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#meQueer: Homophobie, Ausgrenzungen, Angriffe (Stefan Mesch)

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„Lesbe? Die ist nur von Männern enttäuscht.“

„Schwul? Der wär bestimmt lieber eine Frau.“

„Bisexuelle Frau? Geil!“

„Bisexueller Mann? Unersättlich & creepy.“


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Seit 15. August 2018 sammeln queere Twitter-User*innen unter #meQueer Erfahrungen, Angriffe, Ausgrenzungen.

Ich wollte ca. 30 Tweets, die ich selbst beitrug, im Blog festhalten.

Doch die Beiträge anderer User*innen direkt auf Twitter sammeln, als „Twitter Moment“ (Link).

Ich speicherte ca. 200 Stimmen als „Moment“ – und merkte dann: Twitter bündelt immer 100 Tweets pro „Moment“, und lässt den Rest verschwinden.

darum als Notlösung, hier im Blog: meine Lieblings-Tweets zu #meQueer – als Text statt als Twitter-Link.

[falls ein Tweet hier nicht auftauchen soll: schreibt mir bitte, ich lösche täglich:

twitter.com/smeschmesch oder das.ensemble@gmail.com]

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Ein Sommertag wie heute, ich bin vielleicht 11. Ich sage zu meinem Papa: „Das ist ja echt warm heute!“

Seine Antwort: „Es ist heiß! Warm sagen nur Schwuchteln“

Ich hab meinen Papa lieb. Aber das war einer der Gründe, warum ich erst mit 25 Kraft für mein ComingOut fand. _aronlesnik


Kindergarten, ein Vater holt seinen Sohn ab. Er sieht, daß dieser aus der Verkleidekiste die Rosa Feenflügel anhat.

Vater: Bub, werd bloß nicht schwul

Andere Mutti: Ach besser schwul mit 5 als mit 25. _Astralwelpe


Besuche meine Oma und borge mir alte Bücher von ihr aus. Mein Opa: „Was, du liest? Bist du nen Schwuli?“. _BastiLaetsch


Teenagerzeit: Auf einer Party in einer Gaststätte wird ein junger schwuler Mann von anderen beschimpft.

Kommentar von Freunden:innen: „Selbst Schuld, der muss das ja nicht so raushängen lassen beim Tanzen.“

Teenager-Ich: Okay, hab verstanden. _monaaarg


  • „Du hast es doch noch nie mit einem Mädchen probiert.“
  • „Ihr seid keine Promis. Ihr könnt keine Kinder adoptierten“
  • „Bitte küsst euch nicht vor mir“
  • „Du musst es ja nicht gleich jedem erzählen“
  • „Es ist nicht normal“ _CydoBear

Du bist also bi, aber du stehst jetzt nicht auf mich oder?“ _Livenitup_DE


„Hä aber wenn du eh auf Kerle stehst, warum bleibst du dann nicht einfach ein Mädchen?“ _notedbreadthief


Wieso meine beste Freundin und ich uns über 8 Jahre hinweg vielleicht 5 Mal umarmt haben? Man hat uns auch ohne Körperkontakt ab der 5. Klasse als lesbisch beschimpft. _flyingtomoon


Ich habe bis heute Angst, was ehemalige Mitschüler über meine Sexualität denken. _flyingtomoon


Der Höhepunkt war erreicht, als Mitschüler nicht mit mir in einem Zimmer auf der Abschlussfahrt schlafen wollten, weil ich denen ja etwas wegschauen könnte. _EtienneVogel


Sich als queeres Mädchen in der Sportumkleide demonstrativ zur Wand umdrehen, damit auch ja niemand denkt, dass ich sie anstarre. _mrlnxf


Höre jeden Tag mindestens eine Beleidigung über Homosexuelle etc. in der Schule. Der Record waren 7 Stück in einer Schulstunde. Habe es nicht ausgehalten bin zu Lehrer gegangen. Am nächsten Tag hat er es angesprochen und es sind nur noch mehr geworden. _Lets_Lara


ist bei mir auch, dass ich nie gecheckt hab, dass ich queer sein könnte. Ich dachte Mädchenfreundschaften sind eben so, dass 1 sich gerne küssen möchte und geheime Liebesbriefe schreibt. Dabei war ich einfach nur die ganze Zeit heftig verliebt. _ma_ria_r


Mit 13 in großem Detail von deiner damaligen besten Freundin erzählt bekommen, in welchem spezifischen Kreis der Hölle lgbt leute dann kommen und was für Folter auf sie wartet. _zukosgay


Weinend in der Kirche sitzen und Gott anflehen, “normal“ zu werden. _McHarryHarry


Meine Jugend war geprägt von der kirchlichen Umgebung, in die meine Eltern mich ‚untergebracht‘ haben. Wenn einem von außen immer gesagt wird ‚Du bist falsch, wenn…‘ macht es den Umgang mit sich selbst nicht gerade einfach. Ich bin echt daran verzweifelt. _PtrPwr


„Das ist aber unnormal und auch nicht vom lieben Gott gewollt und im Endeffekt nur so eine Mode, du wirst schon sehen wohin du mit dem Lebensstil kommst. Das wird dir in deinem Leben noch im Wege stehen.“ __aiyuki


Wenn „schwul/gay“ noch immer ein geläufiger Ausdruck für etwas Negatives ist. _Dana_Lurchliebe


Den Klassenkameraden immer wieder erklärt, warum „schwul“ nichts Negatives ist und nicht als Beleidigung benutzt werden kann. Sie haben es bis heute nicht verstanden und ich habe es aufgegeben. _Rieoderso


Person A: Das ist so schwul (abwertend gemeint).

Ich: keine Reaktion (nicht mehr).

Person A: dich mein ich ja nicht / das sagt man ja nur so / ist ja nicht bös gemeint. _PatrickGruska


Wenn bei einer Familienfeier mal wieder „schwul“ und „behindert“ als lustige Beleidigungen fallen und man wieder weiß, weshalb man sich nicht geoutet hat. _MaditaSternberg


„Ja man merkt dir das schon an, die Art wie du redest und so“ _tobhahn


,,Omg ich wusste du bist schwul du bist total feminin…”

Ich:,,ja danke

„und lass uns jetzt über alle Mädchen Dinge reden” _steveurtate


„Du wirkst gar nicht so. Hätte ich bei dir nie gedacht.“ – mit Anerkennung in der Stimme, als sei es eine Auszeichnung, nicht dem als makelhaft empfundenen Klischee vom gemeinen Homo zu entsprechen. _beolba


Antwort auf mein Coming Out1: „Warum hast du nichts dagegen getan, als du gemerkt hast, das du schwul bist.“ _HartmutSchrewe


Wenn deine Eltern dir begründeterweise verbieten, in deiner Heimat über deine Sexualität oder auch nur neutral über LGBT-Rechte zu sprechen. Es wäre für unsere Familie der gesellschaftliche Tod. _flyingtomoon


Meinen Eltern wurde erzählt, dass ich schwul bin. Mein Vater war wütend. Meine Mutter hat geweint. Am Ende musste ich es leugnen, damit ich nicht auf der Straße lande. _sefaibalci


Das Suizidrisiko von jungen Lesben und Schwulen ist 4-7 mal höher als das von Jugendlichen im Allgemeinen. 18% haben einen oder mehrere Versuche hinter sich. Und eine Person dieser 18% bin ich. _TillOtter


In 13 Jahren Schulunterricht kam Homosexualität ein einziges Mal vor – im Zusammenhang mit Aids. _mannfrauundco


Gymnasium, ich war irgendwo zwischen 12 und 14. Klassenkameraden (sic!) nannten mich „schwul“, weil ich nicht Fußball spielte. Weil ich mit den Mädels abhing. Weil ich Tanzen ging. Ich wollte nicht schwul sein. Das war beleidigend. Das war schlecht. _Pfanddose


Bist du eigentlich schwul?

Wieso?

Na weil du so eng mit deinen Freunden bist

Und deine bunten Haare

Also?

Ähm ich hab keine Ahnung was ich bin und selbst wenn, geht dich das eigentlich auch nichts an

…ja aber bist du jetzt schwul? _Ju_Be_Su


Wenn meine Partnerin und ich gefühlt das einzige offen homosexuelle Paar unter Hunderten von Eltern, Gästen und Abiturientinnen beim Abiball 2018 sind. Blicke inklusive! _indyacapunk


Ich war in der Schule nie geoutet. Hatte an Jungs wie Mädels gleichermaßen Interesse. Dachte, ich sei asexuell, denn: Interesse an Jungs kanns ja nicht sein! Wir hatten keine geouteten, queeren Schüler an der Schule. 2 Wochen nach dem Abi: 6 SuS meiner Klasse geoutet. _Pfanddose


Ich in der Sekundarstufe 1 werde dauernd gefragt „Bist du schwul?“ Leute es hilft bei der Identitätsfindung nicht dauernd gefragt zu werden. Ja bin ich. Brauchte aber lange es zu verstehen/realisieren/zu sagen /zu sein. _Marek42164153


In den späten 80ern in einer Kleinstadt aufwachsen mit dem Gefühl, du bist der einzige in der ganzen Schule… es darf bloß keiner merken. Sich verstellen. Eine Fassade aufbauen. Nur kein falscher Blick. Sich nicht anmerken lassen, dass Sprüche verletzen. So anstrengend. _Matt_Breitinger


Früh gewusst, lange geschwiegen, ich habe gesehen, wie mit erwachsenen Queers umgegangen wurde, und das ging bis zum Verlust der Arbeit. _ReginaKuepper


Selbst viele „offen Schwule“ haben Schwierigkeiten zu sagen „Ich bin schwul“ oder „ich bin bi“

Es ist mit dem Wort schon eine gewisse Last verbunden finde ich. _SimonEuropa


Ich glaube wenn ich so lese, habe ich bis auf ne echt beschissene Schulzeit ab der 5. wo ich auch 1 Jahr einfach wegblieb wegen dem Mobbing dort und von der Schule flog, und ein paar dummen Sprüchen von Arbeitskollegen die aber an mir abprallen, echt Glück gehabt. _PatSnowpaw


Lese und erinnere mich an die Schulzeit, wo schwul sein die schlimmste Beschimpfung und Erniedrigung war. Mir wird schlecht wenn ich daran denke da selbst mitgemacht zu haben. _klausi_


Wer die Relevanz abspricht & die geschilderten Erfahrungen als Bagatellen/Wichtigtuerei abtut, der ist mit hoher Wahrscheinlichkeit Teil jenes gesellschaftlichen Klimas aus geheuchelter Toleranz, sexualmoralischem Rollback & Ignoranz, das den Hashtag erst nötig macht. _Aenigma


Die gesellschaftlich erlernte Unmöglichkeit des jugendlichen Ichs, die Möglichkeit des Queer-Seins überhaupt denken zu können. Die dämlichen Ausreden und Erklärungsversuche sich selbst gegenüber. Die resultierende Selbstverachtung. _s_krieger


Die innere Sedierung bei jedem in maskuliner Umgebung geäußertem homophoben Witz und Schimpfwort. Das gequälte Lächeln, das sich Wegdrehen, das eigene Schweigen. Die Scham darüber. Der Abfall des Selbstwertgefühls. Jedes Mal. s_krieger


Immer wieder abwägen, welche „Hinweise“ man wem gibt. Bspw. hat mich mein Fahrlehrer gefragt, ob ich zum CSD gehen würde.

Ich hab gelogen. Weil die Angst vor Verachtung so tief sitzt. _anonym


Jahrelang in der Schule Angst gehabt, jemand könnte *es* irgendwie rauskriegen. _anonym


1000 Mal überlegen, ob ich was zu dem Hashtag schreibe, weil ich weiß, dass nahestehende Menschen, vor denen ich ungeoutet bin, ab und an hier mitlesen. _anonym


Ich *schreibt freiwillige 10-seitige Hausarbeit über Transistoren und Dioden in Physik*

Physiklehrer *lobt vor der ganzen Klasse, bewertet mit einer 1*

Mitschüler: „Oh, die Lesbe macht mal was richtig, muss ja krass gewesen sein, was sie ausm Internet abgetippt hat!“ _tiliknewyou


Ich kann immer noch nicht gut darüber reden, dass ich lesbisch bin. Jedes Mal habe ich Angst neuen Freunden davon zu erzählen. Damals wussten nur wenige, dass ich eine Freundin hatte. Ich wollte Kommentaren, wie: „Ach… Durch mich wirst du wieder straight!!“ vermeiden. _GLaDyGamer


oder auch: das bewusste vermeiden von geschlechtsbezogenen begriffen, wenn es um das privatleben, urlaub etc. ging. brachte jahrelang dieses „mir ihr“ einfach nicht raus. fast die ganze eigene sprache umgestellt. nur um nichts verräterisches zu äußern… _zieterow22


Auf jeder Familienfeier, jedem Konzert, jeder öffentlichen Veranstaltung queerfeindliche Ausagen hören und sich überlegen müssen ob es den möglichen Ärger wert ist, was dagegen zu sagen. _pandaer1k


Mein Chef beim FSJ in einem Jugendzentrum hat mir gesagt, ich solle nicht „lachen wie so eine eklige gottverdammte Schwuchtel“. Hab das seinem Vorgesetzten berichtet und wurde von dem nur dauerhaft ignoriert. _TillOtter


Jemand der gerade herausfindet dass ich Schwul bin:

„Ey,nicht falsch verstehen wenn ich das Wort Schwul für irgendwas benutze oder so,ist halt so ein Wort

Ich:“Ok, nicht falsch verstehen wenn ich in einen Hundehaufen trete & sage;Bäh ist das Hetero,ist halt so ein Wort. _AndreGrabowski2


Ignoranz. Einfach nur pure Ignoranz in meiner Klasse für einen verdammten Monat nachdem ich – unfreiwillig – geoutet wurde. Bis einer den Arsch in der Hose hatte sich zu entschuldigen und mich wieder „aufzunehmen“. __aiyuki


Ich werde nie die Reaktion meiner ehemals besten Freundin auf mein Coming Out vergessen: “Ich… umarme dich trotzdem noch.“ _fluegelfeder


Zu kann ich nur schreiben, dass ich auch zu denen gehört habe, die Schwulenwitze gemacht haben. Bis ich ich mitbekam, dass ein schwuler Kumpel nichts gesagt hat. Und das hat mich getroffen. Manchmal bist du eben ein Arschloch, ohne es zu merken. _totengelichter


  • Du wirkst gar nicht lesbisch……
  • Bist du dir sicher?…..
  • Ist bestimmt nur eine Phase…..
  • Hattest du schon was mit Mânnern oder woher weißt du das du lesbisch bist? _slyke31

„…meine Partnerin….“

„Du bist lesbisch? Du wirkst gar nicht so. Du bist so normal.“

Aha. Tut mir leid, dass ich nicht deinem Stereotyp entspreche.

PS: Nur weil ich mit einer Frau zusammen bin, bin ich nicht unbedingt lesbisch. _CuriousZebra_


  • „du musst kein make-up tragen, wir haben verstanden, dass du schwul bist“
  • „wieso hast du dich entschieden schwul zu sein?“
  • „was bringt es dir schwul zu sein?“
  • „wieso muss ich das akzeptieren, wenn du nicht akzeptierst, dass ich was gegen schwule habe?“ – eltern _eindaddybear

„Wenn Lesben doch auch Frauen mit kurzen Haaren [+ andere „männliche“ Attribute] stehen, wieso stehen die nicht gleich auf Männer? Hahahaha“ Solche Aussagen kommen von der Familie, da fühlt man sich wohl. _papierplanet


„Wenn du echt nicht auf Männer stehst, wieso hat deine Freundin dann kurze Haare?“ _einfachMaria


Mein Bruder nachdem klar war, dass ich trans und gay bin und unser jüngster Bruder in einer Beziehung mit einem Mann ist: »Dann bin ich ja das einzige normale Kind in dieser Familie« _MAEXimum


Ich habe etwa 90% meiner Familie verloren, einfach nur, weil ich es gewagt habe, ich selbst zu sein. _FN2443


Der aller ätzendste Satz nach meinem Outing den ich bis heute immer noch zu hören bekomme ist: Das ist Chris, der ist schwul, aber sonst ein wirklich netter Typ.

Und ich habe tatsächlich lange versucht in allem der Beste zu sein um den vermeintlichen Makel auszugleichen. _InfraRiotGirl


Mein Freundeskreis ist progressiv und respektiert mich. Er ist auch nicht kleiner geworden. Viele sagen sogar nicht mehr Schwuchtel, weil sie wissen, dass ich es beleidigend & respektlos finde. _SirHansen


Das Gefühl zu haben, anderen (meine) Queerness aufzuzwingen oder zu nerven, wenn ich erwähne, wie toll „sie“ ist oder dass ich Schauspielerin XY heiß finde oder auf Nachfrage erkläre, dass ich keinen Freund habe, weil ich auf Frauen stehe. _mrlnxf


Mein Bruder: Schwule sind so abartig.

Ich sehe ihn eine weile kühl an ehe ich antworte: Ach, ist das so, ja?

Er schreckt merklich zusammen: Bis auf dich! Also wenn du das Trans Zeug durch hast, dann bist du der einzige den ich akzeptiere! _IceprinceNoah


Herzschlagen, Schweißausbruch und auf die Zunge beißen, wenn es irgendwo um LGBTQ* geht. Bloß nicht auffallen. _mrlnxf


Geoutet in der Schule als eine Gruppe von Mitschüler*innen mich „Schwuchtel“ genannt haben. JA, ICH BIN EINE SCHWUCHTEL. _TymScorpus


die socialmediaprofile vor den eltern verstecken, weil man angst hat, dass sie herausfinden könnten, das man trans ist. _everettnotross


Meine Mutter die meinte, ich dürfe mich nicht bei meinen Großeltern outen, sie würden mich aus der Familie ausschließen (mit Enterben und allem drum und dran) _jesuskokst


Beim Outing vor meinen Eltern meinte meine Mutter: „Wem hast du’s denn schon alles erzählt??! Wir müssen uns DAS ja jetzt nicht auf die Fahne schreiben. Muss ja keiner wissen.“ _Herbstwindkind


Nach meinem Outing, sagte meine Mutter „zum ersten mal bin ich froh, dass du ans andere Ende Deutschlands gezogen bist, sonst würden die Leute hier im Dorf ja über uns reden.“ _NicoLAS_VEGAS


„Das darfst du aber nicht den Großeltern sagen. Ach, zum Glück hast du das ausgelebt, als du ausgezogen bist, sonst hätte das noch die Runde gemacht.“ _monaaarg


ist auch, wenn deine „Outing-Strategie“ das Warten auf das Wegsterben der schwierigsten Verwandten in deinem Umfeld ist… _sistasonDE


Es hat mein halbes Leben lang gedauert, bis ich mich als trans outete. Es hat mein halbes Leben lang gedauert, weil mir mein halbes Leben lang gespiegelt wurde: das was du dir wünscht ist falsch und ekelhaft. Ich rede jetzt so viel über mich, weil ich endlich reden darf. _buzzaldrinsblog


Ich hätte es auch schon viel früher wissen sollen, mit zwölf waren die Zeichen bei mir schon sehr deutlich, aber die Darstellung von vielen Transfrauen und das Bild was dabei vermittelt wurde, haben mich zweifeln lassen. Mir haben Vorbilder gefehlt. _Saphirosa


Komplett zerstörtes Mutter-Kind-Verhältnis weil sie nicht dran glaubt dass ich trans bin. Extrem alleine fühlen aus Angst, anstatt out & proud zu sein. _forty_two_42_


„Ich wäre lieber als Mann zur Welt gekommen!“

„SO SAME!! Ich finde meine Periode auch so schrecklich!!“

For f*cks sake, darum geht es nicht!! _MalchikGray


Meine Oma über einen Transgender Freund von mir: „Sofern sie noch nicht operiert ist, bleibt es für mich eine sie.“ _batoutofhell


kolleg*innen, die transmenschen konsequent als „es“, als „dieses ding“, „kranke vögel“ oder ähnlich abwertend bezeichneten. ich fand sie so zum kotzen. _zieterow22


Wenn dein eigener Vater sich jahrelang weigert, dich beim korrekten Namen zu nennen. _notedbreadthief


Sogar in der lgbt+ community darum kämpfen müssen anerkannt zu werden. Stichwort asexuell. _SilverWolf2421


Als asexueller Schwuler bekomme ich oft sowas zu hören wie:

  • „Asexualität ist eine Krankheit.“
  • „Du kannst gar nicht asexuell und schwul sein.“
  • „Dann bist du ja gar kein richtiger Schwuler.“ _NicolasTransgay

„Weißt du, eigentlich bin ich asexuell!“

„Nein, das glaube ich eher weniger!“

Echt?? Woah, gut, dass wir nochmal drüber gesprochen haben!! FAST hätte ich gedacht, ich würde mich selbst kennen! Dann sorry, mein Fehler! _MalchikGray


Jahrelang nichts von Asexualität gewusst, wurde nie aufklärt.

Habe mich jahrelang nirgendwo dazugehörig gefühlt und war so verwirrt was meine Sexualität betrifft.

Nun habe ich Anschluss gefunden und mir wird eingeredet dass alles nur eine Phase sei oder ich unsicher bin. _nisosaur


  • „Du bist doch viel zu jung, um das wissen zu können“
  • „Wie kann man Sex nicht mögen du .. Blödi“
  • „Asexuelle wurden für ihre Asexualität nicht verfolgt und ermordet. Die gehören nicht zu LBGTQ+“
  • „Ihr wollt nur Aufmerksamkeiiiiiit“ _RainyRegenfeder

Fragt mich jemand, ob ich lesbisch bin, sage ich übrigens immer noch meistens ja.

Weil es mir in 9 von 10 Fällen zu anstrengend ist, meine Version von queer zu erklären. _RikeRandom


Vor einigen Jahren, bevor mir klar war, dass ich trans bin, fragte ich meine Mutter, wie es wäre, wenn ich statt eines Mädchens ein Junge wäre *hust*.

Ihre Antwort darauf: „Einen Jungen hätte ich eher geschlagen.“ _nicolastransgay


(Ich bin Trans (FtM)und bi ,

  • ,Also bist du jetzt ne Lesbe?“
  • ,,Das ist nur eine Phase“
  • ,,Du bist als Mädchen geboren, also akzeptier das gefälligst“
  • ,,Sollen wir dich jetzt mit,,es“ ansprechen?“
  • ,,Das haben dir diese Schwuchtelyoutuber nur eingeredet!“
  • ,,sei doch normal!“ _Bloodmoonkid

speziell zu lgbt-veranstaltungen gehen, um wenigstens mal irgendwo akzeptiert zu werden, und dann dort auch von jedem cis-kerl gesagt bekommen, er würde ja nie was mit nem trans typen anfangen, weil das is ja ekelhaft und ein „richtiger mann“ sei ich sowieso nicht. _genvalinor


Es schmerzt mich sehr, wenn cis Leute einen solchen Gegensatz konstruieren. Grade, wenn sie selbst schwul sind. Dass ich keinen Platz in der schwulen Community habe. Dass ich für viele gar nicht existiere. Und wenn doch, werde ich als Schwuler zweiter Klasse degradiert. Da kommen dann auch Sätze wie „Wir Lesben und Schwule müssen trans Menschen unterstützen.“ bei raus. _nicolastransgay


„Ich finde trotzdem nicht, dass zwei Männer ein Kind adoptieren sollten… Immerhin bin ich ein Mann und deshalb weiß ich ja, wie Männer sind. Sie wären eine Gefahr für das Kind.“

Warum hast du dann ein Kind? _onlyablueberry


Ich bin trans und auf das Wohlwollen meiner Ärzte angewiesen. Ich hatte Pech und bin an eine Psychotherapeutin geraten, die gerade mit Vollgas dabei ist, mir das ganze Jahr 2018 zu ruinieren, anstatt mich zu unterstützen, wie man das eigentlich von ihr erwarten dürfte. _FN2443


heißt für mich, jeden Tag irgendwie, irgendwo, irgendwann darüber zu stolpern, dass ich (meistens) genug zum Leben, aber weniger verdiene als meine Kolleg_innen. Für die gleiche Arbeit. Denn das Amtsgericht kürzt mein Einkommen für die Gutachter. _ein_fledertier


Meine Großmutter hat mir (ihrer einzigen Enkelin) bis heute nicht zur Hochzeit (Oktober 2014) gratuliert und meine Stieftochter (ihre einzige Urenkelin) nie kennengelernt. _pauledeluxe


14, erste Liebe. Mutter: „Die triffst du nicht mehr oder du fliegst!“

Warum ich mit knapp 15 von zuhause ausgezogen bin/wurde. _DubeAteo


1 Jahr später trafen meine Mutter und ich die Abmachung, dass wir uns aus dem Liebesleben des Anderen raushalten.

Ich konnte ihr nie meine Ex-Freunde vorstellen oder über Liebeskummer reden.

Sie hat hinter meinem Rücken geheiratet.

Wir haben uns also beide dran gehalten. _DasKleineBlaBla


In Pubertät meine Transidentität und mein lesbisches Begehren entdeckt. Aufgrund Mobbing, fehlenden Rollenvorbildern und abwertenden Kommentaren aus dem Umfeld lange versteckt. Outing erst mit Anfang 20, seit 2016 Begleittherapiezeit, Verheiratet und Mama. _AndersJenny


„Meinst du, dass deine Geschlechtsidentitätskrise nicht nur dadurch kommt, dass dein Körper so viel schlimmes erfahren hat? Du hast ja immer nur gesagt, dass du lieber ein Junge bist und NICHT, dass du schon immer einer warst. – Meine Mama _whisperingmoors


Als ich 16 Jahre alt war kam eines Nachts ein Familienmitglied in mein Zimmer, welches mich im Dunkeln festhielt und meinen Intimbereich anfasste, um zu „überprüfen“, ob ich eine Frau oder ein Mann sei. _NicolasTransgay


Ich wurde schon paar mal gefragt, warum ich mich so vehement für LGBT+ einsetze, wo ich selbst doch „normal“ bin. Unter könnt ihr lesen warum. _MeritSeto


Warum müssen Schwule immer so schrille Pride-Paraden machen? Können die nicht einfach zu Hause schwul sein?“ (Bekannter, der gerade zu Gast bei uns ist) _tobhahn


„Ich hab ja immer Lindenstraße geguckt bis die da gezeigt haben wie sich so zwei Männer küssen“ _tobhahn


Damals in der Lindenstraße als Tanja Schildknecht eine lesbische Storyline bekam und meine Mutter zu mir sagte „Wehe, du wirst so.“ _Lieveheersbees5


Bin Vegan und habe meine Konfirmation abgebrochen trotz religiöser Familie.

Schaue mit meiner Oma TV und es kommt ein lesbischer Charakter.

Oma: Du bist ja sowieso nicht so normal, ich hoffe das du nicht noch zusätzlich lesbisch bist.

Ich, pan sitze dort voller Angst. _Lets_Lara


Am späten Abend allein nach Hause gehen bedeutet für mich, den Regenbogenbutton zu verstecken, mich so unauffällig wie möglich zu verhalten und zu hoffen, dass ich von (angetrunkenen) Männern nicht zufällig als schwul gelesen werde und in Ärger gerate. _boyinterruptedd


Mit ist ja dann endlich meine Zeit gekommen…

Meine Zeit zu sagen, dass euch n Scheiß angeht, was ich durchstehen musste und muss, und ich eher mein Leben aufgebe als zur Belustigung Fremder mein Privatleben derart ans Schwarze Brett des Dorfes zu pinnen. [ich poste das mal ohne Quellenangabe]


Ich wollte mich nicht zu äußern. Gerade habe ich keine Kraft dafür, wieder von Trollen überrannt und beleidigt zu werden.

Aber mein 14-jähriges Ich, das wegen ihrer Sexualität in Müllcontainer (die man von innen nicht öffnen kann) gesteckt wurde, will gehört werden. _Flusswoelfin


Klassenkollege läuft hinter meinem Rücken durch die ganze Klasse und fragt alle „He, glaubst du ist der Flo schwul?!“. Einer der schlimmsten Tage in meinem Leben. Ich war richtig hilflos. _FBoschek


Schulzeit war als einzig offen schwuler Dude auf der Schule nicht so cool: In den Pausen auf dem Schulhof von ner Truppe Mitschülern eingekreist und bedroht werden; auf den Gängen hinterhergerufen kriegen man sollte sich das Leben nehmen. Mobbing en masse: Alltag. Ergh. _TillOtter


„aber du stehst doch jetzt nicht auf mich oder?“ _Allescla_ra


Ich tratsche mit einem Bekannten über Bettgeschichten. Ich, damals mit Freundin, meine, ich kann mich nicht beschweren. Er, irritiert: „Aber das ist doch kein RICHTIGER Sex.“ _KaenKazui


„Du musst eine Hormontherapie machen. Da ist was falsch bei dir“ _Caetline


Ich kann nicht mehr zählen, wir oft Menschen annahmen, ich sei homosexuell weil ich drei Schwestern habe.“ _HartmutSchrewe


…ob ich mir während der Schwangerschaft ein Mädchen gewünscht hätte, fragte eine Kinder-und Jugendpsychologin in Bezug auf die Homosexualität meines Sohnes. Ich habe die Zusammenarbeit lieber beendet. _dergrauekanal


„Da fehlt bestimmt die [Elternteil]-figur!“ _whisperingmoors


Selbst wenn die eigenen Erfahrung vergleichsweise harmlos bis positiv sind: Die Erfahrung anderer machen Angst, lassen zögern. _Shiku_


„Die Kinderlosen sollten bei dem Thema besser mal die Klappe halten“ Arbeitskollege kurz vor Eheöffnung und gemeinsamem Adoptionsrecht. _eurojackpot24


Workshop zur LGBT+ Community in der Schule. Von zwei Schwulen

Naja, trans Menschen wurden nur am Rande erwähnt

Trans wurde als eigenes Geschlecht dargestellt

Asexualität wurde in einem Nebensatz abgehakt und dann vergessen

Also eigentlich war es zu Lesben und Schwulen und mehr nicht. _notedbreadthief


Almost always being the only non-binary person. Having to educate other people about queer identities. Always having your orientation and gender identity understood as a political statement. _pandaer1k


Leute, die mich dazu verpflichtet sehen, ihnen meine Label zu erklären,mich zu rechtfertigen: Pan. NB. Genderfluid. Was ist das? Warum genau dieses Label? Bin ich mir sicher? Wie kann ich das wissen? Warum nicht Label x? A n d a u e r n d. Überall. Bei jeder Erwähnung. _queen_of_gore


„Lässt man sich als dieses… nicht-binäre da… eigentlich operieren?“ _hellarcadiagay


als ich mich bei meinen eltern geoutet hab, und einen binder wollte

„jeder muss irgendwie mit seinem körper klarkommen“ _1punkmensch


Talking to then-best friend: „Well I can tolerate trans people, they’re just born like that, but people who can’t decide what gender they are are sick and just want to trick people.“ Couldn’t stay friends after that. _pandaer1k


„Ich hab ja nichts gegen Schwule oder Lesben oder Transgender Leute, aber die ganzen Genderfluiden gehen mir etwas zu weit. Verstehe die Ideologie dahinter nicht.“ Macht immer wieder Spaß, als verrückt hingestellt zu werden! Nicht! _MalchikGray


Unter , und berichten Menschen über strukturelle Benachteiligung, Diskrimierung und Gewalt, genau wie unter und . (Immer wieder) wichtig zu lesen. _JasminSarahBr


und ermöglichen, die Probleme anzusprechen In jedem Büro, in jeder Branche, in jeder Klasse, in jedem Sportverein, an jeder Bar, in jedem Freundeskreis, in jeder WG, in allen Medien, in allen Parteien, jeder Familie, in jeder Schicht, im Bahnbistro… _Le_Ann_Fr


, nicht zu wissen wo man anfangen soll zu erzählen, weil ich nicht öffentlich drüber rede. _Dahie


Ich habe in der Straßenbahn meinen Kopf auf die Schulter meiner Freundin gelegt weil es mir nicht gut ging. Wir wurden von einem Nazi mit einem Messer bedroht. _AnonymerKeks161


Und wenn es nicht böse gemeint war und trotzdem böse und verletzend ankam, dann vielleicht, weil wir uns in einer queerfeindlichen Gesellschaft daran gewöhnt haben, dafür so behandelt zu werden.

Spricht auch nicht für die Gesellschaft. _Pfanddose


Haben Menschen, die in ihrer heteronormativen Welt gefangen sind, schon mal darüber nachgedacht, dass sie feminine Lesben und maskuline schwule Männer genau deswegen nicht erkennen (wollen)? _einfachMaria_


Es gibt einige Parallelen bei der Diskriminierung von Frauen und Homosexuellen.

Lesben bekommen dabei die volle Breitseite der Doppeldiskriminierung ab. _HartmutSchrewe


„Sie sind mit einer Frau zusammen? Aha, dann hatten Sie also noch nie richtigen Sex.“ -Gynäkologin _CuriousZebra_


Diese unzähligen Aufforderungen für einen Dreier.  _countessleto


Wenn du dir im Club jemanden aufreißt. Dann rausgehst, um bisschen zu quatschten. Und sofort ein fremder Mann herkommt, dich angrinst und ungeniert fragt, ob wir mit ihm nach Hause gehen wollen.

Logik: Lesben gibt es gar nicht. Sie tun das nur, um Männern zu gefallen. _tschinderle


‚also ihr seid zwei biologische MÄDCHEN, die sich aber sicher sind, dass sie jungs sind und ihr seid zusammen. das ist ja nicht so normal.‘ _kerrlmerx


Ein schwuler Bekannter sagt erklärend in Richtung Ehemann: „damals war er noch bisexuell, er kannte mich noch nicht, er war verwirrt.“

Meine zukünftige Frau und ich (beide Bi) so:

¡W H A T! _sbkDiggi17


  • „Ihr wollt doch nur besonders sein“
  • „Und ich identifiziere mich als Kampfhubschrauber hahaha lol“
  • „Es gibt zwei biologische Geschlechter. Alles andere sind psychische Krankheiten“
  • „Aber was bist du denn WIRKLICH??“
    Thema non-binary. Zum Glück nicht alles selbst erlebt. _RainyRegenfeder

  • ‚Pan, okay, aber dieses poly wird doch jetzt echt ein Selbstfindungstrip.‘
  • ‚Whoa, so mit mehr Leuten? Das klingt eher psychisch gestört, sorry.‘
  • ‚Finde mal eine ordentliche Frau, dann wirst du auch echt lesbisch‘ _poly_ravenclaw

„mir hat mal jemand in einer Nachricht geschrieben: „Unser Freund ist jetzt unsere Freundin und wir laden sie trotzdem immer noch zum Essen ein.“ _buzzaldrinsblog


„Warum hast du denn deine Haare abgeschnitten? Lang stand dir doch so gut! Jetzt siehst du aus wie ein Junge! Und die Klamotten dazu. Du bist/warst doch so ein hübsches Mädel!“

Newsflash: ich bin immer noch ein hübsches Mädel! Meine Freundin sieht das übrigens auch so! _SpaceCowBara


Ich auf ner Familienfeier „Wir haben uns ja lange nicht gesehen. Aber dein Nagelack…bedeutet das was? Ich meine du bist ja ein Junge“ _Marek42164153


„Du hast eine schöne Handschrift, haben das alle Schwule?“ _joelkraus_


Grillparty: „Hallo Robert, schön, dass du da bist, der „Sowieso“ kommt auch gleich, der ist auch schwul.“ _ReiseRobby


Bekommt zum Geburstag 4 Kalender mit nackten Männern /Tiny Rosa Werkzeugkoffer geschenkt.

„du bist doch schwul, du magst das sicher“ [kicher] _machi1701


Freundin meiner Mutter beschreibt irgendeine Frau als „Die, die aussieht als sei sie mal ein Mann gewesen.“ Während ich, offener trans Mann, daneben sitze. _notedbreadthief


Vor Beginn des CSD stehen eine Freundin und ich in Bi-Flaggen gehüllt am Straßenrand. Ein älterer Mann im Regenbogenshirt kommt auf uns zu, fragt nach der Bedeutung der Flaggen und fragt nach der Antwort abschätzig „Könnt ihr euch nicht einfach für eins entscheiden?“ _lana_greenlake


  • „Ach klar, die Selbstfindungsphase.“
  • „Irgendwann entscheidest du dich für ein Geschlecht.“
  • „Is‘ ja aber auch momentan totaler Trend.“
  • „Bald gibt’s keine Heteros mehr! Was dann?!“
  • „Aber wenn du dich entscheiden MÜSSTEST…-„
  • „Aber Lesbensex ist doch voll ekelhaft?“ _humanight1

  • „Du siehst doch voll gut aus, wieso stehst du denn auf Frauen? Das hast du doch gar nicht nötig.“
  • „Du bist Bi? Sieht man dir gar nicht an.“
  • „Musst nur mal richtig gevögelt werden.“
  • „Du hast ja jetzt doch einen Mann geheiratet, dann bist du jetzt wieder normal?“ _MaditaSternberg

Nach dem 4. Outing bei meinen Eltern habe ich aufgegeben. Es lohnt einfach nicht, wenn sie wenige Tage später doch wieder so tun, als hätte es das Gespräch nie gegeben. _A_Jurtzki


1 jahr nach meinem ComingOut im Freundeskreis habe ich mir die Haare von hüftlang auf 3mm abschneiden lassen.

Kommentar von Freunden „Hast du dich jetzt endgültig für Frauen entschieden? Hab doch gesagt, dieses bi-sein war nur ne Phase“ _SveaCaro


„Mama ich habe einen Freund“ „Das muss ich erstmal verkraften, das du nicht normal bist.“ _marchi1701


meine mom: rannte zum arzt und ließ sich beruhigungsmittel verschreiben, weil ich ihr „DAS“ antat.

ich gab mir dann mühe, wieder „normal“ zu sein.

(und hasste mich) _zieterow22


„Ich hätte dich damals in die Hecke spritzen sollen“

…( von meinem Vater als ich zwangsweise geoutet wurde und dazu stehen musste und es auch getan habe) _StephanHegger


Mit „+1“ auf die Hochzeit eines Verwandten eingeladen werden, aber von Dritten verboten bekommen, die Partnerin mitzunehmen, „weil es nicht um dich gehe und das die Braut aus dem Mittelpunkt rücken würde“ _KrawallKiwi


Meine Mama war nachdem ich mich ihr gegenüber geoutet habe, absolut dagegen dass ich mich in der Schule oute. Ich weiß bis heute nicht, ob sie mich nur schützen wollte oder ein Problem damit hat. _graueblumen


Ein Ex Freund von mir könnte auch noch etwas dazu sagen, aber als seine Eltern heraus fanden das er homosexuell war, sich Sorgen um den Ruf im Dorf machten und ihm darum das Leben zu Hölle machten hat er sich umgebracht. Mit 19 Jahren. _StephanHegger


Was meine Familie so zu mir sagt:

  • ‚wir gehen zu einer familienfeier, bleib zuhause, sonst müssen wir uns für dich schämen‘
  • ‚was haben wir falsch gemacht, dass wir so ne tr*nse bekommen haben?‘
  • ‚wir hätten dir öfters aufs maul hauen sollen‘ _homolordt

Nie den Sprach-Chat in Multiplayer Spielen nutzen können, weil du trans bist. Hass und Beschimpfungen sind Alltag. _Dana_Lurchliebe


Probleme zu haben, von deren Existenz ein Großteil der Bevölkerung nichts weiß , Nur-Mann-und-Frau-im-Eheregister…. _LemaSdn


Asexuell sein und sich immer wieder bis in die Mittzwanziger die Frage stellen müssen, was mit einem nicht stimmt, nur weil man den Hype um Sex und Beziehungen nicht nachfühlen kann.

Und dann das Erwachen, wenn man realisiert, dass es dafür einen Namen gibt. _Chan_to_the_Ho


Wenn man als bisexueller trans Mann in schwulen Kreisen wie unsichtbar ist und nicht ernst genommen wird, weil man deren körperlichen Normen nicht entspricht und gleichzeitig noch mit Stereotypen über bi Menschen konfrontiert wird. _daydreamer1796


„Du bist nicht bi, du willst nur Aufmerksamkeit!“ _mianjanssen


„Vielleicht wärst du nicht single, wenn du nicht immer so raushängen lassen würdest, dass du bi bist.“ _bildungsburger


„Ich denke nicht, dass jemand auf Männer und Frauen stehen kann. Der wird sich eben irgendwann entscheiden.“ _onlyablueberry


‚Hä, du hast deinen Freund schon seit x Jahren, wieso solltest du da bi sein?‘ _browniemance


„Stehst du auch auf Gegenstände? Tiere? Kinder?“ _mrlnxf


Fragte uns vor Jahren so ein Depp: „Wer ist von euch beiden der Mann?“

Ich antwortete: „An geraden Tagen ich, an ungeraden sie.“ _GwenDragonTek


weil jedes outing mit dem anlegen einer inneren rüstung beginnt.

gegen „ich hab nichts gegen schwule, aber…“

„das hätte ich nie von dir gedacht….“

„das ist doch gar kein thema, warum musst du denn darüber reden?“ usw. _KlemensKetelhut


Die toxische Toleranz des „Schwulsein? Gar kein Problem. Alles völlig normal. Lasst uns einfach nur nicht drüber reden.“ _s_krieger


„ja ich hab ja nichts gegen schwul aber müsst ihr das alle so raushängen lassen? du legst es wirklich darauf an von irgendwelchen Nazis zusammengeschlagen zu werden, oder?“ _timothyagemusic


Auch wenn ich viel Selbstvertrauen habe & mir die Meinung vieler Menschen egal ist. Überlege ich immer 2 Mal, ob ich wirklich mit „Frauen“schuhe & Lippenstift im Gesicht auf die Straße gehe. _TymScorpus


„Warum habt ihr eigentlich eine Flagge aber es gibt keine Hetero-Flagge? Gleiches Recht für alle, gerade du musst doch verstehen dass das Diskriminierung gegen Heteros ist!“ _timothyagemusic


„Ihr dürft doch heiraten? Was wollt ihr denn noch?“ _mariabraeu13915


Für meine Schwiegereltern existierte ich einfach nicht.

Der Sohn konnte und durfte nicht schwul sein. Ignorieren und totschweigen macht „es“ inexistent.

Meine Schwiegermutter starb nach 10 Jahren, mein Schwiegervater 7 Jahre später.

Habe sie nie kennengelernt. _VanGestern


Meine Mutter bedauerte nach meinem coming out, dass ich „nie“ Kinder haben werden. Heute bin ich die einzige von drei Töchtern mit Nachwuchs. Leider hat sie das nicht mehr erlebt. _Andreacmeyer


Ein Kollege: „Können Sie uns einen kleinen Text zu S/M und ähnlichen Praktiken schreiben? Sie kennen sich da doch sicher aus, Sie sind ja schwul.“ _mannfrauundco, Journalist


Eine ehemalige Chefin zum Chefarzt: „Wir brauchen endlich einen Mann im Team.“ Der Chefarzt lacht und alle gucken mich an. _ichunddieabwehr [queere Ärztin?]


Nach dem 2. Auftritt bei dem ich ein Liebeslied an meinen Freund gesungen hatte, kam ein Z-Promi zu mir und sagte: „Ey du hast Talent, aber lass das ganze Schwuchtel-Zeug und zieh dir mal was Vernünftiges an.“ _TillOtter


bei einer grösseren Firma in der Provinz beworben. Sollte „Ehefrau“ zur Vertragsunterzeichnung mitbringen. Erzählte einem anderen Manager, dass ich einen Ehemann habe. Am Tag der Vertragsunterzeichnung betretenes Schweigen. Vorwurf, ich hätte die Firma hintergangen. _mooksberlin


Jedesmal vorm Outing darüber nachdenken ob es einem im Beruf schaden könnte. _labatteuse


„Den Bi-Sticker auf auf deinem Laptop machst du aber noch ab, bevor du ein Seminar gibst, oder? Was sollen denn deine Studis denken?“ _bildungsburger


„Bei dem besser an der Wand lang gehen!“ Als Tipp unter „Kollegen“ über mich. _EureWortschaft


Protipp: Alle Fragen und Kommentare, die ihr gegenüber heterosexuellen/cis-Menschen nicht bringen würdet, weil sie einfach zu dämlich und übergriffig sind, sind auch bei allen anderen Menschen zu dämlich und übergriffig. _einfachMaria_


Und trotzdem überlege ich bei jedem neuen Arbeitsumfeld:

Erzählst Du direkt locker flockig, dass Du mit einem Mann verheiratet bist?

Wie wird das Umfeld reagieren? _monZeitgeist


‚bist du n mädchen??‘

ne

‚hä n junge oder was???‘

hmmh

‚achsooo ne transe haha‘ _kerrlmerx


„Wenn du trans wärst, könntest du keinen Sex haben. Transen (sic!) hassen doch ihren Körper, die können sich doch nicht nackt sehen.“ _omegaonmars_


achja, meine mutter „nein, du bleibst für mich [deadname], ich nenn dich nicht alex, ich hab mir was bei dem namen gedacht!“ _1punkmensch


denkt ihr bitte dran, eure binären hetero standards NICHT auf personen zu projizieren, die keine äußerlichen queer-merkmale aufweisen? (es ist irre anstrengend) _Bart___


Mein Partner und ich gehen auf dem CSD Hand in Hand und knutschend mit der Parade mit, wir haben beide Bi Flaggen als Umhang, sogar eine ins Gesicht gemalt. Wir werden mehrmals angepöbelt das Heteros hier nichts zu suchen haben. Wir sind beide bi. Auch LGBT+ sind blind. _lana_greenlake


Ich bin 30 Jahre alt, bin seit 9 Jahren mit meinem Mann zusammen und habe mich erst vor 2 Jahren geoutet. Mein Leben war eine Lüge und meine Eltern kennen mich kaum. _NicoLAS_VEGAS


LGBT culture is your parents knowing absolutely nothing about you. _tumblr: heterophobicflint


Bei diesem Hashtag von Heteros nicht verstanden werden, weil sie oftmals nicht wissen, was „Queer“ bedeutet. _weltlage


Sich nicht outen wollen, um sein Sexleben nicht mit anderen ausdiskutieren zu müssen. Das ist Privatsache, goddammit. _whoopwhoop1001


Als ich aufwuchs, waren Hella von Sinnen und Martina Navratilova die einzigen , die ich kannte. So wollte ich nicht sein. _Andreacmeyer


Noch ein Klassiker: „Sowas hat in einer Kinderserie doch einfach nichts zu suchen. Das verwirrt die Kinder doch nur!“ _KaenKazui


Boa ist das schlimm diese ganze Beiträge zu lesen Selbst die harmlosen zeigen ein Bild von “ du gehörst eben nicht dazu“ Du bist in besten Fall ein Kuriosum. _marchi1701


Mit (Ex)-Freundin abends unterwegs. Glatzen näherten sich uns. Sie streiten darüber ob wir Frauen wären. 1 greift mich an & schiebt mir seine Hände unters Hemd. Er zieht mir die Bandagen runter mit denen ich meine Brüste abgebunden hatte. „Bist ja doch ein echtes Mädel.“ _Zesyra


Wenn das Schönste auf der Welt – ein Kuss, eine Umarmung, eine Zärtlichkeit – in der Öffentlichkeit Überwindung bedeutet. _svenlehmann


Noch bis Anfang der 90iger Jahre hatten alle Homokneipen+Discos in die ich ging Klappen i.d. Eingangstür Man musste klingeln u. wurde zunächst durch die Klappe angesehen bevor sich d.Tür öffnete. Ich fand das zickig , bis ich das erste mal einen Schlägerüberfall erlebte. _InfraRiotGirl


Mit 13 nen Typen angezeigt, der mich online massiv belästigt, sogar konkrete (Mord)drohungen ausgesprochen hat.

Cop: „Sag jetzt mal ehrlich: du kennst den doch auch in echt, oder? Ihr kennt euch doch alle untereinander! _Souplemur


An alle: ich freue mich über jeden Kuss, jedes Händchenhalten, jede Sichtbarkeit vom nicht-Heten in der Öffentlichkeit.

Wir sind doch auch so viele, nicht nur hier im Internet. _LemaSdn


Lese , nicke sehr oft, bin wieder 15 und habe Angst davor, ich zu sein. _herrurbach


Ich habe das große Glück, nichts zu beitragen zu können, außer, dass mein Freund keine öffentlichen Liebesbezeigungen (Händchenhalten etc.) will. Nach dem Lesen verstehe ich immer besser, warum. _MadMatheMatiker


Ich habe jede Menge zu erzählen, aber das hat mich ehrlich gesagt noch nie weiter gebracht. Eher hat es mich zurückgeworfen, denn niemand will sowas hören. _TrishaSiobhan


Hui, unter fühlt sich jetzt aber sehr vieles sehr vertraut an. Und dabei würde ich immer sagen, dass mir noch nie „was schlimmes“ passiert ist – aber die kleinen Dinge sind ja manchmal dann doch auch schlimm. _Ina_Steinbach


Lese und denke, ach, so schlimm war das ja nicht, doch langsam tröpfeln die verdrängten Erinnerungen … _Andreacmeyer


Man vergräbt die blöden Sprüche, legt sich evtl. Konter zurecht, steckt das alles weg & ignoriert es. Man ist ja schließlich stark & es gibt ja auch Wichtigeres im Leben. Will die Aufmerksamkeit auf die schönen Dinge richten. Ich sags mal wie es trotzdem ist: Scheiße. _Herbstwindkind


Boa ist das schlimm diese ganze Beiträge zu lesen Selbst die harmlosen zeigen ein Bild von “ du gehörst eben nicht dazu“ Du bist in besten Fall ein Kuriosum. _marchi1701


Ich will meine Kraft eigentlich nicht dazu verwenden, die schlechten Erfahrungen wieder aufzuwärmen.

Aber es ist einfach wichtig, dass das mal in die Köpfe dieser ignoranten Menschen geht: Ja verdammt, LGBT-Themen & deren Diskriminierung geht euch auch etwas an!! _Herbstwindkind


Wie mir einmal eine Zigarette auf der Brust ausgedämpft wurde, weil ich schwul bin und ich im ersten Moment den Fehler bei mir gesucht habe (zu offensichtlich nach außen getragen?) _CGaerner


„Sowas hat man früher vergast“ _DubeAteo


Ausflug mit der Schulklasse ins KZ Sachsenhausen. Uns wird erzählt, dass hier viele Homosexuelle inhaftiert waren. Alle gucken mich an. Einer sagt: „Hier gehörst du hin.“ _Zesyra

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alle Tweets: gepostet zwischen 15. August und 18. August, ca. 2 Uhr morgens.

der Hashtag startete am 13. August 2018, durch Hartmut Schrewe.

„Ich habe und als großzügige Geste empfunden, dass mich Menschen an ihren ganz persönlichen Erfahrungen teilhaben lassen und ich lernen und mich vielleicht selbst ertappen darf.“

..

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ich dachte nicht, dass ich selbst viel zum Hashtag beizutragen hatte.

doch während ich die vielen Tweets las, merkte ich, wie viel Ungesagtes, Verwandtes mir dabei einfällt – ohne Überlegen.

ich bräuchte ewig, um zu sammeln, welche Entwertungen, Ausschlüsse es z.B. für  und  (Rassismus)-Betroffene gibt.

wer Entwertung oder Hass selbst erlebt, hat da einen RIESEN-Wissensvorsprung.

weiter gedacht heißt das:

kein Wunder, dass jemand, die/der z.B. Rassismus erfährt

  • klüger über Rassismus schreibt
  • Interessanteres zu sagen hat
  • Rassismus klarer erkennt und benennt
  • bessere z.B. Kunst über Rassismus macht als ich, der Nicht-Betroffene.

deshalb: hört Betroffenen zu – statt solche Beiträge sofort zu relativieren, in Frage zu stellen, Kritik am Stil, Ton oder an der „Taktik“ und „Wirkung“ zu üben.

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meine #meQueer-Tweets:

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„Ich

  • verhalte mich ganz normal
  • passe mich an
  • gehe nicht mit meiner Sexualität hausieren
  • glaube, niemand muss wissen, mit wem ich schlafe…und deshalb ist MIR noch nichts Schlimmes passiert.
    seid ruhig queer – aber spart euch das Lautsein und die Auffälligkeit!“

das Gefühl, mir etwas KRASS Sexuelles, Derbes, Profanes zu erlauben.

mein ganzes Umfeld mit was zu konfrontieren, das sie lieber nicht wüssten.

die Angst, dass die Geduld endet & ich ne „Rechnung“ zahlen muss, Schmuddel-Sexualität in ihr Leben eingeschleppt zu haben.


„Oh! Eine queere Figur. Toll!“ „Ja – in neuen Serien muss es ja jetzt immer etwas Extremes oder Abnormales geben.“


„Jetzt gibt es schon Wonder Woman UND Black Panther, im Kino. Jetzt noch eine lesbische Batwoman? So langsam wirds übertrieben!“


„Ah, du liest ein schwules Buch / magst schwule TV-Figuren, weil du schwul bist. Ich bin normal. Für mich ist das nichts.“


„Ich habe mich in meinem Dorf nicht wohl gefühlt. Ich lernte die erste queere Frau mit… ca. 20 kennen!“

„Und DESHALB magst du dein Dorf nicht? Das ist doch völlig egal.“

nein.

mir entging so viel Welt, Realität, Vielstimmigkeit.


  • liest gern
  • unsportlich, ungeschickt
  • ist mit Frauen befreundet…wurde als „Indiz“ meiner Queerness verstanden. als käme das als Komplett-Paket, und als seien Jungs, die so sind, per se queer, suspekt, verdächtig.

„Franz kommt auch zur Weihnachtsfeier, aber Franz mag GAR KEINE Schwulen und Franz findet Schwule GANZ schlecht und Franz ist da immer GANZ beklommen und… Stefan? Warum kuckst du so lustlos, jedes Weihnachten?“


klar kann man „ganz nebenbei“, „selbstverständlich“ eine queere Erfahrung erwähnen, um sich zu outen. doch ich hatte mit 24 meinen ersten schwulen Kuss… und dachte zuvor: *glaubt* man mir meine Queerness überhaupt – so lange es NUR um Begehren geht, ohne Praxis?


wer sich outet, ist dann ein „Berufsschwuler“, eine „Berufslesbe“. wer öffentlich spricht, fährt „die Mitleidsschiene“, will daraus „Kapital schlagen“ oder „predigt zu seinen Gleichgesinnten“.


„Und jetzt bist du homosexuell…“

„Ich bin bi.“

„Na ja. Stefan muss sich wieder das Ungewöhnlichste aussuchen. Wie immer.“


„Gay Pride? Ihr seid STOLZ und wollt beklatscht werden – dafür?“

Ich lese dieses ‚Pride‘ als ‚Ich schäme mich nicht‘, nicht als ‚Ich sehe meine Queerness als Leistung‘ – aber, hey: Mut, Selbstbewusstsein, Kraft zu haben, auf nem CSD zu feiern, IST ne Leistung.


„Ihr habt doch schon alles erreicht! Ihr SEID doch überall.“

  • „Hast du queere Kolleg*innen?“ – „Woher soll ich das wissen?“
  • „Gabs queere Lehrer*innen?“ – „Vielleicht gerüchteweise.“
  • „Nenn mir eine lesbische Autorin!“ – „Was haben Bettgeschichten mit Literatur zu tun?“

kaum queere Figuren / Role Models hieß für mich mit ca. 14:

  • aber alle Männer sind mir unsympathisch
  • aber Analsex? boah, nein!
  • aber ich will nicht tuntig und modisch/gepflegt sein= okay. bisexuell bin ich wohl nicht. queer „werden“ & ich selbst bleiben? geht nicht.

2+ Jahre Beziehung (in Toronto) – ohne, die Eltern meines Partners je zu treffen.

„Sie können mit meinem Schwulsein leben – so lange ich ihnen alles Konkrete erspare.“


„Oh nein – warum hast du mir gezeigt, wie dein Freund aussieht? Jetzt muss ich mir ja RICHTIG vorstellen, wie ihr Analsex habt und… boah. Ich wünschte, ich hätte das alles nie erfahren.“ Gleichaltriger, in der Clique.


Leute ekeln sich so sehr vor schwulem Sex, dass, steht in ner Umfrage „homosexual“ statt „gay“, intolerantere Urteile gefällt werden.

DESHALB schreiben AfDler etc. gern „Homosexuelle“.


X, Mitte 60, glaubt, „schwul“ sei eine Beleidigung. und sagte deshalb lange: „Oh – dieser nette Mann hier ist… anders geartet.“


v.a. ältere Leute, die plötzlich intime Fragen stellen.

weil sie glauben, queere Menschen hätten irgend eine Beschädigung oder Vernachlässigung erfahren und wurden aus z.B. Trauma oder Enttäuschung heraus queer.


jemandem sagen, dass ich queer bin, heißt jedes Mal: abwägen / in Kauf nehmen, dass die Person ablehnend reagiert oder mich dafür angreifen könnte.

ist da ein Abhängigkeitsverhältnis, lasse ichs lieber.


ich habe mich erst geoutet, als ich „nichts mehr zu verlieren“ hatte und wusste, dass mich z.B. Familienmitglieder nicht mehr bestrafen, sanktionieren konnten. weil ich woanders lebte und sich mein Leben endlich ohne sie stabil finanziert.


„Aber Stefan: Warum hast dus UNS nicht früher gesagt?“

„Weil es 1000 Dinge gibt, die ich nicht über euch weiß. Und weil ich nicht sicher sein konnte, dass ich euch vertrauen kann und ihr es nicht gegen mich verwendet.“


„Das ist doch völlig normal. Jetzt hör also bitte ENDLICH auf, drüber zu reden und das in den Mittelpunkt zu stellen. Ist doch nur wichtig, falls man mit Leuten Sex haben will. Too much information!


„Na, wenn man sonst nichts hat, muss man sich eben darüber definieren, wen man bumst. also ICH bin Handballer, und Rheinlandpfälzer, und Beamter und habe zwei Kinder und ein Haus!“


„Dieter Nuhr etwa reißt die bekannten Homo-Zoten von Popo-Sex und der Seife unter der Dusche“, schreibt Johannes Kram (Link).

„Macht euch mal locker. Echte Akzeptanz heißt, dass ihr auch über euch selbst lacht, mit uns!“


ich sehe *so* viele Leute, die sich in queeren Netzwerken oder auf Tumblr „Fag“, „Schwuchtel“, „worthles bottom bitch“, „Sau“ usw. nennen. klar: viele werdens einfach „verrucht“ & kinky finden. ich verbitte es mir, wenn jemand versucht, mich sprachlich zu entwerten.


bei jedem Outing eines Bekannten oder Promis Diskussionen: „Sah man es dem/der nicht eh an?“ und „War der/die jetzt zu blöd oder in-die-Ecke-gedrängt, das zu verstecken?“, oder „RESPEKT: Man hat es nicht gemerkt! Der kam echt rüber wie ein normaler Mann!

Reply: „zumal viele das „Hätte ich gar nicht gedacht“ oder das „Sieht man dir gar nicht an“ für ein Kompliment halten.“

Reply von mir: „heterolike“ „masc4masc“ „nofagsnofems“


ein Freund von mir ist schwul, jüdisch, HIV-positiv und lebt mit ner Behinderung. spreche ich über ihn, beginnen manchmal Diskussionen, wofür er am meisten zu bemitleiden ist.


Leute werden wütend, wenn ich sage, ich fühle mich in Deutschland nicht wohl.

„Du hast doch echt Glück! Geh mal in andere Länder und warte, was DA mit euch passiert!“


ne Hochzeit feiern? ich stelle mir immer vor, wie alle alle Hetero-Paare, die kirchlich heirateten, uns sehen und denken „Das ist ein leerer und trauriger Abklatsch. Kein Brautkleid. Wohl keine Kinder. Keine Glamour-Frau“ etc.


der traurigste Tweet zu :

recht junger Mann liest viele neg. Tweets und will dem „was entgegen setzen“, Mut machen:

„Ich habe durchs Outing keine Freunde verloren. Viele sagen sogar nicht mehr ‚Schwuchtel‘ zu mir, weil sie wissen, dass ichs respektlos finde.“

SOGAR. 😦


tuntige Menschen, gender-nonconforming Menschen, auffällig queere Menschen in z.B. der Straßenbahn sehen und nicht wissen, wie ich ihnen signalisieren soll, dass ich sie für ihre Sichtbarkeit und für den Mut, aufzufallen, toll finde.


viele -Tweets, auf die Heteros am stärksten reagieren, haben mit Geschlechterrollen und engen, fiesen Geschlechtszuschreibungen zu tun.

wundert mich nicht: wir leiden echt ALLE unter Müll wie:

  • „ein normaler Junge“
  • „ein ordentliches Mädchen“
  • „ein attraktives Paar“

ich folge SO vielen Accounts queerer Männer hier, die täglich zeigen:

  • ich bin gepflegt
  • entspannt
  • locker und witzig
  • ich fühle mich wohl

ich wünschte, diese happy Boys würden bei mitreden – und zeigen: SO einfach und sonnig ist es auch für sie nicht immer:


ihr zeigt eure teuren Wohnungen

  • Trainungsklamotten
  • Basecaps
  • Turnschuhe
  • Le-Creuseut-Töpfe
  • Balkone
  • Desserts

& manchmal eure Unterwäsche + Haut.

ich freue mich für euch mit. wirklich. doch habt ihr Erfolgs-Schwulen GAR NICHTS beizutragen über Ungerechtigkeit, Ausgrenzung?


ein schwuler, selbstständiger Bekannter postete: „Sei immer wie eine Ente. Du musst ruhig, souverän wirken – während du unter Wasser paddelst wie verrückt.“

ich lebe anders. mich freut, falls unter auch „glückliche“ Erfolgs-Männer zeigen, wie schwer vieles ist.


mir macht Angst, wie oft „Identity Politics“ als Kampfbegriff verwendet wird. jedes Mal, wenn Marginalisierte ihre Stimme erheben, gibt es fünf Essays in z.B. der NZZ, die sagen:

„Diese Randgruppe sieht nur sich selbst und definiert sich zwanghaft über ihre Identität.“


Wenn Leute fragen: „Was sagen deine Eltern dazu?“

und dabei klingen wie „Und DAMIT kommst du durch? Straflos? DAS darfst du dir leisten?“


immer überlegen, ob ich nicht besser Positives, Lobendes teile – damit meine (tollen) nicht-queeren Freund*innen nicht denken: „Wie undankbar.“

auch, weil -Anekdoten mit Happy End VIEL mehr Likes kriegen oft. Hetero-Erleichterung: doch nur Einzelfälle?


bei jedem Twitter- und Insta-Profil, das eine Regenbogenflagge zeigt, wissen: diese Flagge hat euch etwas gekostet

  • Kraft, Überwindung, Mut
  • berufliche Chancen
  • Freundschaften, Anerkennung in der Familie
  • potenzielle Hetero-Follower*innen: „Der ist anders. Subkultur.“

„Dochdoch: ich habe gehört, ein Drittel aller trans Leute bereut ihre Umwandlung. Deshalb sind psychologische Gutachten so wichtig.“

wie kann diese Bullshit-Zahl so lang kursieren?


Schwule, die TOTAL freundlich, zugewandt sind – doch viele schlechte Erfahrungen in der Schule hatten und heute als Servicekraft oder Verkäufer arbeiten.

auch, weils da festen Rollen gibt – ein Gerüst, Regeln: dein Nettsein kann schlechter gegen dich verwendet werden.


„Ich kenne zwei Lesben – und finde die beide unsympathisch, farblos und…“

„…mache absurde Generalisierungen und kenne zu wenige Menschen, ja. Schade für dich.“


viele Freund*innen von mir studierten Pädagogik. ich frage regelmäßig: „Habt ihr an der Schule, im Kollegium queere Kolleg*innen? Sind sie out – auch vor den Klassen?“

bisher kam noch keine Antwort, die mir Mut machte.


„männerhassende“ Feminist*innen und/oder Lesben? kenne ich nicht – nur als Behauptung, Schreckgespenst.

frauenhassende (und: Femininität-hassende) Schwule? kenne ich Dutzende.


„Ach, Lesben. Die sehen ja echt GENAU SO aus wie Männer. Richtig männlich. igitt.“

vs. „Oh, ein trans Mann, der versucht, auszusehen wie ein Mann? Das klappt nicht. Du wirst nie ein Mann sein!“


„Was haben wir Schwulen eigentlich mit Lesben zu tun? Wir schleppen sie seit Jahrzehnten mit durch und bekommen doch nur nen Tritt in die Eier, weil sie über „lesbische Unsichtbarkeit“ jammern.“

[echter Kommentar.]


nervös auf queere Stars, TV-Figuren, Politiker*innen kucken und genau beobachten, wie meine Eltern auf sie reagieren: Haben sie Respekt?

immer, wenn sie keinen Respekt haben, wütend auf z.B. Hella von Sinnen sein; denken „Wegen DIR finden meine Eltern Queere schlecht!“


„Oh, du

  • rennst
  • redest
  • lachst
  • singst
  • rauchst aber ziemlich schwul!“ zu hören, ab ca. 12 (Rauchen ab17), heißt:

    jedes Mal, wenn ich das mache, überlegen, wie ichs anders/“männlicher“ mache.


„In jeder Soap gibts doch heute queere Paare. Das Thema ist durch!“

ich sah 20 Jahre . oft tolle queere Paare.

doch offen queere Schauspieler*innen dort? 20 Jahre, 400+ Rollen. ich kenne… 4?


gespiegelt zu kriegen, das was mit meinem Mann-Sein, meiner Maskulinität nicht stimmt und ich *deshalb* queer bin/“wurde“.

aufpassen, dass ich keine queeren Dinge tue, über die Leute danach sagen: „Ha! Hier sieht mans wieder: Euch fehlt einfach Männlichkeit!“


bei schwulen Dates wissen, dass mein Date mir oft lang erzählen wird, was scheiße an

  • „den meisten Schwulen“
  • schwulem Dating
  • Dating-Apps, Hook-up-Culture, Sexdates, Körpernormen ist.

dauernd Schwule treffen, die „Schwule hassen“ und „nicht wie andere Schwule sind“ und „nichts mit der Community am Hut haben“.


„Ich kaufe noch Snacks: Chips, Flips…“

„Schokolade?“

„Nein, nur Männer-Snacks. Frauen-Snacks haben wir noch daheim.“

„Moment: Alles Süße ist für dich: ‚Frauen-Snacks‘?“

„Klar. Frauen: süß. Männer: knusprig, salzig, deftig.“

„Ich mag Süßes!“

„Stefan: DU bist auch bi.“


Hetero-Freund*innen ein queeres Buch schenken und wissen:

wenn sie das kalt lässt oder abstößt, ist es wahrscheinlich wieder für eine Weile das letzte Mal, dass sie queeren Content lesen, freiwillig.


vor

  • Love, Simon
  • Brokeback Mountain
  • Die Mitte der Welt stehen

und wissen: ich würde Papa zwar gern nen queeren Film schenken zu Weihnachten – aber DAS trifft mich & unser Verhältnis halt null.


dauernd hören, dass irgendwas mit meinem Gender, meiner Gender-Performance, meinem Gender-Bewusstsein etc. nicht stimmt…

…weil: würde ich als Mann funktionieren, glücklich sein, würde ich doch keinen zweiten Mann suchen, der mir da was bestätigt oder kompensiert.


„Schwule und Lesben gehen ja noch – nur was soll diese LGTQIAbcdefgh“-Buchstabensuppe? Da will einfach jeder besonders sein und alle stecken sich in komische Schubladen, weil sie sind und nicht kapieren, dass JEDER anders voneinander ist.“


Freunde kucken bei jeder Frau, von der ich etwas will, was an ihr „männlich“ ist und, ob mich diese „männlichen“ Aspekte an ihr reizen. #bisexuell


„Ich kenne nen Schwarzen, der sagt dauernd N****kuss.“

: wissen, dass ich, wenn ich nicht widerspreche, ausdiskutiere, einschreite, mich entschieden wehre, ICH Kronzeuge/Beweismittel in ähnlichen Anekdoten über Queere werde. „Stefan stört es nicht.“


dauernd hören, „der Islam“ sei unser größter Feind.

dauernd hören, wir schaffen uns selbst ab, wenn wir eine offene Gesellschaft fordern.

dauernd: schwule Männer auf Twitter blocken, die Rassisten sind & Rassisten feiern.


mit Leuten Kinderfotos durchsehen und hoffen, dass niemand sagt:

„Kuck! DA konnte es man ja schon sehen, ahnen, wissen: Kuck mal, wie du sitzt, kuckst, was du anhast!“ etc.


wenn alte weiße Hetero-Kulturmänner plötzlich einen schwulen Mann loben, interviewen, empfehlen, feiern…

immer lange googeln:

  • ist der SO gefeierte Mann in der FDP?
  • ist er libertär?
  • ist er gegen Minderheitenrechte?
  • wettert er gegen die schwule Community? etc.

das selbe: jede Frau mit türkischstämmigem Namen, die plötzlich von Axel Springer gefeiert, empfohlen, bezahlt wird.


queere Kultur suchen. zu wenig finden. viel von dem, was beliebt ist, nicht mögen. mich dann fragen:

a) gebe ich mich trotzdem damit ab?

b) kritisiere ichs öffentlich – oder ist das unsolidarisch?

c) stimmt mit MIR was nicht: das gibts doch extra für Leute wie mich!


In meiner alten Schule stehen, ein Plakat sehen, auf dem #Vielfaltlieben steht und erstmal…

wütend und eifersüchtig sein. mich fragen: Wo waren solche Statements und Signale und Normalisierungen, als ich sie brauchte: vor 2002?


mich für jeden tuntigen, geschminkten, promisken, mädchenhaften, aggressiven, sexualisierten, lauten schwulen Mann schämen… weil ich Angst hatte, dass Leute denken, wir alle sind so. so gut, den Hass später hinter mir zu lasen.


2005: ich betreue ein Schreibprojekt, bei dem 15 Leute 6 Monate täglich teilen, welche Texte, Kultur etc. sie bewegt, begeistert. als eine Lesbe fast nur queere Kultur beschreibt, bitte ich, auch anderes zu nennen – „sonst bist du so ein Klischee.“ ich war ein Arsch.

warum war ich ein Arsch? mein Job wäre gewesen, die ganzen Heteros, die NICHTS Queeres teilen, bemerken, auf dem Schirm haben, zu fragen: „Hey – warum stemmt sie das alleine? Warum hätte das Projekt OHNE IHRE ARBEIT Null LGBT-Content?“


Ich finde dich halt scheiße – aber das hat nichts mit deiner Sexualität zu tun… aber das finde ich eh so scheiße an euch allen:

wenn man sagt, ihr seid scheiße, tut ihr gleich, als sei das Homophobie. das HASSE ich an Volk wie euch! typisch!“


„Du bist biologisch eine Frau und willst ein Mann sein? Das ist nunmal unmöglich. Und: Wenn du dich gegen geschlechtliche Zuschreibungen SO wehrst, wieso willst du dann in die Schublade ‚Mann‘? Wärs nicht egal, ob ich ‚er‘, ’sie‘, ‚es‘ sage?“


es gibt tolle deutschsprachige Accounts von trans Menschen.

doch mir fällt auf, dass fast alle Accounts Figuren, Zeichnungen etc. zeigen als Profilbild.

auch, weil jene, die sich und ihren Körper zeigen, dauernd hören „Boah! Wie es schon aussieht!“

gute Antwort von _nicolastransgayAuch weil viele trans Menschen online regelmäßig bedroht werden und deshalb Angst haben, dass das auch offline passiert, wenn sie zeigen, wer sie sind.


Jemand fragt sich, wie viele der geschilderten Erlebnisse auf Missverständnissen beruhen: Manchmal denkst du nur denkst. Am Ende doch nur Missverständnisse, die vom Gegenüber gar nicht böse gemeint sind. Ansonsten: Selbstbewusst, respektvoll und ohne Vorurteil das Problem gleich ansprechen! Und nicht erst bei „

meine Antwort:

du hast *keine* Ahnung, wie oft man als queerer Mensch überlegt:

war das jetzt wirklich nachweisbar unbestritteten tatsächlich böse gemeint?

und kann, sollte, darf ich da jetzt wirklich gefahrlos nachfragen – ohne, mir selbst damit zu schaden?


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Es geht nicht um Gruppenbildung, sondern um eine Dokumentation und das Sichtbarmachen von Gewalt in unserer Gesellschaft.

, , , , und liefern dazu jeweils eine Perspektive auf diese Gewalt.

_schreibt Tekay

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Videos, die begeistern: Social Media für Verlage, Literaturhäuser & Kulturstätten [Vortrag am Goethe-Institut München, 2018]

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Am Freitag – 26. Januar 2018 – spreche ich am Goethe-Institut München über Booktube- und Literatur-Videos:

– Welche Formate gelingen?

– Was hat besonderen Erfolg?

– Wer teilt, schaut, profitiert von Buch-Videos?

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und größer:

– Welche digitalen Inhalte und welche Aufbereitung wünsche ich mir von Verlagen, Literaturhäusern, Institutionen?

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Ich bin freier Literaturkritiker für u.a. Deutschlandfunk Kultur, spreche oft live über Bücher – gern auch vor der Kamera (Link) oder auf Bühnen (Link).

Auf Youtube lese/teile ich Kapitel meines Romandebüts, „Zimmer voller Freunde“.

2015 machte ich ein eigenes BookTube-Video über meine Hassliebe zu und meine Probleme mit Videos im Netz:


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längere Texte von mir – zu Social Reading, Blogs und Vlogs:

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2015: 50 Buch- und Literaturblogs (Empfehlungen)

2015: mein BookTube-Video (kurzer Text zu den Hintergründen)

2015: #blogfragen – Buchblogs und ihre Schwerpunkte, Hintergründe (Statements)

2016: BookTube bei Deutschlandfunk Kultur (Empfehlungen, Text) …kürzer hier (Link)

2016: Vortrag / Tipps zur Leipziger Autorenrunde: Autoren & Journalisten auf Facebook – wie finde ich Kontakte im Netz?

2017: Social Reading: Gründe für und gegen Goodreads & Lovelybooks (DKultur) …kürzer hier (Link)

2017: Was haben so viele Buchblogs gegen Graphic Novels, Comics? (Statements)

aktuell arbeite ich an Texten zu Twitter – und zum Blockieren und Rechtsruck auf Facebook.

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Was ich mir von Vlogger*innen und Boooktube-Videos wünsche, kam in meinem eigenen Booktube-Video zur Sprache.

pointierter, schriftlich:

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1: gelungene Booktube-Videos?

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_Eine gute Kamera? Gern. Wichtiger: ein sehr gutes Mikro.

_Mein Hauptgrund, Videos abzuschalten: Die Person wirkt aufgesetzt, affektiert oder fühlt sich vor der Kamera nicht wohl.

_Ein gut gemachter Vorspann wirkt professionell. Trotzdem langweilen Intros; erst recht beim vierten, fünften Sehen. Lieber, wie bei immer mehr TV-Serien, eine höchstens drei Sekunden lange „Title Card“.

_Fast alle Videos erklären die ersten ca. 30 Sekunden lang, was uns erwartet. Eine Aufgabe, die der Video-Titel übernehmen kann. Bitte so schnell wie möglich rein in die Kritik, Beschreibung etc.!

_Wer „Du“ sagt, wirkt oft herablassend-kumpelig. Auch „Hallo, ihr Lieben“ wirkt auf mich aufgesetzt. Jede Begrüßung spricht Zielgruppen an oder stößt sie ab. Ich würde einfach „Hallo“ sagen – oder, besser noch: auf Anreden verzichten.

_Ein Klangteppich/Instrumentalstück, das alles Video (leise) untermalt, stört mich nicht. Zu laut oder dudelnd aber wird es nervig (Negativ-Beispiel hier, gegen Ende).

_Je mehr Fokus auf Deko liegt, besonderer Mode oder eigens gestalteten Grafiken und Gimmicks, desto wichtiger ist mir, dass die Person authentisch und entspannt ist, sich in ihrer Umgebung wohl fühlt.

_Seitenzahl, Verlag, Übersetzer*in, Preis des Buchs: Bitte einfach in der Video-Beschreibung.

(_BookTube-Videos über alles, was Schullektüre oder aktueller Prüfungsstoff ist, haben großen Erfolg.)

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2: sympathische Persönlichkeiten!

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_Menschen folgen schnell Menschen, die ihrer eigenen Schicht, Alter, Stil und Habitus entsprechen. Ein älterer Buchblogger wie Jochen Kienbaum hat mehr ältere Männer unter seinen Followern – schon ohne, sich um diese Zielgruppe besonders zu bemühen.

_Eine punkige Booktuberin bringt punk-affine Follower mit. Ein queerer Blogger hat queere Fans. Wer bieder oder professoral auftritt, wird biedere Menschen erreichen.

_Autorin Isabel Bogdan (wir sind Netzfreunde, ich liebe ihren Ton und ihre entspannte, positive Art) wird, scheint mir, von JEDER Isabel-Bogdan-ähnlichen Leserin geliebt, gekauft, gelesen. Und weil z.B. mehr Menschen, die Bücher lieben, aussehen wie Christiane Westermann als Harald Schmidt, würde ich *immer* auf Westermann als Multiplikatorin/Gesicht setzen. Ich frage mich oft, ob mehr Leute denken „Stefan und ich haben was gemeinsam!“ als „Hm. Der ist irgendwie komisch, und ganz anders.“

_Bei Zweier-Gesprächen, Gruppenprojekten und jedem Podium: Sobald das Ziel ist, eine breite Öffentlichkeit anzusprechen, bitte möglichst verschiedenen Altersgruppen, Schichten etc. sichtbar machen und Bühnen bieten. Sonst sind nur Leute interessiert, die aussehen/sich kleiden etc. wie die (sich oft zu ähnlichen) Menschen im Rampenlicht.

_Ich höre am liebsten schnellen, geistreichen, selbstironischen Leuten zu, besonders auf Youtube. Ich schalte Leute ab, die…

…zu mausig, schleppend, phlegmatisch sprechen.
…aufgesetzt fröhlich tun.
…dozieren, palavern, Arroganz und Weltekel feiern.
…Gesprächspausen machen, den Faden verlieren. (Deshalb: Videos gern straffen; auch kleinere Pausen raus schneiden.)

_bitte also: Menschen, „die man gern sieht“ – und die sich freuen, ein Video für uns zu drehen, über ein Thema, das ihnen wichtig ist: Energie, Schwung, Dringlichkeit, Tempo, Authentizität!

_Nicht die klügste, attraktivste oder professionellste Person wird geteilt. Sondern die Stimme, die man sich am liebsten einladen würde: weil man sie gern hört; ihre Nähe und ihr Reden sogar nach Stunden noch tolerieren (nein: genießen!) könnte. Es gibt nicht viele solcher Leute.

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3: Ideen, Formate:

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_75 Prozent der Menschen im Netz öffnen NIE Info-Videos.

_Wird mir ein Video empfohlen, muss ich überlegen: Stelle ich den Ton an? Kann ich das Video hier (Bett, S-Bahn, Büro etc.) hören, ohne zu stören? Muss ich auf den Bildschirm schauen, um das Video zu verstehen? Darf ich das Browser-Fenster wechseln? Oft ignoriere ich das Video, oder schiebe es tagelang auf.

_Texte kann ich überfliegen. In Videos muss ich Probe-Hören und brauche lange, um mich zu orientieren und die Struktur zu verstehen. Die Entscheidung „Gefallen mir Stimme, Habitus, Tempo der Person?“ treffe ich in wenigen Sekunden. Die Entscheidung „Ist dieses Video relevant für mich?“ braucht oft über eine Minute. Das macht mich wütend – denn ich fühle mich hingehalten, ausgeliefert: Texte kann ich schneller scannen, einordnen.

_Je weniger visuell geschieht (und: je leichter ich z.B. nebenher noch den Abwasch machen könnte), desto länger darf ein Video sein.

_Bei Videos, die ich nur schaue, weil mir die Person sympathisch ist, habe ich kein Problem mit 20, 30 Minuten Erzählen, Geplapper. Doch bei Videos, die geteilt und von möglichst vielen Leuten verstanden und gemocht werden sollen, sind bereits 3 Minuten lang.

_Ich mag Interviews/O-Töne, die als 3-Minuten-Videos veröffentlicht werden. Wenn ich mehr sehen will, kann ich in einer Playlist weitere Häppchen finden. (Gute Länge und Aufbereitung: Sam Jones‘ tolles Celebrity-Interview-Format „The Off Camera Show“)

_Lange Videos? Am liebsten Dialoge! Das Mit- und Gegeneinander der Stimmen schafft Spannung. Meine Mutter hört das Literaturmagazin „Lesart“: Wenn sich Moderator und Gast/Expertenstimme nicht mögen oder etwas knirscht, hört sie besonders genau hin.

_Wer Gefühle hat beim Sprechen, stellt Sog her und affiziert – doch allein vor einer Kamera sitzen? Dabei authentisch Gefühle aufbauen? Das scheitert meist.

_Besser: keine nüchterne „Buchbesprechung“ anzukündigen, sondern vorher zu wissen, ob die Lektüre und das Video in einem Gefühl gründen. Wütender Rant oder kühle Polemik? Persönliche Anekdote? Schwärmen fürs Lieblingsbuch? Hilfreich auch, wenn schon der Video-Titel ankündigt, dass es um Emotionen, Gefühle geht. „Ein perfides Buch!“, „Meine Lieblingsreihe!“, „Ich habe mich geärgert über…“ etc.

_Eine Rezensions (gilt für Buchblogs und BookTube) kriegt kaum Klicks. Erfolgreicher?

…Die 10 besten/schlechtesten/wichtigsten…
…Warum ich (Genre, Format, Autorin) X lese/liebe/boykottiere/nicht empfehlen kann.
…persönliche „Kulturtechniken“ wie: Warum ich gebrauchte Bücher kaufe; Warum ich gern von Hand schreibe.
…biografische, identitätspolitische oder (lokal)geografische Klammern wie „Bücher, die mich zur Feministin machten“, „Schottland lesen“, „lesbische Romanzen, die mir nahe gehen“ etc.

_Menschen suchen meist Empfehlungen, Buchtipps. Keine Rezensionen/Kritiken, deren Fazit lautet „Das Buch ist durchwachsen.“

_Ein Booktube-Klischee: Junge Frauen halten Cover. „Schaut, wie das glitzert. Hört, wie das raschelt!“. Doch die Haptik eines Buchs kann man in Videos SO gut vermitteln – warum keine Serie über Buchgestaltung? Pop-Up-Bücher? Bildbände? Design und Typografie? Hässliche Cover? Oberflächenreize? Her damit!

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4: Inhalte streuen, teilen

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_PR-Beraterin Kerstin Hoffmann entwickelte eine großartige „Content-Ampel“ (Link): idealer Content zum Teilen ist…

dringend benötigt | aktuell/kommt zum richtigen Zeitpunkt | emotional/bewegend | dauerhaft relevant | fesselnd | nützlich | …und lädt zum Kommentieren, Teilen, Interagieren ein

_Jo Lendle sagte 2013, kein Social-Media-Beitrag von Verlagen schien ihm trauriger als das immer gleiche „Am Dienstag erscheint unser Buch XY. Na? Freut ihr euch auch schon so?“

_Ich hasse Vorankündigungen. Besonders für Bücher! So lange es keine Leseprobe gibt, heißen Ankündigungen für mich: „Du wirst ein Buch, das interessant oder Mist sein könnte, jetzt wochen-, monatelang im Kopf behalten.“ Ich freue mich über jeden Titel, bei dem zwischen „Klingt interessant“ und „Angelesen, nichts für mich“ 30 Sekunden liegen. Nicht: 9 Monate.

_Deshalb, generell: Bitte nicht zu oft Fans, Facebook-Publikum etc. auf Türen hinweisen, die sich eh noch nicht öffnen lassen.

_Wer ein Buch, eine Lesung etc. ankündigen will, macht den Beitrag relevanter, indem etwas verlinkt wird, das JETZT schon begutachtet werden kann: Videos einer vorigen Lesung, ein Interview, notfalls ein Behind-the-Scenes-Foto oder ein Lebenslauf.

_Karla Paul rät Institutionen, Verlagen, Personenmarken, drei Adjektive/Eigenschaften zu wählen und Inhalte zu teilen, die diesen Eindruck, dieses Bild festigen. Müsste ich wählen, wäre das für mich…

…neugierig, kritisch, intim (Adjektive)

… Buchtipps, Diversity, Fankultur (Themenfelder)

_Klare, eindeutige Aussagen liken Leute am schnellsten: Postings, die zum Mit-Freuen einladen oder Statements enthalten, die man gern unterstreicht, bekräftigt.

_Links werden viel öfter geklickt, wenn sie Vorschaubilder enthalten. Am besten Fotos aus sehr guten Kameras. Fotos die, ideal, ein menschliches Gesicht zeigen.

_Ich nehme mir immer wieder Zeit, in Antiquariaten oder vor Regalen „neutrale“ Fotos zu machen. Fotos, die sagen: „Hier geht es um Buchkultur“, ohne, ein konkretes Buch zum Motiv zu machen. Diese Fotos helfen bei Link- und Text-Postings auf Facebook und Twitter und machen die Beiträge viel attraktiver. [Deutschlandfunk Kultur macht das auf Facebook: Bücherregal-Fotos, oft zu quadratischen Texttafeln verarbeitet.]

_Es lohnt sich, keine Handy- oder unbearbeiteten Fotos zu posten. „Wertige“ Bilder sind den Mehraufwand wert.

_Die Reichweite auf Facebook wird für Seiten immer weiter eingeschränkt. Mario Sixtus: „[Mittlerweile] erreiche ich mit einem Posting von 500 Fans ca. 50 – was mir Facebook stets verbunden mit der freundlichen Aufforderung mitteilt, das Posting doch ein wenig zu promoten. Deshalb mache ich mit anderen Projekten nichts mehr auf Facebook.“

_Mein größter Wunsch: Ich nehme Postings ernst, wenn Institutionen oder Influencer*innen kein „Business as usual“ machen – sondern erklären, warum, was sie gerade teilen, FÜR SIE AKUT besonders und wichtig ist: „Wir freuen uns, weil…“, „Wir sind nervös, weil…“, „Wir machen jetzt etwas, das neu für uns ist…“. Ein Posting-Text soll mir erkären: Warum ist das den Beteiligten, Veranstalter*innen, Produzent*innen wichtig? Gern auch: Steht etwas auf dem Spiel?

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5: Multiplikator*innen

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_Wer teilt meine Inhalte? Oft die immer selben Leute. Ich bedanke mich. Lese besonders aufmerksam durch deren eigene Postings. Und füge sie auf Facebook (privaten) Listen hinzu, damit ich jeden Inhalt von ihnen sehe.

_Sinnvoll: Listen anlegen, welche Menschen oder Insitutionen ein ähnliches Profil pflegen wie man selbst (…oder einfach nur: den selben Humor haben, die selben Fotos schön finden, ähnlich ticken) und dann die Follower*innen dieser Profile sichten und ihnen folgen (Twitter) oder sie abonnieren (Facebook).

_Oft helfen wenige, sehr gezielte Anfragen, Markierungen oder Direktnachrichten: „Schau mal, was ich gerade gepostet habe.“

_Die AfD schreibt bei fast allen Facebook-Postings und Bildtafeln „bitte teilen!“. Und (hasserfüllte) Menschen gehorchen. Mich selbst macht der Appell „bitte teilen!“ trotzig. Doch es hilft, ab und zu laut zu sagen: „Ich würde mich freuen, wenn ihr das teilt“ oder „Dieser Blogpost war Mühe: Kennt ihr Leute, die das interessieren könnte? Teilt gern!“

_2014 half ich, einen deutschen Thriller zu promoten, indem ich Krimi- und Thriller-Blogs suchte und eine Liste mit ca. 120 Leser*innen erstellte, von denen ich hoffte, dass sie das Buch mögen würden. Wer Publikum für sein Buch sucht, muss wissen: Welche Bücher sind ähnlich? Wo wurden diese ähnlichen Bücher besprochen? Veranstaltungen: Wer war auf ähnlichen Veranstaltungen, hat berichtet? Wer jährlich etwas plant, sollte Listen anlegen: Wer hat letztes Jahr unsere Inhalte geteilt, sich besonders interessiert?

_Die Büchergilde kooperiert mit Blogger*innen: Sie stellt frühzeitig das nächste Programm vor, und wer Zeit/Lust hat, kann einen Text über ein Buch seiner Wahl schreiben. Das funktioniert gut, weil a) der Pool der beteiligten Blogger*innen groß ist, b) die Zeitpläne nicht sehr eng und c) Es so viele Bücher gibt, dass niemand regelmäßig teilnehmen oder Kompromisse machen muss. Bei Kooperationsanfragen an Blogger*innen hilft, deutlich zu sagen: „Falls es gerade nicht passt, mit DIESER Idee: Es gibt weitere Ideen, und terminlichen Spielraum.“

_Mein Twitter-Account hat erst Erfolg (3000 Follower), seit ich selbst sehr großzügig und proaktiv folge, like, lese. „Follow for follow“ wirkt billig und verzweifelt. Doch ich glaube, wer auf Twitter, Instagram, Facebook wachsen will, MUSS erstmal in Vorleistung gehen und aktiv anderen Accounts zeigen: „Ich interessiere mich für dich, ich bin Teil deines Publikums.“ Überraschend viele dieser Leute folgen dann zurück – falls das Interesse echt und kontinuierlich ist.

_Wer ist mein Publikum? Besonders alle, die meinen Konkurrent*innen, Equals etc. folgen. Das Goethe-Institut tut gut daran, herauszufinden, wer z.B. der Deutschen Welle folgt. Lässt sich eine Liste mit 20, 30 verwandten Institutionen anlegen, auch für lokale einzelne Institute?

_Sinnvoll: Statements von Menschen sammeln, die selbst große Followings haben. Ein Beitrag, in dem 99 gut vernetzte Branchen-Menschen kluge Sätze sagen, wird viral gehen, innerhalb dieser Branche.

_Maßgebliche Accounts der deutschsprachigen Buchkultur- und Literaturszene? Forough Book traf eine gute Auswahl, in den ersten ca. 300 Accoutns: LINK

_Amazon lädt Gruppen/Cliquen von Buchblogger*innen ein, sich auf ein gemeinsames Apartment während der Leipziger Buchmesse 2018 zu bewerben. Ich finde sinnvoll, dass hier Menschen eine Wohnung teilen werden, die sich bereits kennen. Grundsätzlich aber würde ich IMMER fünf recht breit gestreute, diverse Multiplikator*innen einbinden – um möglichst diverse Follower- und Fan-Bases zu erreichen.

_Jeder kulturelle Inhalt spricht auch noch andere, eigene Gruppen und Communities an. Wer Inhalte streuen will, sollte diese anderen Szenen kennen: In welchen Facebook-Gruppen vernetzen sie sich? Gibt es Fachpresse und Influencer*innen? Uni-Bezug, Akademiker*innen?

_Wer Videos produziert, kann damit planen: Eine Manga-Besprechung, ein Fantasy-Roman, eine Mexiko-Novelle und ein Buch, in dem jemand Bäcker wird, sorgen dafür, dass die Manga-, die Fantasy-, die Mexiko- und die Back-Gemeinde dich erstmals und einmalig auf dem Schirm hat. Kontakte, die sich pflegen lassen.

_Deshalb: Bei vielen Inhalten auch diese Zweit-Zielgruppen, periphery demographics suchen. „Meine größten Verkaufserfolge“, schreibt Autor Karl-Ludwig von Wendt, „verdanke ich der Produktverbindung meiner Jugendbücher mit Minecraft, […dem] erfolgreichsten Computerspiel aller Zeiten. Oft schon habe ich gedacht, dass die Verbindungen »komplementärer« Bücher über Verlagsgrenzen hinweg besser genutzt werden könnten. Die Erkenntnis beispielsweise, dass Leser, die Karl Olsberg mögen, auch gerne Thriller von Mark Elsberg lesen (und umgekehrt, hoffe ich), wird bisher vor allem vom Amazon-Empfehlungsalgorithmus genutzt.“

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6: Community

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_Buchhändler Florian Valerius gewann mit seinem Instagram-Account „Literarischer Nerd“ den Buchblog-Award 2017. Die Buchtipps und -fotos wirken knapp und simpel; doch er investiert ein, zwei Stunden täglich, um Instagram-Kommentare zu schreiben, zu beantworten, auf Follower*innen zu reagieren. Das sorgt für Likes, Engagement, Reichweite. (Dafür muss man der Typ sein: Auf Facebook habe ich Spaß an Kommentaren und Debatten. Auf Twitter like und teile ich nur.)

_Wer viel liest, hat oft auch Expertenwissen (oder, im Schlechten: Streber- und Pedanten-Tendenzen) und hilft (oder, im Schlechten: korrigiert) gern. Ich liebe es, auf Facebook Recherche-Fragen zu stellen (Autor Neil Gaiman auf Twitter z.B. auch).

_Empfehlung, auf Facebook: das „Bücher Magazin“. Redakteurin Elisabeth Dietz stellt simple, offene Fragen („Welche Figur werden Sie nie vergessen?“ etc.) und nimmt sich Zeit, zu reagieren, Engagement der Fans zu honorieren. „Helf mir mal“, „Ich brauche Empfehlungen“ etc. sind Appelle, auf die sich viele Facebook-Nutzer*innen freuen. Keine falsche Scham, Zurückhaltung!

_Kein gutes Posting der Facebook-Seite des Goethe-Instituts: „Heute vor einem Jahr eröffnete die Elbphilharmonie Hamburg. In einem Grafik-Interview kommentiert der Illustrator Till Laßmann, wie er die Elbphilharmonie wahrnimmt und wie sie im Verhältnis zur Subkultur steht. Was meint ihr dazu?“ Niemand kommentierte den Beitrag. Wohl, weil man den Link öffnen muss, um Till Laßmann Standpunkte zu sehen. Dann einen eigenen Standpunkt formulieren – der auch noch (viel zu abstrakt und emotionslos formuliert!) „das Verhältnis zur Subkultur“ berücksichtigt? Mein Vorschlag: „Ein teurer Hype? Die Elbphilharmonie lässt Illustrator Till Laßmann kalt. Sein idealer Kulturort sind die Hamburger Bücherhallen. Was ist Ihrer?“

_Hilfreich, wenn Institutionen Follower nach Meinungen fragen? Auf Gebieten fragen, in dem sich Menschen sicher/bewandert fühlen: „Tee ist das Lieblingsgetränk unseres Autors der Woche. Was ist Ihres?“ ist besser als „Welchen Henry-James-Roman mochten Sie am liebsten?“. Bei Kultur, Geschichten gern auch nach Filmen mit-fragen. Follower reagieren stärker auf Pop- und Celebrity-Kultur, weil sie dort Inhalte besser kennen und sich mehr Urteile zutrauen.

_Beliebt, wichtig: „Identitätspolitische“ Listen. „Bücher für Jungen“, „Filme von schwulen Regisseuren“, „Serien mit geschiedenen Frauen“, „Deutsch-türkische Reportagen“ etc.

_Bitte nie erwarten, dass viele Facebook-Fans aufs Twitter-Profil folgen; oder sich auf Youtube anmelden und „Daumen hoch“ drücken: Aktives Publikum wechselt kaum die Plattform. Wer Youtube- oder WordPress-Abonnent*innen sucht, sollte auf Youtube, WordPress Engagement zeigen, liken, kommentieren. Nicht, aus Bequemlichkeit, auf Facebook.

_Es gibt gefälligen, auf Dauer aber ärgerlich banalen Buchkultur-Content, den man auch als Institution leicht teilen kann – weil er keine Position bezieht und selten Diskussionen entfacht. #bookporn-Fotos, Illustrationen von MyModernMet und BoredPanda, Cartoons von u.a. Tom Gauld; auch harmlose Zitate übers Schreiben und die große Bücherliebe findet man leicht bei Goodreads.

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7: Chancen fürs Goethe-Institut?

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_Will das Institut eigene BookTube-Videos produzieren? Erst besser mit bestehenden BookTuber*innen kooperieren – sie auf Podien einladen. Oder als Publikum passender Veranstaltungen. Gern auch: Interviews zwischen Autor*innen und Booktuber*innen organisieren.

_Sollen im Haus Videos gedreht werden? Dann lieber: keine großen Schnitte, keine Materialschlacht. Einfach die charismatischen, ausdrucksvollen, leidenschaftlichen, selbstbewussten Goethe-Mitarbeiter*innen filmen – mit gutem Mikro, vor sympathischer Kulisse, ausgeleuchtet. Sie zwei Minuten sprechen lassen – über Veranstaltungen, Kultur, Themen, Programmpunkte, die sie begeistern, die ihnen spürbar wichtig sind. Der Goethe-Youtube-Kanal spricht vor allem Menschen an, die Deutsch lernen. Ich wünsche mir mehr Videos der Reihe „im Gespräch“ (2015 beendet – nach 18 Videos mit älteren weißen Männern im Anzug.)

_Welche Expert*innen gibt es im Haus? Ich machte 2009 ein Praktikum in Toronto, bei Jutta Brendemühl. Sie twittert fast nur auf Englisch, über deutschen Film – und hat damit ein recht großes Following, als Expertin/Multiplikatorin. Ich würde raten, eine Liste anzulegen und periodisch zu fragen: „Jutta? Welche drei deutschen Filme haben Chancen in der Award Season?“ etc. – als Blogpost, Liste, Video o.ä.

_Schneller Content, der vor allem Auslandsdeutsche und Sprachschüler*innen anspricht (…mich selbst eher langweilt): „Was ist Ihr Lieblingswort?“-, „Wie übersetzt man folgende Redewendung?“-, „Ist das Wort ‚Habseligkeiten‘ nicht wunderbar?“-Texttafeln (hier: immer auch schauen, was die Social-Media-Redaktion des Duden gerade erfolgreich zeigt/teilt); und „Deutschland: ein Weihnachtsmarkt“-, „Deutschland: eine typische Brotzeit“-Fotos. Hier hilft der Blick auf Content (und Fans) von Facebook-Seiten wie „German Culture“: keine Hochkultur – sondern Alltagsbräuche und historische Gebäude.

_Mehr Diskussionen, Kommentare, Engagement auf Facebook? Schaut, welche Texttafeln Deutschlandfunk Kultur teilt, und welche Fragen das Bücher Magazin stellt.

_Auf den Facebook-Seiten einzelner Institute wünsche ich mir mehr Fotos dazu, wie die Gebäude aussehen und eingerichtet sind. Gern: Praktikant*innen mit Alltagsfotos und kurzen, persönlicheren Texten; einzelne Sprachlehrer*innen und Mitarbeiter*innen vorstellen und sichtbarer machen; Fragebögen beantworten (oder z.B. „Im Mai stellen vier unserer Mitarbeiter in Kyoto ihre Lieblingsfilme über Japan vor: jeden Montag.“)

_Falls auf den FB-Seiten einzelner Institute mehr Engagement erwünscht ist: Nach Tipps für z.B. Restaurants, Bars in der Nachbarschaft fragen. Oder einen Buchpreis vergeben für die Person, die das schönste Foto einer lokalen Goethe-Veranstaltung online teilt, jeden Monat, mit Publikumsvoting.

_Die Facebook-Seite des Literarischen Colloquiums Berlin vermittelt mir einen guten Eindruck, wie es dort aussieht: Wo der Eingang ist, wo ich sitzen werde, welches Publikum ich dort treffe. Ich wünsche mir das oft, bei Veranstaltern: Fotos, die mir genug Orientierung geben und so viel Lust machen, dass ich allein und ohne Vorkenntnis an einem Tag, an dem es furchtbar regnet, sagen könnte: „Ich gehe jetzt spontan ins Institut. Ich erkenne es schon von der anderen Staßenseite aus. Weiß, wo ich Tickets kaufen. Und, dass Menschen in meinem Alter da sind.“ Also: Den Veranstaltungs- und Begegnungsort (und z.B. die institutseigenen Bibliotheken) plastischer, greifbarer machen, online.

_Welche deutschsprachigen Bücher (in Übersetzung), welche Filme, welche Stars kennt das Publikum im Gastland? Kann man Brücken schlagen? Im German Book Club in Toronto saßen irritierend viele Herren 70+, die über Max Frisch, Hermann Hesse reden wollten. Der meist-gelikte aktuelle Post auf der Goethe-Facebook-Seite zeigt Kafkas Schlafzimmer (als Computeranimation). Mein Rat ist nicht: „Noch mehr Frisch! Auf ewig Kafka!“ Aber: Welche Referenzen ziehen im Gastland? Wollen mehr Leute „Victoria“ sehen, sobald das Facebook-Posting „Run Lola Run“ erwähnt?

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BookTube: 16 Empfehlungen, deutschsprachig.

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vier Belletristik- und Unterhaltungs-BookTuberinnen:

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der klassische Bildungsbürger-Duktus:

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junge, sehr professionelle Youtube-Stars (oft queer, oft Jugendbuch):

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und, jeweils mit Problemen:

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Ich mag zudem:

 

„Junge Freiheit“, „Achse des Guten“, „Tichys Einblick“, AfD: Sprache & Vokabeln

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Ich würde niemandem, der schreibt, er sei Minimalstaatler oder Freilerner, er liebe seine Heimat oder sei gegen Zensur, vorwerfen:

Dann bist du rechts – keine Frage.

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Auf Twitter aber sehe ich immer wieder eine Blase, einen politischen Kosmos, der mich abstößt und der mir Angst macht.

Hier kurz gesammelt: die Phrasen, Codes, Signalworte, Floskeln und Stichworte, die dort IMMER wieder auftauchen.

Update, 2018: Ab und zu wird der Eintrag online geteilt, zuletzt z.B. von Mario Sixtus, und Menschen schicken neue Reizworte, Vorschläge: Ich ergänze sie hin und wieder.

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Sondern viele, die sich zusammen tun und ihn mobben, das Sifftwitter-#hatedom: Drachen-Haider, Haider, #schanze) | Dirigismus | eigentümlich frei | einer, der schon länger hier lebt | Einzelfall | Einzeltäter | entbrüsseln | Erhalt der Heimat | EUdssr | Europa der Vaterländer | Festung Europa | Flintenuschi | Flüchtlingsproblematik | frei sozial national | Freilerner | Freiwilligkeit | Frühsexualisierung | für Meinungsfreiheit und direkte Demokratie | gab.ai, #gabfam, #deutschfam | Gedankenpolizei | Gefährder | (der Islam u.a.) gehört nicht zu Deutschland | Geldsystemkritiker | „gegen Extreme von Rechts und Links“ | Gendergaga | Genderismus | Gender-Mainstreaming | Genderterror | Genosse | Germany first | Gesinnungsterror, Gesinnungsaroma | gesellschaftliche Fehlentwicklung | gesundes Volksempfinden | gleichgeschaltet, Gleichschaltung | „Grenzen schützen Leben“ | Gutmensch | „Heerlager der Heiligen“ | Heimat verteidigen! | heimatbewusst, Heimatschutz, pro Heimat | herrschaftsfrei | Herz am rechten Fleck | heterophob | Homolobby | Ich bin kein Rassist, aber | Ich bin Patriot | Ich liebe mein Land | Ich vermisse die D-Mark | identitär | identitätsbewusst | gegen Identitätspolitik | illegale Migranten | Infowar | Immigrationskritik | intellektuelle Minderleister | Invasorenwelle | ISlam | Islamisierung | Islamnixgut | unreformierter Islam | Judenknecht (Knecht der Juden) | Kartellparteien | kartoffeldeutsch | Kekistan, „kek“ statt „lol“ | Kinderfickersekte | Klartext, Tacheles, unbequem, Querdenker, Mund verbieten, gegen Zensur | Klimalüge, Klimanazis | konservativ-freiheitlich | Koppverlag | Köterrasse | Krimigranten, Migrassoren | Kulturbereicherer | Kulturtaliban | Kuscheljustiz | Landeshochverrat | lieber stehend sterben als kniend leben | linke Hetze | linke Zecke | Linksextremismus | Linksfaschismus | Linksmaden | Linksnicker | Lügenpresse | Machtelite | Machtwechsel | Männerrechtler, Männerbeauftragter, Maskulist, MRA | Maulkorb, mundtot, Stasi | mehr Freiheit – weniger Staat! 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Stimmen auf Facebook, denen ich nicht folge und denen ich wenig Einfluss und Erfolg wünsche:

Monika Maron, Matthias Matussek, Cora Stephan, Wolfgang Herles, Susanne Dagen

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Freunde – oder Trolle? Widerspruch & Journalismus.

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19. November: Trump-Anhänger zeigen den Hitlergruß und rufen „Heil“ oder „Hail“.

22. November: Geschichts-Student sagt auf Twitter: „Als jemand, der Geschichte studiert, erinnere ich daran: the Nazis were bad.“

zwei Stunden später: jemand antwortet: „Aber dann kann man ja auch gleich sagen: Alle Leute aus Nordkorea sind „bad“. Nein. Einer von vielleicht 300 Nazis war ‚bad‘. Die restlichen machten eben ihren Job. Was für eine undifferenzierte und geschichtsvergessene Aussage!“

Ich mag die Diskussionskultur meiner Facebook-Freund*innen:

Wir bleiben meist sachlich, respektvoll, konstruktiv, offen, und bei jedem Posting von mir gibt es Zwischenfragen, Einwände, Links und neue Ideen, aus denen ich lerne und an denen ich mich, im besten Sinn, reibe. Gespräche auf Facebook – auch und besonders: über Politik – bringen mir fast immer viel. Danke dafür!

Doch ich merke auch:

Es ist viel zu einfach für eine einzelne Person, für EINEN Troll oder Provokateur, uns alle stundenlang in Diskussionsthreads an den Rand unserer Kräfte zu bringen…

…mit ein paar Zwischenfragen, mit „Oha: Was soll das heißen?“-Vergleichen oder mit Aussagen wie: „Ihr alle seht das so? Tja. Überzeugt mich nicht. Ich sehe das anders. Deal with it.“

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Richard Gutjahr schreibt:

„Die Menschen von heute sind quasi vor dem Fernseher geboren worden, haben jeden Abend 15 Minuten aus der Welt vorgespielt bekommen und dachten, dass sei die Wirklichkeit. Jetzt plötzlich erkennen sie, dass sie nur Schattenspiele an der Wand beobachtet haben und dass die Welt da draußen sehr viel größer und komplexer ist als das, was sie aus Zeitung und Fernsehen kannten. Und wie bei Platon ist das Publikum erstmal geschockt und orientierungslos. Das grelle Licht außerhalb der Höhle blendet und tut in den Augen weh, die Menschen suchen nach Halt und Orientierung. Genau in dieser Phase kommen dann Vereinfacher wie Donald Trump oder Frauke Petry und bieten scheinbar einfache Antworten. Ich glaube gar nicht, dass jeder ihrer Anhänger ihnen 100-prozentig glaubt. Das Problem ist eher: Die Menschen wollen nicht zurück in die Höhle und zu den alten Schattenspielern, denn von denen fühlen sie sich ein Stück weit betrogen, weil sie ihnen suggeriert haben, dass das, was sie sendeten, wahr und die ganze Welt sei. Jetzt hat man 1000 andere Quellen und Möglichkeiten, auf die bekannten Wahrheiten zu schauen und plötzlich merkt man, dass diese nicht immer das ganze Bild gezeigt haben.

Man tut uns Journalisten und Medien Unrecht, wenn man daraus schlussfolgert, dass da absichtlich gelogen wird. Aber viele Leute empfinden das so. Und so stehen wir, die Medien, teilweise zu Recht in der Diskussion, auch wenn wir nicht alleine Schuld sind an dieser Situation. Jetzt geht es darum, das verlorene Vertrauen bei jedem einzelnen wieder zurück zu gewinnen.“ [Quelle: hier.]

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Selbst eine Aussage wie „The Nazis were bad“ wird hinterfragt.

Das finde ich erstmal gut.

Doch ich merke: Die Aussage wird meist von genau jenen Leuten hinterfragt, die damit sagen wollen „Tja: Ihr Journalist*innen seid schlimme Vereinfacher, und ihr denkt in Schubladen!“

Für mich bedeutet das, dass ich als Journalist – auch auf Facebook, in meinem privaten Profil – einen Satz wie ‚The Nazis were bad‘ gar nicht mehr schreiben würde.

Weil ich wüsste: Es gibt zehn, fünfzehn Facebook-Freunde von mir, die das kommentieren würden mit „Was für eine pauschale Aussage. Stefan? So kann man das nicht sagen.“

Und weil solcher Widerspruch so schnell kommt, im Moment, bei egal welcher Aussage, verstricke ich mich zu oft in Relativierungen:

„Ich persönlich finde, nach allem, was ich weiß, dass die Nazis ja größtenteils – sicherlich nicht als Einzelpersonen, für sich, doch auf jeden Fall aber als politische Kraft – eher schlecht als gut waren. Aber: Ich will damit jetzt nicht z.B. Stalin verharmlosen, oder irgendwen verteufeln. Und: ICH habe nicht Geschichte studiert. Ich bin sicher, da gibt es Grautöne.“

Uff.

Ich fürchte, jene Handvoll „kritischer“ Kommentarschreiber, die in solchen Momenten sofort widersprechen, schimpfen, mich zu mehr „Sachlichkeit“ anhalten, werden das IMMER tun. Egal, wie differenziert ich formuliere, und egal, wie sehr ich mich vor Schubladen hüte. Sind das „Freunde“? Oder sind das Trolle?

Ich glaube nicht, dass sie Einspruch erheben, weil sie sich wirklich um Differenzierung sorgen, oder um die journalistische Qualität meiner Texte.

Mich haben Philosophie, Rhetorik und Logik-Spiele nie besonders interessiert. Ich arbeite mich selten daran ab, ob und wie ich einem konkreten Satz widersprechen könnte/müsste. Falls jemand postet „Heute ist ein schöner Tag“, kommentiere ich nicht: „Für dich. Das kann man nicht allgemein sagen“ oder „Wie bitte definierst du ’schön‘? Die Aussage bleibt wertlos!“ oder „Ist der ‚Tag‘ schön oder nur dein persönlicher Eindruck von diesem Tag? Du verallgemeinerst.“

Aber: Leute, die Spaß an solchen Kämpfen haben, kommentieren eben besonders gern – und sie können mir mit fünf, sechs Fragen oder Rhetorik-Ermahnungen irrsinnig viel Zeit und Energie nehmen.

Zu oft in letzter Zeit merke ich: Das sind die Leser*innen, die ich zuerst im Kopf habe. DAS sind die Menschen, für die ich formuliere und an die ich zuerst denke, bei jedem Wort, das ich abwäge.

Ich weiß nicht, ob das meine Texte besser macht.

Oder, ob ich damit Leuten mehr Einfluss, Raum, Bühne gebe, als sie verdienen.

Ist die Lektion für mich „Sei noch differenzierter: Sichere dich nach allen Seiten ab, rhetorisch, damit man dich nicht falsch versteht!“…?

Oder „Wer dich falsch verstehen will, wird IMMER etwas finden“…?

Zu oft reicht ein einzelner Provokateur oder Rhetorik-Trickser, um mich und eine Handvoll Mit-Kommentator*innen für Stunden zu beschäftigen. Ist das den Aufwand wert? Muss ich auf viele Einwände eingehen – als guter Journalist?

Mich macht traurig, dass selbst ein Satz wie „Die Nazis waren schlimm“ so viel Gegenwind, so viel Argwohn weckt. Ich habe Angst, zu hören „Du bist undifferenziert!“. Doch ich frage mich seit ein paar Wochen täglich: „Wünschen sich die Leute, die mir das oft vorwerfen, wirklich Differenzierung? Oder hoffen sie nur, dass ich mich verzettele? Und zugebe: Ich weiß eigentlich gar nichts. Nicht einmal, ob die Nazis ’schlimm‘ waren.“

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nazis-were-bad

Screenshot: @Michael1979, auf Twitter.

Besondere Romane: Buchtipps, Geschenktipps, Geheimtipps

buchtipps weihnachten

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Seit Ende November gebe ich auf Twitter kurze Buchtipps zu Weihnachten.

Knappe Literaturkritik – in Stichworten, als Adventskalender.

Die ersten 11 Buchtipps habe ich auch gebloggt: Link

Heute: 21 weitere Titel. Geschenktipps, persönliche Empfehlungen, Lieblingsbücher – denen ich ein breites Publikum wünsche. Mehr u.a. hier:

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twitter tschechow

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frühes 20. Jahrhundert – mein Lieblings-Dramatiker:
russisches Bürgertum: neurotisch, tragisch, verpeilt
Verwicklungen – bissig, aber sehr warmherzig.
Reiche Menschen stehen sich selbst im Weg.

Kirschgarten, Möwe, Onkel Wanja, 3 Schwestern, Ivanov: viele Theaterklassiker sind eitel, überdreht, gehässig zu den Figuren. Tschechow ist Humanist: kaputte, lächerliche, SUPERliebenswerte Rollen. Groß!

„Die großen Dramen“, Anton Tschechow

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twitter sherriff

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vergriffen – aber in toller dt. Übersetzung von 1959:
Eine einfache britische Familie macht Urlaub.
Spießer, Hausfrau, 2 fast erwachsene Kinder,
2 Wochen Ferien in einer billigen Pension am Meer.

Stiller Klassiker von 1931; liebe- und respektvoller Blick aufs Reihenhaus- und Kleingarten-Milieu, kein Spott, keine Satire. Spröde Alltagsmenschen und ihre oft verzweifelten Versuche, glücklich zu sein.

„Septemberglück“, R.C. Sherriff

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twitter kristof

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3 sehr verschiedene Romane. Trilogie über Krieg:
Zwillingsbrüder bei einer bettelarmen Großmutter.
Stoische, verbissene Kinder. Osteuropa? Zweiter Weltkrieg?

Band 1: schlichtes, dunkles Dorfmärchen, Parabel. Ein Erzähl-Experiment: beginnt als ultrabrutale, nihilistische Kindergeschichte über Entsagung und Besatzung – und wird in Buch 2 und 3 immer postmoderner, melancholisch-klüger, ambitionierter.

„Das große Heft“, „Der Beweis“, „Die dritte Lüge“, Agota Kristof

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twitter maron

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Abrechnung mit der DDR – und schlechtem Journalismus:
Reporterin reist nach Bitterfeld; und ist schockiert.
Dreck, Fabriken, Vertuschung: Wie berichten?
Marons Debüt: komplex, autobiografisch, relevant.

Ein „Unrechtstaat“ zeigt sich im großen Horror – und in den täglichen Widersprüchen, Ängsten, Machtstrukturen. Marons Roman bleibt Alltag: leise, klein – und dennoch: unerträglich beklemmend.

„Flugasche“, Monika Maron

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twitter semple
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verschroben, humorvoll, klug, überraschend:
sehr „Gilmore Girls“ (hey, Chick-Lit-Fans!)
sehr „Infinite Jest“ (hey, Schnösel & Nerds!)
Unterhaltung – auf hohem Niveau, leicht lesbar.

Die brillante Frau eines Microsoft-Managers bringt ihre hochbegabte Tochter in Gefahr, als sie wichtige Mutti-Jobs nach Indien outsourct, an eine Assistentin. Schenkt das hier… ALLEN! Wild, smart, toll.

„Wo steckst du, Bernadette?“, Maria Semple

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twitter kleist.

Nur selten Graphic Novels gelesen? Idealer Einstieg:
Simple Tuschezeichnungen, klarer Plot,
aber packend und relevant.
Auch toll als Schullektüre oder fürs alte FAZ-Publikum.

Samia Jusuf Omar vertrat 2008 Somalia als 100-Meter-Sprinterin in Peking. Sie wird Letzte – doch will danach von Afrika nach Europa, illegal, übers Meer. Portrait/Biografie über Flucht & Chancengleichheit.

„Der Traum von Olympia“, Reinhard Kleist
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twitter haslinger.

Vierköpfige Wiener Familie im Tsunami 2004:
Josef Haslinger, Leiter der Schreibschule Leipzig,
erlebt im Thailand-Urlaub die Flutkatastrophe
und hält alle Details fest, nüchtern, packend.

Distanzierte, recht ignorante reiche Feriengäste… plötzlich ausgeliefert, überfordert, traumatisiert. Sachlich-schlicht, aber nah und sehr persönlich zeigt H., was diese Tage aus Ort & Leuten machten.

„Phi Phi Island. Ein Bericht“, Josef Haslinger
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twitter toews.

Miriam Toews‘ Vater beging Selbstmord.
Toews schreibt süßliche, nicht-sehr-kluge Schmöker:
Mainstream-Humor, „verrückte“ Mennoniten,
Oft brav-kanadisch-abgeschmackt und bieder.

Hier aber, in der Erinnerung an ihren gläubigen, manisch-depressiven Vater, gelingt die Balance: Gefühl und Witz, Existenzielles und Dorf-Schrullen. Die Autorin macht mir kaum Respekt. Das Buch sehr.

„Mr T., der Spatz und die Sorgen der Welt“, Miriam Toews
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twitter honigmann.

jüdisch-deutsche Ex-DDR-Autorin, bis heute toll:
Honigmann schreibt meist autobiografisch,
manchmal zu vorsichtig, bürgerlich, verhuscht,
doch hier: nah, packend, selbstkritisch.

Eine junge Berliner Dramaturgin arbeitet an einem Provinztheater, verheddert sich in einer Affäre und im DDR-Apparat. Brief-, Künstler-, Liebesroman, authentisch, traurig, intelligent!

„Alles, alles Liebe“, Barbara Honigmann
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twitter erpenbeck.

Asylrecht, Flucht, Ausgrenzung, Behörden-Irrsinn:
Erpenbeck erzählt so kunstlos-sachlich,
meist klingt dieser Roman nur nach Report/Bericht.
Ein etwas steifes, didaktisches Buch.

Aber: NIE habe ich schneller mehr gelernt über Geflüchtete in Deutschland. Im Ruhestand will ein Professor spontan helfen. Sein ignoranter, naiver Blick kommt schnell ins Wanken. Must-Read 2015!

„Gehen, ging, gegangen“, Jenny Erpenbeck
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twitter miller.

New York 1945, Bürohengste wie aus „Mad Men“:
Mit seiner neuen Brille wirkt Spießer Newman plötzlich „irgendwie jüdisch“.
Er verliert Ansehen, Job, Respekt aller Nachbarn.

Ein Kleingeist und Rassist als Opfer von Rassismus: Das könnte Satire, platte Parabel bleiben. Doch es wird sehr schnell überraschend komplex, rasant, psychologisch, hässlich. Packend und aktuell!

„Fokus“/“Im Brennpunkt“, Arthur Miller
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twitter joe hill.

Horror, Abenteuer, Herz: meine Lieblings-Comicreihe
6 Bände lang zeigt Joe Hill, Stephen Kings Sohn,
drei Geschwister in einem Spukhaus
voller magischer Schlüssel:

„The Shining“ trifft „Harry Potter“ trifft „Maniac Mansion“: Intelligenter, raffinierter, warmherziger Grusel mit tollen Zeichnungen, Figuren, Twists: 800+ Seiten wie aus einem Guss. Moderner Klassiker!

„Locke & Key“, Joe Hill und Gabriel Rodriguez
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twitter haushofer.

Survival-Thriller – oder feministische Sinnsuche?
Eine Biowaffe. Eine unsichtbare Barriere.
Und eine Frau, allein in den Bergen:
Als einzige Überlebende, isoliert auf Alm und Hütte.

Ich stellte mir diesen Klassiker viel softer, blumiger vor: Natur, Katze, Menopause. Eine österreichische Robinsonade. Doch „Die Wand“ ist so beklemmend, hart wie McCarthys „Straße“. Atemberaubend!

„Die Wand“, Marlen Haushofer
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twitter dirks.

sperrig, dunkel, brutal, bitter, schwer:
Liane Dirks erzählt die Lebensgeschichte
ihres monströsen Vaters.
Ein Koch aus Hamburg, der sie missbrauchte.

Schnöselige Drogisten in den 1930ern. Ein junger Koch in Russland, später dann auf Schiffen in der ganzen Welt. Grandios literarische Zeitgeschichte – und Psychogramm dreier Generationen. Hart.

„Vier Arten, meinen Vater zu beerdigen“, Liane Dirks
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twitter sakamichi.

nur online lesbar, als Fan-Übersetzung auf Englisch:
Japan, Ende der 60er, Provinz:
Eine Jazzband. Ein neuer Schüler (Streber).
Und zwei Kindheitsfreunde: Raufbold und Mädchen.

Manga, 10 Bände – still, sonnig, starke Figuren. Freundschaft statt Romance, sympathisch schlichte Retro-Zeichnungen. Coming-of-Age, Politisierung, Zeitgeschichte – zum Heulen schön!

„Sakamichi no Apollon“, Yuki Kodama

…längerer Empfehlungstext hier: die 20 besten Graphic Novels 2015
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twitter hedges.

Den Film sah ich nie. Die Romanvorlage? Großartig!
Nach der High School muss Gilbert bleiben:
Der Vater ist tot, ein Bruder behindert,
die Mutter depressiv.

Keine Komödie. Aber auch kein Pathos, Selbstmitleid: Geschwister, gestrandet in der Provinz, wütend, ratlos, hungrig, lebendig. Gute Übersetzung – aber gerade vergriffen. Fantastisch… empathisch!

„Gilbert Grape. Irgendwo in Iowa“, Peter Hedges
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twitter drakulic

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Bosnische Frauen im Krieg… und danach:
Ein schlichtes, kluges, alptraumhaftes Buch
über die Psychologie des Krieges
und sexuelle Gewalt.

Die ersten und die letzten 10 Seiten: Klischee und Kitsch. Dazwischen aber: Ein Text, der mich seit Monaten nicht loslässt. Einfache Sprache, brillante Gedanken. Pogrome, Lager, Asyl. Kontrollverlust.

„Als gäbe es mich nicht“, Slavenka Drakulić
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twitter Capote.

Reportage von 1965: erster großer „True Crime“-Text
Zwei junge Männer überfallen eine Farm in Kansas
und ermorden die komplette Familie.
Capote recherchiert, interviewt, rekonstruiert.

Vielleicht ist vieles hier gebogen, dramatisiert – doch erstmal lese ich, atemlos: Kein schauerlicher Real-Life-Krimi. Sondern Milieus, Figuren, ein Land, toll erfasst. Ein Buch, das nachwirkt. Große Kunst!

„Kaltblütig“, Truman Capote
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twitter toulme.

Trisomie 21 aus Sicht eines Vaters:
Autobiografische Graphic Novel aus Frankreich,
persönlich, nah, sympathisch, schlicht.
Gute Einführung in Comics – und Behinderung.

Ich finde besser, wenn Behinderte sprechen – statt immer nur Eltern ÜBER sie. Und: Viele Comics sind komplexer, literarischer. Aber: Alles hier ist so herzig, einladend, einfach – als Einstieg erstmal toll.

„Dich hatte ich mir anders vorgestellt…“, Fabien Toulmé
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twitter baldwin

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dt.: „100 Jahre Freiheit ohne Gleichberechtigung“
James Baldwins politisches Manifest von 1963.
Leidenschaftlich, kurz, komplex. Bis heute relevant.
Schwarze in Amerika: Scham & Unterwerfung.

Wäre das ein Online-Text 2015 – er ginge sofort viral: Aufstiegschancen und Polizeitgewalt, Angst und Bildung, Identity Politics und Akitivsmus: die heute noch großen Themen, klug & klar verhandelt.

„The Fire next Time“, James Baldwin
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twitter archie.

Sieht aus wie ein billiger Scherz…?
„Peanuts“: Grundschule. „Archie“: High School.
Der harmlos-biedere Cartoon-Klassiker seit 1941
…als blutiger Zombie- und Survival-Horror?

Die braven US-Kinderfiguren neu erzählt – viel literarischer, psychologischer… und auf der Flucht vor Zombies. Erst dachte ich: Pubertäre Parodie? Aber: Nein! Spektakulär atmosphärisch. Gruselig klug.

„Afterlife with Archie“, R. Aguirre-Sacasa, F. Francavilla

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11 weitere Titel hier:

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Lena Dunham’s „Not That Kind of Girl“: Everything you need to know.

dunham kind of girl

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I’m a fan of Lena Dunham’s „Girls“ (Link), so I bought her 2014 memoir „Not That Kind of Girl“ to review it for ZEIT Online. While reading the ebook, I marked some passages and live-tweeted them here (Link).

I didn’t enjoy the book, overall, because a lot of the essays seemed listless or haphazard. „Girls“ has a lot of energy. Lena herself seems passionate and smart… but „Not That Kind of Girl“ felt like a school assignment, a piece of homework. Not enough urgency. Not enough drive.

There are LOTS of tweet-sized gems in these 300 pages, though, and I want to collage them: Please go read 20 or 30 of these quotes. They encapsulate what’s great about Lena (witty! acerbic!). But they also show the bumpiness, flunkiness, hit-and-miss meandering of this book project:

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„Not That Kind of Girl“… told in 115 quotes:

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„I’ve been obsessed with death since I was born.“

„Until I was about twelve my grandmother was my best friend. […] I called her every day at 4:00 P.M.“

„I shared a bed with my sister, Grace, until I was seventeen years old.“

„my dad painted huge pictures of penises for a job“

„I was born here, and New York is so alien: she is in my gut like an old sickness“

„both my parents have therapists“

„none of the pants ever fit me, unless I head into the maternity section“

„My nickname in high school was Blow-Job Lena, but because I gave NO blow jobs!“

„I wanted memories so powerful they made you cry.“

„my Brazilian babysitter Flavia“

„my mother, who looks like her normal self when she dresses as a witch for Halloween.“

„we didn’t have to worry about much except what gallery to go to on Sunday…“

„The best news I ever could have received would have been that my parents had decided to homeschool me“

„I was a quitter: of play dates, of dance class, of Hebrew school.“

„I demanded a series of tuck-in rituals so elaborate that I’m shocked my parents never hit me (hard).“

„I was sure I had already broken my hymen in high school in pursuit of a cat that didn’t want to be rescued.“

„my parents discovered I had been stuffing all my unfinished homework under my bed for half the school year.“

„a successful seventh-grade year in which I had […] gotten my hair highlighted by a licensed beautician named Beata.“

„Everything I saw as a child, from 90210 to The Bridges of Madison Country, had led me to believe that sex was a cingey, warmly lit event“

„Angela Chase seemed pretty messed up by her experience at that flophouse where high school kids went to copulare.“

„I haven’t been to London since age 14, when I was angry my mother forced me to ride a Ferris wheel and even angrier because I liked it.“

„being in possession of a gay sister, I find the term ‚girl crush‘ slightly homophobic.“

„I haven’t had a crush on a woman since, unless you count my confusing relationship with Shane from The L Word“

„I had no issue with gay people. I just didn’t want to be one. I was fourteen. I didn’t want to be anything yet.“

„I had been telling my parents, sister, grandma – anyone who would listen, really – about my desires from an early age.“

„I gained weight like it was a viable profession.“

„I don’t think I met a Republican until I was nineteen.“

„I went to my first Women’s Action Coalition meeting at age three.“

„Barbie’s disfigured. It’s fine to play with her just as long as you keep that in mind.“

„His arms were as muscly as a Ken doll’s but also as small.“

„I pull down my tights to pee, and he jams a few of his fingers inside me, like he’s trying to plug me up.“

„I was, once again, just a B- or even C-level member of the classroom ecology.“

„I wasn’t obese, but a senior did tell me I looked ‚like a bowling ball with a hat on.'“

„I’ll never be this young again. Or this lonely. Or this hairy.“

„While my veganism began as a deeply felt moral position, it soon morphed into a not-very-effective eating disorder.“

„we were finding our own New York, which looked a lot like the New York of our parents“

„at my new school, I was cool. […] I had a denim jacket and a novelty pin that said who lit the fuse on your tampon?“

„I wrote poems, sprawling epics with curse words and casual mentions of suicide that didn’t get me sent to the school psychologist.“

„my mother’s psychic Dmitri, who smelled of essential oils and walked around our house investigating ‚energies'“

„Waiting for my parents to get home because I’d lost my keys and pissing in someone’s potted plant.“

„This is what camp is all about! I thought. Meeting other, slightly different kinds of white girls!“

„I told him I went to school in Brooklyn and he said he didn’t know where that was because he wasn’t ’so good at geometry'“

„even three mornings a week [at a child psychiatrist] isn’t enough to stop the terrible thoughts.“

„When I gave you a blow job (MY FIRST) on the day my cat died, you should have called.“

„Throughout the day I often ask myself, Could I fall asleep right now? and the answer is always a resounding yes.“

„Drunk emotions aren’t real emotions.“

„Later in the summer your grandfather dies, and you’re secretely glad. You have a place to put all your sorrow now“

„that syrupy terror that characterized summer nights as a nine-year-old sometimes lasts for days now“

„Every sexual encounter has felt like a first visit with a new general practioner. Awkward, burdensome, a little chilly.“

„the first person you give a blow job to. You won’t finish, just administer one horrified lick, and he won’t talk to you again“

„Only when I got to college did it dawn on me that maybe my upbringing hadn’t been very ‚real‘.“

„Oberlin being a liberal haven where opposition was king, the coolest clique was a group of rugby-playing, neon-wearing lesbians.“

„I’m 20. […] I choose to wear a banana-printed belly shirt and pink leggings to the Vatican and religious tourists gawk and turn away.“

„The conversation at college is making me insane: politically correct posturing by people without real politics.“

„I am determined not to tell anyone I vomited. But sharing is my first instinct.“

„And there I am, drunk on a spring night, yanking my tampon out and hurling it into a bush outside the church.“

„I became the most combative girl in every writer’s workshop“

„I had been ambitious once. In college, all I seemed to do was found literary magazines with inexplicable names.“

„I wrote porn reviews (‚Anal Annie and the Willing Husbands‘ is weird because the lead has a lisp).“

„I’ve never talked to anyone my own age abou anything beyond ambition. Technique, passion, philosophy, we don’t touch any of that.“

„he saw me for who I felt I was: achingly brilliant, misunderstood, full of novellas and poems and well-timed jokes.“

„We went to his neighbor’s funeral and sat on the back row and got the giggles, sprinted out.“

„I’m the kind of person who should probably date older guys, but I can’t deal with their balls.“

„I had ill-advised intercourse with a petite poet-mathematician who, afterward, removed the condom, placed it under his pillow, and wiped his penis clean on his own curtains.“

„He kissed me like it was a boring job given to him by his parole officer.“

„he looked at me a long moment, like he was preparing to eat something he wasn’t sure he would like.“

„Over time, my belief in many things has wavered: marriage, the afterlife, Woody Allen. But never motherhood.“

„college was a wonderful gig, thousands of hours to tend to yourself like a garden“

„Soon, my life as a student will be as far behind me as summer camp.“

„we fucked in the blue light of a documentary about police brutality. we didn’t speak for a year.“

„You used to own the night and put it to good use“

„Upon graduation I had felt a heavy sense of doom, a sense that nothing would ever be simple again.“

„I can’t find a goddamn fucking job and I’m too fat to be a stripper.“

„The story of children of the art world trying (and failing) to match their parents‘ successes, unsure of their own passions, but sure they wanted glory“

„a haze of warm beer, Xanax bits, and poorly administered cocaine“

„He takes me on a day trip up the coast that should be romantic but feels like a hostage situation.“

„I boarded a Greyhound to Ithaca to see a college friend, the kind of purposeless trip you will never take again after age 25.“

„the 350 milligrams of medication I take every night“

„so much of what I love – gossip and furniture and food and the Internet“

„calling a cab in a haze of pills and getting home at 6 am only to realize you’ve left all your valuables at the home of a guy who doesn’t wake up until 2“

„my first postcollege job in a downtown restaurant…“

„What followed was two years of on-and-off ambigous sex hangouts […] often involving prescrition drugs from […] my parents‘ oral surgeries.“

„If I was writing this then, I would have glamorized the whole story for you“

„I thought of myself as some kind of spy, undercover as a girl with low self-esteem, bringing back detailled intelligence reports…“

„I was dressed like a hooker dressed like an insurance broker.“

„I walked out into the street the next day bare legged and reeling, not sure whether I’d been ruined or awoken.“

„my e-mails were long and overwrought, trying to show him how dark my sense of humor was (I can make an incest joke!)“

„I still make joke after joke, but my tears are betraying me.“

„I broke up with him for a Puerto Rican named Joe with a tattoo that said mom in Comic Sans.“

„I bought my wallet while high off my ass on legal prescription drugs in the Hamburg airport.“

„Advil, Lexapro, Mucinex, Klonopin, and Tamiflu, for emotional security. If you have any spare pills, I will take those, too.“

„I worked at the baby store for nine months. Just recently graduated, I had stormed out of my restaurant job on a whim.“

„Once my boss yelled at me for giving Gwyneth Paltrow the wrong size in baby legging“

„going to Physique 57 class even though the women there are all engaged to be married and mean.“

„The time we took ecstasy and, right before it hit, he asked me what my thoughts on open relationships were.“

„If someone doesn’t answer your email within six hours, it means they hate you.“

„We went to a bar afterwards, and a DJ gave me his business card in a way that could have been sexual.“

„I Googled him and ‚rape‘ autofills after his name.“

„I’ve always believed that it turns people on to get made fun of, and the art world was no exception“

„We took the videos we had made together off the Internet, embarrassed by the things we had once thought so profound.“

„And yes, it was broad, amateurish, a little vulgar.“

„My body was simply a tool to tell the story.“

„By the time I emerged from his home on Friday morning, we had essentially performed the first year of a relationship in 5 days.“

„And so I stayed, for five months, calling it growth.“

„Back in the city, I kissed him goodbye, then texted him a few minutes later ‚don’t come over later, or ever.‘ We do what we can.“

„the time I sat with a director in his hotel suite while he told me girls love it when you ‚direct‘ their blow jobs.“

„Women in Hollywood were treated like the paper thingies that protect glasses in hotel bathrooms – necessary but infinitely disposable.“

„I wasn’t going to be anyone’s protégée, pet, private fan club, or eager plus-one.“

„I loved that he’d never have to see a more successful person than himself at a party.“

„Later, we will find out that he was simultaneously courting an actress from The West Wing and that he bought her a cactus.“

„And I decided then that I will never be jealous. I will never be vengeful. I won’t be threatened by the old, or by the new.“

„You don’t need to be flamboyant in your life to be flamboyant in your work.“

„I hadn’t showered in four days and I still have a boyfriend last I checked.“

„The next morning he rolled toward me and not away. […] It was like a miracle.“

„You’ve learned a new rule and it’s simple: don’t put yourself in situations you’d like to run away from.“

„you ask your friend Jeminma one day as she’s painting you nude on her couch“

„I can’t wait to be eighty. So I can have an ‚oeuvre‘ – or at least a ‚filmography‘.“

„I’ll be eighty and, quite possibly, the owner of seventeen swans.“

„How could someone whose biggest health scare was a coffee-induced colon infection know what the end of life looks like?“

„Last summer my vagina started to sting.“

„My OCD isn’t completely gone, but maybe it never will be.“

„You’ll think, Stuff like this only happens to characters played by Jennifer Garner, right?“

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Stephan Porombka: 100 Fragen

stp titel - Bildrechte bei Stephan Porombka

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Ende 2013 postete ich, dass ich zwei wichtige persönliche Texte fertig habe:

Text 1 war mein Interview mit Maximilian Mosher über die Geldprobleme, Ängste, Schwierigkeiten als freier Kulturjournalist (Link).

Text 2 war eine Überraschung – die ich erst jetzt noch einmal teilen / bloggen kann:

Von 2003 bis 2008 lebte ich in Hildesheim. Studierte Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus. Und lernte bei / schrieb für / arbeitete mit einem der besten und radikalsten Dozenten jenseits von Hogwarts:

Stephan Porombka (Details) war von 2003 bis 2013 Professor für Literaturwissenschaft und Kulturjournalismus.

Ich besuchte…

  • Ethnographisches Schreiben (SS 2007/08)
  • Literaturtheorie (WS 2006/07)
  • Literatur und Arbeitswelt (SS 2006)
  • Schreiben für lit-radio/lit05 (SS 2005/06)
  • Das erzählende Sachbuch (SS 2005)
  • Kultur, Literatur, Journalismus. (WS 2004/05)
  • Autobiographie (WS 2004/05)
  • Literatur und Radio (SS 2004)
  • Jetztzeit. Einführung in die Kulturwissenschaften (WS 2003/04)
  • Kriminalliteratur (WS 2003/04)
  • Einführung in den Kulturjournalismus (WS 2003/04)

…und arbeitete an zahllosen studentischen Buch-, Verlags-, Radio- und Netzprojekten.

Seit Sommersemester 2013 lehrt Stephan als Professor für Texttheorie und Textgestaltung an der UdK Berlin (Link)… und nach Abschied aus Hildesheim starteten Freunde, Ex-Studierende und Kollegen ein kleines Buchprojekt mit persönlichen Abschieds- und Erinnerungstexten.

Ich selbst schrieb im Oktober 2013 den folgenden Text – fast eine Woche lang, in New York: nostalgisch, euphorisch, nervös.

Stephan ist der Lehrende, der mir am meisten beibrachte. Und dessen Haltung als Denker / Schreibender / Akademiker und Netz-Jetztzeit-Gegenwarts-Beobachter mir plausibler wurde / näher kam als die jedes anderen deutschen Journalisten.

Viele sagen: Stephan Porombka ist das Beste, das Twitter zu bieten hat.

Für mich ist dieser Twitter-stp noch der langweiligste Teil.

Obwohl: die Selfies sind toll. Und die habe ich – zur Illustration dieses Blog-Posts – auch reichlich geklaut. Also: alle Bildrechte aller hier geposteten Fotos liegen weiterhin bei Stephan Porombka.

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stp 01 - Bildrechte bei Stephan Porombka

Lieber Stephan,

001 Wann wurdest du zuletzt bedroht, beleidigt oder ausgelacht?

002 Wofür würdest du gerne gelobt oder bewundert werden?

003 Wenn du als Gauner, Ganove leben müsstest – welche Sorte Verbrechen wäre dein Tagesgeschäft?

004 Sind Schuhe das Kleidungsstück, bei dem du dir am meisten Mühe gibst?

005 In welchem Alter hast du dein erstes Tattoo stechen lassen: erst Ende 30, Anfang 40?

006 Verkleidest du dich gern? Was war das aufwändigste Kostüm, das du je trugst?

007 Gibt es wichtige platonische Frauen in deinem Leben?

008 Wo hast du Selbstironie gelernt?

009 Reißt du absichtlich die Augen auf, sobald man dir Fragen stellt / du angestrengt zuhörst?

010 Du wurdest 1967 geboren, in Salzgitter. Wann klafften Zeitgeist und dein eigenes Leben am weitesten auseinander…? Welches dieser 45, 46 Jahre passte bisher am wenigsten zu dir?

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stp 02 - Bildrechte Stephan Porombka
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011 Hast du Brüder oder Schwestern? Ich wäre überrascht, falls es eine große, prägende Porombka-Sippe gibt.

012 Was mich sonst wundern würde: Du spielst ein Instrument. Du opferst Zeit für Videospiele. Du kochst gerne und ambitioniert. Du hast ein Herz für Katzen, Pflanzen, Fische. Du unterhältst dich lebhaft mit älteren Frauen. Du bist Fan einer Sportmannschaft, gläubig oder in gemeinnützigen Vereinen aktiv.

013 Warum fährst du kein Auto?

014 Tanzt du? Ich sehe dich als energischen, zu konzentrierten Tänzer.

015 Hast du vor Jahren auf Facebook ein Foto geteilt, das dich bei der Partnerwahl einer Tanzschule zeigt? Falls ja: Hast du als Schüler einen Tanzkurs, aber keinen Führerschein gemacht? Wozu?

016 Welchem Menschen bist du am meisten schuldig?

017 Wer ist dir ebenbürtig und kann dich gut verstehen?

018 Du hast zu Schulzeiten einen Band Gedichte veröffentlicht, „Eisblock“. Wann hast du aufgehört, Gedichte zu schreiben? Hast du erreicht, was du mit ihnen erreichen wolltest?

019 Wolltest du Gedichte schreiben – oder Dichter sein?

020 Gibt es Trends oder Haltungen aus deiner Kindheit, die heute verkümmert sind, dir fehlen? Lebst du in einer fundamental anderen Zukunft, als du als Jugendlicher hofftest?

stp 03 - Bildrechte Stephan Porombka.

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021 Hast du eine große, enttäuschte Liebe oder aufgehört, Fan eines Regisseurs, Künstlers, Autors zu sein?

022 Du stehst mit Popper-Frisur und hochnervösem Blick circa neunzehnjährig auf dem Cover eines Nostalgie-Buchs namens „Bohlweg-Zeiten – Die 80er in Braunschweig“. („Es war eine großartige Zeit. Braunschweig war groß genug, einer Jugend alles zu bieten. Und klein genug, dass man alles, auch das ganze seltsame Zeug, wirklich mitnehmen konnte.“) Wie bist du auf das Buch geraten? Falls diese Phase deines Lebens ein Buch wert war – warum haben es andere geschrieben, nicht du?

023 Wann hast du eine Psychoanalyse begonnen? Was hast du dir davon erhofft?

024 Hättest du gerne an einer Schreibschule wie Hildesheim studiert?

025 Als Erwachsener hast du Slam-Poetry, literarische Performances, Video-Slams gemacht; 2002 warst du als Nachwuchsautor beim Klagenfurter Literaturkurs. Hast du seitdem literarisch gearbeitet? Kommt da noch was?

026 Liegst du seit 35 Jahren abends mit einem Buch im Bett?

027 Liest du Bücher noch langsam und komplett – oder springst du hin und her, brichst ab, suchst Perlen?

028 Wie wichtig sind dir Raubkopien?

029 Wie hat dich das Internet verändert?

030 Wie hat es dir geschadet?

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stp 04 - Bildrechte Stephan Porombka

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031 Passen deine Geschwindigkeit, die Geschwindigkeit deines Berufs und das Tempo, mit der sich die Gesellschaft deinen Themen und Vorlieben nähert (oder, öfter: sich von ihnen entfernt) zusammen?

032 Du hast Germanistik, Theaterwissenschaft und Politikwissenschaften an der Berliner FU studiert. Wie gelangweilt, frustriert, wie fehl am Platz, allein und unterfordert warst du an dieser Uni?

033 Als Nebenjob hast du Deutschkurse geleitet, für Migranten. Wie humorvoll, charmant, wie überdreht, verspielt, motiviert warst du vor diesem Publikum?

034 1999 hast du über Hypertext promoviert. Anfang der 90er, für kurze Zeit, wurden solche Textformen von allen Seiten beachtet und bestaunt. Später kuckte man auf sie zurück wie auf Marusha, Bauchnabelpiercings oder das Wort „Datenautobahn“: Einerseits bist du Experte für diese frühe (literarische) Aufbruchs-Euphorie im Netz. Andererseits schien es später, als hättest du auf eine falsche Karte gesetzt, in Sackgassen geforscht, Knallfrösche gejagt. Und heute? Lohnt sich der Blick zurück? Waren Hypertexte prägend? Willst du das alles nochmal aufarbeiten, mit uns teilen?

035 Hältst du deinen Beruf für wichtig?

036 Was denkt deine acht- oder neunjährige Tochter über deine Arbeit?

037 Wie reagierst du, falls sie in zehn Jahren sagt: „Ich möchte irgendwas mit Kultur machen. Einfach irgendwas! Am besten, ich probiere mich an einer verschlafenen Uni wie Hildesheim ein paar Semester lang aus…“?

038 Bis vor zehn Jahren hast du an der Berliner Humboldt-Universität gelehrt. Als Juniorprofessor im Herbst 2003, in meinem ersten / deinem zweiten Hildesheimer Semester, hast du ein Seminar über Krimis geleitet; 2005 ein Seminar über Autobiografien. Interessieren dich Krimis? Autobiografien? Oder interessiert dich, die Regelhaftigkeit und Kniffe verschiedener Formen aufzuschlüsseln?

039 Musst du dich oft mit den Eltern von Studenten auseinandersetzen? Fühlst du dich dabei den Eltern oder den Studierenden näher?

040 Sagst du „Studenten“ oder „Studierende“? Werden Feministen wütend, wenn du „Studenten“ sagst?

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stp 04 - Bildrechte Stephan Porombka

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041 Ich kenne keinen Moment aus den letzten zehn Jahren, zu dem du Deutschland verlassen hast: Gehörst du hierher? Möchtest du (allein) in diesem Kulturraum schreiben, leben, sterben?

042 Gehörst du nach Berlin? Bist du Berliner? Wenn nicht: Was fehlt dir noch?

043 Andererseits hast du Salzgitter, Braunschweig: Du hast das Magazin der Autostadt Wolfsburg betreut und in Hildesheim absurde Mengen journalistischer Projekte mit lokalem Fokus forciert – Snapshots und Alltagstexte, ganz nah am (profanen) Leben der Stadt. „Hildesheim schön trinken“ über teilnehmende Beobachtungen in Kneipen, die „Fahrtenschreiber“-Protokolle über das Busliniennetz, wöchentliche Powerpoint-Präsentationen mit je 100 Fotos aus dem Straßenbild: Was bedeuten dir die Provinz und ihre kleinen, abgewirtschafteten Städte?

044 Gibt es Glamour in deinem Leben?

045 Warst du schon in dem Alter, das am besten zu dir passt – oder denkst du, es kommt noch?

046 In welchem Alter mochtest du dich am meisten?

047 Wir beide fotografieren uns oft selbst. Ich tue das nicht, weil ich mich mag – sondern, weil ich bei Fotos aus seltsamen Perspektiven oft denke „Oh. Aus DIESEM Winkel geht es, eigentlich…“ Gefällst du dir? Magst du deinen Körper?

048 Zu Beginn meines Studiums hatten deine Vorlesungen oft Show-Einlagen: Kurzfilme, eine Band, Live-Musiker, Verlosungen, Wettbewerbe… Zitate aus Theater oder Samstagabend-TV. Für viele Leute bist du der Professor, der den Moonwalk tanzt und in seiner Antrittsvorlesung „Rhetorik Reloaded“ ein Dutzend Lacher, Pointen platziert. An wem hast du dich dabei orientiert? Wovon hast du gelernt?

049 Was macht einen guten Lehrer aus?

050 Die Leute, die am meisten Angst vor dir hatten oder dich irgendwann hassten, waren Typen, die klare Strukturen wünschten: Wer Regeln wollte, war verwirrt oder verärgert.

051 (Ich selbst wollte keine. Und bin für die „Los: Macht! Sucht eine Richtung – und versucht, so weit / tief wie möglich vorzudringen!“-Freiheit vieler deiner Projekte sehr, sehr dankbar.)

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stp 05 - Bildrechte Stephan Porombka

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052 Gibt es Leute, von denen du nicht gemocht oder verstanden werden willst?

053 Gibt es Literaturbetriebs-Gestalten, mit denen du auf Kriegsfuß stehst?

054 Die meisten deiner (universitären) Buch-, Web-, Seminarprojekte haben eine Doppelspitze – du arbeitest mit Annett Gröschner, Steffen Martus, Guido Graf usw., und oft schaffen diese Zweier-Teams eine sympathische Dynamik. Meist herrscht die Aufteilung „guter Bulle / Quatschkopf-Bulle“. Aber: Möchtest du nicht mal NICHT „der Verrückte“ sein?

055 Du exponierst dich stärker als Mathias Mertens – ein oft zurückhaltender, bedachter Hildesheimer Medien-Professor – und führst dich selbst mit großem Genuss und Sarkasmus vor. 2009 begann Mathias, über Performanz beim Luftgitarre-Spielen zu forschen, gründete eine Luftrock-Band und nahm an Deutschland- und Weltmeisterschaften teil. Alle riefen: „Charmant. Wie mutig!“ Hättest du auf solchen Bühnen stehen können, wollen? Ich denke, der Backlash wäre härter gewesen: „Typisch Stephan. Heute also Luftgitarren-Clown. Was will er sich beweisen?“

056 Auf meine Frage, warum du nicht ständig im Fernsehen bist, bei „Kulturzeit“ o.ä., hast du recht karg geantwortet: „Das musst du das Fernsehen fragen, nicht mich.“

057 Andererseits bist du auf dem besten Weg, ein Star auf Twitter zu werden. Mich macht es müde, Tweets zu schreiben, kurze Einwürfe, Wortspiele, Aphorismen. Ich überlege mich dusslig. Du feuerst das so raus: Kommt diese Kurzform deinem Denken, Tempo, Kommunikationsbedürfnis am nächsten?

058 Sind deine Tweets allein für heute, jetzt? Sammelst du sie irgendwo, für ein Projekt – oder sollen sie flüchtig bleiben, verpuffen?

059 Auf deiner Website zitierst du Andy Warhol: „Besorgen Sie sich für jeden Monat einen Karton, werfen Sie dort alles hinein und kleben Sie ihn am Ende des Monats zu. Dann datieren Sie ihn und schicken ihn nach New Jersey rüber. Versuchen Sie, ihn im Auge zu behalten, aber wenn das nicht klappt und er verloren geht, ist das auch okay, denn dann gibt es weniger Sachen, über die Sie nachdenken müssen, und Sie sind eine weitere geistige Bürde los. Ich habe auch mit Schrankkoffern und überzähligen Möbelstücken angefangen, aber dann ging ich auf die Suche nach etwas Besserem, und jetzt tue ich alles in gleich große braune Pappschachteln mit einem farbigen Aufkleber an der Seite für den Monat des betreffenden Jahres.“ Sind Tweets und Facebook-Postings eine Möglichkeit für dich, „geistige Bürden“ auszusondern?

060 Du magst Quantified-Self-Projekte, Self-Tracking, Archive, Zettelkästen; protokollierst deine Bücher öffentlich via Goodreads, deine Songs via Spotify, deine Jogging-Routen via Runtastic. Welche Informationen, Bilder, privaten Standpunkte willst du auf keinen Fall im Internet gefunden wissen?

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stp 06 - Bildrechte Stephan Porombka

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061 2011 warst du ein halbes Jahr lang nicht auf Facebook, um (wem… dir selbst?) zu zeigen, dass das klappt. Warum hast du nie einen Text über diese Offline-Zeit geschrieben?

062 Warum schreibst du nicht dauernd Texte – über alle möglichen Medien-Erfahrungen und -Routinen? Dein Lese-Verhalten, dein Buchkauf-Verhalten, deine Sammel- und Archiv-Strategien entsprechen fast nie der Masse: Erklär uns, wie du Bücher findest / Zeitung liest / Bookmarks setzt / Zitate sammelst / Ideen ordnest…!

063 Würdest du auf eine Demonstration gehen? Skandieren?

064 Würdest du anders leben und arbeiten, wenn du kein Geld verdienen müsstest?

065 Würdest du lieber gegen eine Ente kämpfen, die groß ist wie ein Pferd – oder gegen hundert Pferde in Enten-Größe?

066 Die Enten-Frage wurde im Nerd-Forum Reddit diskutiert – und ich bin sicher, dass auch du sie längst gefunden, durchdacht, besprochen, neu verdreht hast: Ist dir dieses kulturelle Voraus-Sein, Bescheidwissen wichtig?

067 Hast du deine Uni-Kollegen und Altersgenossen abgehängt – oder überrumpeln dich Zukunft und Alltag noch genau so oft wie uns?

068 Du bist Experte für das Nächste: die nächsten Schreibformen, die nächsten „Schriftkulturen“. Bist du ein Hahn („Der Tag bricht an! Der Himmel stürzt ein!“) oder eine Eule („Noch ist es Nacht: Macht euch nicht verrückt!“)…?

069 Gibt es Dinge, deren Sterben / Verfall dir grade das Herz bricht?

070 Hast du Angst um die Verlagslandschaft, den Qualitätsjournalismus, die Kunstform Roman, die Künstlersozialkasse, Deutschlands kulturelle Vielfalt, regionale Zeitungen, kleine Buchhandlungen, Literatur-Literatur, Autorenkino, den Bachmannpreis, die Netzneutralität, die freie Theaterszene, die Haptik des guten alten Hardcovers und / oder die Schreib-Zukunft und das finanzielle Auskommen z.B. deiner Ex-Studentin Vea Kaiser, deren Roman „Blasmusikpop“ raubkopiert und von Buch-Piraten zum Download angeboten wird (Vea: „Was ihr hier macht, ist nichts anderes als Diebstahl. Und ihr schämt euch nicht einmal. […] Ist euch bewusst, dass ihr damit die Autoren versklavt?“)…?

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stp 07 - Bildrechte Stephan Porombka

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071 Denkst du, es läuft – so generell, im Wesentlichen, in der Kultur?

072 Kannst du dir vorstellen, ein Magazin oder ein Verlags-Imprint zu leiten und es richtig krachen zu lassen?

073 Schaust du mit deiner Tochter hippe All-Ages-Serien wie „Adventure Time“, „My Little Pony“ und „Yo Gabba Gabba“?

074 Fühlst du dich in der Geisteswelt der Weimarer Republik daheim? Salons? Flaneure? „Menschen am Sonntag“? Walter Benjamin? Egon Erwin Kisch?

075 Strengt es dich an, immer neuen Menschen ähnliche Sachen von vorne zu erklären? Wer sind deine idealen Zuhörer: Leute, die bei Null starten – oder Leute, die schon in den Diskursen drin sind? Erstsemester? Alte Hasen? Amateure? Experten?

076 Mit Texten / Büchern erreichst du viel mehr Menschen, als wenn du ein Seminar für 30 oder 40 Studierende gibst: Warum reißt du dir Beine aus – vor einem so kleinen, flüchtigen Kreis?

077 Stört dich, dass viele Uni-Projekte, die du betreut hast, in Kleinverlagen wie Glück & Schiller und der Edition Pächterhaus erschienen sind und schon nach zwei, drei Jahren vergriffen waren? Hatten diese Bücher ihren Zweck, zu ihrer Zeit – oder glaubst du, sie sollten online, als ebook usw. ein zweites Leben führen? Und, im Blick auf diese vielen Hildesheimer Selbstvergewisserungs- und Reflektions-Projekte: War dein Studium ähnlich prägend / aufreibend wie meines?

078 Viele deiner Monografien und eigenständigen Publikationen handeln davon, mit welchen Kniffen Menschen einen bestimmten (falschen) Eindruck erwecken wollen: „Felix Krulls Erben. Die Geschichte der Hochstapelei im 20. Jahrhundert.“ (2001), „Böse Orte. Stätten nationalsozialistischer Selbstdarstellung heute“ (2006). Welche Trickser, Inszenierungen stehen dir näher – die souveränen / erfolgreichen? Oder die gescheiterten?

079 Was ist der Kniff, der Clou, der große Trick an der Persona „Stephan Porombka, Professor für Kulturjournalismus“…?

080 Wenn dir Individualität so wichtig ist – warum fasziniert dich das Leben in Ameisenkollektiven?

stp 08 - Bildrechte Stephan Porombka.

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081 Im Frühsommer 2004, im zweiten Semester, fuhren wir nach Berlin, um mit Steffen Martus und Studenten der Humboldt-Universität am Web-Magazin www.lit04.de zu arbeiten. Ich hatte damals Angst, für ein Studium an der „Schreibschule“ Hildesheim viel zu wenig gelesen und verstanden zu haben: Du ludst uns in deine Wohnung, zu Kuchen, Fladenbrot und Hummus – und das größte Zimmer hatte eine fast zehn Meter breite, sehr hohe Altbau-Wand, verstellt von Büchern. Ich war entsetzt, erschlagen. Eingeschüchtert. Große Werkausgaben, Journalismus, Fachliteratur, neue Pop-Romane, ein Spider-Man-Sammelband, „Akira“, alle Sorten Klassiker und Exoten. Zwei Jahre vorher hatte ich Simone de Beauvoirs „Sie kam und blieb“ gelesen – und sogar DAS stand hier, in einem kleinen Bücherschrank, abseits, im Nebenzimmer. „Sie kam und blieb“ ist ein zerquälter, verkopfter, angestrengt psychologischer Roman über eine Künstler-Dreiecksbeziehung. Ich fand ihn toll – aber hätte schon damals fragen sollen: DU liest das? Du liest DAS? Warum dieses Buch? Die anderen 4000 Bücher in deiner Wohnung habe ich verstanden. Dieses eine nicht.

082 In Episode 20 von „Ally McBeal“ übernimmt Richard Fish die Verteidigung eines französischen Bistros, das einen Kellner wegen Heterosexualität gefeuert hat. Richard hält es für sinnvoll, dass Bistros gezielt schwule Kellner anwerben – weil Schwule kultivierter sind: „In ihrer Jugend sitzen sie die ganze Zeit herum und überlegen, warum sie schwul sind. Dann lesen sie Bücher. Das viele Lesen macht sie kultiviert.“ Warum hast DU so viel gelesen? Und welche persönliche Frage trieb dich in deiner Jugend um – und brauchte viel Zeit, beantwortet zu werden?

083 Ich kann recht gut mit einem Professor leben, der 20 Prozent cooler ist als ich. Doch deine Kalauer stacheln ständig Zweit- und Drittesemester-Gockel zu verzweifelten, schwitzigen „Herr Professor! Lass uns Buddies werden!“-Kampagnen an: Nerven dich all die Windhosen / Wirbelstürme aus angestrengter, gernegroßer Witzischkeit um dich herum? Jungs, die sich dir beweisen wollen?

084 Kannst du in Berlin auf die Straße kotzen, ohne Angst zu haben, dass ehemalige Hildesheimer zusehen?

085 Kannst du dir vorstellen, eine 11 oder 12 Jahre ältere Frau zu heiraten?

086 Du selbst hast Lehrbücher wie „Kritiken schreiben“ und „Werkstattgespräche mit Theaterkritikern“ verfasst, veröffentlichst selbst aber keine (kaum?) solcher Texte. Warum nicht?

087 Du trägst sehr auffällige Ringe, an beiden Händen. An einen (zusätzlichen) Ehering kann ich mich nicht erinnern – sind Ringe für DICH dir wichtiger als ein Ring für ein WIR?

088 Schreiber, Journalisten, Erzähler generell sind für dich Beobachter: Leute, die hinsehen, sich auf Fremdes einlassen. Wirst du wütend, wenn sich Autoren stattdessen Sachen aus dem Arsch ziehen? Dinge schönfärben, verdrehen, hübsch arrangieren?

089 Ich würde dich gerne als Reporter auf Hip-Hop-Konzerte, Liverollenspiele, Piraten-Parteitage, auf Elternabende, Jugendgottesdienste, zum Börsenverein des deutschen Buchhandels schicken: Welche Soziotope würdest du gerne als teilnehmender Beobachter besuchen / beschreiben?

090 Es gibt sehr viele Fotos, auf denen du Brotscheiben arrangierst, mit Sirup bemalst, dekorierst und verformst: Wärst du bildender Künstler – wäre Brot eins deiner Lieblingsmedien?

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stp 09 - Bildrechte Stephan Porombka
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091 Hast du das Gefühl, ich nehme dich mit diesen Fragen in die Mangel?

092 Wünschst du dir, ich würde dich stärker in die Mangel nehmen?

093 Würdest du lieber lesen, wie ich einer anderen Person Fragen stelle?

094 Ich war von 2003 bis 2008 in Hildesheim und habe über 20 deiner Seminare, Vorlesungen, Übungen besucht: „Jetztzeit“, „Der Literaturbetrieb“, „Ethnographisches Schreiben“, „Grundkurs Kulturjournalismus“, „Literatur und Arbeitswelt“, „Poetik des Sachbuchs“, „lit.radio“… Du selbst warst danach noch bis 2013 an der Uni. Wie liefen diese letzten fünf Jahre für dich weiter – eine Studenten-Generation, die ich höchstens von Facebook kenne? Hat sich das Bleiben gelohnt?

095 Warum wurdest du Vizepräsident der Uni? So viele Hildesheim-Bürohengste, mit denen du dich umgeben musstest, haben mich in ihrer schmierig-provinziellen Art an Autohändler erinnert. Was wolltest du bei diesen Menschen?

096 Im Januar 2013, in deinen letzten Wochen in der Stadt, stand ein Holzschnitt in deinem Büro: „Radikalität ist Menschenpflicht“. Das stand dort, weil…?

097 Ich brauchte fünf Jahre, um mich meiner Diplomprüfung zu stellen. 2008 hatte ich zu Ende studiert. Aber erst 2013 wollte ich Hanns-Josef Ortheil und dir mein Romanprojekt zur Bewertung vorlegen, „Zimmer voller Freunde“. Meine größte (akademische) Angst in diesen Jahren war, dass einer von euch sagt: „Wie abgeschmackt.“ Im ersten Semester, Anfang Februar 2004, nanntest du einen Text von mir „Trash“ – und ich kann Uni-Textwerkstätten über Prosa von Freunden erinnern, nach denen diese Freunde sagten: „Ich werde keine Prosa mehr schreiben. Das ist nicht meine Zukunft. Ich habe mich geirrt.“ Hast du Angst, dass deine Kritik Leute dazu bringt, ihr Schreiben aufzugeben? Und umgekehrt: Glaubst du, es ist deine Aufgabe als Professor, Studierende beim Schreiben zu halten? Ihnen Gründe zum literarischen Erzählen zu geben, wenn ihnen selbst keine mehr einfallen?

098 Die Website der Universität der Künste, wo du seit April 2013 unterrichtest, sagt, du bist jetzt Professor im Bereich „Verbale Kommunikation“. Was ist DAS für ein Eso-Selbsthilfe-Ausdruck…?

099 Gibt es Putzfrauen, Hausmeister, Busfahrer o.ä. aus zehn Jahren Hildesheim, die du sehr mochtest und vermisst?

100 Spielen? Kämpfen? Oder Arbeiten? Ich tippe – trotz allem – auf Arbeiten.

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stp - Bildrechte irgendwelche udk-kiddies
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verwandte Links:

[Interview] Wovon lebst du eigentlich…?

ab hier kultur 2013 wordpress

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Zwei Kulturjournalisten. Zwei Kontinente. Die gleichen Niedriglöhne und Existenzängste:

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Die Redaktion von „Kultur 2013“, dem Alumni-Magazin der Universität Hildesheim und ihrer kulturwissenschaftlichen Studiengänge, bat mich im Herbst 2013, einen Text zum Thema „Geld oder Liebe“ zu schreiben: Herzens-Projekte versus Auftrags-Arbeiten, schnöde Jobs versus Schreib- und Lebensziele, Pragmatismus versus Ideale. Der Text – ein langes Gespräch mit Kulturjournalist / Freelancer / Lieblingsmensch Max Mosher – erschien im Dezember 2013 (Link).
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Stefan Mesch (30) studierte in Hildesheim und schreibt heute für ZEIT Online und den Berliner Tagesspiegel. Er wohnt bei seiner Mutter auf dem Land und arbeitet an seinem ersten Roman, “Zimmer voller Freunde”. Max Mosher (28) liefert einem Stadt- und Kulturportal in Toronto seit Herbst 2012 wöchentlich drei lange Artikel über Mode und Kultur. Um Miete und Krankenversicherung zu finanzieren, jobbt er vier Tage pro Woche als Barista. Beide hadern mit prekären Perspektiven – bis Max die Taktik ändern will: ein Facebook-Chat über Ansprüche, Angst, enttäuschte Erwartungen.

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[Max] Ich überlege, ob ich den Absprung mache.

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[Stefan] Absprung von was?

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[Max] Freelance. Freier Journalismus. Die AIDS-Hilfe sucht jemanden für PR- und Öffentlichentlichkeitsarbeit: Pressetexte zu Studien, Social-Media-Zeug usw.

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[Stefan] Eine feste Stelle. Wenn das dein Ziel sein soll – okay. Aber denk dran, woher ich komme: Fast alle meine Hildesheim-Freunde stehen mittlerweile im Beruf. Ich kucke seit fünf Jahren zu, wie JEDER ein paar Monate lang versucht, sich als freier Autor durchzukämpfen… und dann “den Absprung macht”. Statt endlich Texte zu schreiben, die er immer schreiben wollte.

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[Max] Die Hürden sind zu hoch. Für freie Autoren ist alles zäh und unsicher.

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[Stefan] Ich kenne 50 tolle Schreiber / Journalisten. Von denen vielleicht… fünf (!) noch regelmäßig schreiben. Wie absurd ist das? Der Kulturjournalist, der grade am meisten und besten publiziert, kommt aus Toronto. Nicht aus meiner Schreib-Schule!

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[Max] Wenn ich Ideen für Artikel an Zeitungen pitche, kriege ich meist nicht mal Antwort. Nach einer Weile hören Leute eben auf, sich anzubieten. Trotz Talent.

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[Stefan] Wäre ich sauer auf jeden, der eine feste Stelle am Schreibtisch sucht, hätte ich keine Freunde mehr. Aber dass viele ganz aufhören, zu schreiben? Sich mit Büro- und Orga-Arbeit abfinden? Das ist doch beschissen!

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[Max] Ob ich mit Schreiben aufhöre, kann ich mir offen halten. Ich würde vor allem aufhören, meine drei wöchentlichen Mode-Texte an mein Online-Portal zu liefern.

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[Stefan] Falls du den Schreibtischjob bekommst: Wie viele Tage pro Woche wären übrig? Für dein Schreiben, deine Projekte? Ein oder zwei? Dann mach das AIDS-Ding. Aber “ab und zu, abends und am Wochenende”? Das klappt bei keinem, den ich kenne.

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[Max] Sie bieten eine Vollzeitstelle. Also Schreiben nur nach Feierabend. Aber Stefan? Das ist jetzt schon so: Ich arbeite meine drei Texte pro Woche ab und stehe im Café, für Mindestlohn. Ein fester Job wäre keine Hiobsbotschaft. Viel Zeit für Eigenes bleibt nie!

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[Stefan] Dann sprich mit Leuten, die solche Schreibtisch-Stellen besetzen: Haben sie noch Zeit für eine Autoren- oder Journalistenkarriere? Lohnt sich das, langfristig?

[Max] Hätte ich direkt mit 24 angefangen, frei zu schreiben, wäre ich wahrscheinlich etwas weiter. Aber ich wollte den Master, machte Praktika, wohnte daheim… und jetzt, mit 28, will ich mir diese Unsicherheit nicht mehr viel länger geben.

[Stefan] Ich muss immer an Erin denken und ihre Bier-Sache: Das darf dir nicht passieren.

[Max] Ich bin nicht Erin.

[Stefan] Na ja. Fast 10 Jahre lang studiert und jobbt sie auf der ganzen Welt. Jetzt fand sie diesen Brauerei-Job. Und hat plötzlich jeden Tag Angst, dass man sie feuert. Das scheint ein riesiger, persönlicher Kampf zu sein: Sie will um jeden Preis eine tolle Bier-Vertreterin werden. Aber wenn es klappt, was ist sie dann? Eine Super-Vertretin. Keine Super-Erin. Kämpft sie, um die Person zu werden, die SIE sein will? Oder wird sie nur die Sorte Handlanger, die am bequemsten und billigsten ist… für den Brauereikonzern?

[Max] Bitte hör auf, mich mit Erin zu vergleichen.

[Stefan]Okay – aber warum? Du magst sie. Ihr habt ähnliche Wünsche. Ihr seid ähnlich nervös, weil eure Arbeitgeber viel fordern.

[Max] Erin ist neurotisch.

[Stefan]Erin will, dass endlich jemand kommt und sagt: „Auf dich habe ich gewartet! DU hast mir gefehlt.“ Ein Mann. Oder ein Chef. Und tatsächlich kommen Leute. Aber sie sagen: „Ich liebe dich – wenn du anders wirst!“ oder „Pass dich gut an – DANN loben wir dich!“ Ich will, dass Leute anfangen, Erin zu mögen. Nicht Erins wachsende Bereitschaft, für alle genau das zu werden, was sie von ihr verlangen: Hauptsache, irgend jemand lobt sie. Für irgendwas.

[Max] Ich hoffe, von mir denkst du das nicht.

[Stefan]Du bist weniger gefallsüchtig. Weniger willig, dich zu verbiegen. Aber ihr wollt beide passen. Endlich dazugehören.

[Max] Die meisten von uns haben weniger Glück mit Auftraggebern und Redaktionen als du: Wir brauchen feste Jobs, um unsere Rechnungen zu zahlen. Meist sagen wir “Augen zu und durch!” und arbeiten irgendwo.

[Stefan] So viel “Glück” hatte ich nicht. Ich hänge hier in der Provinz und schlafe in meinem alten Kinderzimmer. Hätte ich große finanzielle Verpflichtungen wie ein WG-Zimmer in einer Stadt könnte ich nicht weiter schreiben, jeden Tag.

[Max] Auf jeden Fall würde mir die AIDS-Hilfe mehr zahlen als das Café. Ich könnte eine gute Sache unterstützen. Und notfalls kündige ich eben wieder.

[Stefan] Du hast bessere Umstände, besseren Lohn, ein besseren Alltag verdient: Du arbeitest wie verrückt, um finanziell auf eigenen Beinen zu stehen. Du lebst erwachsener als ich.

[Max] Aber wie lange soll ich rumkrebsen? Ohne Aussicht auf Festanstellung oder regelmäßige Aufträge? Das Portal zahlt 200 Dollar für drei Texte. Davon kann keiner leben. Ich habe keine Zeit, jede Woche fremden Redakteuren fünf eigenständige Ideen zu recherchieren, anzubieten – und wenn die Absage kommt, zu schreiben: Toll: Dann schicke ich gleich drei andere, neue!” Die Zeit und Energie, die solche Pitches kosten, brauche ich zum Geldverdienen.

[Stefan] Meine Regel ist, fünf Sachen zu versuchen. Fünf Leute anzuschreiben. Ich werde erst weinerlich, wenn volle fünf Absagen zusammen sind.

[Max] Du hast neulich zugegeben, dass Redakteure auf den Großteil deiner Ideen anspringen.

[Stefan] Wenn ich fünf Sachen probiere, klappen drei davon, früher oder später.

[Max] Glückwunsch. Dann stell dir vor, du müsstest Zeitschriften, die dir oft unsympathisch sind, ständig neue Vorschläge machen – meist ohne jedes Feedback, immer vergebens. Wenn ich keine Kraft für diese Scharmützel habe, ist der Krieg verloren. Aber langsam merke ich, wie bitter und negativ ich werde: So war ich nie. So ticke ich nicht!

[Stefan] Überleg länger, was DU willst. Nicht, was andere Leute von dir wollen. Die AIDS-Hilfe braucht keinen Max Mosher. Deine Ziele und Ansprüche haben dort keine Priorität.

[Max] Torontos Stadtmagazine brauchen keinen Max Mosher. Flare und Elle brauchen keinen Max Mosher. Niemand will mich drucken – und bezahlen.

[Stefan] Braucht Max Mosher Max Mosher?

[Max] Du meinst: Braucht die Person den Autor?

[Stefan] Ja: Muss diese Person schreiben? Ein Autor sein? Ist das nötig?

[Max] Tja. Das zeigt sich dann wohl bald.

[Stefan] Ich würde am liebsten für sechs Monate nach Toronto fliegen, Privatsekretär spielen und dir Artikel sichern.

[Max] Das muss ich selbst schaffen.

[Stefan] Dann sprich mit Leuten, die für Flare, Elle usw. schreiben und dir Tipps geben: Manchmal reicht Ausdauer. Stehenbleiben. Viele Konkurrenten geben einfach auf, mit der Zeit. Und viele Ex-Hildesheimer sind genauso talentiert als Journalist oder Autor. Aber sie schreiben nicht. Weil sie schneller Geld und Sicherheiten brauchen, oder keine Geduld mehr haben: Ich war umgeben von… Sängern. Viele sangen besser als ich! Aber nach und nach hören fast alle auf: ein Chor, immer dünner, leiser. Mit immer weniger Stimmen.

[Max] Alle hier freuen sich über die AIDS-Sache und wünschen mir Glück für die Bewerbung.

[Stefan] Die erste Bewerbung wird nicht klappen. Aber die dritte. Oder die fünfte. Ich kenne keinen, der einen Bürojob fand und danach wieder (glücklicher!) Freelancer wurde. Trotzdem sind sie zufriedener als direkt nach dem Studium. Und reicher.Vielleicht vermisse ICH es mehr, regelmäßig Texte von ihnen zu lesen, als SIE es vermissen, solche Texte zu schreiben.

[Max] Du glaubst so sehr an mein Talent. Sorry, dass das hier klingt wie ein Streit.

[Stefan] Ich hatte diesen “Streit” so oft: Wärt ihr ab morgen alle Hedge-Fund-Manager, ich würde euch trotzdem lieben. Blöd nur: Wenn DU die Förderanträge für die AIDS-Hilfe nicht schreibst, schreibt sie halt irgendwer. Aber wenn du keine Reportagen, Essays schreibst… werden diese Texte nie geschrieben. Das fehlt. Mir fehlt es. Immer mehr. Und dir?

[am nächsten Tag:]

[Max] Die Stellenausschreibung galt nur bis vorgestern. Sie wollten Bewerber mit IT- und Programmier-Kenntnissen. Alles bleibt, wie es ist.

ab hier kultur 01.

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Stefan Mesch lebt seit 2009 drei Monate im Jahr in Toronto, als freier Autor und Übersetzer; und neun Monate im leerstehenden Haus seiner toten Großeltern, in der Provinz bei Heidelberg. Texte unter stefanmesch.wordpress.com

Maximilian Mosher schreibt über Film- und Modegeschichte, Politik und Alltagskultur, u.a. für WORN Fashion Journal. 2012 bis 2013 schrieb er 130 Mode-Artikel für ein Online-Portal in Toronto. Jetzt sucht er neue Auftraggeber. Twitter: @max_mosher_

.2013 ab.hier.kultur Max Stefan.

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Was soll der #aufschrei, Mädels? Muss das sein…?

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Was soll der „#Aufschrei!“-Kram…?, mögen Skeptiker fragen.

Und ich verstehe die Frage: Sind ein PAAR blöde Sprüche, die man sich im Alltag halt so einfängt, als Frau… sooo eine Krise? Ist das einen „Aufschrei“ wert? Echt, jetzt…?

Ich glaube, schon.

Die Vorgeschichte ist HIER: „Während in den Medien die Sexismus-Vorwürfe gegen FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle thematisiert werden, veröffentlichen Twitter-Nutzerinnen seit dem späten Donnerstagabend ihre persönlichen Erfahrungen mit Alltagssexismus unter dem Hashtag #Aufschrei.“

Der Hildesheim-Bezug: „Eins steht fest: Die Diskussion ist in vollem Gange. Verantwortlich dafür ist Nicole von Horst, die unter dem Namen @vonhorst twittert. Sie verschickte den ersten Tweet zum Thema, prompt stieg eine andere Twitter-Nutzerin ein.“

..und der Blogpost (via: Bildblog / 6 vor 9), über den ich heute morgen auf die Aktion / Debatte aufmerksam wurde:

„Mädels, diese Opferrolle steht Euch nicht.“, schreibt ein Twitter-User. Und ich glaube, jeder von uns hat Bekannte, die mit den Augen rollen und sagen: „Echt, jetzt? DAS ist ein Aufschrei? DA fühlen sich Leute zu Opfern gemacht?“

…zum einen (Arschloch-Rhetorik!) fragen sich Skeptiker, ob Frauen „das nicht wollen, eigentlich“ – weil sie ja auch „ne Menge tun, um uns Männern zu gefallen! Kleidung, Gehabe etc.“ DIESES (Nicht-)Argument hat, zum Glück, endlich nen Namen. „Patriarchal Bargain“. Mehr hier. Lohnt sich:

Zum anderen aber gehts um Deutungshoheit: Schon WIEDER wer, der sich beschwert? Schon WIEDER wer, auf den wir Rücksicht nehmen sollen? Da könnte ja jeder kommen?! Sind die ALLE benachteiligt? Und wir müssen uns ändern – für DIE? Da geht’s doch nur um Macht. Kontrolle. Bevormundung! (Leserkommentare lesen – unbedingt!)

Privat / persönlich macht der „Aufschrei!“-Slogan für mich Sinn, ist die Debatte gerechtfertigt, weil hier „Microaggressions“ zusammengetragen und sortiert werden: Der kleine, alltägliche Scheiß. Der sich viel, viel zu schnell summiert.

Mehr hier. Kulturwissenschafts-Freunde? Benutzt den Begriff: nützlich und klug!

Und – zum Abschluss, von meiner Seite: Wenn ich als Leser / Zuschauer zwei, drei Sehrerfahrungen sammle, bei denen Frauen, Töchter, Mütter, Freundinnen eines Helden getötet werden, um die Handlung voran zu bringen, denke ich: „Tja. Okay – braucht mal halt manchmal: ein paar Opfer, um die Geschichte zu erzählen. DAS ist nicht gleich Sexismus.“

Wenn dasSELBE Konzept einen Namen kriegt… sortiert, geordnet und so benannt / definiert wird, dass in jedem Fall geprüft werden kann: „Musste Mausi nur sterben, damit der Held weiter Held sein kann?“ aber…

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…haben Gespräche – bei der nächsten toten Freundin im Fernsehen – ne andere Tiefenschärfe. Dass Aktivisten sagen: „DAS ist nicht ‚blöd gelaufen'“, „DAS ist nicht ’normal'“, „DAS ist nicht ‚halt so ne Kleinigkeit'“, sondern: „Freunde? DAS ist Alltagssexismus – und mir steht’s bis hier: #aufschrei“…“

..schärft unser Bewusstsein. Und „bringt“ auf jeden Fall was. So „läppisch“ die einzelnen Episoden vielleicht wirken, und so gerne viele Leute diese Debatte auch „hysterisch“ nennen würden.

Soweit von mir.

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mehr?

Dcnu / New 52: ALL new series, reviewed (updated)

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This September, DC Comics has relaunched their super-hero comic book line and started 52 new series (Link), with 52 easy-to-enter starting points.

On Twitter (Link to my profile, smeschmesch), I collected the buzz about each new series.

So here they are: very short Twiter statements about DC’s 52 new September comic books.

The surprises. The disappointments. And the must-reads!.

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Recommended:

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#dcnu #actioncomics: Liked ‚Smallville‘ and/or disliked normal, confident Supes? you’ll enjoy this. Clark = alienated, insecure, kinda jerk.

#dcnu #animalman: @JeffLemire might be DC’s best current writer. Buddy B. & family = great chars. Horror vibe, good art, great cliffhanger.

#dcnu #batgirl: @GailSimone has done it again: Interesting villain, nice psychology, sharp 1st issue. Old / new readers sound VERY pleased.

#dcnu #swampthing: everyone who’s ever cared about the horror concept or writer Scott Snyder sounds CRAZY happy/satisf. But buzz/new folks?

#dcnu #batwing: violent, gorgeous art, some complicated flashbacks… but lots of atmosphere & a good sense of Africa. Pleasant surprise!

#dcnu #staticshock: almost NO buzz about this: good art, nice concept, pleasant teen book. maybe comparable to ‚Blue Beetle‘?

#dcnu #batwoman: gorgeous art, tight narrative, lots of female chars: even with previous author @ruckawriter gone, hopes are VERY high. buy!

#dcnu #demonknights: medieval, good-natured, surprisingly funny. Colorful cast of chars, charming concept. Plus: cool females!

#dcnu #frankenstein: quirky, off-kilter, fun and exciting! more light-hearted than fan-favourite #animalman, but another @JeffLemire win.

#dcnu #greenlantern: BAM! interesting new conflict, good starting point, character development for hero Hal Jordan. everyone’s pleased.

#dcnu #resurrectionman: great writers, but not much buzz. old fans + nerdy readers loved it a LOT. so… very likeable. but not exciting?

#dcnu #greenlanterncorps: good art, smart writing, nice friendships and – Tomasi’s favorite – gore and horror. Not for kids. But excellent!

#dcnu #ivampire: vertigo-like, dark, smart and sexual. HUGE horror, but rooted in the DCU. not a girly or romantic or Twilight-like book.

#dcnu #allstarwestern: seamless transition for old fans of #jonahhex… AND one of the best books for new readers. atmosphere! charme! plot!

#dcnu #furyoffirestorm #firestorm: political! global! nerdy! violent! a cerebral, interesting reboot. plenty suspense (& race relations).

#dcnu #flash: tons of personality! AWESOME, lush retro art. some romance. some psychology. lots of charme. instant classic!

#dcnu #aquaman: ideal starting point, good writing/art. not very complex or original… but a rock-solid revamp. high expectations!

#dcnu #wonderwoman: great art, smart writing, break-out success: it’s a horror book with mythology, gods and gore. stylish & nightmarish!

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good, but some problems:

#dcnu #justiceleague: simplistic, boys-only, lots of inside jokes… but good art, dynamic banter and a cool first look at Superman.

#dcnu #justiceleagueinternational: old fans are happy / aflutter / enthusiastic; August General Iron has great scene. But new readers: meh.

#dcnu #menofwar: 2nd feature seems subpar. but everyone’s surprisingly engaged / happy with militaristic war comic. Deserves closer look.

#dcnu #hawkanddove: @SterlingGates did wonderful things with ‚Supergirl‘. High hopes! people annoyed over bad art + dorky concept, though.

#dcnu #superboy: new, fresh start/origin. clone drama! surprisingly well-written. and: new supporting chars from #gen13. problems: bad art.

#dcnu #grifter: dude comic about con man / old #wildstorm character running from alien conspiracy: fast-paced, violent, mediocre. no humor.

#dcnu #batmanandrobin: great creators (tomasi/gleason), fun psychology, fast start. but: gore + could be too convoluted for new readers.

#dcnu #legionofsuperheroes: no innovation. standard 30th century ensemble stuff, nice art, serviceable plot. could go either way. :-/

#dcnu #supergirl: pretty art, not much violence / exploitation and no need to know anything about the DCU. But too fast, flat, superficial.

#dcn #bop #birdsofprey: Katana? Ivy? Starling? what’s going on? big continuity riddles, much exposition/mystery. could still get good later.

#dcnu #batman: excellent author (Scott Snyder), but boring art and some crasser violence: it’s merely good – not excellent. still: hopes!

#dcnu #thedarkknight: style, motifs, twists AND atmosphere are SO similar to Scott Snyder’s new ‚Bat’series… feels like 2 parallel univ. ?

#dcnu #dcuniversepresents: Deadman story, mostly in continuity with ‚Brightest Day‘. seems stilted / 2nd rate. solid, but not very engaging.

#dcnu #nightwing: throwback to the Chuck Dixon era: good, straightforward, kinda childish Dick Grayson adventure. a little too bloody.

#dcnu #voodoo: amazing art, slow start, explosive cliffhanger. it’s well-written and deserves a look. but did heroine HAVE to be a stripper?

#dcnu #teentitans: no catastrophe (and solid #wondergirl), but not much happened + Marvel atmosphere + Superboy crossover. angry teens! meh.

#dcnu #superman: soft reboot, many character moments, likeable art, nice retro feel. FANS loved it. Newcomers found it dull and dated.

#dcnu #hawkman: painterly art, whiny hero, blood / gore, no Hawkgirl. Solid atmosphere & good set-up, but indeed very… savage + somber.

#dcnu #jldark #justiceleaguedark: eccentric, trippy, tons of cool characters. it’s a good start, but it’ll be a cult fav, no mainstream hit.

#dcnu #thedarkknight: style, motifs, twists AND atmosphere are SO similar to Scott Snyder’s new ‚Bat’series… feels like 2 parallel univ. ?

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mostly bad reviews:

#dcnu #tec #detectivecomics: business as usual, and not much love for writer Tony Daniels. Serviceable, but meh.

#dcnu #greenarrow: simplistic plot, Justin-Hartley-like de-aged Ollie, new supp. cast + more ‚Robin Hd‘ and ‚Million. Playboy‘ tropes: meh.

#dcnu #stormwatch: murky art, murky plot? new readers sound pretty insecure… but fans of @Paul_Cornell still have trust / high hopes.

#dcnu #misterterrific: VERY bad art, technobabble, murky. will change artist with 2nd issue, hasn’t found footing yet. #powergirl romance?

#dcnu #redlanterns: violent, silly, nonsensical. even #greenlantern fans not impressed. possible underdog / cult fav. bc of writer Milligan?

#dcnu #newguardians: weaker than GL & Corps. subpar art. not much plot: could get better later on… and #kylerayner still very likeable.

#dcnu #legionlost: murky, cookie-cutter, not very engaging. premise is good, execution isn’t. everyone: „will give it 1 or 2 issues, tops“

#dcnu #captainatom: okay art, okay concept. JTKrul is a simplistic, boyish, simpleminded writer, Atom a bland person. so… no sparks. 😦

#dcnu #bluebeetle: big disappointment. everything that was charming / unique about Jaime & friends now crass, shrewed, loud, flat, joyless.

#dcnu #catwoman: sex! sex! handjobs for Batman! nice art, but no taste, no style, no psychology. Selina deserves class & grace. trainwreck.

#dcnu #redhood: lovely colors, interesting team dynamics. But Starfire acts like hussy & there’s too much titilation / „totally radical“ bs.

#dcnu #blackhawks: #checkmate for stupid people! a covert ops team with a bright logo? eccentric, unprofessional soldiers? no humour. meh.

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sad and bad:

#dcnu #omac: big Kirby homage, much brawling/action + derivative art: seems like a 70ies comic. People disliked technobabble / Brother Eye.

#dcnu #deathstroke: worst comic so far? Slade is cruel, evil and snappy. art / writing / sensibility like bad 90ies book. crude. lazy. lame.

#dcnu #suicidesquad: inferior to #secretsix. bad writing. idiotic costumes. brain-dead changes. people feel embarassed: sub-par book.

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So that’s the collected buzz on Twitter and the comic book sites.

Please see my (more personal) recommendations of all new 52 books here (Link, TBA).

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in the meantime, please read: