für Bestenlisten, Publikumslieblinge und Geheimtipps: Ein Buch ab 4.0 ist (beinahe immer) lesenswert und klug, ein Buch unter 3.5 hat (mindestens) große Schwächen und Probleme. Zu jedem US-Bestseller und jedem Klassiker gibt es Hunderte Rezensionen. Und bei noch unveröffentlichten Titeln posten Verlagsinsider oder Journalisten oft schon im Vorfeld ihre persönlichen Urteile.

Auf Perlentaucher.de, dem deutschen Pressespiegel für professionelle Literaturkritik [Weg 26], herrscht oft ein müder, falscher Respekt vor großen Namen: Don DeLillos vermurksten Roman „Falling Man“ etwa nennt die taz „nicht hundertprozentig gelungen“, die FAZ ist „tief beeindruckt“, die NZZ „ein wenig enttäuscht, aber auf hohem Niveau“, und die Frankfurter Rundschau „überwältigt“. Goodreads sagt schlicht: 3.12 von 5, und schon mit Klick auf Don DeLillos Namen empfehlen sich seine früheren Romane „Unterwelt“ (3.90 / 5) und „Libra“ (3.89 / 5) als gefälligere, sicherere Empfehlungen.

Statt einem populären Autor also blindlings auch durch seine schwächeren Bücher zu folgen, vermisst Goodreads die Höhen und Tiefen einer Autorenkarriere mit bemerkenswerter Akkuratesse: Die besten Romane von Nabokov sind „Fahles Feuer“ (4.24) und „Ada“ (4.18), der schlechteste Roman von Bret Easton Ellis ist „Imperial Bedrooms“ (2.99), John Updikes bestes „Rabbit“-Buch ist „Rabbit in Ruhe“ (3.96), und Sven Regeners „Neue Vahr Süd“ (4.00) ist tatsächlich ein Tick besser als „Herr Lehmann“ (3.90). Kluge Nutzer, klare Urteile: Schwarmintelligenz at its best.

Empfehlenswert also – laut Goodreads-Konsens – im Herbst 2011: António Lobo Antunes‘ „An den Flüssen, die fließen“ (4.00), Markus Nummis „Bonbontag“ (4.08), William Trevors „Turgenjews Schatten“ (3.97). Viele bekanntere Titel dagegen, die in der Presse stärker umworben und beachtet wurden, fallen bei Goodreads durch: Umberto Ecos „Der Friedhof in Prag“ (3.25), Lee Rourkes „Der Kanal“ (3.43), Nicholson Bakers „Haus der Löcher“ (3.04), Chuck Palahniuks „Diva“ (2.70).

Natürlich hat dieser „Beliebt! Berührend! Bekömmlich!“-Populismus seine Schwächen: Kinder-, Fantasy-, Vampirbücher und Mangas (Sparten also, die enthusiastische Fans locken) erhalten meist sehr hohe Wertungen. Kurzgeschichten, Autobiografien, Journalismus und Veröffentlichungen aus dem Nachlass schneiden ebenfalls im Schnitt 0.5 Sterne besser ab als Romane. Deutsche Titel werden bis jetzt noch kaum bewertet… und Lovelybooks.de, ein kuschelweiches deutschsprachiges Angebot voll Kerstin-Gier- und Tommy-Jaud-Lesern, ist leider keine Alternative.

„Was, wenn ich jede Geschichte, die mich je bewegte… jeden Song, zu dem ich jemals tanzte… all meine wichtigsten Stunden… greifen könnte – und mit euch teilen?“, fragte Oprah Winfrey. Goodreads gibt darauf eine erste Antwort: Dann wüssten wir – durch Winfreys Auswahl – ein bisschen besser und genauer, welche Geschichten bewegend, welche Songs tanzbar, und welche Stunden wichtig sind.

Nicht jeder muss all seine Bücher katalogisieren. Doch jede Bewertung (und Warnung!) hilft, das richtige Buch den richtigen Leserkreisen anzutragen. Uns gegenseitig vor Enttäuschungen wie „Falling Man“ zu retten. Und ältere oder unbekannte Lieblingsbücher im Gespräch zu halten.

Das Feuilleton – tagesaktuell, aber zu oft fixiert auf etablierte, alte, weiße Männer – kann solche Überblicke nicht leisten.

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Ein Verzeichnis wundervoller Dinge“

Ich arbeite an Seite 280 meines Romans „Zimmer voller Freunde“: ein Buch über drei Elftklässler in der Provinz und ihre Familien, Cliquen und Romanzen. „Ach so – ein Jugendbuch?“, fragt man mich oft. Doch erst, seit ich bei Goodreads gut zwei Dutzend populäre Young-Adult-Titel ausgesucht, bestellt, gelesen hatte, habe ich darauf eine klare Antwort: Nein. Kein Jugendbuch.

Zwar haben mich viele dieser High-School- und Coming-of-Age-Romane gefesselt, überrascht, beeindruckt. Aber fast immer gab es einen Ich-Erzähler, ohne Biss. Und viel zu oft war diese Hauptfigur das schwächste Glied, die möglichst offene, bekömmliche, banal-sympathische Identifikationsfläche zum Mitfühlen / Mitleiden. Fast alle Autoren aber, in deren Traditionslinien „Zimmer voller Freunde“ steht, erzählen… anders.

Richard Yates‘ „Zeiten des Aufruhrs“, Richard Fords „Unabhängigkeitstag“, Rick Moodys „Der Eissturm“, Alison Bechdels „Fun Home“ oder Thomas von Steinaeckers „Wallner beginnt zu fliegen“ handeln – danke, Stephen King! – von „außergewöhnlichen Menschen in normalen Situationen“: Wenn Peggy Olson in „Mad Men“ eine Bar betritt, ist nie ganz klar, wonach sie sucht, und wie der Abend enden wird. Wenn meine Dorfjugend in „Zimmer voller Freunde“ auf den Schulbus wartet, herrscht eine nervöse Spannung. Brüchiges Eis.

Elke Heidenreich und Goodreads helfen uns, Konsens- und Publikumsromane zu finden, die „nicht dusslig sind“ und „mit uns allen zu tun haben“. Schwerer – aber lohnenswerter – sind jene literarischen Empfehlungen, die ihren Lesern ein Stück näher kommen. Sie kitzeln. Irritieren. Treffen. Weil sie mit uns – und nur mit uns – zu tun haben:

Freund Fred mag ruhige, schüchterne Männer als Hauptfiguren – Rollen für Schauspieler wie Tobey Maguire und Elijah Wood. Freundin Maria mag sachliche Mütter und Väter – Figuren, die sich um Kinder kümmern, doch in der schlimmsten Krise besonnen bleiben. Freund K. mag – im Privatleben – kühle, kluge, arrogante Frauen. Doch andererseits fühlt er sich schnell bedrängt und drangsaliert. Ich lieh ihm ein paar Superheldencomics. Doch alle „Wonder Woman“-Hefte legte er sofort zur Seite. Mit einem Schaudern.

„Empfehlen und Verleihen“, schreibt Kathrin Passig, „sind überwiegend Gefallen, die der Empfehlende und Verleihende sich selbst tut. Für den Empfänger sind sie selten so nützlich, wie wir uns wünschen.“

Ich glaube, nichts wird gerade wichtiger als solche Empfehlungen: Felix von Leitner filtert in seinem Blog politische Skandale, Lügen und Peinlichkeiten aus der Tagespresse. Ronnie Grob sammelt in „6 vor 9“ auf Bildblog.de jeden Morgen sechs Wortmeldungen über Netzkultur und Journalismus. Auf Goodreads folge (und vertraue) ich den Empfehlungen von Kuratoren wie Richard Nash, Oriana Leckert und Jason Pettus [Weg 27].

Egal, ob via Facebook, Blogs oder persönlich: Statt durch Leitmedien erreichen mich die meisten Nachrichten heute durch Leitfiguren – zum Beispiel auf BoingBoing.net, „A Directory of Wonderful Things“, wo Cory Doctorow (Romancier und Datenschützer), Mark Frauenfelder (Illustrator und Heimwerker), Xeni Jardin (Feministin und Cyberpunk) und Maggie Koerth-Baker (Wissenschaftlerin und Katzenblogger) täglich vier Dutzend Essays, Fotos, Produkte, Absurditäten auswählen und vorstellen.

Ich kaufe, jedes Jahr, etwa 150 Bücher. Ich lese zwischen 90 und 120. Ich rezensiere, für Zeitungen, etwa ein Dutzend. Ich gebe 5 Sterne – an etwa 8 bis 10. Ich gebe 4 Sterne – an etwa 30. Ich kaufe gut 40 persönliche Empfehlungen / Geschenke für Freunde und Verwandte. Und ich empfehle (und warne!), wo ich kann: in meinem Blog [Weg 28], auf Facebook oder Twitter. Öffentlich und auf Goodreads. Oder persönlich und privat.

„Was, wenn ich jede Geschichte, die mich je bewegte… jeden Song, zu dem ich jemals tanzte… all meine wichtigsten Stunden… greifen könnte – und mit euch teilen?“, fragte Oprah Winfrey. Dann hätte ich, als Mosaik aus Songs, Geschichten, Stunden, die freie Sicht auf Oprah Winfreys Sensibility. Auf ihren idiosynkratischen Filter. Darauf, wie ihre Augen die Welt sehen. Was sie kitzelt. Irritiert. Und trifft.

Und das macht gute literarische Empfehlungen aus: Ich muss verstehen, woher eine Empfehlung kommt (Winfrey mag Bildungsromane, Survival Stories, Erbauungs- und Bekehrungs-Literatur). Ich muss verstehen, an wen sie geht (Fred mag ruhige, schüchterne Männer als Hauptfiguren).

Wir werden – auf der Suche nach guten Büchern – zu Kuratoren. Zu Psychologen. Zu Schnittstellen.

Zu Kupplern.

Hier meine Auswahl. Gutes Lesen!

  • 250 Bücher, die ich kenne… und empfehle! (Link)
  • 250 Bücher, in die ich große Hoffnungen setze. (Link)

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Stefan Mesch, geboren 1983 in Sinsheim (Baden), schreibt für die ZEIT, den Berliner Tagesspiegel und literaturkritik.de.
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Er studierte Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus in Hildesheim und war Mitherausgeber der Literaturzeitschrift „BELLA triste“, Editor des „Kulturtagebuch“-Projekts, und Mitveranstalter von „PROSANOVA“, dem Festival für junge Literatur.
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Seit 2009 schreibt er „Zimmer voller Freunde“, seinen ersten Roman.
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Kontakt: smesch@gmx.net
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Sonntag

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1989 trennt der Stadtplaner und Soziologe Ray Oldenburg drei „Places“ unseres Alltags: Der „First Place“ ist der Raum, in wir leben, wohnen, schlafen. Der „Second Place“ der Raum, in dem wir arbeiten. Der Wert einer Gemeinde aber bemisst sich an der Qualität ihrer „Third Places“ – den offenen, kollektiven Räumen, an denen man verweilen darf und dabei zwanglos andere Bürger trifft.

Starbucks nutzt das Konzept des „Third Place“ für die Kundenbindung: Jeder darf bleiben, so lange er will. Alle sind sicher und willkommen. Man soll vor seinem Kaffee sitzen und lesen, plaudern, warten – wie daheim. 

Doch ein tatsächlich öffentlicher „Third Place“ ist viel seltener. Und alle, die wir haben, liegen draußen, unter freiem Himmel: der See im Dorf, der Bahnhofswiesenpark, die Wiese oben am Ottilienberg. Sobald es kälter wird, sind diese Orte von der Karte ausgestrichen. Sobald der Spätherbst kommt, wird die Welt klein. Und ernst. Und eng.

Es gibt nicht viele Plätze hier, für uns.

„Zimmer voller Freunde“, Seite 190.

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verwandte Links:

  • „Zimmer voller Freunde“, zwischen/miete-Lesung, Literaturbüro Freiburg, November 2011 (Link)

Geschenke 2011: Bücher, DVDs und Comics

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[für eine Übersicht über die besten Bücher, die ich 2011 gelesen habe… hier entlang (Link)!]

die zehn Bücher, die ich am häufigsten verschenke:

die zehn Filme / Serien, die ich gerne empfehle / verschenke:

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Buchtipps sind… sinnlos. In meinem privaten (Zuhause-)Freundeskreis jedenfalls:

Es fällt mir leichter (und wirkt weniger… übergriffig / aufdringlich), auf Amazon Marketplace zwei, drei gebrauchte Ausgaben zu kaufen und zu schenken, als Freunden mit Kaufempfehlungen in den Ohren zu liegen.

Sobald ich denke „Er/sie hätte Spaß, mit diesem Buch“, kaufe ich eine billige Ausgabe.

Hier: Die Bücher und DVDs, die ich 2010 verschenkt habe.

Blau markierte Titel kamen sehr gut an.

Rot markierte Titel kamen schlecht an.

Die Liste für 2011 veröffentliche ich besser erst nach Weihnachten…

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Geschenke 2010:

Kinder:

mein Neffe, zu Taufe, 1. Geburtstag und zu Weihnachten:

  • Eric Carle: „Bilderbuchschatz“ (Bilderbuch, Link)
  • Eric Carle: „Die kleine Raupe Nimmersatt“ (Pop-Up-Buch, Link)
  • Anouck Boisrobert: „Popville“ (Pop-Up-Buch, Link)
  • David A. Carter: „One Red Dot“ (Pop-Up-Buch, Link)
  • Didier Cornille: „Hier & da – das Buch der Zahlen, Farben und Formen“ (Bilderbuch, Link)
  • Obstgarten (Brettspiel, Link)

Sohn meiner besten Freunde, 2 / 3 Jahre alt:

  • „Buchstabix“ (Brettspiel, Link)
  • „Cube Book: Cars“ (Bildband, Link)

Tochter meiner besten Freunde, 8 Jahre alt:

  • „Mein Nachbar Totoro“ (DVD, Link)
  • „Yotsuba“ 1 bis 3 (Manga, Link)
  • „Viva Pinata“ (DS-Spiel, Link)
  • „Disneys Lustiges Taschenbuch 143: Das Geheimnis der Silberleuchter“ (Comic, Link)

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Frauen:

meine Schwester – Schülerin, 17:

  • „One Week“ (DVD, Link)
  • Leif Randt: „Leuchtspielhaus“ (Roman, Link)

Pädagogin, 27 – mag Schmöker und weibliche Hauptfiguren:

  • Alison Bechdel: „Fun Home“ (Graphic Novel, Link)
  • Natalia Ginzburg: „Die Stadt und das Haus“ (Roman, Link)
  • Francesca Marciano: „Himmel über Afrika“ (Roman, Link)
  • Monika Maron: „Animal triste“ (Roman, Link)
  • Dietmar Dath: „Dirac“ (Roman, Link)
  • Lois Lowry: „Hüter der Erinnerung“ (Jugendbuch, Link)
  • Randy Pausch: „Die Lehren meines Lebens“ (Essay, Link)

Pädagogin, 27 – mag „Friends“:

  • „Der Aufstand“ (DVD, mit David Schimmer, Link)
  • „The Comeback“ (DVD, mit Lisa Kudrow, Link)
  • „The Triumph“ (DVD, mit Matthew Perry, Link)
  • Dietmar Dath: „Dirac“ (Roman, Link)
  • Randy Pausch: „Die Lehren meines Lebens“ (Essay, Link)

Pädagogin, 27 – mag Mangas:

  • Jiro Taniguchi: „Vertraute Fremde“ (Manga, Link)
  • Judd Winick: „Pedro and me“ (Comic, Link)
  • Bryan Lee O’Malley: „Scott Pilgrim“ 1 bis 4 (Comic, Link)
  • Randy Pausch: „Die Lehren meines Lebens“ (Essay, Link)

Pädagogin, 27 – mag Young Adult-Literatur und Schmöker:

  • Suzanne Collins: „Die Tribute von Panem“ (Science Fiction, Link)
  • Miriam Toews: „Ein komplizierter Akt der Liebe“ (Jugendbuch, Link)
  • David Leavitt: „Martin Baumann“ (Roman, Link)
  • Randy Pausch: „Die Lehren meines Lebens“ (Essay, Link)

Journalistin, 27:

  • Gabrielle Zevin: „Anderswo“ (Jugendbuch, Link)

Hausfrau / Beamtin, 31:

  • „Wie ein einziger Tag“ (DVD, Link)

Krankenschwester, Mitte 50:

  • Björn Kern: „Einmal noch Marseille“ (Roman, Link)

meine Mutter (ehem. Arzthelferin, Pflegedienstleiterin, Mitte 50):

  • Juri Taniguchi: „Vertraute Fremde“ (Manga, Link)
  • Randy Pausch: „Die Lehren meines Lebens“ (Essay, Link)
  • Miriam Toews: „Die fliegenden Trautmans“ (Jugendbuch, Link)
  • Harper Lee: „Wer die Nachtigall stört“ (Jugendbuch/Roman, Link)
  • David Nicholls: „Zwei an einem Tag“ (Roman, Link)

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Männer:

Mein Bruder – Mechatroniker, 24:

  • „Ein Königreich für ein Lama“ (DVD, Link)

ITler/Maschinenbauer, 26:

  • „Mad Men“, Staffel 1 (DVD, Link)
  • Wladimir Kaminer: „Militärmusik“ (Roman, Link)

Programmierer, 27:

  • David Foster Wallace: „Schrecklich amüsant – aber in Zukunft ohne mich“ (Essay, Link)
  • Sergej Lukianeko: „Wächter des Tages“, „Wächter der Nacht“, „Wächter des Zwielichts“ (Fantasy-Dreiteiler, Link)
  • Thomas von Steinaecker: „Wallner beginnt zu fliegen“ (Roman, Link)
  • Dana Bönisch: „Rocktage“ (Roman, Link)
  • Randy Pausch: „Die Lehren meines Lebens“ (Essay, Link)

Bankkaufmann, 29:

  • George Orwell: „1984“ (Roman, Link)
  • Christopher Isherwood: „Der Einzelgänger“ (Roman, Link)
  • Richard Ford: „Unabhängigkeitstag“ (Roman, Link)
  • Augusten Burroughs: „Krass!“ (Jugendbuch, Link)
  • Louis Sachar: „Löcher“ (Jugendbuch, Link)
  • Randy Pausch: „Die Lehren meines Lebens“ (Essay, Link)

Künstler / Kurator, 30:

  • John Fiske: „Reading the Popular“ (Essay, Link)
  • John Fiske: „Understanding Popular Culture“ (Essay, Link)

Grafiker, 58 – mag Blockbuster, leichte Kost und Filme „zum Abschalten“:

  • „Waltz with Bashir“ (DVD, Link)
  • „Almost Famous“ (DVD, Link)
  • „Freaky Friday“ (DVD, Link)

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Geschenke für Paare / junge Eltern:

  • „True Blood“, Staffel 1 (DVD, Link)
  • „The OC“, Staffel 1 (DVD, Link)
  • „Porn for New Moms“ (Bildband, Link)

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Geschenke für Freunde aus Kanada / Toronto:

Grafiker, 29:

  • Scott McCloud: „Understanding Comics“ / „Making Comics“ (Essays / Comics, Link)
  • Cormac McCarthy: „The Road“ (Link)
  • „Vanilla Sky“ (DVD, Link)

Bibliothekar, Ende 30:

  • Nick Burd: „The vast Fields of Ordinary“ (Jugendbuch, Link)

Theater-Agent (und Science-Fiction-Leser), Anfang 50:

  • Vladimir Nabokov: „Das Bastardzeichen“ (Roman, Link)
  • Suzanne Collins: „The Hunger Games (Jugenbuch, Link)

Pädagogin, Anfang 50, wohnt in Hamilton, Ontario:

  • Stefan Mühldorfer: „Tagsüber dieses strahlende Blau“ (flügellahmer Roman… der aber in Hamilton, Ontario spielt. Ich übergab das Buch mit einer entsprechenden Warnung: Vielleicht hilft wenigstens das Lokalkolorit. Link)

Pädagogin / Feminstin / Couchsurferin in spe, 60:

  • Alison Bechdel: „Fun Home“ (Comic, Link)
  • Brian Thacker: „Couch Surfing“ (Reisebericht, Link)

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verwandte Links:

„Zimmer voller Freunde“: zwischen/miete Lesung, Literaturbüro Freiburg, November 2011

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„Zimmer voller Freunde“: die zweite öffentliche Lesung… Anfang November 2011, in Freiburg. Die Ankündigung:

»Da sind, wie Trollfrauen und böse Feen von einem aggressiven Videospieldesigner über die ganze dunkle, feuchte Wiese vor mir ausgestreut, überall Dreier-, Vierergruppen fremder Rand- und Nebenfiguren, an denen ich nicht vorbeigehen kann: Ich bräuchte einen Schild, vielleicht ein Schwert. Ich bräuchte Stärke und Gewandtheit. Und ich bräuchte einen Helm.« (Romanprojekt »Zimmer voller Freunde«)

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Die erste zwischen/miete im Herbst 2011 findet statt in der Glümerstraße 15. Zu Gast: Stefan Mesch, geboren 1983 in Sinsheim (Baden), schreibt für die ZEIT, den Berliner Tagesspiegel und literaturkritik.de. Er studierte Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus in Hildesheim und war Mitherausgeber der Literaturzeitschrift BELLA triste, Editor des Kulturtagebuch-Projekts, und Mitveranstalter von PROSANOVA, dem Festival für junge Literatur. Seit 2009 schreibt er Zimmer voller Freunde, seinen ersten Roman.

| Fr 04.11.11 | 20 Uhr | Glümerstraße 15 | Eintritt: 3 € inkl. Bier und Brötchen | anschließend Party mit den DJs DJs Johann Wolfgang Flöte, Max Fresh und Ingeborg Bassmann

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Im Juli 2010 veröffentlichte ich das erste Kapitel von „Zimmer voller Freunde“ im Freiburger „14 Magazin“ (Link). Zur Releaseparty von Ausgabe 2 (Link) im Jos Fritz Café las ich – zusammen mit Adrian Kasnitz, Trudy Mielke – aus Kapitel 3.

Mitte Oktober lud mich Felix Schiller zum zweiten Mal nach Freiburg ein: eine Lesung (und anschließende WG-Party) mit etwa 160 Gästen… und knapp 60 Minuten (!) Lesezeit.

Die ersten 300 Seiten des „Zimmer voller Freunde“-Manuskripts sind mittlerweile fertig. Ab Anfang 2012 suche ich einen Verlag, und in ca. 12 Monaten sind alle 31 Kapitel / 420 Seiten bereit zum Endlektorat.

Figuren, Tonfall, Timing (und… Pointen) des Romans vor einem Livepublikum zu testen ist immer noch sehr neu für mich – und hilft mir weiter:

Ich habe kaum Freunde und Bekannte in Freiburg. Und bin irrsinnig dankbar, dass zahlendes Publikum eine Stunde lang – zum Teil im Stehen, zum Teil via Skype im Nebenzimmer, zum Teil im Flur (!) – diesen Figuren folgt.

Ein guter Abend. Eine tolle Party. Ein Dutzend neuer, interessanter Leute.

Hat Spaß gemacht!

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Das Literaturbüro Freiburg (Link) schreibt über die „zwischen/miete“-Reihe:

„Die Lesereihe zwischen/miete präsentiert Literatur aus der jüngsten Schriftstellergeneration und bringt sie ins Gespräch. Von Studierenden organisiert und moderiert, kommen für einen Abend professionelle junge AutorInnen zur »Zwischenmiete« in Freiburger Wohngemeinschaften und präsentieren ihre Texte. Die von ihren Bewohnern ganz unterschiedlich geprägten studentischen Räume werden so zu einem Ort der jungen Literatur und etablieren eine Plattform für den deutschsprachigen literarischen Nachwuchs.

Seminare, Kneipen, WG-Küchen. Befristete Zusammenkünfte machen die studentische Lebenswelt zu einem großen Teil aus. Vieles geschieht auf Probe, als Experiment, unter Vorbehalt. Auch jede Lesung ist eine Zusammenkunft als Versuchsanordnung zwischen Text, Publikum und Raum, die bei Gelingen der WG ihre eigene Geschichte einschreibt. Die NachwuchsautorInnen nutzen diese Probezeit, den Dialog, das Gespräch und den Austausch – nicht nur mit gestandenen Autoren und Kritikern, sondern mit einem jungen und interessierten Publikum.

Kurzprosa und Lyrik sind oft gewählte Formen junger AutorInnen. zwischen/miete rückt gerade deshalb die kurzen Formen der Literatur in den Mittelpunkt – ohne sich jedoch der traditionellen Erzählform, dem Roman, zu verschließen.

Kuratiert und durchgeführt werden die Veranstaltungen von Ann-Christin Bolay, Carolin Löher und Felix Schiller, Studierende der Universität Freiburg, in Absprache mit dem Literaturbüro Freiburg und in Kooperation mit dem Studentenwerk Freiburg.

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bisherige Gäste, 2010 und 2011:

Clara Ehrenwerth, Tilman Strasser, Marius Hulpe, Wolfram Lotz, Andreas Stichmann, Judith Keller, Janin Wölke, Marie T. Martin, Stefan Petermann, Hannes Köhler

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zwischen/miete auf Facebook: Link

verwandte Links:

2000 / 2001: My personal Soundtrack [04, quick list]

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I started keeping a diary on October 26th, 1997. I was 14 and in 9th grade. I kept up until 2004, and every year, I made a ‚personal soundtrack‘ with songs that reflected last years‘ themes and storylines.

Here are 20 songs for ‚Season 4‘, October 2000 to October 2001.

For part one, 1997 to 1998, please go here (Link).

For part two, 1998 to 1999, please go here (Link).

For part three, 1999 to 2000, please go here (Link).

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  • Aimee Mann: Par for the Course
  • JJ72: Oxygen
  • Eskobar: On the Ground
  • Better than Ezra: At the Stars
  • Eva Cassidy: I know you by heart
  • Neil Finn: Message to my Girl (Live Piano Solo)
  • Robbie Williams: Road to Mandalay
  • K’s Choice: Live for real
  • Bliss: Not quite Paradise
  • Eva Cassidy: Anniversary Song
  • Chris Isaak: Graduation Day
  • Krezip: I would stay
  • Crash Test Dummies: Superman Song
  • Five for Fighting: Superman
  • Semisonic: Gone to the Movies
  • The Wallflowers: We could be Heroes
  • Willard Grant Conspiracy: Another lonely Night
  • Maná: En el muelle de san blas
  • Starsailor: Love is here
  • The Divine Comedy: The Summerhouse

Some of these songs are on Youtube. Let’s see how long it takes before they are taken down. Here are the videos: Watch them while the links still work!

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Aimee Mann – Par for the Course:

not available. 😦

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JJ72 – Oxygen:

http://www.simfy.de/artists/102371-JJ72/albums/386573-JJ72/tracks/12694566-Oxygen

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Eskobar – On the Ground:

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Better than Ezra – At the Stars (the album version is better than this video):

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Eva Cassidy – I know you by heart:

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Neil Finn (Crowded House) – Message to my Girl:

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Robbie Wiliams – Road to Mandalay:

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K’s Choice – Live for real:

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Bliss: Not quite Paraidse (Titan A.E.):

geoblocked / not available in Europe 😦

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Eva Cassidy – Anniversary Song:

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Chris Isaak – Graduation Day:

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Krezip – I would stay:

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Crash Test Dummies – Superman Song:

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Five for Fighting – Superman:

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Semisonic – Gone to the Movies:

http://www.simfy.de/artists/5163-Semisonic/albums/8643-Feeling-Strangely-Fine/tracks/274177-Gone-To-The-Movies

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The Wallflowers – We could be Heroes:

…featured in this (awesome) trailer for Sam Sheppard’s „Hamlet“:

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Willard Grant Conspiracy – Another lonely Night:

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Maná – En el muelle de san blas:

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Starsailor – Love is here (sorry for the strange remix / overproduced version):

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The Divine Comedy – The Summer House:

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related Links:

  • 1997 / 1998: My personal Soundtrack (Link)
  • Helden meiner Kindheit (Link)
  • My Video Game Biography (Link)
  • My favorite Movies (Link)

1997 / 1998: My personal Soundtrack [01, quick list]

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I started keeping a diary on October 26th, 1997. I was 14 and in 9th grade. I kept up until 2004, and every year, I made a ‚personal soundtrack‘ with songs that reflected last years‘ themes and storylines.

Here are 20 songs for ‚Season 1‘, October 1997 to October 1998.

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  • Del Amitri: Nothing ever happens
  • Frank Black: Man of Steel
  • Don Henley: Boys of Summer
  • Alanis Morissette: Thank you
  • REM: Everybody Hurts
  • Gus: Don’t fear the Reaper
  • Cowboy Junkies: Sweet Jane
  • Buffalo Tom: Soda Jerk
  • Green Day: Good riddance
  • Patsy Cline: Never no more
  • Roxette: June Afternoon
  • Silverchair: I miss you love
  • Jewel: Foolish Games
  • Pachelbel: Canon in D (Quartet)
  • David Bowie, Lou Reed et al.: Perfect Day

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Some of these songs are on Youtube. Let’s see how long it takes before they are taken down. Here are the videos: Watch them while the links still work!

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Del Amitri – Nothing ever happens:

Frank Black – Man of Steel:

Don Henley – Boys of Summer:

Alanis Morissette – Thank you:

REM – Everybody hurts:

Gus – Don’t fear the Reaper:

Cowboy Junkies – Sweet Jane:

Buffalo Tom – Soda Jerk:

Green Day – Good Riddance:

Patsy Cline – Never no more:

W.G. Snuffy Walden – Theme from ‚My so-called Life‘:

Vonda Shepard – You belong to me:

Mark Snow – ‚Millennium‘ Theme:

Ryuichi Sakamoto – Harry to Hospital (‚Wild Palms‘):

Michael Nyman – The Departure:

Roxette – June Afternoon:

Silverchair – Miss you love:

Jewel – Foolish Games:

Pachelbel – Kanon in D Dur (String Quartet Version):

David Bowie, Lou Reed etc. – Perfect Day:

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related Links:

  • Helden meiner Kindheit (Link)
  • My Video Game Biography (Link)

Wer braucht… Kultur? [Eine Debatte auf Facebook]

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Manchmal (Link) entspinnen sich auf Facebook Dialoge in einer Länge und/oder Tiefgang, die einen zweiten, längeren Blick lohnen.

Heute Abend über Kulturförderung, Zielgruppen, Theater-Subventionen… und die – erschreckend schwammige – Frage, wo „Kultur“ anfängt und aufhört.

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Hier also – copy’n’paste, aus meinem privaten Facebook-Account – eine schnelle, wilde Debatte, ursprünglich zu DIESEM Zeit-Artikel (Link) über die Kulturarbeit des deutschen Goethe-Instituts im Ausland.

Gestern Nachmittag postete ich den Link auf Facebook. Und schrieb:

Stefan: „Politikfreunde? Helft mir mal: Für die Grünen ist Kultur(förderung) keine Priorität, höre ich ab und zu, weil… Joschka Fischer vor zehn Jahren das Goether-Institut „kaputtsparen“ wollte.

Auch hier [im Artikel] stehts wieder. Und daran interessiert mich weniger: das Goethe-Insitut und die Debatten DARÜBER…

‎…als die Frage: Stimmt das? Sind die Grünen desinteressiert bis feindselig, wenn’s um Kultur geht?“

Freund M.: „Grüne? Nie gehört.“

Freund M.: „ach ernsthaft: das klingt als wäre die darstellung zu simpel unverkürzt. und politische parteien… sogar die grünen… sind etwas komplexer.“

Stefan: „Ja, natürlich. darum frage ich ja: Hat jemand Informationen für mich?“

Freund S. …postete daraufhin einen Link zum Parteiprogramm der Grünen.

Meine – zynische – Antwort: „ALLE Informationen. Direkt von der Quelle. Tolle Sache! 🙂 „http://www.deutschebp.de/g​enericsection.do?categoryI​d=2012227&contentId=704395​6

Freund S.: „Freut mich, wenn man helfen kann, lieber Stefan. :-)“

Freund S.: „Aber: Ich habe immer so ein Problem mit offiziellen Quellen von Parteien. Wenn ich von den Grünen (auf jede andere Partei übertragbar) etwas lese, dann klingt es ja immer irgendwie gut. Die schießen sich ja nicht in’s eigene Bein. Und gerade Kultur – da verscherzt sich’s ja kaum wer, ist schließlich ein Thema, was jeder irgendwie gut findet, selbst wenn man weder produziert noch viel rezipiert.

Kulturinstitutionen abschaffen ist generell böse, auch wenn man sich selbst nicht mit ihnen auseinandersetzt.

Was ich damit sagen will: Natürlich haben die Grünen ein großes, positives Statement zur Kultur. Alles andere würde ihnen schaden. Wie komplex jedoch das ausgearbeitete Konzept ist und was die eigentlichen Taten in diesem Bereich sind, zählen tausendfach mehr als dieses ‚Thesenpapier‘.“

Stefan: „Volle Zustimmung, ja.“

Anschließend postete Freundin T. den Youtube-Clip einer Bundestagsrede der grünen Abgeordneten Agnes Krumwiede (Link) und wir sprachen kurz über Krumwiedes Auftritt.

Richtig zufrieden war ich mit den Links jedoch noch nicht.

Stefan: „Leute – die Diskussion macht Sinn. Und sie interessiert mich. Aber ich hatte gehofft, von euch mit Links bombardiert zu werden über konkretes Kulturzeugs aus den letzten Jahren: „Grüne retten das Theater in Unna.“, „Grüne: Subventionen für Suppenkuche… aber nicht für Rundfunkanstalt“, ‚Grüner Bürgermeister: Integration ist wichtiger als Oper‘ usw..“

Freund S.: „Es ist tatsächlich schwer etwas zu dem Thema zu finden.“

und Freundin S., abschließend: „dass eine partei heute ein statement wie „Integration ist wichtiger als Oper“ bringt ist recht unwahrscheinlich, ums mal euphemistisch auszudrücken. und auf den offiziellen bekenntnis-Seiten zu schauen.. da muss man wohl durch die archive. hilft dir jetzt zwar nicht unmittelbar, ist aber so.

daher kann ich dir trotz zeitmangels eine kleine einschätzung geben, die die kurzrecherche im diz ergab, da es mich selbst interessiert hat: die landeskoalitionen, in denen die grünen vertreten sind, sind im zuge der sparpakete des bundes natürlich auch oft auf kulturkastration, aber die frage, wer da die schlimmsten heuchler sind.. schwierig.

augenmerk auf die letzten heißen felder: hamburg (klar), vor allem altonaer museum und die theater.. und bonn. aber die theater: sie machen im ganzen land zu, da sind sich ausnahmsweise die parteien in ihrer richtung mal einig.“

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hier beginnt der interessante/grundsätzlichere Part:

Ich postete heute Abend einen Link zur Maslow’schen Bedürfnispyramide (Link) und erklärte:

Stefan: „Kultur… ist wichtig? Oder nicht? Ich bin heute aufgeschmissen, und brauche eure Meinung/Expertise:

Die Vorgeschichte ist mein Post von gestern, über die Grünen. Ich wollte von meinem Facebook-Freundeskreis wissen, ob Kultur für die Grünen Priorität hat, und wie sich diese Haltung zur Kultur in der grünen Tagespolitik niederschlägt: Würden die Grünen für ein Stadttheater kämpfen? Ist ihnen öffentlich-rechtlicher Rundfunk wichtig usw.?

Als Antwort bekam ich in den ersten paar Stunden aber nur einen Link zur offiziellen grünen Kulturpolitik: Ein Text, den ich als ziemlich schwammig/nutzlos empfand, weil JEDE große Partei so ein .pdf irgendwo liegen hat. Keine Volkspartei würde öffentlich sagen: „Kultur ist NICHT wichtig.“

Grade sprach ich mit einer Freundin, die meinen Post und meine gestrige Frage absurd fand. „Stefan? Warum hast du gefragt, ob Kultur eine Priorität für die Grünen ist? Was soll denn so eine Frage?“

Sie sagt: Kultur – jedenfalls ‚ästhetische Kultur, z.B. Theater und die ’schönen Künste‘ – sind sehr weit oben auf Maslows Bedürfnispyramide: Menschen müssen satt sein. Menschen müssen sich sicher fühlen. Erst DANN kann über Bedürfnisse wie „Selbstverwirklichung“ nachgedacht werden. Insofern ist Kultur ein… Riesenluxus, den sich die westliche Welt zu fördern leisten kann. Aber: Nichts, von dem eine Volkspartei sagen dürfte: „Ja, klar hat das für uns Priorität.“

Ich sage: Aber Kultur ist doch überall! Mir geht es nicht [nur] um Theater: Dinge wie… Seifenopern sind auch Kultur. Alle medialen Inhalte sind Kultur.

Sie sagt: Das meiste, ja. Also, wenn du noch ‚Unterhaltung‘ dazu nimmst… sicher. Das kann auch Kultur sein. Die künstlerische Seite eben – aber nicht z.B. Nachrichten.

Ich sage: Doch. Natürlich! Nachrichten sind doch auch Kultur. Aber unbedingt. Das wird von Redakteuren geordnet, beschrieben und erklärt. Das sind… Kuratoren, die Informationen für uns aufbereiten. Auf jeden Fall ist das Kultur.

Sie sagt: Die Nachrichten kommen von Nachrichtenagenturen. Dort wird gesammelt, was wichtig ist. Das ist kein künstlerischer Akt – das sind neutrale Sammler, die ihre Meldungen weiterleiten… und dann kommen ALLE Tageszeitungen/Medien und übernehmen diese Meldungen. Da wird nicht mehr viel ‚kuratiert‘.

Ich sage: Aber hallo! Die Welt, die… ‚Die Welt‘ zeichnet, ist doch eine grundsätzlich andere Welt als die Welt, die ‚Der Spiegel‘ zeichnet. Oder der ‚Focus‘.

Sie sagt: In einer ’normalen‘ Zeitung werden Meinungen von Nachrichten getrennt. In Lokalzeitungen gibt es SO viele Seiten, in denen NUR Sachverhalte geschildert werden… das ist Informationsmanagement. Nicht aber ‚Kultur‘.

Ich sage: Künstler suchen Inhalte… und verdichten sie dann in einer dazu passenden Form. Dasselbe tun Nachrichtenagenturen doch auch: Da sitzen Kuratoren – mit einem Weltbild, Prioritäten, kulturellen Werten usw. – und entscheiden, was berichtenswert ist. Und was nicht.

Sie sagt: Nein. Da sitzen Menschen und sagen: ‚Ein Flugzeug ist in das World Trade Center geflogen.‘ DAS ist die Nachricht. DAS kommt von der Nachrichtenagentur.

Ich sage: Und dieselbe Agentur sagt doch auch: ‚Ein Big Brother-Starlet präsentiert ihren neuen Dildo auf der Reeperbahn.‘ Wer entscheidet denn, das DAS eine Nachricht ist? Die Kuratoren und Kulturschaffenden IN diesen Agenturen.

Sie sagt: Promi-News ist eher eine Form der Politik. Im Moment finden 50 Kriege statt – aber wir hören nur höchstens von einem oder zweien in den Nachrichten. Warum? Weil die Poltik ein echtes Problem damit hätte, wenn Leute wirklich ALL den Irrsinn sehen, der durch unseren Konsum / unsere globale Ausbeutung verursacht wird. Es ist ja… staatstragend, wenn die Medien dort wegsehen.

Ich sage: Ja und nein. Ich glaube nicht, dass der Staat die Nachrichtenagenturen kontrolliert… aber es IST staatstragend, ja. Deshalb ist es ja auch Kultur.

Sie sagt: Nein – deshalb ist es Politik. Und jene Aktivisten, die sich GEGEN solche Verheimlichungen und Zensuren stellen – Julian Assange zum Beispiel – sind doch keine ‚Kulturschaffenden‘. Sondern Bürgerrechtler.

Ich sage: Wenn sie etwas veröffentlichen, SIND sie Kulturschaffende, doch. Aber genauso sind die PR-Experten und Spin Doctors der Parteien Kulturschaffende. Unbedingt.

Sie sagt: Stefan – wäre ALL das Kultur, dann gäbe es doch gar keine Partei, für die (deine komische Art von Allgemein-)’Kultur‘ KEINE Priorität hatte. ALLE Parteien haben doch PR-Berater.

Ich sage: Ja. Und all diese PR-Berater prägen die Kultur. Genau wie jeder… Industriedesigner. Und jeder, der ein Stück Seife entwirft.

Sie sagt: Aber die meiste Seife WIRD doch gar nicht ‚entworfen‘. Wo ist denn Gallseife ‚entworfen‘? Das sind wirtschaftliche Gesichtspunkte. Fragen der Fertigung. Form follows function.

Ich sage: Aber auch Gallseife kommt in einer Verpackung. Und auch diese Verpackung wird von jemandem entworfen. Und um DIESE Leute geht es mir – das sind nicht furchtbar viele: Gestalter, Kuratoren… alle Menschen, die einen Inhalt in eine Form geben. Das ist ein künstlerischer Akt. Und immer auch ein Stück Weltbild… ein politischer Akt.

Sie sagt: Ich bin Lehrerin. Wie viele Menschen präge ICH? T. ist Krankenpfleger: Wie viele Menschen prät ER? Das sind doch keine Kulturschaffenden! Und das ist nichts, das man explizit fördern oder nicht fördern kann. Das gehört dazu. Rechte Parteien fördern rechte Kultur. Linke Parteien fördern linke Kultur.

Ihre abschließende Haltung: Wundere dich nicht, dass gestern niemand deine Frage nach der Kulturpolitik der Grünen gut beantworten konnte. Dir scheint ja selbst nicht klar zu sein, ob es dir um die Förderung von Opernhäusern geht… oder um diese ‚Allgemeinkultur‘. ICH finde, Opernhäuser dürfen für KEINE Volkspartei die Priorität sein. Und dieses andere – die Allgemeinkultur – das ist dann eher Öffentlichkeitsarbeit, (Bildungs-)Politik und die Vermittlung der jeweiligen Werte, die eine Partei hat. Bei den Grünen z.B. die Protestkultur.“

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die Antworten, Reaktionen, Kommentare:

Freund J. schreibt: „das heisst ja erstmal nur, dass kultur eine art von luxusgut ist, sehr weitgefasst: wenn ich alle meine grundbedürfnisse befriedigt habe, erst dann ist es für mich wichtig, herauszufinden, warum genau ich diese grundbedürfnisse eigentlich befriedigt habe, was es eigentlich heisst, für mich, als person, grundbedürfnisse zu haben, herauszufinden, wie die welt um mich herum funktioniert, und was noch so alles geht.

oder anders gesagt: diese venus von willendorf (Link).

[Das ist] so wichtig, genau wie felszeichnungen, us. usf., weil sie anzeigen, dass da etwas passiert, das über das hinausgeht, was ich brauche, um zu überleben.

aber leben und überleben sind ja zwei paar schuhe. also: kultur ist wichtig.“

Freundin N.: „Klar ist Kultur wichtig. Und diese Diskussion um erst essen und dann Kultur hatte ich auch mal.

In den Niederlanden übrigens fördern Rechte Parteien keine Kultur. Sie schaffen sie ab. Es muss gespart werden und da spart man am Liebsten an den 1% des kompletten Budget, das für Kultur draufgeht, weil bestimmte Formen von Kultur eben keine messbaren, schnell Sichtbaren Ergebnisse bringt. Aber stimmt, Design ist in und Creative Industries sind in … aber fördern muss man sich trotzdem selber.“

Freundin J.: „So, ich habs jetzt nicht alles gelesen, das Ende nur überflogen. Aber was deine Freundin über die Nachrichtenagenturen bzw. Zeitungen sagt, ist absoluter Quatsch, und ich muss es wissen, weil ich alle Nachrichtenagenturen (die allesamt schon Nachrichten kuratieren und darstellen – es gibt zum Beispiel christliche Nachrichtenagenturen, die völlig andere Meldungen tickern als bzw. DPA) mitlese. Man kann keine Nachricht neutral darstellen mit allen Hintergründen, schon die Agenturen wählen aus und stellen verschieden dar. So, dann wird nochmal in den Zeitungen in den Konferenzen ausgewählt, welche Meldung für die spezifische Leserschaft Relevanz hat und wie groß und wie prominent diese Meldung gebracht wird. Deswegen ist ja die Gesellschafts- und Klatschseite immer weiter hinten in der Zeitung als Politik und Wirtschaft.“

…und fügt hinzu: „Und die Grünen rechnen Kultur zu dem Grundrechten und fordern eine Kulturflatrate – vor allem für Kinder aus kulturfernen Haushalten.

Was Dir als schwammig erschien, ist der Schutz davor, dass den Grünen vorgeworfen wird, sie seien eine Besserverdienerpartei.

Und Kultur (vor allem: Opernhäuser) wird in Hamburg übrigens aus ganz blöden Gründen gefördert – als Standortfaktor. Weil: Fachkräfte ziehen nur in Städte, wo ihnen etwas geboten wird.

siehe: Richard Florida.

http://de.wikipedia.org/wi​ki/Kreative_Klasse (Link)

[Freund J.] hat Recht. Leider ist es so, dass irgendjemand mal entschieden hat, was förderungswürdig (also anspruchsvoll und bedürftig) ist und welche Kultur sich selbst finanziert.

Lies das mal, Stefan: Das fasst Politik und Stadtförderung [in Hamburg] zur Zeit am besten zusammen.

http://nionhh.wordpress.co​m/about/ (Link)

…und zu meiner Beschreibung der Grünen Haltung: Das ist natürlich jetzt etwas sehr zusammengefasst. Aber die haben schöne Konzepte entwickelt, vor allem von Stadtteilskultur.“

Freund J.: „nun ja, solange es genug förderer gibt, die unterschiedlichste sachen fördern, ist ja alles in butter.

aber ich habe ein problem mit diesen leuten, die sich dagegen wehren, als standortfaktor bezeichnet zu werden, oder als marketinginstrument, obwohl sie das sicher aus den richtigen gründen tun – aber ich kann ja andererseits nicht rumlaufen und sagen, hui, ich mache jetzt kultur, aber keiner kommt, weils keinen interessiert. dann habe ich zwar ein paar nette bilder gemalt, oder wasauchimmer, aber kommuniziert habe ich mit niemandem. das kanns dann ja auch nicht sein.

schwierig.“

Freundin J. antwortet ihm: „Da hast Du total Recht, ihnen gehts es nur darum, dass sie sich fühlen, als würden sie wie Zootiere gehalten. So nach dem Motto: Wenn ihr hierher zieht und hier Geld ausgebt, bekommt ihr eine seltene Art zu sehen, die halten wir nämlich hier, extra für euch.

Es geht um das Problem mit den goldenen Käfigen und das die Ecken, die sie sich mal selbst gesucht hatten, abgerissen wurden für Bürobauten.“

Freund J. antwortet zurück: „ja, ich überflog den blog gerade. wobei ja gerade die flora sich auch in dieser gegenkultur-rolle gefällt, und sich darüber definiert. und das ja auch muss, und damit ja nicht unrecht haben. ich bin ja der erste sagt, dann asst doch den ganzen kram verwahrlost und billig, das wird besser, als alles, was sich irgendein stadtplaner oder marketingmensch ausdenken kann, mit sicherheit.“

Freund T.: „was parteien in einem kulturprogramm meinen, ist wahrscheinlich das, was die zeit diese woche als „hochkultur“ bezeichnet (übrigens wird da ein ähnlicher diskurs verhandelt: warum nochmal fördern wir opern, theater, museen, die auf dem freien markt keine woche überleben würden?). die allgemeinkultur dagegen.. verkörpern parteien einfach. alles andere wäre ja auch völliger irrsinn. du kannst 16 jahre kohl natürlich im damaligen industriedesign ablesen, aber wenn die cdu die richtlinien in einem grundsatzprogramm hätte festhalten wollen, wäre sie nie zum mauerfall gekommen. was ich nicht verstehe: warum soll keine volkspartei opernhäuser in die prioritätenliste aufnehmen dürfen? was spricht dagegen, einen weiten kulturbegriff zu haben, und trotz der selbstrentablen seifenoper auch puccini bewahren zu wollen?

hochkultur vs. allgemeinkultur vs. protestkultur. ick bin überfordert.“

Freund J.: „vergiss nicht: freie marktwirtschaft gegen – wie heisst das in der kultur? planwirtschaft?“

Stefan: „Freund T? Meine Freundin sagt, wir haben einfach größere Probleme. Und ich glaube, sie fände es auch sehr schäbig von mir, wenn ich eine ‚Künstlerpartei‘ für mich suche, die sich um MEINEN Vorteil schert. Schließlich wählt sie auch keine Mütter- oder Beamten-Partei.“

Freund T.: „oh, das führt alles ziemlich weit – aber ich glaube, dass kultur kein überflüssiger luxus ist, sondern eine komplexe kommunikationsform, die sogar zwingend notwendig ist, dafür, dass es vorwärts geht. und ob „vorwärts“ nun heißt, dass wir irgendwann nicht mehr in erste und dritte welt zerfallen, oder vielleicht auch nur, dass wir unseren demokratiebegriff mal wieder einer prüfung unterziehen: kultur ist wenigstens ein zentrales reflexionsmedium solcher diskurse. als solches politisch unentbehrlich. außerdem: hey. natürlich wähle ich die eine künstlerpartei, der hotelbesitzer wählt auch die fdp. wir haben beide unsere gründe.“

Stefan: „Zur ‚Planwirtschaft‘ noch: Als mir Freundin J. 2004 das Wort ‚Mischkalkulation‘ erklärte, hat sich in meinem Weltbild ALLES verändert. 🙂

Also, ernsthaft: Die Idee, dass Verlage nicht mit jedem einzelnen Titel Profit einfahren wollen, sondern es hinnehmen/fördern, wenn die großen Erfolge die Finanzierung von kleinen, unrentableren Nebenprojekten erst möglich machen.“

Freundin J: „Das machen die Verlage aber auch nur, weil sie nicht vorher wissen können, ob ein kleines, wahrscheinlich unrentables Buch voll die Bombe wird. Weil: Aller Mainstream entsteht auch Umbrüchen, daraus, dass mal jemand was gewagt hat, was erstaunlicherweise erfolgreich wurde und was dann totkopiert wird. Siehe neue deutsche Welle in der Musik. Ein Paradebeispiel. Trios Plattenfirma hat auch nicht aus gutem Willen DA DA DA rausgebracht, sondern weil sie die Hoffnung hatten, dass das ein Burner wird. Wurde es. Finanziert durch Schlagerplatten, die es schon vorher gab und die das Label finanziert haben. Mischkalkulation.“

Stefan: „und zu Freund Ts Idee – dass Kultur (besser: die ’schönen Künste‘) uns ‚vorwärts bringen‘?

Was entgegne ich jemanden [das ist jetzt Polemik, kein Zitat meiner Freundin!], der sagt: ‚Eine Turnhalle ist wichtiger als ein Theater.‘ oder ‚Der Markt wird das schon regulieren: Wozu Schreibern noch Geld geben?‘ oder ‚Die breite Masse konsumiert keine Kultur. Das sind doch nur Eliten, die durchgefüttert werden wollen?‘ Ich meine… Richard Florida klingt erstmal nett. Aber die Thesen sind recht umstritten – und ob Hamburg eine schillernde Metropole ist oder nicht, ist 700 Kilometer weiter südlich auch nicht mehr sooo wichtig. :-)“

Freundin J.: „Ich halte Floridas Ansatz auch für gefährlich – man darf nicht immer alles eins zu eins aufrechnen. Und man kann Kultur nicht dem Markt unterwerfen, weil sich das nicht selbst regulieren kann, weil schon der Einblick und Zugang nicht bei allen gegeben ist. Das heißt: Wenn Du ein kluges neues Format bei RTL plazierst, hat jeder die Chance, dass irgendwie mitzubekommen. Aber wenn im Theaterhaus ein kluges Stück gespielt wird, bekommen davon vielleicht 10 % der Hildesheimer mit und haben überhaupt die Wahl, reinzugehen.

Aber deswegen darf man das Angebot doch nicht kappen.“

Stefan: „Vielleicht brauche ich kein ‚kluges Stück‘ aus dem Theaterhaus? Und 90 Prozent der Menschen auch nicht?“

Freundin J.: „Deswegen, und da sind wir wieder bei grüner Politik, wollen die Grünen, wenn ich das richtig verstanden habe zu meinen Zeiten, als ich mich mehr damit beschäftigt habe, Kultur dadurch fördern, dass sie Zugang ermöglichen für alle.“

Freundin S. stößt neu zu uns: „dieses der-markt-wird-das-schon-regeln-argument hat ja mit der ganzen diskussion von kulturförderung nichts zu tun. es geht doch darum zu „fördern was es schwer hat“. es werden ja bewusst genau die bereiche des kulturbetriebs gefördert, die ohne förderung „aussterben“ oder gar nicht erst entstehen würden. also es gibt seit gefühlten 30 jahren cats, was sich wohl für irgendwen rentiert, braucht man daher nicht fördern und es gibt z.b. die performance-kunst die kein so breites publikum erreicht und genau deshalb gefördert werden muss. es gibt also zwei wege kultur zu finanzieren, entweder über massentauglichkeit und rentabilität oder eben über staatliche förderung. zum glück gibt es beide wege, denn ich will weder dass allein die politik, noch dass allein die wirtschaft ALLEIN darüber entscheidet was auf der bühne (der leinwand, dem papier, dem bildschirm) passiert.

@ stefan: dann brauchen es [das „kluge Stück im Theaterhaus“] 90% der menschen halt nicht, aber demokratie heißt ja angeblich auch immer minderheitenschutz. hab ich so gehört“

Freundin J.: „S? Super, danke. Besser hätte ich es nicht auf den Punkt bringen können.“

Freundin S.: „und zum glück sitzen zumindest bei den großen geldtöpfen für kulturförderung (und eigentlich auch bei den kleineren) keine politiker mit ihren machtinteressen, sondern WIR. die beiräte, die die verteilung der gelder regeln sind alle KollegInnen, die im betrieb sind und häufig wissen was sie tun. die haben natürlich auch ihre meinungen, einstellungen, vorlieben und manchmal auch parteinähe, aber meistens sind sie als reine expertInnen berufen und handeln dabei auch so.

deswegen muss ich auch freund j. widersprechen, ich würde nie nur fördern was ich mag, sondern auch darauf achten was es besonders schwer hat und dabei die vielfalt nicht vergessen. aber wieviel geld es zu verteilen gibt, dass bestimmt halt leider die parteienpolitik.“

Stefan: „aber dass es ‚große Geldtöpfe‘ gibt, das findest du angemessen?“

Freundin S.: „natürlich nicht! ich finde die töpfe niemals groß genug!“

Stefan: „ganz ehrlich: ich auch nicht. Ich hab durch die Kultur so viele Werte, Informationen, Bilder usw. vermittelt bekommen, SEIT meiner Kindheit und immer spottbillig bis umsonst, die man mir OHNE Kultur/Kunst nicht hätte zeigen können. (Und schon gar nicht: Auf RTL.) :-)“

Freundin S.: „aber schön, dass du auf’s fernsehn kommst! das rundfunksystem ist doch auch sowas. natürlich schimpfe ich auf rundfunkgebühren, aber ich kann doch nicht ohne das öffentlich rechtliche fernsehn sein, dass weniger darauf angewiesen ist durch werbung finanzierten, massentauglichen schrott zu senden. gleichzeitig fände ich es aber auch erschreckend, wenn es nur sender gebe, deren vorstände/intendantInnen nach parteibuch ausgesucht würden. dieses system erschwert eine monopolbildung in der verbreitung von meinungen.

ich würde nie auf die privatsender verzichten wollen. das wäre total elitär. ich kann nicht von jedem erwarten, dass er sicht gut genug im internet zurechtfindet und gut genug englich kann, um sich amerikanische serien im netz anzuschauen. dafür brauchen wir pro7 und rtl :-)“

Freund T.: „schön wäre, wenn das öffentlich-rechtliche dann auch gar nicht versuchen würde, den quoten der privatsender hinterher zu hecheln, indem sie fast jeden unsinn ein halbes jahr später, schlechter und mit einer grotesken anzahl fauler kompromisse nachproduzieren würden.

sie könnten alles mögliche mit dem riesenbudget an gebühren machen, das sie bekommen – sich als (hoch-)kultur-vermittler verstehen, serien produzieren, die hbo-standards erreichen, das spannendste aus dem europäischen kino kaufen. irgendwas jedenfalls, das mir nicht das gefühl gibt, dafür auf keinen fall zahlen zu wollen (eindringlich ausgenommen natürlich nachrichten und ein paar der politischen talk-formate).

und: ich glaube nicht, dass es bei der förderung marktuntauglicher kunstsparten um minderheitenschutz geht. die 90%, die lieber rtl gucken als la traviata, haben ja witzigerweise trotzdem eine extrem hohe meinung von allem, was kein trash-tv ist.

den kultur-teil der steuerabgaben möchte nur ein verschwindend geringer anteil der bevölkerung kürzen. warum der rest nicht in die museen, theater und literaturhäuser strömt, ist eine andere frage. aber die möglichkeit muss erhalten bleiben. über vermittlungsangebote, schnittstellen zur populärkultur, über imagewandel, eroberungsstrategien und ein „was-haben-wir-eigentlich-​wirklich-zu-sagen“ kann man sich dagegen gar nicht genug gedanken machen.“

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Ich glaube nicht, dass unser Polylog damit am Ende ist…

…aber breche, für heute, ab.

Ich weiß nicht, wie *andere* Leute Facebook benutzen…

…aber mich selbst macht es irrsinnig froh: diese offenen, mäandernden, kritischen, wirren, vielstimmigen Gespräche.

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verwandte Artikel:

Toronto [pic post]

Today, I’m busy with writing. So…

…here’s a couple of Toronto pictures – mostly from winter/spring 2011.

Have a great weekend!

for more – excellent! – Toronto amateur photography, please visit the Toronto City Photos and Video Forum (Link) at UrbanToronto.ca (Link).

Related Posts:

My favourite Movies [quick list]

I only watch about 10 movies a year (I’m more interested in books or TV shows)…

…but in March, I made a quick list of my all-time favourite movies.

Here are my top 25.

[…with links to imdb.com’s ‚Trivia‘-section.]

American Beauty, 1999

Brokeback Mountain, 2005

The Dark Knight, 2008

Dogville, 2003

The Emperor’s New Groove, 2000

Europa (Lars von Trier), 1990

Fight Club, 1999

Finding Nemo, 2003

Gattaca, 1997

Groundhog Day, 1993

Hamlet (Mel Gibson, 1990)

Indiana Jones and the Last Crusade, 1989

Kingdom Hospital (TV miniseries, Lars von Trier, 1994)

It’s a Wonderful Life, 1946

Jurassic Park 2: The Lost World, 1997

Magnolia, 1999

Minority Report, 2002

Moulin Rouge, 2001

Nausicaa, 1984

Baz Luhrman’s Romeo + Juliet, 1996

Scream, 1996

The Seven Year Itch, 1955

Star Wars: The Empire strikes back
, 1980

Terminator 2, 1991

U-Turn (Oliver Stone, 1997)

Vanilla Sky, 2001

Wild Palms (TV mini-series, Oliver Stone/Kathryn Bigelow, 1993)

X-Men 2, 2003

I’ve watched almost all of these movies 5 years ago or earlier, and with some of them – ‚American Beauty‘ or the Mel Gibson ‚Hamlet‘, seen when I was 13 – I’m not sure if I would still rank them THAT high: I *remember* all of them as excellent films… but I haven’t re-examined most of them in years.

A complete list of all the movies I’ve seen – including personal ratings – can be found here.

Hildesheim Apt. [pic post]

I lived in Hildesheim from late 2003 to late 2008 – and after I left, it took me nearly 2 1/2 years to return: I drove back last week to attend the 3rd PROSANOVA festival (pics: here). It was nostalgic and quite the big trip/moment for me:

Hildesheim is a conservative, blue-collar, traditionally catholic city with LOTS of bad 1950ies postwar concrete architecture (go watch THIS horrifying video) – but it’s one of only two places in Germany where you can graduate in Creative Writing, and the university has a nice, liberal-arts-like, industrious buzz to it.

It’s not a great spot – but it attracts TONS of off-beat, energetic, passionate people.

And when I returned last week, for the first time in ages… I missed my old Hildesheim apartment: It was fun to live alone. I liked the neighborhood. I liked the layout.

It was also VERY badly insulated and I constantly froze in the winter.

Good times? Yes and no.