Suhrkamp

Töchter schreiben über Väter: Mareike Nieberding, Linn Ullmann, Elizabeth Garber bei Deutschlandfunk Kultur.

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Für Deutschlandfunk Kultur las ich drei aktuelle Bücher, in denen Töchter über ihre Väter schreiben…

…und über ihre Schwierigkeiten, mit den alternden Männern zu sprechen.

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Morgen – Donnerstag, 21. Juni 2018 – bin ich gegen 10.15 Uhr Studiogast in der „Lesart“, für ein ca. 6-Minuten-Gespräch mit Frank Meyer.

Der Audio-Link bleibt nur sechs Monate verfügbar.

Schon heute, hier im Blog: Thesen, Kurztexte und ein paar Links zum Themenfeld.

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Ich las:

MAREIKE NIEBERDING: „Ach, Papa. Wie mein Vater und ich wieder zueinanderfanden“ (Suhrkamp Nova, Februar 2018)

LINN ULLMANN, „Die Unruhigen. Roman (!)“ (Luchterhand, Juni 2018. Original: Norwegen 2015)

ELIZABETH GARBER, „Implosion. A Memoir of an Architect’s Daughter“ (She Writes Press, 12. Juni 2018. nicht auf Deutsch)

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Wie sprechen Töchter mit Vätern – und wie sprechen die Bücher darüber, wie schwer es ist, als Erwachsener mit wortkargen oder emotional kalten Männern neu ins Gespräch zu kommen? Den Generationskonflikt kannten Autor*innen der 68er-Generation: linke Töchter und Söhne, die ihre vom Krieg deformierten Väter (oft: Nazis) konfrontieren. Mir geht es um sanftere, jüngere Bücher.

Ich habe viele bleischwere Tochter-Vater-Lieblingsbücher: Liane Dirks schreibt in „Vier Arten, meinen Vater zu beerdigen“ über Missbrauch und Kolonialismus; Alison Bechdel erzählt im Comic „Fun Home“ vom Selbstmord ihres schwulen oder bisexuellen Vaters; auch Miriam Toews‘ „Mr. T, der Spatz und die Sorgen der Welt“ handelt vom Selbstmord des Vaters.

Stattdessen aber suchte ich nach aktuellen Büchern/Memoirs, die kleiner, intimer, alltäglicher sind: der Vater nicht als Monster oder lebenslanger Widersacher. Sondern als jemand, den die Welt überholt. und den man später, als Tochter, neu mitnehmen und einbinden will. Alle drei Bücher werden durch ihre Alltäglichkeit relevant: Die Autorinnen sprechen viel über Subjektivität, menschliche und literarische Versuche, Poetik: statt selbstbestimmt und autoritär aufzutreten (wie ihre Väter, in der Kindheit) wissen sie, dass ihr Erzählvorhaben auch scheitern kann.

Tastende Bücher, ohne Arroganz.

Ich suchte gezielt nach Töchtern, weil hier viel erzählt wird über neue Frauenbilder, Emanzipation… und eine ratlose ältere Männer-Generation, die sich neu erfinden sollte – doch meist einfach geschockt oder frustriert schweigt, verharrt. bei Vätern und Töchtern ist außerdem klar: der Vater kann kein 1-zu-1-Role-Model sein (wie in Vater-Sohn-Büchern):

Vor 30+ Jahren bestimmten diese Väter, wie Mädchen zu sein haben. Heute liegt die Macht, Verantwortung, Agency bei den Autorinnen, die als erwachsene Frauen abwägen müssen, wie sie über den Vater schreiben: Die Macht wandert von dem, der alles finanziert, normiert, wertet… zu der, die heute erzählt, normiert, wertet. Ich mag, wie macht- und schutzlos die Töchter sind, als Figuren, in der Kindheit… doch dass sie als Autor*innen ja ALLE Macht und Deutungshoheit über ihre Väter haben. Ich mag, dass alle Töchter versuchen, ihren Vätern etwas anzubieten, zurückzugeben etc.: „Du hast mir meine Kinderwelt gebaut. Jetzt bin ich erwachsen und nehme dich in meine… erwachsene, ganz eigene Welt mit.“ Spannend / dramatisch, wie schwer das ist – und wie vergeblich oft.

Die Bücher sind reizvoll, weil sie alltäglich, intim sind – und ich vieles gut mit der eigenen Familie/Kindheit abgleichen kann. Thema ist: Mein Vater baut mir eine Welt. an der ich mich reibe – und aus der ich raus wachse. Keiner der Väter in den Büchern meint es böse. Interessant, wie gesagt: wie Väter transportieren, wie Mädchen (später: Frauen) zu sein haben, was sich ziemt, wo sie sich in der Tochter sehen und, wo sie sich nicht sehen, weil sie verschiedene Geschlechter haben. Der Vater als Versorger, Richter, Autorität.

In Jugendbüchern kommt das kaum vor: Dort sind die Held*innen oft Waisen oder auf sich allein gestellt. Harper Lees „To kill a Mockingbird“ zeigt ein wunderbares, doch sehr idealisiertes Tochter-Vater-Gespann. Und, Überraschung: „Go set a Watchman“, Lees zuvor entstandenes, dunkleres, bittereres Buch, passt wunderbar in diese Memoir- und Nonfiction-Reihe über ambivalente, normierende Väter… und die Tochter, die da raus wächst.

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Mareike Nieberdings „Ach, Papa“ war ursprünglich für den Herbst 2017 angekündigt – unter dem Titel „Als wir das Reden vergaßen“.

Mein Vater wurde im Sommer 2016 60 – und wünschte sich von allen Gästen der Feier persönliche Texte. Doch weil er selbst so wenig Persönliches erzählt, schrieb ich eine Liste mit 200 Fragen (Link). Von Nieberding, einer ZEIT-Journalistin, vier Jahre jünger als ich (*1987) erhoffte ich mir einen recht persönlichen, vielleicht symptomatisierenden Blick auf diese Generation deutscher Väter/Männer:.

Doch „Ach, Papa“ kriegte, zusammen mit dem neuen Titel, ein zartrosa Cover – und vermittelt eher Landkindheits-, Wohlfühl-, Sehnsucht-nach-Zuhause-Atmosphäre.

Nieberdings Vater (stolz, stoisch, freundlich, warm, brummig) studierte in Freiburg und lebt mit der Familie bei Oldenburg. Nieberding zieht nach Berlin, doch kehrt für einen Tochter-Vater-Roadtrip bis nach Freiburg zurück. Unterwegs spricht sie über Lebensentwürfe, Träume, Heimat, Geborgenheit, Familienkonzepte. Ihr Vater sagt recht wenig – klingt vernünftig, aber bleibt, als Figur, stoisch und blass. Die beiden mögen sich: auf der Buchpremiere im Januar stand der Vater stolz, mit feuchtem Blick im Publikum.

Doch mich enttäuschte das Buch. Ich verstehe, dass man bei einem noch lebendem Vater nicht jeden Widerspruch, Konflikt ausbreiten will – und ich verstehe, dass ein gelungenes Tochter-Vater-Buch kein großes Trauma braucht: Ein undramatischer 190-Seiten-Text über einen etwas knorrigen Papa? Passt. Nur war hier, bei beiden Generationen, viel zu viel Scheu: Ein Vater, der seine Tochter fast nichts fragt, nicht wertet, wenig will, tut, ausspricht. Und eine Tochter, die auf 190 Seiten jeden Abgrund, jede harte Frage umgeht:

Ein übervorsichtiges, lauwarmes, defensives Buch – in dem niemand unsympathisch oder schwierig ist, doch bei dem ich mich trotzdem unangenehm berührt fühlte: Weil zwei Menschen, denen es offenbar nicht viel gibt, sich öffentlich zueinander zu positionieren… in der Öffentlichkeit stehen, nervös, befangen und norddeutsch-schmallippig.

Zwei Amazon-Statements, denen ich zustimme:

„Ich selbst gehöre einer ganz anderen Generation an und vielleicht ist das der Grund, warum ich mich immer wieder fragte „was will sie denn, sie hat doch ein tolles Verhältnis zu ihrem Vater“. Tatsächlich fand ich Mareikes Problem eher als Luxusproblem und ich hätte nicht von Entfremdung gesprochen. Was mir dieses Buch aver gegeben hat, war der Denkanstoß mich mit meinem eigenen Vater und seiner Vergangenheit zu beschäftigen, so intensiv, wie ich es vielleicht noch nie gemacht habe.“

„Um sich ihrem Vater anzunähern, schickt Nieberding ihm zum einen E-Mail-Fragebögen und unternimmt mit ihm außerdem einen Kurzurlaub in den Schwarzwald. Diese Passagen handelt von zweien, die keine Übung mehr darin haben, miteinander alleine zu sein. Allerdings kam mir Mareike Nieberdings Erkenntnis dann wenig spektakulär vor: „Auch ich hätte fragen können – und ebenso gut hätte ich auch einfach mal erzählen können.“ Stimmt – statt immer nur zu warten, dass ihr tiefschürfende Fragen gestellt werden. Ohnehin blieb bei mir der Eindruck zurück, den Vater trotz aller privaten Details zu wenig kennengelernt zu haben – wie steht er denn eigentlich zu der Entfremdung? Hat die Autorin ihn das eigentlich gefragt?

Als öffentliche Aufarbeitung ihrer eigenen Vater-Tochter-Beziehung hat Mareike Nieberding natürlich sowohl alle Freiheiten als auch die Deutungshoheit. Angekündigt wurde das Buch allerdings auch damit, dass es erzählen würde „[…] wie man sich wieder nahekommt, wenn man sich schon fast verloren hat.“ Das mag auf die Autorin und ihren Vater zutreffen, aber aus „Ach, Papa“ lässt sich nur wenig allgemein ableiten.“

Ich will das Buch nicht als Neon-Journalismus etc. aussortieren. Doch tatsächlich las auch ich nur deshalb mit Gewinn weiter, weil ich bei jeder Aussage an meinen eigenen Vater denken musste. Und wusste: ich wäre beherzter, konfrontativer, lauter als Niebderding.

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Linn Ullmanns „Die Unruhigen“ erzählt auf 410 Seiten von einem gescheiterten journalistischen, psychologischen, künstlerischen Projekt:

Als ihr Vater mit Anfang 80 erste Demenzerscheinungen zeigt, kauft Ullmann ein Diktiergerät, zieht in ein Haus nahe des Vater-Hauses auf der Insel Farö und verabredet sich mit ihm ein Frühjahr lang (2007) zu je zwei Stunden langen Interviews: Sie stellt Fragen – und gemeinsam wollen sie ein Buch über ihr Verhältnis – und sein Vermächtnis als Theater- und Filmregisseur – erarbeiten: diszipliniert, reflektiert, nüchtern.

Tatsächlich schätzte Ullmann ihren Vater falsch ein: Die Demenz ist weit fortgeschritten; die sechs Gespräche sind voller non sequiturs, ihr Vater fühlt sich hörbar unwohl. Sie bricht das Projekt ab – und beschließt Jahre später, einen Roman über ihre Kindheitssommer auf der Insel zu schreiben: Sie verbringt je einen Monat im Jahr bei ihm, lebt sonst bei ihrer Mutter, einer nervösen und einsamen Schauspielerin, in u.a. Amerika. Ullmanns Vater hat insgesamt neun Kinder, fünf Exfrauen, vier Häuser etc.

„Die Unruhigen“, ein Roman, vermischt Gesprächsprotokolle, skandinavischen Kindheits-Erinnerungs-Glanz im Stil von u.a. Tove Janssons „Sommerbuch“ (Empfehlung!), geschwätzige, detailversessene, oft viel zu lange Autofiktion wie bei Knausgard und viele, viele Reflektionen über die Natur des Erinnerns (u.a. mit massig Verweisen auf Proust): Ullmann findet die Tonaufnahmen ca. 2011 wieder – und montiert ein Erinnerungsbuch über die Unfähigkeit, ein kohärentes Erinnerungsbuch zu schreiben.

Mir wurde erst nach ca. 100 Seiten klar, dass Ullmann die Tochter von Ingmar Bergmann und Liv Ullmann ist: Das Buch ist auch ohne diese Promi-Ebene packend, übervoll. Einzelne Szenen dauern zu lang, oft sagt Ullmann die selben Dinge auf fünf verschiedene Arten: Das Buch wirkt zerquälter und schwerfälliger, als es sein müsste (insgesamt ist es weder besonders anklagend, noch deprimierend):

Eine sehr analytische Tochter zeichnet in teils ermüdenden, doch immer psychologischen, reifen, klugen Details, wie klein die Rolle war, die ihr im Leben des Regisseurs, Bestimmers, Pedanten zugeteilt wurde – und, wie schwer es oft war, sich selbst zu disziplinieren, anzupassen. Sehr gern gelesen, trotz der Längen!

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Elizabeth Garbers „Implosion“ ist das Buch, das ich mir am dringendsten wünschte: stilistisch, erzählerisch etc. eine wunderbar runde Sache.

Woodie Garber, deutschstämmiger Architektensohn, studierte während der Rezession Architektur. Mit seiner zweiten Frau und drei Kindern baute er Mitte der 60er Jahre ein Le-Corbusier-haftes Glashaus in einem Vorort von Cincinatti, Ohio. Elizabeth bewundert ihren (bipolaren, despotischen, frauenfeindlichen, snobistischen) Vater, der mit Jahr zu Jahr mehr Druck aufbaut. Die erste Hälfte des Buchs zeigt die feinen, klug beobachteten Ambivalenzen, mit einem Vater aufzuwachsen, dessen Häuser, Werte, Geschmack etc. ALLES prägen.

Als Elizabeth ca. 14 ist, bedrängt er sie sexuell. Er bedroht und tyrannisiert die Brüder und die Mutter; und parallel zur US-Bürgerrechtsbewegung und -Politisierung Ende der 60er und Elizabeths eigenem Coming-of-Age setzt ein schmerzhafter, ambivalenter, komplexer Emanzipationsprozess ein. Elizabeth Garber hat jahrzehntelange Schreib- und Therapieerfahrung, ein tolles Gespür für Szenen, Widersprüche und relevante Fragen… und vermittelt in einfacher Sprache, ohne ein Wort zu viel, alle Schwierigkeiten, die ein autoritärer Vater mit sich bringt.

Nebenbei ist das Buch eine gute Einführung in den Appeal von Mid-Century Modernism und die Ideale, Sehnsüchte etc. der Männer, die sich damit von ihren eigenen Eltern absetzen wollten. Eine Memoir, halb (…Sally Draper in) „Mad Men“, halb „Der Eissturm“. Emotional erwachsen. Oft überraschend. Immens lesenswert.

„Überraschend“ vor allem, weil Elizabeth ihren Vater nicht aufgeben will. Und ich bis zur letzten Seite nicht wusste, ob ich sie für diese Versuche feiern sollte – oder denken „Der Mann ist toxisch: Lauf! Du schuldest ihm nichts!“

Im Verlag, der Garber veröffentlicht, „She Writes Press“, erscheinen seit 2013 Bücher von Autorinnen: oft Memoirs; manchmal spezifisch über den Vater, u.a. „Veronica’s Grave“ von Barbara Donsky und „The Sportscaster’s Daughter“ von Cindi Michael.

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sieben aktuelle Bücher, die ins Themenfeld passen:

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Carsten Hueck zu Nadja Spiegelmans „Was nie geschehen ist“: „Im Buch der Tochter spielt Art Spiegelman nun kaum eine Rolle, im Mittelpunkt steht der Lebensweg ihrer Mutter.“

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mein Vater, ca. 1987.

Elena Ferrante bei Deutschlandfunk Kultur: „Die Geschichte des verlorenen Kindes“

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Heute – 29. Januar 2018, gegen 17.40 Uhr – spreche ich bei Deutschlandfunk Kultur über Sog und Reiz von Elena Ferrantes Neapel-Romanen.

Ich las die vier Bücher auf Englisch, 2016 (die deutsche Übersetzung von Karen Krieger ist besser: Empfehlung!), und schrieb…

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Hier im Blog:

Neuigkeiten und Zitate, kurz vor Erscheinen von Band 4, „Die Geschichte des verlorenen Kindes“.

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1: Ab Mitte Januar schreibt Ferrante eine wöchentliche Kolumne im Wochenend-Magazin des Guardian:

„Ferrante will share her thoughts on a wide range of topics, including childhood, ageing, gender and, in her debut article, first love. After the Guardian approached her with the idea, Ferrante said she was “attracted to the possibility of testing myself” with a regular column, and called the experience “a bold, anxious exercise in writing”.

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2: Die Kolumnen sind recht kurz. Persönlich und offen – doch werfen mehr Fragen auf, als sie beantworten. Zitate aus Nr. 1:

„He was 17, I 15. We saw each other every day at six in the afternoon. We went to a deserted alley behind the bus station. He spoke to me, but not much; kissed me, but not much; caressed me, but not much. What primarily interested him was that I should caress him. One evening – was it evening? – I kissed him as I would have liked him to kiss me. I did it with such an eager, shameless intensity that afterwards I decided not to see him again.

[… For this column,] I planned to describe my first times. I listed a certain number of them: the first time I saw the sea, the first time I flew in an aeroplane, the first time I got drunk, the first time I fell in love, the first time I made love. It was an exercise both arduous and pointless. For that matter, how could it be otherwise? We always look at first times with excessive indulgence. Even if by their nature they’re founded on inexperience, and so as a rule are not very successful, we recall them with sympathy, with regret. They’re swallowed up by all the times that have followed, by their transformation into habit.“

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3: Kolumne 2 lohnt sich mehr (und muss komplett gelesen werden).

„As a child, whenever it was necessary to appear fearless, I appeared fearless. […]  if someone threatens my daughters, or me, or any human being, or any harmless animal, I resist the desire to run away. […] Popular opinion has it that people who react as stubbornly as I’ve trained myself to have real courage, which consists precisely in overcoming fear. But I don’t agree. […] I’m learning, like a character in Conrad, to accept fear, even to exhibit it with self-mockery. I began to do this when I realised that my daughters got scared if I defended them from dangers – small, large or imaginary – with excessive ardour. What perhaps should be feared most is the fury of frightened people.“

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4: Kritiker Marc Reichwein besuchte im Sommer 2017 Ferrantes italienischen Verlag, edizione e/o. Interessanter als der Besuch selbst sind kleine Beobachtungen Reichweins:

„Auf Italienisch, Deutsch und in vielen weiteren, etwa den slawischen Sprachen, ist die Freundin „genial“. Auf Englisch ist sie „brillant“, auf Schwedisch „fantastisch“, auf Spanisch „verblüffend“. [Die Cover in Basilien zeigen] eine Girls-Reihe in knapper Bademode am Strand. China wiederum illustriert die Neapel-Saga mit einer erkennbar chinesisch aussehenden Frau. Interessant auch: Nicht in allen Ländern läuft Ferrante als Hardcover. In Frankreich etwa war das Hardcover ein Flop, anders kann man verkaufte 1800 Exemplare in einem Jahr nicht nennen. Erst eine Taschenbuchvariante mit neuem Cover brachte Galimard den international üblichen Erfolg.“

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5: aktuell schreibt Ferrante an neuer Prosa – sagt ihr Verleger.

„I know she is writing, but at the moment I cannot say anything more,” said Sandro Ferri, who heads the publishing house Edizioni E/O with his wife, Sandra Ozzola.
But Ferri said there were no plans for a new Ferrante novel to be published in 2018.“

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6: Acht erste Episoden einer TV-Serie werden gerade produziert. Details bei Variety.com:

  • Ferrante ist am Drehbuch beteiligt
  • Produktionssender: RAI (Italien) und HBO (die auch „The Young Pope“ in Italien produzierten)
  • 32 Episoden in vier Staffeln sind geplant

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7: tolles, langes Essay von GD Dess über Ferrantes feministische Einflüsse in der LA Review of Books:

„James Wood has suggested that Ferrante’s writing is influenced by second-wave feminist writers such as Margaret Drabble and Hélène Cixous, and Ferrante has acknowledged her familiarity with the work of Cixous, Luce Irigaray, and Julia Kristeva. In a 2015 interview, when asked what fiction or nonfiction has most affected her, Ferrante also names Donna J. Haraway and “an old book” by Adriana Cavarero, Relating Narratives: Storytelling and Selfhood (1997).

Against Lila’s wishes Elena writes and publishes a book about the two of them, which she titles A Friendship. It is — implausibly — only 80 pages long. The book is a success and revives Elena’s sagging career, but after its publication, the two women never speak again and Lila disappears. Thus, contrary to Cavarero’s contention, which invokes Ulysses listening to his own life-story, Lila doesn’t need a life-story written about her in order to affirm her “I.” If another were to write her life-story, she would be turned into “fiction,” taken possession of. And just as she never let anyone possess her throughout her life, she has no intention of allowing that to happen once she is gone. She won’t participate in a practice that reduces her ontological presence to words on a page, a fetishized object between covers. By vanishing, she asserts her right to live a “mere empirical existence.” It is a brilliant move on Ferrante’s part to allow her subject to refuse subjugation to the art of “story telling,” even as she (and Elena) tell her story in the very book we are reading.“

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8: Ich hatte Mühe mit Band 1 – und fand einen langen Ferien-in-Ischia-Exkurs in Band 2 noch träger, anstrengender, reizloser. Ich empfehle, bei Interesse lieber in Band 3 noch einmal neu einzusteigen. Andreas Fanizdaeh über Band 3, in der taz:

„Ferrantes Bände 1 und 2 bestechen durch ihre Kinder- und Jugendlichenperspektive, die neue Offenheit, als die kapitalistische Modernisierung im Nachkriegsitalien auch die Unterschichten erfasst und einigen neue Chancen eröffnen. Band 3 spricht von einem Backlash. […] Ferrantes dritter Band entfaltet über ein weit verzweigtes und psychologisch fein ausgestaltetes Personentableau ein bezeichnendes Panorama der 1970er-Jahre in Italien. Nicht ohne eine Brise Bitterkeit resümiert die Romanautorin die frühen Erwachsenenjahre ihrer Frauenfiguren, deren Emanzipation nach 1968 auf halbem Wege stecken bleibt. Ob Mafia/Camorra, linksradikale Bewegung oder Bildungsbürgertum: Haushalt und Kinder bleiben weiterhin zumeist an den Frauen kleben. Und das, obwohl viele gerade die am unabhängigsten erscheinenden Frauen am meisten begehren.“

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9: Kritikerin Irene Binal, ähnlich ambivalent wie ich – zu Band 3:

„Mal vermisst sie ihre Freundin schmerzlich, mal wünscht sie ihr klammheimlich den Tod, denn „ich ertrug die Leere nicht, die dadurch entstand, dass sie sich mir entzog“. Es ist eine nicht immer nachvollziehbare Beziehung, in der Liebe und Hass nah beieinanderliegen, und dieses an sich reizvolle Wechselspiel hat sich nach drei Romanen doch einigermaßen abgenutzt. Kraft und Farbe gewinnt der Text vor allem dann, wenn er die Stimmung im Italien der 70er einfängt, die von politischen Umbrüchen und strengen gesellschaftlichen Regeln geprägt ist. Abgesehen davon erweist sich „Die Geschichte der getrennten Wege“ als eines jener Bücher, die zwar nicht wirklich schlecht sind, aber auch nicht richtig begeistern können.“

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10: herablassender und sexistischer Artikel über die Idee, Domenico Starnone sei Haupt-Autor des Neapel-Quartetts:

„Then came Gatti’s well-documented claim that Ferrante was Anita Raja, who, unlike Ferrante, did not grow up in an impoverished Neapolitan neighborhood but rather left Naples at the age of three and lived in middle class comfort in Rome. Presumably, Raja had ready access to the educational opportunities that Ferrante’s characters struggled to obtain. […] I was troubled by Raja’s dishonesty and not convinced by her defenders who saw nothing problematic in Raja’s attempt to create the impression that her background was similar to that of her characters.

The powerfully rendered portrait of growing up in deep poverty in 1950’s Naples feels like it was written from first hand experience. Raja did not have this direct experience but Starnone, like the fictional Ferrante, was the son of a seamstress and did grow up in Naples. Also, Gatti reported that after analyzing Ferrante’s books with text analysis software, a group of physicists and mathematicians at La Sapienza University in Rome concluded that there was a “high probability” that Starnone was the principal author.

[…] When I read The Execution, Starnone’s first novel to be translated into English, I saw many stylistic similarities to Ferrante—sentences with clauses piled upon clauses, building to a dramatic climax; long stretches of dialogue without any of the usual markers to indicate the speaker, a dramatic opening and a conclusion which leaves much unresolved.“

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11: Ich kann Ferrantes Scheidungskriegs-Roman „Tage des Verlassenwerdens“ nicht empfehlen – interessant aber, dass der aktuellste Domenico-Starnone-Roman das Thema aufgreift und variiert. Rachel Donadio in der New York Times:

„‚Ties‘ puts the same plot elements through a kaleidoscope. […] I cannot think of two novelists writing today whose recent books are in such clever and complicit conversation as those of Starnone and Ferrante.“

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Die deutsche Ausgabe erscheint am 12. März 2018 bei DVA/Random House; der Schutzumschlag kopiert die deutschen Ferrante-Cover:

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Elena Ferrante: „Meine geniale Freundin“ & die „Neapolitanische Saga“

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Zwei Leben aus Kampf und Aufstieg

Die wichtigste Autorin Italiens bleibt anonym – hinter dem Pseudonym „Elena Ferrante“.

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Seit 1992 schreibt Elena Ferrante Romane über störrische, kluge, einsame Frauen. In Interviews, die sie nur schriftlich beantwortet, behauptet sie: Sie selbst ist eine Frau aus Neapel, hat Kinder und war verheiratet. Sie studierte klassische Philologie. Doziert an Unis. Und sie behauptet: Ein Roman steht für sich. Öffentlich über den Verfasser und seinen Hintergrund zu sprechen, lenkt nur ab.

2011 bis 2014 erschien ein Großroman Ferrantes in vier Bänden: das „Neapel-Quartett“ um die Freundinnen Elena, Tochter des Pförtners, und Lila, Tochter des Schuhmachers, beide geboren 1944, und ihre komplizierte, jahrzehntelange Freundschaft.

Fast 2000 Seiten, erzählt von einer melancholischen Streberin, die durch lebenslanges Pauken, Fleiß und Ambition in die gebildete Oberschicht wechseln will. Und über ihre noch klügere, impulsive Freundin und Rivalin Lila – die überraschend andere Chancen nutzt, um aus- und aufzusteigen.

Viel Mundpropaganda und die Begeisterung von James Wood, Kritiker beim New Yorker, machten die Bücher in den USA zu Bestsellern. Ab Herbst 2016 erscheint der Überraschungserfolg auf Deutsch, bei Suhrkamp; vier Bände in 12 Monaten. Buch 1, „Meine geniale Freundin“, erzählt die Grundschul- und Pubertätszeit von Elena und Lila: Armut, Frauenhass, das langsame Wirtschaftswunder der 50er Jahre.

„Wir Frauen sind ständig in Versuchung, aus der Deckung zu treten, weich zu werden“, erklärte Ferrante der New York Times, „aus Liebe oder aus Erschöpfung, aus Mitleid oder Güte. Doch wir sollten das nicht tun – denn von einem Moment auf den nächsten können wir so alles verlieren, das wir erreicht haben.“

Die Geschichte von Elena und Lila beginnt als recht simpler Bildungsroman. Eine schwierige Frauenfreundschaft, naiv und süffig erzählt. Ab Band 2 wird die Geschichte politischer, soziologischer, explizit feministisch. Ein Panorama der 60er, 70er und 80er Jahre mit einem Dutzend Figuren aus einem Arbeiterviertel – Mafiosi und Kommunisten, Handwerker und Frauen, zu schnell in eine Mutterrolle gedrängt: Lebenswege, so verschlungen (und manchmal: dusslig überkonstruiert) wie in der „Lindenstraße“.

Der Hype, wachsende Erfolg der vier Bücher hat mehrere Faktoren: Der Norweger Karl-Ove Knausgard schrieb seit 2009 in sechs persönlichen, autobiografischen Bänden über Männlichkeit und Scheitern. Ferrantes Romane machen zwei lange Frauenleben greifbar – in ähnlich simpler Sprache und ähnlich vielen intimen, mitunter hässlichen Details.

Die farbenfrohen, kitschigen Cover der US-Ausgabe versprechen: Hier geht es um Mütter, Töchter, das pralle Leben in Süditalien. Auch Suhrkamp setzt auf ein recht kitschiges Titelmotiv. Literarisch spielt Ferrante in einer ähnlichen Gewichtsklasse wie Suhrkamp-Autorin Isabel Allende: Die Chancen stehen gut, dass das Quartett ein Mainstream-Longseller wird wie Allendes „Geisterhaus“.

Ebenfalls im Herbst erscheint „Fragments“ in den USA, eine Sammlung von Ferrante-Essays und -Interviews. Ob die Autorin tatsächlich eine Frau ist? 1944 geboren, wie ihre Figur Elena – oder deutlich jünger? Eine ältere Feministin, Akademikerin aus einfachen Verhältnissen – oder ein Nachgeborener, der oder die Familiengeschichte literarisch auf- und umarbeitet?

Die vier Bände sind am besten, wenn sie nah und persönlich über Klassismus, Abstiegsangst und Aufstiegschancen, die vielen feinen Unterschiede in den Milieus Italiens erzählen. Ob „persönlich“ hier bedeutet: eins zu eins erlebt, vor mehreren Jahrzehnten? Egal. Besonders ab Band 2 klingen Wut, Hoffnung, feministischer Furor der Erzählerin nachvollziehbar – und authentisch.

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Band 1 bis 4 – meine Leseeindrücke:

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01_Welche Sprache? Die deutsche Übersetzung von Karin Krieger klingt sehr gut – doch ich kenne bisher nur die Leseprobe (Link). Die US-Version wirkt oft recht trocken, technisch, ohne besonderen Rhythmus: keine Empfehlung. Freunde von mir mochten das italienische Original… aber Stimmen im Netz klagen über Stilblüten und viele unnötig hakelige Formulierungen (auch mein Eindruck in der US-Übersetzung) und sagen, US-Übersetzerin Ann Goldstein habe das Buch auf ein anderes Niveau gehoben: „Elena Ferrante’s writing is better in English than in Italian“.

02_Wo anfangen? Band 1 erzählt Elenas und Lilas Kindheit und frühe Jugend, bis ca. 1961 (die Figuren sind 16); Band 2 die Jahre bis 22 (1966); Band 3 die Jahre bis 32 (1976), und Band 4 vor allem die Zeit von 1980 bis ca. 1986 – und, in einem Epilog, bis ca. 2010.

03_Band 1 ist der schlechteste Band. Ich-Erzählerin Elena und ihre mürrische, rebellische, zunehmend attraktive Freundin Lila wollen der Armut, ihren furchtbaren Arbeiterfamilien und dem von der Camorra kontrollierten Viertel entkommen: Elena mit guten Noten, einem Gymnasialabschluss (und viel Streber-Arroganz), Lila mit einem Mann (der, wie sich am Ende des Romans, bei einer großen Hochzeit herausstellt, Mafia-Connections nutzt und alles tun wird, um weiter aufzusteigen).

Der Roman ist unterhaltend, die Kapitel kurz und oft pointiert, mit überraschenden zwischenmenschlichen Cliffhangern: die Szenen selbst sind seicht, mit klar verständlichen Konflikten. Doch Ferrante springt oft mehrere Monate hin und her oder deutet Entwicklungen an, die erst 50 Seiten später auserzählt werden: die Timeline und die Vor- und Rückgriffe sorgen für eine gewisse erzählerische Komplexität und ein paar Spannungsmomente… wirken aber aufgesetzt, oft albern: Die Geschichte ist viel weniger kompliziert, als die vielen schein-komplexen Zeitsprünge suggerieren.

04_missglückte Enthüllungen: Es gibt über 20 wichtige Figuren – mit Namen wie Nino, Gino und Rino – und alle kommen in Band 1 zu kurz: Mitschüler, Eltern, Lehrer sind oft überraschend besser oder schlechter, als Ich-Erzählerin Elena bisher vermutete… was Ferrante jedes Mal für eine RIESENenthüllung hält. Doch als Leser bleibe ich teilnahmslos, weil diese Figuren kaum entwickelt sind, ich sie manchmal nicht auseinanderhalten kann: Antonio? Alfonso? Besonders die Mütter und älteren Frauenfiguren sind ein schlechter Witz: knorrige italienische Mama-Klischees, die nichts zu sagen haben – oder sich nie äußern.
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05_auch Lila wirkt recht blass: eine beste Freundin, deren Motivation man oft kaum versteht – und die mir ausgedacht scheint. Implusiv. Meist absurd unberechenbar. Die egoistische, kleinliche Elena dagegen funktioniert als Erzählerin recht gut: eine Figur, die mir plausibel ist und im Lauf von vier Büchern interessante, nachvollziehbare Entwicklungen macht. Lila dagegen sehe ich als plot device – um jede Ordnung zu stören, überraschend freche oder sentimentale Kommentare abzufeuern und Familien, Machtstrukturen etc. immer wieder neu durchzumischen. Keine Figur. Sondern ein (ausgedachtes) Hilfsmittel gegen den Stillstand.
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06_Schade, wie eng und ahnungslos die Grundschulzeit erzählt wird: Neapel liegt in einer Bucht – doch Elena war nie am Meer, kennt die U-Bahn nicht, bewegt sich ca. 12 Jahre lang nur durch ein paar Straßen und weiß auch mit 15 noch nicht, was z.B. ein Student ist. Das nehme ich Ferrante nicht ab.
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07_Am schlimmsten/ärgerlichsten: Die Bücher haben kaum Beschreibungen; deshalb fehlt den Zimmern, Straßen, Handlungsorten jede Atmosphäre (bis plötzlich, auf den letzten Seiten von Band 4, manisch verschiedene Neapel-Sehenswürdigkeiten und Straßennamen genannt werden: too little, too late). Ferrante jongliert mit zu vielen flüchtig bleibenden Nebenfiguren. Lässt sich viel Zeit, die Sympathie, Konkurrenz, Stimmungsschwankungen zwischen Lila und Elena auszuleuchten. Doch das Italien, Neapel, das beim Lesen in meinem Kopf entsteht, bleibt in Band 1 sehr dürftig: Erst mit Band 2 wird das Quartett zum halbwegs gelungenen Zeit- und Epochenroman. Band 1 wirkt, durch die Beschreibungsarmut, in der US-Version kaum literarisch – eher wie der Episodenführer einer unnötig komplizierten Telenovela-Storyline. Oder die technische Wikipedia-Zusammenfassung eines besseren Buchs. Lebenswege, die auf melodramatische Weise ständig wilde, aber uninteressant ausgedachte Kurven schlagen: Mal geht es Lila besser, mal Elena. Eigentlich… egal.
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08_Band 2 ist deutlich besser – bis auf die über 200 Seiten, in denen drei Mädchen und zwei Studenten, die sich kaum kennen, mögen, verstehen, sich nichts zu sagen haben und nichts geben können/wollen, einen zerquälten Badeurlaub absitzen. Wären die Strand-von-Ischia-Kapitel kürzer, Band 2 wäre mein Lieblingsband.
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09_In Band 3 werden Gewerkschaften, Kommunisten, Linksterroristen wichtig – doch viele Entwicklungen und politischen Hintergründe bleiben schwammig. Andererseits mag ich, wie Elena versucht, im Bildungsbürgertum anzukommen, ernst genommen zu werden… doch immer wieder an den feinen Unterschieden scheitert. Interessante Kapitel über Standesdünkel!
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10_Band 4 befriedigte und freute mich, über weite Strecken: Ich mag, dass sich hier keine Frauenfigur auf Männer verlassen kann, alle sich ihr Glück immer neu erkämpfen, selbst schaffen müssen. Und ich mag, dass Elena als Intellektuelle souveräner wird – zunehmend kluge, differenzierte Dinge sagt über Partnerschaften, Schreiben, Italien, Kinder: Erst gegen Ende dieser 2000 Seiten höre ich der Ich-Erzählerin wirklich gerne zu. Die Kinderfiguren in Band 4 und ihre Probleme und Verwicklungen dagegen blieben mir zu flach; und ich bin überrascht, wie viele Nebenfiguren sterben, eher lustlos von der Bühne gewischt werden. Besonders Tinas Geschichte überzeugt mich nicht: Lila rutscht immer weiter ins Abseits, durch beliebig wirkende Schicksalsschläge. Ich sehe da keinen Character-Arc, Figurenentwicklung. Sondern Tragödien, auf die Lila zunehmend beliebig und oberflächlich reagiert – eine Hauptfigur, reduziert zur flachen, traurigen Nebenrolle. Auch die große Rahmenhandlung um Lilas plötzliches Verschwinden mit fast 70 wird in Band 4 schlecht/kaum aufgelöst.
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11_2000 Seiten lang… immer das selbe: Ein Wohnviertel mit ca. 30 Figuren? Okay. Ein Großroman, der zwei Leben über fast 60 Jahre erzählt – doch in dem nur ca. 50 Figuren immer wieder Partner tauschen, zurückkehren, die Funktionen wechseln? Platt! Pro Buch gibt es sicher 10 Kapitel, die mit der… Möchtegern-Überraschung enden, dass eine Person, die wir bereits kennen, ein Zimmer, Büro, Fest etc. betritt und zeigt: Ich wohne jetzt hier. Oder: Ich bin der neue Partner. Erst wirkt das „Lindenstraße“-haft, konstruiert. Dann zunehmend albern, hilflos: Glaubt Ferrante, wir wären… geschockt? Begeistert? Ich rollte ab Band 2 meist nur die Augen.
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12_Freundinnen, die sich verweigern: Elena will unbedingt mit Lila sprechen – doch geht ihr aus dem Weg. Lila braucht Hilfe – doch meldet sich nicht. Elena hat wichtige Fragen – doch ignoriert sie, monatelang. Elena versteht, dass Lila Hilfe braucht – doch stellt sich tot. Verstanden: Es geht um Neid, Ambivalenz, Selbsthass und Hassliebe. Doch dreimal pro Kapitel die Ich-Erzählerin sagen zu hören: „Ich wollte unbedingt etwas sagen. Aber dann ging ich einfach weg und sagte gar nichts.“ …wird sehr schnell trost- und witzlos..

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Bonus / mehr Details:

Am 15. Juni 2016 stellte ich die Bücher bei Deutschlandradio Kultur vor, im Magazin „Lesart“, im Gespräch mit der Italien-Expertin und Literaturkritikerin Maike Albath.

Den Beitrag kann man hier (Link) nachhören.

Vor jedem Deutschlandradio-Gespräch schicke ich der Redaktion und der Moderatorin ein paar Notizen, Stichworte.

Hier meine kurze Materialsammlung zu Ferrante:

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Elena Ferrante ist ein Pseudonym. Aus (schriftlichen) Interviews wissen wir, dass die Autorin ca. 70 ist, in Neapel aufwuchs, heute in Italien lehrt oder unterrichtet, mehrere Kinder hat, verheiratet war. Wahrscheinlich hat sie in Pisa studiert, klassische Philologie. Die Professorin Marcella Marmo, auf die all das zutrifft, streitet ab, Ferrante zu sein.
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Ferrante veröffentlicht seit 1992 – Prosa über unglückliche, aber störrisch-starke Frauen mit Abstiegsangst und Aufstiegs-Ambitionen in Italien, bisher ca. 5 Romane (je nach Zählweise: sie selbst sieht das Neapel-Quartett als EIN Buch in vier Bänden). Bei Veröffentlichung des ersten Romans, 1992, entschied sie sich für ein Pseudonym, um Personenkult zu entgehen und den Fokus auf den Text zu lenken:

„This choice created a small polemic in the media, whose logic is aimed at inventing protagonists while ignoring the quality of the work, so that it seems natural that bad or mediocre books by someone who has a reputation in the media deserve more attention than books that might be of higher quality but were written by someone who is no one. But today, what counts most for me is to preserve a creative space that seems full of possibilities, including technical ones. The structural absence of the author affects the writing in a way that I’d like to continue to explore.“

Die vier Neapel-Romane erschienen 2011 bis 2014 in Italien, 2012 bis 2015 in den USA. In Deutschland erscheinen alle vier Bücher in rascher Folge bei Suhrkamp, im September 2016, Februar 2017, Sommer (Juni?) 2017 und September 2017, übersetzt von Karin Krieger. Frühere Romane von Ferrante sind auf Deutsch erschienen, vor allem bei Ullstein/List und werden jetzt nochmal neu als Suhrkamp-Taschenbuch veröffentlicht. Die Rechte zur Neapel-Saga waren sehr gefragt, mehrere deutsche Verlage haben geboten, Suhrkamp setzt große Hoffnungen in die Bücher. Mehr dazu u.a. bei Jochen Kienbaum/Lustauflesen.de.
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Ich sehe vier große Faktoren für den Erfolg der Romane:
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Die Autorin: Die vier Neapel-Romane sind sehr persönliche Erinnerungs- und Entwicklungstexte über Armut, Ambition, Dreck und Gefälle/Konflikte in Neapel. Zwei Frauen und ihr schwieriges Coming-of-Age, ihre lebenslange schwierige Freundschaft, ihre Probleme mit Sexismus, Klassismus, der Camorra und Vergewaltigungen/Missbrauch. Die Bücher werden mit Karl-Ove Knausgards „Mein Kampf“-Zyklus verglichen und sind in den USA noch erfolgreicher. Eine Autorin, die sehr ungeschminkt und persönlich erzählt und oft die eigene Kleinlichkeit/das eigene Versagen ausleuchtet… aber eben, anders als Knausgard: dabei so anonym und geheimnisvoll bleibt wie z.B. Thomas Pynchon.
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Begeisterung in den USA: Eine Autorin des New Yorker, Ann Goldstein, hat die Bücher übersetzt, und Kritiker und Kollege James Wood hat Band 1 und 2 dann im New Yorker gefeiert, 2013, und damit erfolgreich gemacht (Woods Frau, Claire Messud, schreibt GANZ ähnliche, feministische Bücher über motzige US-Frauen).
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Und: Die Bücher erschienen im (italienischen, aber auf den nordamerikanischen Buchmarkt spezialisierten) Verlag „Europa Editions“, der sehr oft sehr gute mittel-anspruchsvolle Unterhaltungsromane aus Europa in den USA zum großen Erfolg macht. (Eine deutsche Autorin im Programm: Alina Bronsky) Ich vertraue „Europa Editions“ sehr und weiß: wenn ich eine Strandlektüre mit Europa-Flair will, melancholisch und halbwegs klug, ist das der richtige Verlag.
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(…was aber auch heißt: Für Suhrkamp sind diese Bücher eigentlich zu süffig, zu mainstream. Die Autorin aus dem Suhrkamp-Programm, an die ich denken muss, ist Isabel Allende.)
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In Italien sind auch Ferrantes frühere Romane Erfolge, vor allem durch Verfilmungen. Auch eine über 30teilige Verfilmung des Quartetts ist geplant, doch Literaturpreise hat sie kaum gewonnen – vielleicht, weil sie anonym bleibt
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Ein Marketing-Push in Deutschland: Im Mai hat Suhrkamp 15 Literaturblogger nach Berlin eingeladen und das Buch dort verschenkt. Das Verlagshaus, berichten die Blogs, sei vom „Ferrante-Fieber“ ergriffen und kämpfe darum, das Buch zum Erfolg zu machen. Ähnlich hat Dumont 2016 Anne Köhlers „Ich bin gleich da“ unter Bloggern beworben, Kiepenheuer & Witsch JJ Abrams‘ „Das Schiff des Theseus“.
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„Alle Mitarbeiter bei Suhrkamp sind angeblich heiß gemacht worden auf Elena Ferrante, alle mussten sie lesen und diskutieren. […] Sechs Seiten sind Ferrante in der Vorschau gewidmet, normal sind zwei. Das Buch ist der erste Teil einer Tetralogie, die weltweit bereits für höchstes Aufsehen und Aufregung gesorgt hat und nun auch in deutscher Sprache (übersetzt von Karin Krieger) erscheint. Nach einem, wie [Lektor Frank] Wegner betonte, dramatischen und heißen Wettrennen um die Rechte. 
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[…] Ich darf Ferrante schon jetzt lesen, aber noch nichts verraten. Nur soviel: trotz der Anmutung des Covers, es ist kein »Frauenbuch«. Dass verlagsintern alle Mitarbeiter, wirklich alle, so massiv auf einen Titel heiß gemacht und eingeschworen werden, ist selbst bei Suhrkamp eine Novum und sehr ungewöhnlich. Ich bin gespannt, wie sich das entwickelt, ob sich der große Einsatz lohnt, ob das Elena-Ferrante-Fieber auch die deutschen Leserinnen und Leser infiziert?“
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Journalisten schreiben viel über die (Nicht-)Person Ferrante – aber ein Leseexemplar des Buchs will mir der Verlag erst ab Ende Juni geben: Blogger sind in diesem Fall bevorzugt. Ich kenne bisher nur die Leseprobe der Übersetzung – durch Karin Krieger – und fand sie exzellent: Ich glaube, diese Bücher werden auf Deutsch VIEL besser klingen als die US-Version.
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Auch meine Buchhandelsfreunde lesen es gerade, als Vorab-Exemplar, und sind wohlwollend – doch eine Buchhändlerin in meinem Freundeskreis fragt sich z.B. auch, ob die Romane bei einem großen Konzern nicht noch besser aufgehoben wären – um im Stil von „Afterlove“ oder „Shades of Grey“ etc. noch breiter gepusht zu werden.
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Bleibt die Frage: Wollen wir das? Drei, vier sehr dominante „Bücher der Saison“, über die alle sprechen… und Ferrante jetzt um jeden Preis als großes Buch des Herbstes? Band 2 wäre dafür ein okayer Kandidat, weil die Figuren älter sind und (interessantere) eigene Entscheidungen treffen. Band 1 – süßliche Kinder in trostloser Umgebung, monoton erzählt – ist für mich eigentlich keine sehr gute Strandlektüre, kein Wohlfühlbuch… aber auch keine hohe Literatur.
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Thema und Figuren: ein feministischer Epochen- und Milieuroman. Es geht um Ich-Erzählerin Elena, Tochter des Pförtners, und ihre Kindheitsfreundin Lila, Tochter des Schuhmachers. Elena ist mollig, strebsam, unsicher und kämpft sich immer weiter nach oben, weg von ihrer Familie. Sie beneidet ihre Freundin Lila – störrisch, kalt, vielleicht bipolar – die besser schreiben kann, klüger ist, schöner… aber mit 12 von der Schule abgeht, früh einen neureichen Krämer heiratet und später als alleinerziehende Mutter in einer Salami-Fabrik betatscht und missbraucht wird – während Elena Autorin und Dozentin wird.
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Die Mädchen sind 1944 geboren, Band 1 erzählt die Schulzeit, Band 2 die Zeit bis ca. 22, Band 3 bis 32 und Band 4 bis ins Alter – durch eine Rahmenhandlung wissen wir, dass Lila mit fast 70 beschließt, spurlos zu verschwinden. Band 1 ist ein recht seichtes und einfaches Buch über Jugend und Armut. Ab Band 2 erinnern mich die Bücher an die Memoiren von Simone de Beauvoir (persönlich, aber recht soziologisch); mit Band 3 und den Studentenunruhen, der Arbeiterbewegung etc. Ende der 60er wird es politisch. Band 4 fand ich – trotz vieler Längen und Konstruiertheiten – am durchdachtesten: die meisten Storylines werden, nach viel melodramatischem Auf und Ab, halbwegs stimmig und befriedigend abgeschlossen.
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Ich denke beim Lesen der Bücher vor allem an deBeauvoir – und an die „Lindenstraße“: ca. 20 Figuren aus der selben Nachbarschaft, deren albern und übertrieben wechselhaftes Leben JEDEN Aspekt des Zeitgeists abbilden soll, oft sehr thesenhaft, didaktisch, überzeichnet und zu einfach. Die Sprache ist leicht – doch den Büchern fehlen Beschreibungen, Sinnlichkeit, Details und Beobachtungen, Lokalkolorit und Freude… Ein eher seichter Bericht über Mädchen, die lernen, um ihren (freudlosen, recht klischierten) Umständen zu entfliehen. Ich habe nicht das Gefühl, Neapel gut kennen zu lernen.
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Und, mit Blick auf die Anonymität Ferrantes: das langweilige, knorrige Strebermädchen Elena, vermutlich eine autobiografische Figur, erscheint mir halbwegs plausibel. Doch Lila – zu schön, zu feurig, zu unberechenbar, zu fremd, ein Leben voller melodramatischer Verwicklungen – kommt mir erfunden und blass vor.
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Zum Feminismus, aus der New York Times:
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„My women are strong, educated, self-aware and aware of their rights, just, but at the same time subject to unexpected breakdowns, to subservience of every kind, to mean feelings.“ […]Q. What is the best thing that you hope readers could take away from your work?A. That even if we’re constantly tempted to lower our guard — out of love, or weariness, or sympathy or kindness — we women shouldn’t do it. We can lose from one moment to the next everything that we have achieved.“
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Ich fürchte, die Bücher kommen international so gut an, weil wir Neapel nicht kennen – und bei jeder seichten oder platten Wendung denken: „Na ja. Vielleicht war das eben so: vor fast 60 Jahren, in Süditalien.“ Ein deutscher Zeitroman würde, hoffe ich, kritischer gelesen und verhandelt.
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Lieblingszitate – über Klassismus, Standesdünkel:
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„[The other students] knew how a newspaper or a journal was put together, how a publishing house was organized, what a radio or television office was, how a film originates, what the university hierarchies were, what there was beyond the borders of our towns or cities, beyond the Alps, beyond the sea. They knew the names of the people who counted, the people to be admired and those to be despised. I, on the other hand, knew nothing, to me anyone whose name was printed in a newspaper or a book was a god.
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[…] I didn’t know the map of prestige.
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[…] I was one of those who labored day and night, got excellent results, were even treated with congeniality and respect, but would never carry off with the proper manner the high level of those studies. I would always be afraid: afraid of saying the wrong thing, of using an exaggerated tone, of dressing unsuitably, of revealing petty feelings, of not having interesting thoughts.“ [Band 2 – Elena im Studium, in Pisa.]
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„Make your own head masculine, so that it would be accepted by the culture of men: I had done it, I was doing it.“ [Band 3 – Elena als Akademikerin.]
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„My entire life would be reduced merely to a petty battle to change my social class.“ [Band 4 – Aufstieg kostet Kraft.]
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Frankfurter Buchmesse: Romane und Neuerscheinungen 2012

zur Frankfurter Buchmesse:

14 interessante – und 8 mittelmäßige – neue Bücher:

 

Sechs neue – interessante – Übersetzungen:
01) Édouard Levé – „Selbstmord“ (Essay; Frankreich, 2008)
128 Seiten, Matthes & Seitz, August 2012:  Amazon (Link) | Goodreads (4.10, Link)
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02) David Mitchell – „Die tausend Herbste des Jacob de Zoet“ (USA, 2010)
720 Seiten, Rowohlt, September 2012:  Amazon (Link) | Goodreads (4.00, Link)
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03) Mordecai Richler – „Wie Barney es sieht“ (Kanada, 1997)
464 Seiten, Liebeskind Verlag, August 2012:  Amazon (Link) | Goodreads (4.14, Link)
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04) Eowyn Ivey – „Das Schneemädchen“ (USA, 2011)
464 Seiten, Kindler, September 2012:  Amazon (Link) | Goodreads (3.97, Link)
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05) Nicolas Langelier – „Die enthemmte Moderne meistern und den Rest seines Lebens retten in 25 einfachen Schritten“ (Kanada, 2010)
176 Seiten, Bloomsbury, Oktober 2012:  Amazon (Link) | Goodreads (3.91, Link)
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06) Yu Hua – „China in zehn Worten“ (Nonfiction, China 2011)
336 Seiten, S. Fischer, Oktober 2012:  Amazon (Link) | Goodreads (3.86, Link)

 

8 neue – interessante – deutschsprachige Titel:
07) Sabine Friedrich – „Wer wir sind“
2032 Seiten, dtv, Oktober 2012:  Amazon (Link) | Goodreads (Link)
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08) Jan Sprenger – „Kirgistan gibt es nicht“
240 Seiten, Rowohlt Berlin, September 2012:  Amazon (Link)
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09) Nora Bossong – „Gesellschaft mit beschränkter Haftung“
304 Seiten, Hanser, August 2012:  Amazon (Link)
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10) Jenny Erpenbeck – „Aller Tage Abend“
288 Seiten, Knaus, August 2012:  Amazon (Link) | Goodreads (3.67, Link)
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11) Tilman Rammstedt – „Die Abenteuer meines ehemaligen Bankberaters“
190 Seiten, Dumont, November 2012:  Amazon (Link)
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12) Masoud, Milad und Mojtaba Sadinam – „Unerwünscht: Drei Brüder aus dem Iran erzählen ihre deutsche Geschichte“ (Nonfiction)
256 Seiten, Bloomsbury, September 2012:  Amazon (Link)
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13) Anna Kim – „Anatomie einer Nacht“
303 Seiten, Suhrkamp, September 2012:  Amazon (Link)
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14) Timur Vermes – „Er ist wieder da“
400 Seiten, Eichborn, September 2012:  Amazon (Link) | Goodreads (4.50, Link)
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gelesen – und nicht zu empfehlen:
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15) J.K. Rowling – „Ein plötzlicher Todesfall“ (GB, 2012)
575 Seiten, Carlsen, September 2012:  Amazon (Link) | Goodreads (3.55, Link)
meine Rezension bei ZEIT Online: Link
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16) John Jeremiah Sullivan – „Pulphead: Vom Ende Amerikas“ (USA, 2011)
298 Seiten, Suhrkamp, September 2012:  Amazon (Link) | Goodreads (4.04, Link)
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übersetzte neue Bücher – mit schlechten / mittelmäßigen Kritiken:
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17) John Irving – „In einer Person“ (USA, 2012)
725 Seiten, Diogenes, September 2012:  Amazon (Link) | Goodreads (3.60, Link)
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18) Michael Tucker – „So it goes“ (USA, 2010)
256 Seiten, Graf, Oktober 2012:  Amazon (Link) | Goodreads (3.26, Link)
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19) Simon Mawer – „Die Frau, die vom Himmel fiel“ (UK, 2012)
384 Seiten, dva, November 2012:  Amazon (Link) | Goodreads (3.59, Link)
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20) Carol Edgarian – „Zeiten der Ernüchterung“ (USA, 2011)
464 Seiten, Kein & Aber, August 2012:  Amazon (Link) | Goodreads (3.13, Link)
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21) Howard Jacobson – „Liebesdienste“ (UK, 2008)
400 Seiten, dva, November 2012:  Amazon (Link) | Goodreads (3.33, Link)
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22) Teju Cole – „Open City“ (USA, 2011)
333 Seiten, Suhrkamp, September 2012:  Amazon (Link) | Goodreads (3.54, Link)

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verwandte Links:

Deutscher Buchpreis 2012: Die Nominierten (Longlist)

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Die 20 Nominierten für den deutschen Buchpreis 2012 – mit Links zu Perlentaucher, Goodreads und Amazon.

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•   Ernst Augustin, Robinsons blaues Haus (C.H. Beck, Januar 2012)

[Perlentaucher (Link) | Goodreads (Link) | Amazon (Link)]

•   Bernd Cailloux, Gutgeschriebene Verluste (Suhrkamp, Februar 2012)

[Perlentaucher (Link) | Goodreads (n.a.) | Amazon (Link)]

•   Jenny Erpenbeck, Aller Tage Abend (Knaus, August 2012)

[Perlentaucher (n.a.) | Goodreads (n.a.) | Amazon (Link)]

…große Empfehlung für Erpenbecks „Heimsuchung“, von 2008 (Link).

•   Milena Michiko Flasar, Ich nannte ihn Krawatte (Wagenbach, Januar 2012)

[Perlentaucher (Link) | Goodreads (Link, Score: 4.25) | Amazon (Link)]

…empfohlen / vorgemerkt auch hier (Link).

•   Rainald Goetz, Johann Holtrop. Abriss der Gesellschaft. (Suhrkamp, September 2012)

[Perlentaucher (n.a.) | Goodreads (Link) | Amazon (Link)]

•   Olga Grjasnowa, Der Russe ist einer, der Birken liebt (Hanser, Februar 2012)

[Perlentaucher (Link) | Goodreads (Link, Score: 3,72) | Amazon (Link)]

•   Wolfgang Herrndorf, Sand (Rowohlt Berlin, November 2011)

[Perlentaucher (Link) | Goodreads (Link, Score: 4,09) | Amazon (Link)]

•   Bodo Kirchhoff, Die Liebe in groben Zügen (Frankfurter Verlagsanstalt, September 2012)

[Perlentaucher (n.a.) | Goodreads (n.a.) | Amazon (Link)]

…Kindle-Leseprobe hier (Link, gratis).

•   Germán Kratochwil, Scherbengericht (Picus, Februar 2012)

[Perlentaucher (Link) | Goodreads (n.a.) | Amazon (Link)]

•   Ursula Krechel, Landgericht (Jung und Jung, August 2012)

[Perlentaucher (n.a.) | Goodreads (n.a.) | Amazon (Link)]

•   Dea Loher, Bugatti taucht auf (Wallstein, März 2012)

[Perlentaucher (Link) | Goodreads (n.a.) | Amazon (Link)]

•   Angelika Meier, Heimlich, heimlich mich vergiss (Diaphanes, März 2012)

[Perlentaucher (Link) | Goodreads (n.a.) | Amazon (Link)]

•   Sten Nadolny, Weitlings Sommerfrische (Piper, Mai 2012)

[Perlentaucher (Link) | Goodreads (Link) | Amazon (Link)]

•   Christoph Peters, Wir in Kahleneck (Luchterhand, August 2012)

[Perlentaucher (n.a.) | Goodreads (n.a.) | Amazon (Link)]

•   Michael Roes, Die Laute (Matthes & Seitz Berlin, August 2012)

[Perlentaucher (n.a.) | Goodreads (n.a.) | Amazon (Link)]

•   Patrick Roth, Sunrise (Wallstein, März 2012)

[Perlentaucher (Link) | Goodreads (n.a.) | Amazon (Link)]

•   Frank Schulz, Onno Viets und der Irre vom Kiez (Galiani, Februar 2012)

[Perlentaucher (Link) | Goodreads (Link, Score: 4,17) | Amazon (Link)]

•   Clemens J. Setz, Indigo (Suhrkamp, September 2012)

[Perlentaucher (n.a.) | Goodreads (n.a.) | Amazon (Link)]

•   Stephan Thome, Fliehkräfte (S. Fischer, September 2011)

[Perlentaucher (n.a.) | Goodreads (n.a.) | Amazon (Link)]

…empfohlen / vorgemerkt auch hier (Link).

•   Ulf Erdmann Ziegler, Nichts Weißes (Suhrkamp, August 2012)

[Perlentaucher (n.a.) | Goodreads (n.a.) | Amazon (Link)]

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Ich habe noch keines der Bücher gelesen.

Autoren, die ich empfehlen kann: Jenny Erpenbeck, Rainald Goetz, Wolfgang Herrndorf

Autoren, die mich interessieren: Milena Michiko Flasar, Stephan Thome, Ulf Erdmann Ziegler

Autoren, deren bisherige Bücher mir nicht lagen: Clemens J. Setz, Patrick Roth

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Die bisherigen Gewinner:

2005: ARNO GEIGER, ‚Es geht uns gut‘ (Link, Score: 3.22)

2006: KATHARINA HACKER, ‚Die Habenichtse‘ (Link, Score: 2.84, nicht zu empfehlen)

2007: JULIA FRANCK, ‚Die Mittagsfrau‘ (Link, Score: 3.29)

2008: UWE TELLKAMP, ‚Der Turm‘ (Link, Score: 3.52)

2009: KATHRIN SCHMIDT, ‚Du stirbst nicht‘ (Link, Score: 3.30)

2010: MELINDA NADJ ABJONI, ‚Tauben fliegen auf‘ (Link, Score: 3.66)

2011: EUGEN RUGE, ‚In Zeiten des abnehmenden Lichts‘ (Link, Score: 3.93)

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verwandte Posts:

und:

Romane 2012: Neuerscheinungen, Empfehlungen

Interessante Bücher, 2012?

Update, Spätsommer 2012: Bis heute googeln viele Leser diesen Eintrag. Weil er schon älter ist (Dezember 2011), hier ein paar Ergänzungen / Empfehlungen.

Die besten Bücher, erschienen 2012, die ich bisher dieses Jahr gelesen habe?

  • Gerbrand Bakker, „Der Umweg“, Suhrkamp, März 2012. (große Empfehlung!)
  • Scott Snyder: „Batman: Court of Owls“, DC Comics, Mai 2012 (der beste Batman-Comic seit Jahren. Einsteigerfreundlich / kein Vorwissen nötig.)

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aktuelle Bücher von jungen deutschen Autoren / Freunden, auf die ich mich freue (noch nicht gelesen):

  • Sabrina Janesch, „Ambra“, Luchterhand, August 2012.

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Die ursprüngliche, erste Auswahl, von Dezember 2011:

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deutsche Autorinnen und Autoren:

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01) Christian Schüle: „Das Ende unserer Tage“: Hamburg-Roman

460 Seiten, Klett-Cotta, Februar 2012

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02) Franziska Gerstenberg: „Spiel mit ihr“: erotischer Thriller (?)

264 Seiten, Schöffling, 15. Februar 2012 [Artikel von mir über Gerstenbergs Kurzgeschichten: Link]

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03) Christian Kracht: „Imperium“: Abenteuerroman

256 Seiten, Kiepenheuer & Witsch, 16. Februar 2012

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04) Lisa-Maria Seydlitz: „Sommertöchter“: Reise-/Urlaubs-/Familienroman

208 Seiten, Dumont, 22. Februar 2012

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05) Thomas von Steinaecker: „Das Jahr, in dem ich aufhörte, mir Sorgen zu machen, und anfing, zu träumen“: Gesellschaftsroman

400 Seiten, S. Fischer, 23. Februar 2012

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06) Bernd Schroeder: „Auf Amerika“: Dorfroman

200 Seiten, Hanser, 27. Februar 2012

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07) André Kubiczek: „Der Genosse, die Prinzessin und ihr lieber Herr Sohn“, DDR-Roman

612 Seiten, Piper, März 2012

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08) Felicitas Hoppe: „Hoppe“: Autobiografie / Satire

336 Seiten, S. Fischer, 8. März 2012

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09) Anna Katharina Hahn: „Am schwarzen Berg“, Stuttgart-Roman

236 Seiten, Suhrkamp, 12. März 2012 [Fortsetzung zu „Kürzere Tage“, 2009?]

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10) Klaus Siblewski, John von Düffel: „Wie Dramen entstehen“, Poetik / Ratgeber

288 Seiten, Luchterhand, 12. März 2012 [der Vorgänger „Wie Romane entstehen“ von 2008 war sehr, sehr gut. Interessant auch DIESE Neuauflage [Link] zum selben Thema]

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11) Saskia Fischer: „Ostergewitter“: Familiendrama

220 Seiten, Suhrkamp, 16. April 2012

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12) Rainald Goetz: „Johann Holtrop“: Wirtschafts-/Gesellschaftsroman

200 Seiten, Suhrkamp, September 2012

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13) André Kubiczek: „Kopf unter Wasser“: Männerroman

240 Seiten, Piper, August 2012

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Übersetzungen:

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14) Sherwood Anderson: „Winesburg, Ohio“: Kleinstadt-Klassiker (1919), 3.78 von 5

328 Seiten, Schöffling, 2. Januar 2012 [Neuübersetzung von Mirko Bonné]

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15) Stephen King: „Der Anschlag“: Zeitreise-Thriler, 4.36 von 5

1056 Seiten, Heyne, 23. Januar 2012 [Titel der Originalausgabe: „11/22/63“]

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16) Ben Brooks: „Nachts werden wir erwachsen“: Szene-/Jugendroman, 3.62 von 5

272 Seiten, Berlin Verlag, 4. Februar 2012 [Übersetzer: Jörg Albrecht]

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17) Padget Powell: „Roman in Fragen“: experimenteller Roman (?)

192 Seiten, Berlin Verlag, 4. Februar 2012 [Übersetzer: Harry Rowohlt]

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18) Elisabeth Tova Bailey: „Das Geräusch einer Schnecke beim Essen“: Essay über chronische Krankheiten, 3.92 von 5

176 Seiten, Nagel & Kimche, 6. Februar 2012

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19) Rob Sheffield: „Mit Mädchen über Duran Duran reden“: Popliteratur / Musikjournalismus, 3.54 von 5

336 Seiten, Heyne, 13. Februar 2012

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20) Jennifer Egan: „Der größere Teil der Welt“: Baseball- und Punkroman, 3.65 von 5

392 Seiten, Schöffling, 15. Februar 2012 [Originaltitel: „A Visit from the Goon Squad“, Pulitzerpreis 2011]

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21) Joan Didion: „Blaue Stunden“: persönliches Essay über Selbstmord, 3.75 von 5

176 Seiten, Ullstein, 29. Februar

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22) Edmund White: „Und das schöne Zimmer ist leer“: Memoir, 3.79 von 5

256 Seiten, Gmünder, 1. März [Neuausgabe von „The beautiful Room is empty“, 1988]

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23) Erin Morgenstein: „Der Nachtzirkus“: Fantasy-Romanze, 4.08 von 5

464 Seiten, Ullstein, 15. März

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24) Francis Spufford: „Rote Zukunft“, Sowjet-Roman, 3.98 von 5

576 Seiten, Rowohlt, 2. April 2012

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25) Yu Hua: „Brüder“: Gesellschaftsroman über Shanghai, 3.88 von 5

768 Seiten, S. Fischer, 12. April 2012

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26) Tina Fey: „Bossypants: Haben Männer Humor?“: Comedy / Memoir, 3.96 von 5

256 Seiten, Rowohlt, 1. Juni 2012

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27) Patrick DeWitt: „Die Sisters Brothers“: Western / Satire, 3.88 von 5

368 Seiten, Goldmann, 25. Juni 2012

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28) Frank Bill: „Cold Hard Love“: Hinterwäldler-Kurzgeschichten, 3.98 von 5

ca. 288 Seiten, Suhrkamp, 16. Juli 2012

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29) Isabel Allende: „Mayas Tagebuch“: Frauenroman über Chile, 3.79 von 5

450 Seiten, Suhrkamp, 13. August 2012

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bereits gelesen – und nicht zu empfehlen:

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30) Stewart O’Nan: „Emily, allein“: Alltagsroman, 3.65 von 5

384 Seiten, Kiepenheuer und Witsch, 16. Januar 2012 [O’Nan ist einer meiner Lieblingsautoren. Alternative Empfehlungen: „Halloween“, „Abschied von Chautauqua“, „Das Blut der anderen“]

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31) Manu Joseph: „Genie ist relativ“: Farce / Satire, 3.59 von 5

370 Seiten, Suhrkamp, 18. Juni 2012.

[Bereits 2010 unter dem Titel „Ernste Männer“ bei Klett-Cotta veröffentlicht.]

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32) Doug Johnstone: „Smokeheads“: Survival-Thriller, 2.95 von 5

320 Seiten, btb, 9. Juli 2012

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